Doctor Who 11x10

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The Battle of Ranskoor Av Kolos
Der Titel der Doctor Who-Folge deutet eine große Schlacht an und da wir gerade Staffelfinale haben, lässt sich auch annehmen, dass uns eine große Schlacht präsentiert wird. Dem ist aber nicht so. Vielmehr haben diverse Schlachten bereits stattgefunden, womit unsere Protagonisten hauptsächlich damit beauftragt werden, Geiseln zu befreien und sich mit der größeren, zunächst rätselhaften Bedrohung auseinanderzusetzen. Es gibt zwar tatsächlich einige Feuergefechte, aber die sind größtenteils belanglos, werden sogar humoristisch angegangen, wenn Graham (Bradley Walsh) und Ryan (Tosin Cole) sich einfach ducken und die Angreifer sich dadurch gegenseitig ausschalten.
In Sachen Bösewicht kommt mit Tzim-Sha a.k.a. Tim Shaw (Samuel Oatley) - der Gegner aus dem Staffelauftakt - zurück, was in gewisser Weise den (Staffel-)Bogen schließt und womit gerade Graham vor eine moralische Entscheidung (Rache oder nicht) gestellt wird, die es mit dem Doctor (Jodie Whittaker) und Ryan zu diskutieren gilt. Dieser Teil ist durchaus nicht schlecht, liefert er doch den nötigen Biss für die Episode. Aber letzten Endes sind da noch Andinio (Phyllis Logan) und Delph (Percelle Ascott), die Herrn Shaw erst seine Macht verleihen.
Denn der wird von seinem ersten „Aufschlag" vor 3407 (man beachte die Sieben!) Jahren an als Schöpfer der Ux betrachtet, mit anderen Worten als Gottheit akzeptiert. Gut möglich, dass „Ux" ein Buchstabierfehler ist und diese außerirdische Rasse tatsächlich „Ox" (dt.: Ochse) geschrieben wird. Wäre zumindest eine Erklärung dafür, weshalb vor allem Andinio so naiv davon ausgeht, den großen Schöpfer vor sich zu haben, dessen Befehle es zu befolgen gilt. Was hier jedenfalls sehr deutlich stört, ist eine ausbleibende Erklärung dafür, weshalb Shaw den Status genießt, den er innehat.
Religionen mögen zwar zuweilen seltsam sein und der Glaube daran zu den absonderlichsten, inhumanen Taten verleiten. Aber Schreiber und Showrunner Chris Chibnall verpasst es hier einfach, das Thema mit den nötigen Noten zu versehen. Also, den offensichtlich religiösen Fanatikern irgendeine Art von Glaubwürdigkeit oder Nachvollziehbarkeit zu verschaffen. Dabei würde man meinen, dass mehr als 3000 Jahre ausreichen sollten, um zumindest einmal den entsprechenden Gott aufzufordern, seine Eigenschaften (als Schöpfer) an den Tag zu legen. Von daher wird die Thematik zwar kurz angerissen, aber sehr unbefriedigend eingebaut. Obendrein lassen Andinio und Delph sich später vom Doctor viel zu schnell überzeugen, dass sie einem falschen Gott gefolgt sind. Insofern ein doppeltes Fail.
Graham und Ryan

Diese beiden Figuren bleiben die besten Begleiter dieser Staffel. Hier lassen sich auch die meisten Entwicklungen finden, die selbstredend im mehrfach angedeuteten Fistbump enden (wobei sich für diese Geste vermutlich ein besserer Zeitpunkt hätte finden lassen). Ryan, der zu Beginn der Staffel noch recht gewaltbereit war, darf Graham ins Gewissen reden und dessen Rachemotive hinterfragen. Und das, obwohl Ryan sicher ähnlich stark wie Graham daran liegen dürfte, den Tod von Grace (Sharon D. Clarke) zu rächen.
Graham auf der anderen Seite nimmt den Doctor anfangs zur Seite und erläutert, was er mit Shaw vorhat. Ein No-Go für unsere Time Lady, die ihn im Fall der Fälle nicht mehr an Bord dulden wird. Aber diesen Preis scheint Graham durchaus zahlen zu wollen, woran auch Ryans Worte erstmal wenig ändern können. Unser Vorteil ist es, dass wir Graham verstehen können - unter anderem auch mit Blick auf die aktuelle Lage, die nur deshalb so brenzlig ist, weil Shaw noch existiert. Aber sollte er Shaw tatsächlich töten, wenn er die Chance dazu erhält? Moralisch richtig wäre ein deutliches „Nein!", aber andererseits, nun ja, könnte man es ihm kaum verdenken, wenn er doch den Abzug betätigen würde.
Einmal mehr wird jedenfalls deutlich, was für eine Bereicherung Walsh für die Serie ist. Er transportiert die Entschlossenheit Grahams bis zum Ende, wo sich tatsächlich eine Gelegenheit ergibt, Shaw den Garaus zu machen. Letztlich bringt er es nicht fertig und ist damit der „better man". Aber die Mimik, die Walsh dabei an den Tag legt, ist unbezahlbar. Wir sehen, wie Graham mit sich hadert und doch noch die Kurve kriegt. Vielleicht ein zu erwartendes Ergebnis, aber mit Blick darauf, dass es das Staffelfinale ist (wo hier und dort mal Begleiter ade sagen müssen), keineswegs selbstverständlich.
Kurze Anmerkung zu Shaw: Hmm. Was ist jetzt eigentlich schlimmer? Sterben oder auf ewig gefangen im eigenen Gefängnis? Zwar ist die Strafe durchaus gerechtfertigt, aber irgendwie auch schlimmer als der Tod. Jedenfalls, wenn ihn niemand befreien sollte, was ja doch passieren könnte.
Weitere Charaktere

