Doctor Who 11x11

© zenenbild der „Doctor Who“-Episode „Resolution“ (c) BBC One
Resolution
Resolution bricht mit einigen Traditionen, was nicht nur den Sendetermin des Specials betrifft. An sich wäre das nicht schlimm, schließlich ermöglicht ein solcher Bruch frischen Wind und eine neue Vorgehensweise, wie es mit der elften Staffel ohnehin schon praktiziert wurde. Was dem einen dabei sauer aufstößt, mag dem anderen gefallen. Aber wenn ich ehrlich bin, gefällt mir doch so einiges am Neujahrsspecial weniger, obwohl die Episode selbst sehr unterhaltsam daherkommt...
Das fängt bei kleineren Details an. Beispielsweise, wenn UNIT nicht mehr existiert, weil angeblich die Gelder fehlen. Ob nun augenzwinkernd dabei auf den Brexit geschaut wird (was wohl für kaum einen Briten witzig sein dürfte) oder nicht, spielt keine Rolle. Aber UNIT untersteht den Vereinten Nationen und war in der Vergangenheit viel zu wichtig (und zu umfangreich), um einfach abgesägt zu werden. Da wird für einen (fragwürdigen) Schmunzler mal eben ein nicht unwesentlicher Bestandteil der gesamten Reihe - der sich zudem über die Jahre noch weiterentwickelt hatte - zu den Akten gelegt und das ärgert mich. Der Doctor (Jodie Whittaker) erhält folglich keine Hilfe von Kate Stewart (Jemma Redgrave), deren Schicksal nicht weiter ausgeführt wird. Warum nicht einfach wortlos auf UNIT verzichten, wie bei anderen Abenteuern auch?
Die größeren Details betreffen derweil den Dalek, der als „Recon Scout" (Aufklärer) enorm vom Rest seiner Spezies abweicht und Fähigkeiten besitzt, die viel zu fantastisch wirken. Mechanische oder Designveränderungen lassen sich mitunter einfach schlucken, da haben wir über die Jahre auch schon jede Menge gesehen und erlebt - verschiedene Größen und Farben der Salzstreuer zum Beispiel. Insofern ließe sich auch leicht ein fliegender Dalek verkraften (schweben konnten sie ohnehin schon) und selbst die Aufstockung mit Raketen akzeptieren, wenngleich man sich da sofort fragt, wie viel Platz der Kreatur im Inneren dann noch bleibt. Aber in diesem Special wird maßlos übertrieben, was die Kreatur betrifft.
Zerstückelt in drei Teile, die über die Welt verstreut wurden, für mehrere Jahrhunderte begraben und dann noch ein bisschen UV-Licht sorgt also für eine wundersame Zusammenfügung der Überreste samt Wiederauferstehung? Come on... Von den ganzen anderen Eigenschaften fange ich besser erst gar nicht an. Positiv hervorheben lässt sich eigentlich nur, dass dieser eine Dalek jetzt wieder enorm gefährlich wirkt, denn das hatten wir schon länger nicht mehr.
Blockbuster
Aber genug ge-ranted. Lassen wir uns mal auf das Abenteuer ein und schauen, ob es generell funktioniert. Denn, wie bereits angemerkt, ist die Folge durchaus unterhaltsam und kommt einem kleinen Blockbuster gleich, der obendrein einen passenden Abschluss zur elften Staffel liefert und The Battle of Ranskoor Av Kolos mühelos hinter sich lässt.

Schon rein optisch wird eine Menge geboten. Verschiedene Locations und gute bis sehr gute Effekte lassen vermuten, dass man sich Resolution einiges hat kosten lassen. Bei der musikalischen Untermalung mögen sich die Geister derweil ein wenig scheiden, aber für meinen Geschmack ging das in Ordnung.
Das Wörtchen Blockbuster hat allerdings immer einen negativen Beigeschmack. Nicht selten wird damit auch hirnlose Action verbunden, bei der Drama und Logik auf der Strecke bleiben. Glücklicherweise trifft dieser Faktor nicht besonders stark auf die Episode zu, denn Autor Chris Chibnall vergisst seine Charaktere nicht (jedenfalls nicht alle) und liefert abseits der Action genug ruhige Momente, die sich den Figuren widmen. Wenn der Dalek allerdings irgendwo im Nirgendwo landet, um von ein paar Soldaten empfangen zu werden, fragt man sich schon, woher die überhaupt wussten, wo sie hin mussten und wer sie geschickt hat (UNIT kann es nicht gewesen sein). Hier ist das anschließende Spektakel tatsächlich recht hirnlos und nur um des Spektakels willen vorhanden.
Ein paar Storyelemente muten zudem merkwürdig an. Wie konnte unser Team eingangs beispielsweise nicht bemerken, dass Lin (Charlotte Ritchie) den Dalek-Aufklärer auf dem Rücken trägt? Richtig, der macht sich platt wie eine Flunder, Lin zeigt noch kein abnormes Verhalten und der Doctor kommt nicht auf die Idee, sie zu scannen. Zweckdienlich für die Kreatur, aber auffällig zusammengeschustert, um zu verbergen, was wir zu dem Zeitpunkt bereits ahnen. Ein zweites, unstimmiges Storyelement wäre das hübsch bebilderte Buch, welches Mitch (Nikesh Patel) besitzt. Schon sehr komfortabel, wenn man einfach mal nachschlagen kann, was damals alles passierte. Wer das wohl geschrieben und gemalt hat...?
Figuren
Die beiden Gastfiguren Lin und Mitch wissen zu gefallen. Patel und Ritchie haben von Beginn an eine gute Chemie miteinander, womit sich die jeweiligen Rollen prima verkaufen. Mitch mag im weiteren Folgenverlauf ein wenig in den Hintergrund geraten, aber dafür bekommt Lin sehr viel zu tun. Wie Ritchie dabei zwischen Dalek und Lin hin- und herwechselt, weiß jedenfalls zu überzeugen.
Aaron (Daniel Adegboyega) ist da schon ein wenig problematischer. Besonders beim ersten Gespräch im Café mit seinem Sohn Ryan (Tosin Cole) fehlt mir dann doch das gewisse Fünkchen. Beide Darsteller sind zwar klasse und vor allem Ryans Worte, die er von Aaron erwartet, lassen gut mitfühlen. Aber unterm Strich bleibt bei mir der Eindruck zurück, nur zwei Darstellern dabei zuzuschauen, statt die tatsächlichen Figuren vor mir zu haben. Dass außerdem Graham (Bradley Walsh) ein Gespräch mit Aaron führt, während der Rest des Teams mit der TARDIS abdüst, ist ein bisschen arg konstruiert. Immerhin hatte er eingangs die Tür vor Aarons Nase wieder zugeschlagen. Da hätte ich einen etwas anderen Verlauf erwartet, wenngleich Walsh es versteht, auch hier jede Zeile Dialog und jede Geste stimmig herüberzubringen.

