Doctor Who 12x06

Doctor Who 12x06

In der Folge Praxeus der UK-Serie Doctor Who teilt unser Team sich auf, um Vorfälle auf drei Kontinenten zu untersuchen. Gibt es eine Verbindung zwischen einem verschwundenen Astronauten, merkwürdigen Verhaltensweisen von Vögeln in Peru und einem angespülten Besatzungsmitglied eines U-Boots?

Szenenfoto aus der Doctor-Who-Folge Praxeus (c) BBC One
Szenenfoto aus der Doctor-Who-Folge Praxeus (c) BBC One
© zenenfoto aus der Doctor-Who-Folge Praxeus (c) BBC One

Praxeus

Nachdem letzte Woche in Fugitive of the Judoon mit Captain Jack Harkness (John Barrowman) und einer mysteriösen, weiteren Inkarnation des Doctor mindestens zwei dicke Überraschungen auf uns warteten, die noch unaufgelöste Fragen nach sich zogen, geht es in dieser Woche mit Praxeus wieder „normaler“ zu. „Normal“ im Sinne von einem Fall der Woche - womit wir uns in Sachen Antworten auf die gerade erwähnten Fragen noch gedulden müssen. Aber auch „normal“ im Sinne von kennen wir so oder so ähnlich schon. Der letzte Punkt bereitet einem hier doch ein paar größere Sorgen, wenngleich das Abenteuer aus der Feder von Chris Chibnall und Pete McTighe (letzterer war in Staffel elf an Kerblam! beteiligt - in meinen Augen eine der besseren Episoden der Staffel) sicher kein schlechtes ist.

Also schaffen wir mal gleich ein paar Punkte aus dem Weg, die pauschal ein wenig sauer aufstoßen. Denn mal wieder steht nichts Geringeres als die ganze Menschheit (wahlweise zu ersetzen durch „Welt“) auf dem Spiel - offenbar eine Grundvoraussetzung für jede Folge. Mal wieder sitzt mit Graham (Bradley Walsh) einer der Begleiter unseres Doctor (Jodie Whittaker) hauptsächlich auf der Ersatzbank, während die Interaktionen im Team miteinander (auf dramatischer Ebene) recht spärlich ausfallen und mal wieder gibt es jede Menge Nebenfiguren, die größtenteils als Kanonenfutter dienen. Zusätzlich ließen sich noch der Umweltaspekt (wenn der nicht vorkommt, muss eine historische Figur präsent sein), der Teleporter oder die zahlreichen Locations erwähnen, obwohl die jetzt nicht in jeder Folge gegeben sind. Aber es zeichnet sich eine gewisse „Schablone“ für die Abenteuer des Teams TARDIS ab - was nicht gut ist. Denn gerade bei einer Serie wie Doctor Who sollte sich kein Muster erkennen lassen - schließlich bieten die Möglichkeiten von Zeitreisen und fernen Welten schon ganz allein so viel Potential, dass sich nichts oder nur wenig wiederholen müsste.

Auf der positiven Seite haben wir allerdings ein Abenteuer, bei dem sich anfangs gut miträtseln lässt. Dazu kommen zwei bis drei Nebenfiguren, die nicht nur dadurch, dass sie die Episode überleben, interessant sind. Außerdem bieten die drei Begleiter des Doctor hier auch wieder Pluspunkte, die sich teilweise durch die Aufteilung an verschiedenen Orten, teilweise durch Interaktionen mit den Gastfiguren und teilweise auch durch Interaktionen mit dem Doctor bemerkbar machen - obwohl das Potential nicht so ganz ausgeschöpft wird. Zuletzt wird der Umweltaspekt hier weniger mit dem Holzhammer angegangen, was mit Blick auf Orphan 55 schon sehr erfreulich ist - ein mahnender Monolog des Doctor bleibt uns jedenfalls erspart.

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Orte und Figuren

Die zahlreichen Orte (primär Peru, Madagaskar und Hongkong), zu denen es uns bereits am Anfang der Folge führt, lassen Praxeus von vornherein groß wirken. Ebenso die zahlreichen Gastfiguren, die an diesen Orten auftreten und scheinbar wichtig sind. Da haben wir Adam Lang (Matthew McNulty), Jake Willis (Warren Brown), Gabriela Camara (Joana Borja), Jamila Velez (Gabriela Toloi), Suki Cheng (Molly Harris) und Aramu (Thapelo Maropefela), die neben unseren Hauptakteuren aktiv sind und offenbar ein Teil des großen Ganzen sein sollen - ähnlich wie die Orte selbst, denn es gilt für den Doctor, Ryan (Tosin Cole), Yas (Mandip Gill) und Graham, einen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Vorgängen an diesen unterschiedlichen und weit voneinander entfernten Orten zu finden und somit das große Rätsel zu lösen.

Die Prämisse mit den unterschiedlichen Locations weiß dabei zu gefallen und auch die ersten Kontakte zwischen dem Team TARDIS und den Gastfiguren sind gut umgesetzt. So Dinge wie das Aufeinandertreffen von Ryan und Gabriela, bei dem zunächst davon ausgegangen werden kann, dass Gabriela zu einem love interest von Ryan werden könnte oder das Team-up von Yas und Graham mit Jake „Bruce“ Willis sind gute Aufhänger. Ähnlich wie die Zusammenarbeit von Suki und unserem Doctor, die sich offenbar sehr gut verstehen.

