Doctor Who 12x05

Doctor Who 12x05

In der Episode Fugitive of the Judoon der UK-Serie Doctor Who kehren altbekannte Aliens zurück, um einen Flüchtigen zu stellen - und gehen dabei über Leichen. Natürlich müssen unser Doctor und ihr Team einschreiten. Doch wer ist der Flüchtige und weshalb wollen die Judoon ihm ans Leder?

Szenenfoto aus der Episode Fugitive of the Judoon der UK-Serie Doctor Who (c) BBC
Szenenfoto aus der Episode Fugitive of the Judoon der UK-Serie Doctor Who (c) BBC
© zenenfoto aus der Episode Fugitive of the Judoon der UK-Serie Doctor Who (c) BBC

Fugitive of the Judoon

Was zur Hölle ist da gerade passiert? Haben Russell T. Davies und Steven Moffat die dieswöchigen Autoren Chris Chibnall und Vinay Patel entführt, um ein gemeinsames Skript abzuliefern? Anders kann man sich wohl kaum erklären, was in Fugitive of the Judoon vor sich geht. Captain Jack Harkness (John Barrowman) kehrt zurück (Davies) und wir werden Zeugen einer Geschichte, in der gleich zwei Doctors vorkommen - nur, dass keiner den anderen als vorherige Inkarnation erkennt (riecht nach Moffat). Während ich noch versuche, mein Hirn daran zu hindern, sich unter der Schädeldecke zu drehen, ist eines klar: Doctor Who schwingt sich - unerwartet und überraschend - zu neuen Höhen auf. Und das mitten in der Staffel!

Daher erst mal wieder runterkommen und nüchtern betrachten, wie die Folge startet. Nach dem zweiteiligen Staffelauftakt (siehe hier), der schon gut bis sehr gut war, ging es mit den Folgen drei und vier nicht wirklich gut weiter. Okay, vielleicht hat Nikola Tesla's Night of Terror mehr richtig gemacht, als ich im Review (aber nur vielleicht, denn insgesamt bin ich noch immer recht enttäuscht und werde mich nächstes Jahr vermutlich nur noch an Tesla erinnern). Aber ich schweife ab. Die Judoon sind zurück und darauf aus, einen Flüchtigen zu fangen, der sich auf der Erde versteckt. Nach den anfänglichen Szenen ist sogleich Lee (Neil Stuke) in Verdacht, der Gesuchte zu sein. Aber es ist alles viel komplizierter...

Als das Abenteuer startet, sieht jedenfalls vieles wie „Malen nach Zahlen“ aus. Ein Platoon bekannter Gegner/Söldner/Weltraumpolizei - auch bekannt als die Judoon - versucht, in Gloucester jemanden zu stellen, geht dabei recht tödlich vor und ergo gibt es Interventionen vom Doctor (Jodie Whittaker) und ihrem Team. Dass Graham (Bradley Walsh) recht früh verschwindet, könnte da noch theoretisch mit den Judoon zu tun haben. Dass Yas (Mandip Gill) und Ryan (Tosin Cole) später auch weggebeamt werden, schon weniger. Offenbar greift hier jemand ein, der mit dem aktuellen Abenteuer nichts zu tun hat. Doch die Geschichte mit den Judoon und dem Flüchtling, welcher sich schließlich als Ruth (Jo Martin) entpuppt, scheint noch immer zu einem gewöhnlichen Abenteuer zu gehören.

BBC One
BBC One - © BBC One

Und plötzlich, siehe da, entpuppt sich Captain Jack Harkness als derjenige, der das Team TARDIS zu sich geholt hat - obwohl er eigentlich den Doctor sprechen wollte. Die Achterbahnfahrt der Überraschungen und Wendungen beginnt, worin schließlich auch Ruth (Jo Martin) involviert ist, deren Identität es zu ergründen gilt und die schließlich für die größte Überraschung dieser Woche sorgt. Nebenbei wird die Geschichte um Gallifrey mit eingebaut und zu guter Letzt stehen wir mit zahlreichen Fragezeichen vor den abschließenden Credits. Gleichzeitig ist da aber auch das Gefühl, den Auftakt zu etwas Großem gesehen zu haben (wenngleich die Verwirrung vorerst bleibt).