Was unser Team betrifft, kommt Yas (Mandip Gill) mal wieder zu kurz. Aarons unverhoffter Besuch beschert halt nur Ryan und Graham die Möglichkeit, abseits des Abenteuers noch eine Nebenhandlung zu haben, die den Familienverhältnissen gewidmet ist. Beim Abenteuer selbst sind zwar alle dabei und die jeweiligen Einsätze vergleichsweise gut ausbalanciert, aber irgendwie ist es schon bezeichnend, wenn diese Woche eine Gastfigur länger in Polizeiuniform zu sehen ist als Yas im Verlauf der gesamten Staffel.
The Doctor
Im Grunde genommen könnte ich hier den gleichen Text wie bei dem letzten Review schreiben. Unser Doctor redet einfach zu viel und was dabei unverhältnismäßig oft passiert, ist eine Wiederholung dessen, was eine andere Figur gerade gesagt, hat oder einfach eine Be- oder Umschreibung dessen, was wir gerade sowieso gesehen haben. Beispiel: Graham vermutet zu Beginn, dass die Kreatur jetzt im Wasser ist. Daraufhin der Doctor: „It looks like it slid down this wall and into the water.“ Ein Beispiel für den anderen Fall wäre der Kommentar des Doctors, nachdem der Dalek auf die Kameras geschossen hat: „It's shooting at the cameras to stop us tracking it.“
Derartige Kommentare braucht es einfach nicht. Wenn der Doctor laut denkt und versucht, einen Plan auszuarbeiten, ist das okay. Dann möchte ich sogar wissen, was sie gerade denkt. Aber die beiden Beispiele zeigen, wie repetitiv manche Zeilen sind. Als wenn Chibnall Angst davor hätte, der Zuschauer könnte etwas verpasst haben und deshalb aus dem Doctor einen Erzähler machen würde. Unnötig.
Abgesehen davon hat mir bei den Dialoggefechten mit dem Dalek die Überlegenheit des Doctors gefehlt. Wie cool wäre es gewesen, wenn sie dem Aufklärer erzählt hätte, dass es da draußen keine Flotte der Daleks mehr gibt, die kontaktiert werden könnte? Eleventh (Matt Smith) hat in The Eleventh Hour die Atraxi verbal in die Flucht geschlagen (siehe hier). Ein solcher Moment fehlt mir bei Whittakers Doctor noch und Resolution verpasst es leider, das nachzuholen, obwohl die Gelegenheit vorhanden war.
Das klingt jetzt nach viel Meckerei, ist aber keineswegs als solche gemeint. Denn trotz dieser Kritikpunkte gefällt mir der neue Doctor und ohnehin liegt es an den Autoren, unserer Time Lady die nötigen besonderen Momente zu verschaffen. Schließlich kann Whittaker auch nur das spielen, was ihr gegeben wird. Hoffen wir mal, dass da in der nächsten Staffel eine Verbesserung eintreten wird.
Fazit
Wieder einmal ist die Episode ziemlich schwierig zu bewerten. Im Vergleich zur letzten Folge hat mir das Special allerdings deutlich besser gefallen und hätte sich, wie bereits geschrieben, gar als Staffelfinale angeboten. Langeweile kommt jedenfalls keine auf, doch es lässt sich bei genauerer Betrachtung eben doch wieder einiges kritisieren. Je nachdem, wie stark man diese Schwachpunkte gewichtet, ergibt sich da eine ganze Skala für die Wertung. Ich gehe da mit meinem Bauch und lasse die oben erläuterten Schwächen mal nicht so wild sein. Vier von fünf Sternen.
Hier kannst Du „Doctor Who: Resolution“ bei Amazon.de kaufen
Verfasser: Christian Schäfer am Mittwoch, 2. Januar 2019Doctor Who 11x11 Trailer
(Doctor Who 11x11)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 11x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?