Bei Yas (Mandip Gill) bin ich irgendwie nicht viel weiter als zu Beginn der Staffel. Klar, wir haben ein wenig über sie und ihre Familie im Staffelverlauf erfahren und aus uns unbekannten Gründen scheint der Doctor doch mehr für sie übrig zu haben, als für die anderen Begleiter - was wir diese Woche auch wieder sehen können, vor allem im Schlussakt. Aber bei ihr fehlt mir einfach noch das Fleisch auf den Knochen des Charaktergerippes. Aktivität allein ist eben nicht alles, auch wenn sie eindeutig in unser Team gehört und wesentlicher Bestandteil davon ist. Charaktertechnisch bleibt sie jedenfalls hinter Ryan und Graham zurück, was recht schade ist und auch im Finale wieder auffällt.
Gastdarsteller Mark Addy ist als Greston Paltraki eine ähnliche Wucht, wie als Herkules in Atlantis (ja, ich mochte die Serie). Vielleicht gelingt es dem Doctor anfangs zu leicht, ihn zu überzeugen. Aber Paltraki ist nicht nur storytechnisch wichtig, sondern wird auch als Charakter gekonnt formiert. Hier haben Chibnall und Jaime Childs ein gutes Händchen und Addy die nötigen Qualitäten, um der Figur Leben einzuhauchen. Weshalb das bei Andinio und Delph nicht ähnlich gelingt, ist mir ein Rätsel.
Zuletzt seien in diesem Abschnitt noch die befreiten Gefangenen erwähnt. Rettung und anstehende Flucht hin oder her, aber die sind doch allesamt Soldaten, die nur deshalb auf dem Planeten gelandet sind, um die größere Bedrohung auszuschalten, oder? Irgendwo weiter oben habe ich geschrieben, mich auf einen Kampf gefreut zu haben, weil Finale und so. Nun, nachdem die Gefangenen frei sind, hätte es sich doch angeboten, diese mit Waffen zu versorgen und zusammen mit unserem Team gegen den Gegner vorgehen zu lassen, der ja doch ein paar Truppen gegen unsere Protagonisten ins Feld ziehen lässt. Aber da kam nix. Alle laufen einfach nur weg und haben die eigentliche Mission aus den Augen verloren. Warum kümmert sich niemand mehr um die verlorenen Planeten?
The Doctor

Mir gefällt Jodie Whittaker als Doctor. Wirklich. Sie macht ihre Sache hervorragend und steht den zahlreichen Vorgängern in nichts nach. Die Drehbücher sind allerdings eine gänzlich andere Geschichte, was sich leider auch wieder im Finale bemerkbar macht. Ich will jedenfalls keinen Erklärbären als Doctor, der die meiste Zeit damit beschäftigt ist, allen zu erklären, was gerade passiert oder unternommen werden muss.
Und ja, das ist einer der größten Kritikpunkte an dieser Folge und der gesamten Staffel. Der Doctor muss alles erklären und wird dazu viel zu viel in Anspruch genommen. Dabei muss er oder sie nicht jede Kleinigkeit, jeden Kniff oder gar die Vorgehensweise erklären, um die Story voran zu treiben. Weniger wäre hier (deutlich) mehr. Nicht jeder Schritt muss explizit erläutert werden. Ein paar Anweisungen an die Begleiter geben und gut - mehr braucht es da nicht. Hinterher darf es gerne mal Erläuterungen geben, keine Frage. Aber das Problem ist einfach, dass die Geschichten der elften Staffel (ganz generell) zu geradlinig voranschreiten und zu viel vom Doctor gebrabbelt wird, was man sich schenken könnte. Wie hier eben, wo wirklich jeder Schritt kommentiert wird. Und das nervt.
Wobei ich durchaus merke, dass Chibnall sich mit dem Doctor auseinandergesetzt hat und sein Möglichstes probiert, um dem Time Lord gerecht zu werden. Zahlreiche Referenzen an die alten Geschichten bezeugen das und es gibt auch im Finale ein paar davon. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, Chibnall hat die Figur noch nicht so wirklich erfasst und schwimmt vielmehr durch seine neue Aufgabe, als sie zu verinnerlichen und tatsächlich neu anzugehen. Es muss auf jeden Fall noch einiges passieren, um dem neuen, weiblichen Doctor eine gewisse Signifikanz zu verleihen. Mehr Eigenständigkeit, weniger Kopie vorheriger Inkarnationen. Wenn man das bei einem Geschlechtswechsel nicht angeht, wann dann?
Fazit
Wäre es eine gewöhnliche Folge, wäre die nicht gerade schlecht. Aber es ist das Staffelfinale, womit die Erwartungen etwas höher sind. In manchen Belangen - Ryan und Graham - durchaus getroffen, außerdem gab es mindestens einen überzeugenden Gastdarsteller (Addy) und der Bösewicht kommt aus dem Staffelauftakt, womit sich ein gewisser Bogen schließt. Leider ist das nicht alles. Denn in der Story wäre durchaus mehr drin gewesen, die neuen Aliens erweisen sich als (mit Blick auf die Lebensspanne) dumm, von „The Battle of..." ist nichts zu spüren und unser Doctor ist mehr am Erklären, als am Lösen. Ich komme da auf drei von fünf Sternen. Und ihr?
Trailer zur Episode Resolution der Serie Doctor Who (11x11):
Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 11. Dezember 2018Doctor Who 11x10 Trailer
(Doctor Who 11x10)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 11x10
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