Szenenfoto aus der Doctor-Who-Folge Praxeus
Szenenfoto aus der Doctor-Who-Folge Praxeus - © BBC One

Im weiteren Verlauf macht sich allerdings bemerkbar, dass es nicht derart viele Locations und Charaktere gebraucht hätte. Einen toten Vogel hätte Ryan auch woanders finden können und das Labor von Suki (weshalb wird Adam noch dahingebracht? Sollte die TARDIS nicht besser geeignet sein?) wäre vielleicht in Hongkong besser aufgehoben gewesen, zumal die Aliens dort eine ähnliche Anlage in Betrieb haben. Ähnliches gilt für manche Gastfiguren, beispielsweise Jamila und Aramu, die abgesehen von ihren Todesszenen auch nicht viel zur Handlung oder zum Hintergrund der anderen Figuren beitragen. Okay, Jamilas abschließende Szenen sorgen schon für Gänsehaut (diese Augen!) und der Abgang von Aramu ist auch ein wenig schockierend - aber so richtig lernen wir beide nicht kennen, so dass die Dramatik hinter diesen Szenen nicht wirklich sitzt (Kanonenfutter eben).

An anderen Stellen hätte ich mir derweil eine Ausweitung der Beziehungen gewünscht. Ryan hätte ich an Gabrielas Seite gelassen, eben, weil sich da zu Beginn etwas abzeichnete, was mit der anschließenden Paarung Yas und Gabriela verpufft und später auch nicht wieder aufgegriffen wird. Grahams bedeutendste Szene ist das Gespräch mit Jake über dessen Beziehung mit Adam (wobei Jake und Adam ohnehin die wichtigsten Gastfiguren sind). Mit weniger Hin und Her, weniger Charakteren oder, sagen wir mal, mit einer Entschlackung der an sich überladenen Folge, hätten sich mehrere derartige (Charakter-)Momente unterbringen lassen.

Zuletzt will mir nicht so recht einleuchten, weshalb Suki sich gegen das Team stellt. Es ist doch in ihrem Interesse, dass eine Lösung gefunden wird. Zumal sie bis zur Offenbarung, wer sie ist, sehr intelligent dargestellt wird, schließlich aber nicht in Erwägung zieht, dass das (mögliche) Gegengift bei ihrer Spezies nicht oder anders wirkt? Passt nicht so ganz. Und natürlich haben die Aliens hier einen fatalen Fehler gemacht und sind mit ihren Experimenten (zur Lösungsfindung) viel zu unvorsichtig gewesen. Dennoch sind sie per se keine Bösewichte (das ist vielmehr die tödliche Erkrankung an sich), weshalb der Showdown am Ende irgendwie unnötig wirkt.

Szenenfoto aus der Doctor-Who-Folge Praxeus
Szenenfoto aus der Doctor-Who-Folge Praxeus - © BBC One

Handlung

Handlungstechnisch weiß - wie bereits angemerkt - hauptsächlich der Anfang zu gefallen, was sich bis zur Entdeckung des Bakteriums fortsetzt. Die Verbindung zum Plastik oder auch Mikroplastik würde ich als okay bezeichnen - wie gesagt, der Holzhammer ist hier eher ein Hämmerchen und wird glücklicherweise ein wenig besser in die Folge integriert, als es in einer bestimmten anderen Episode dieser Staffel bereits der Fall war.

Mitfiebern lässt sich derweil sehr gut mit Adam und Jake. Hier ist das Happy End auch keineswegs garantiert, zumal wir vorher bereits gesehen haben, wie einige Gastfiguren über die Klippe springen. Spannung kommt somit auf und das ist sicher ein Pluspunkt, der sich nicht von der Hand weisen lässt. Relativ spannend ist übrigens auch das Vorgehen von Yas, die offenbar auf Abenteuer und Entdeckung aus ist und dafür ihr Leben aufs Spiel setzt. Das weiß auf einer gewissen Ebene zu gefallen, wenngleich der Risikofaktor letztlich unangemessen hoch ist.

Insgesamt fängt die Handlung (sehr) gut an, verliert bis zum Ende aber deutlich an Momentum. Liegt vielleicht auch daran, dass ein Bakterium nicht unbedingt einen guten Gegner darstellt und der Showdown hier anderweitig gesucht werden muss. Grundsätzlich bin ich recht zufrieden mit den Geschehnissen, aber es wäre halt deutlich mehr (im kleineren Rahmen) drin gewesen.

Fazit

Diverse Parallelen zum Staffelauftakt oder Orphan 55 lassen Praxeus recht gemischt erscheinen, aber insgesamt sehe ich die Episode eher auf der positiven (wenn auch nicht herausragenden) Seite. Nach Fugitive of the Judoon ist es sicher auch nicht leicht, hier eine sehr gute nächste Folge abzuliefern, ohne auf die weiteren Fragen des großen Ganzen einzugehen. Insgesamt schlägt sich die Episode aber nicht schlecht und hat einiges zu bieten, weshalb ich mal dreieinhalb von fünf Sternen vergebe. Und Ihr?

Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der UK-Serie Doctor Who, Can You Hear Me? (12x07):

Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 4. Februar 2020

Doctor Who 12x06 Trailer

Episode
Staffel 12, Episode 6
(Doctor Who 12x06)
Titel der Episode im Original
Praxeus
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Sonntag, 2. Februar 2020 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 27. August 2020
Autoren
Pete McTighe, Chris Chibnall
Regisseur
Jamie Magnus Stone

Schauspieler in der Episode Doctor Who 12x06

Darsteller
Rolle
Bradley Walsh
Tosin Cole
Mandip Gill

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