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Judoon Platoon Near the Moon

Der Trailer zur Folge suggerierte es bereits und der Beginn des Abenteuers lullt uns geradezu ein: Die Judoon sind zurück und sorgen für Ärger, während die Hauptnebenfiguren aus Ruth, Lee und Allan (Michael Begley) zu bestehen scheinen - denn die stehen allesamt in Beziehung zueinander. Das erste Anzeichen, dass hier etwas nicht stimmt, ist (neben Grahams Verschwinden) der frühe Tod von Allan. Zu diesem Zeitpunkt kann man zwar noch der Meinung sein, eine eher gewöhnliche Geschichte zu erhalten, doch gleichzeitig tauchen erste Zweifel daran auf.

Tatsächlich sind die Judoon bloß ein Ablenkungsmanöver der Autoren, führen uns auf eine falsche Fährte und werden schließlich zu Nebenrollen, die kaum Einfluss auf die Geschichte haben. Ja, sie sind natürlich eine Bedrohung und lassen nur schwerlich mit sich diskutieren, aber mit Blick auf den weiteren Verlauf werden sie immer unwichtiger und sind schließlich bloße Handlanger von Gat (Ritu Arya) und dem mysteriösen Auftraggeber, der hinter allem zu stehen scheint (hmm, vielleicht der Master?)

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Ruth

Ruth steht schon zu Beginn im Mittelpunkt und wird äußerst sympathisch vorgestellt, während wir in Lee sogleich die Zielperson der Judoon vermuten können. Ihre Geschichte ist es, die es zu ergründen gilt, und da liefert die Folge verdammt gut ab. Dieser Handlungsbogen ist es, der uns interessiert und von dem wir später auch die meisten Überraschungen erhalten sollen.

Das Zusammenspiel mit unserem Doctor weiß dabei zu gefallen. Sowohl „vorher“ (als wir noch nichts über ihre wahre Identität wissen) als auch nachher (wenn wir wissen, wer sie wirklich ist). So ein bisschen erinnert das an die Folge Human Nature mit dem zehnten Doctor (David Tennant), der sich dort auch verstecken musste und nicht mehr wusste, wer er wirklich ist. Der Unterschied hier ist aber, dass wir die wahre Identität von Ruth zunächst nicht kennen, während wir in besagter Episode durchweg wussten, dass es sich um den Doctor handeln muss.

Insofern sitzt die Überraschung auch und die quälende Frage, die am Ende bleibt, bezieht sich erneut auf Ruths Identität. Denn wir haben diese Inkarnation des Doctors vorher noch nie gesehen und die Regenerationen verliefen bislang quasi lückenlos - „quasi“, weil mit der Inkarnation von John Hurt - dem sogenannten „War Doctor“ - ein bisschen geschummelt wurde. Aber selbst dort gab es genug Erklärungen zum jeweiligen Wie und zum jeweiligen Warum. Weshalb ich das Thema „Time War“ hier ausschließen würde - ich glaube kaum, dass Showrunner Chris Chibnall sich da herantraut.

Wie also lässt sich die Identität von Ruth erklären? Unser Doctor meint am Ende, dass sie in der Vergangenheit liegen muss, weil Gallifrey, nun ja, nicht mehr ist. Unsereins glaubt da eher an eine Parallelweltengeschichte oder, dass Ruth ein zukünftiger Doctor ist, der nach einer möglichen (weiteren) Rettung Gallifreys als neue Inkarnation in Erscheinung tritt. Bei letzterer Lösung würde sich aber trotzdem die Frage stellen, weshalb sie sich nicht an Jodie Whittakers Inkarnation erinnern kann. Das wären meine Überlegungen an dieser Stelle. Wie sieht das bei Euch aus?

Captain Jack Harkness und Team TARDIS

Zunächst ist die Rückkehr von Captain Jack mal eine sehr gelungene Überraschung. Vielleicht nicht ganz so überraschend, wenn man vor Augen hat, dass ein gewisser Chris Chibnall auch bei Torchwood ein paar Skripte abgeliefert hatte. Dennoch: „Captain Jack is back!

Diese Offenbarung ist schon ein verdammt großer Schritt, zumal Torchwood im Nirvana vor sich hinschlummert und Jack Harkness sehr, sehr lange abwesend in Doctor Who war. Jetzt ist er zurück und hat eine Warnung für den Doctor parat. „Beware the lone Cyberman.“ Obendrein steht (mal wieder) das gesamte Universum auf dem Spiel. Ob es hier einen Zusammenhang zu Gallifrey und dem Master gibt, bleibt noch abzuwarten, dürfte aber recht wahrscheinlich sein.

Unterm Strich ist es nur diese eine Botschaft für den Doctor, die Jack ins Spiel bringt. Dennoch waren seine Momente mit Graham, Ryan und Yas ziemlich köstlich und lassen auf mehr hoffen. Dass es dieses „Mehr“ noch nicht gibt, lasse ich mal geschmeidig unter den Tisch fallen. Der Auftritt allein war schon genug.

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Team TARDIS

Der Anfang bringt das Geschehen - hoffentlich übergreifend - ins Rollen. Denn die Begleiter des Doctor versuchen in den ersten Minuten dieser Folge, sie zur Rede zu stellen. Leider funken die Judoon dazwischen, aber zweifelsohne ist Graham, Ryan und Yas nicht entgangen, dass unseren Doctor etwas beschäftigt (=Gallifrey). Dass sie den Master sucht, ist nur allzu verständlich. Und ihr „It's personal!“ schon fast zu viel.

Diese Szenen in den ersten Minuten sind als Rahmenhandlung mit Wink zur großen Frage, wie unser Doctor die Heimatwelt retten will, durchaus angebracht. Der Doctor wirkt hier relativ kalt und will es am Ende auch sein. Aber sie hat eben nicht damit gerechnet, dass ihre Begleiter da schon einen Schritt weiter sind. Vor allen kann Ryan hier am Ende punkten, aber auch Yas und Graham sind sich einig. Sie werden unserem Doctor (als Familie) zur Seite stehen. Mehr kann sich ein Time Lord oder eine Time Lady nicht wünschen - egal, was jetzt kommt, egal, wie groß die Bedrohung ist - wir stehen dem zusammen entgegen. Großartig.

Fazit

Mir fehlen die Worte. Fugitive of the Judoon führt uns zunächst hinters Licht, um anschließend eine Achterbahnfahrt an Überraschungen und Wendungen zu präsentieren. Die Folge selbst mag da noch vergleichbar dünn erscheinen, steigert aber mit jeder Minute den Drang nach einer Auflösung, welche uns (noch) vorenthalten wird. Ich bin geflasht und hoffe auf Großes. Mein jüngeres Ich würde wohl fünf Sterne vergeben. Aber ich bin vorsichtig, weil erst mal nur vieles in Bewegung gesetzt wird, aber letztlich die Resultate noch abgeliefert werden müssen. Von mir gibt es daher viereinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?

Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode, Praxeus (12x06), der UK-SerieDoctor Who:

Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 28. Januar 2020

Doctor Who 12x05 Trailer

Episode
Staffel 12, Episode 5
(Doctor Who 12x05)
Deutscher Titel der Episode
Im Taumel der Zeit
Titel der Episode im Original
Fugitive of the Judoon
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Sonntag, 26. Januar 2020 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 20. August 2020
Autoren
Vinay Patel, Chris Chibnall
Regisseur
Nida Manzoor

Schauspieler in der Episode Doctor Who 12x05

Darsteller
Rolle
Bradley Walsh
Mandip Gill
Tosin Cole

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