Doctor Who 11x09

Doctor Who 11x09

In der Folge It Takes You Away der UK-Serie Doctor Who geht es nach Norwegen ins Jahr 2018. Eine Hütte im Wald, ein blindes Mädchen, welches ihren Vater vermisst und beängstigende Geräusche eines Monsters eröffnen ein Abenteuer mit mehreren Wendungen.

Szenenfoto aus der „Doctor Who“-Folge „It Takes You Away“ (c) BBC
Szenenfoto aus der „Doctor Who“-Folge „It Takes You Away“ (c) BBC
© zenenfoto aus der „Doctor Who“-Folge „It Takes You Away“ (c) BBC

Die Hütte im Wald und mehr

Die Doctor Who-Episode It Takes You Away startet mit einem (wunderschönen) Horrorszenario. Während Graham (Bradley Walsh) die Schönheit Norwegens bewundert, schwant uns bei Ryans (Tosin Cole) Entdeckung der Hütte, dass uns eine Geschichte wie in „Evil Dead“ (dt.: „Tanz der Teufel“, 1981) erwartet. Der erste Auftritt von der blinden Hanne (Ellie Wallwork, übrigens auch im wirklichen Leben blind), die auf eine Bedrohung von außerhalb schwört, bekräftigt nur eine Geschichte, bei der sich unsere Protagonisten verbarrikadieren und gegen eine Bedrohung vorgehen müssen, die tagtäglich zur gleichen Zeit auf die Jagd geht. Außerdem vermisst Hanne ihren Vater Erik (Christian Rubeck), von dem seit vier Tagen jede Spur fehlt.

Als kleiner Freund von derartigen Szenarien hat mich der Auftakt direkt gepackt. Aber Autor Ed Hime hat unter der Regie von Jamie Childs eine ganz andere Geschichte für uns geplant, wie sich bereits kurze Zeit später zeigt. Das Portal in Form eines Spiegels befindet sich im Anwesen von Hanne und Erik, womit die Bedrohung von außerhalb auf innerhalb verlegt wird. Abermals keine schlechte Idee und wieder nicht ungleich des oben genannten Kult-Horrorfilms, dessen Ursprünge der Geschichte sich im Keller befinden. Tauchen wir also etwas tiefer ein und lernen Ribbons (Kevin Eldon) und die hungrigen Fleischmotten kennen, die sich hinter dem Spiegel verbergen. Bislang riecht es jedenfalls sehr nach Horror und Ribbons ist ein Zeitgenosse, der wunderbar ins Geschehen passt - bis er plötzlich ablebt und uns ein erneuter Wechsel in der Handlung bevorsteht.

Denn das Höhlensystem hinter dem Spiegel entpuppt sich als Zwischenstation zur eigentlichen Bedrohung dieser Woche, die dann verstärkt auf emotionale Bindungen setzt. Sowohl für Erik als auch (etwas später) für Graham eine Herausforderung, die sich nicht leicht zur Seite schieben lässt. Unsereins ist zwar nicht dicht am Wasser gebaut, aber ich hätte verstehen können, wenn beide sich für die „andere Seite" entschieden hätten. Emotional hat mich das Geschehen da jedenfalls gepackt, auch wenn es letztlich „nicht real" war.

Insgesamt - und das muss ich jetzt mit aller Deutlichkeit anführen - kommen diese Wechsel aber zu schnell. Als Zweiteiler wäre das Abenteuer besser bedient gewesen und hätte auch mehr in die Tiefe gehen können. Ist zwar immer toll, wenn die Story sich im Verlauf ändert, aber in diesem Fall geht doch eine Menge Potenzial flöten, was besser ausgereizt hätte werden können. Seien es Ryan und Hanne, die sich gegen die äußerliche Bedrohung wappnen oder die Zwischenstation bei Ribbons, über den wir nicht wirklich viel erfahren (beispielsweise, wie er dort gelandet ist) oder gar dieses bewusste Paralleluniversum, welches nicht existieren sollte, aber letztlich den Anlass zu allem gibt und (zeitlich) schon vorher aktiv gewesen sein sollte.

Team TARDIS

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BBC One - © BBC One

Was unser Team angeht, passt alles wie Arsch auf Eimer. Ryan hinterlässt einen ersten schlechten Eindruck bei Hanne - wundert nicht mit Blick auf seine persönliche Geschichte - und muss sich ins Zeug legen, um zur ihr aufzuschließen. Was bei ihm etwas schade ist, ist des fehlende Treffen mit Grace (Sharon D. Clarke), welches sicher einen enormen Eindruck bei ihm hinterlassen hätte.

Dafür kommt Graham zum Zug und ja, da schwingen natürlich jede Menge Emotionen mit und auch der Wunsch zum Verbleib in der „Spiegelwelt". Grace scheint Grace zu sein und zunächst gibt es keinen Grund für ihn, was anderes anzunehmen. Ähnlich wir Erik könnte er sich dazu entscheiden, zu bleiben. Und jeder, der mal eine geliebte Person verloren hat, wird es ihm nicht verübeln. Walsh fährt alle Kaliber auf, um uns den emotionalen Status von Graham zu vermitteln und brilliert darin. Einfach toll und berührend gespielt - jedenfalls, bis ihm die Wahrheit vermittelt wird.

Yas (Mandip Gill) kommt auch nicht zu kurz. Was das emotionale Gefüge angeht, ist sie zwar ein wenig außen vor, aber sie erhält ihre Szenen und steuert zur Story bei. Und sei es auch nur dieser eine Satz - „did you try to reverse the polarity?“ - der eine wunderbare Referenz an Jon Pertwee als dritten Doctor abgibt. Punkt ist aber, dass sie nicht nur dabei, sondern mitten im Geschehen ist. So eben, wie es bei jedem Begleiter diese Woche der Fall ist.

Doctor Who

BBC One
BBC One - © BBC One

Der Doctor (Jodie Whittaker) ist auch voll im Geschehen. Es mag leicht sein, hier ein paar Kritikpunkte hervorzuholen, aber im Grunde genommen trifft davon keiner zu. Denn der Doctor ist mittendrin und macht das, was der Doctor während aller Abenteuer macht. Die Situation ergründen, die Möglichkeiten abschätzen und die Situation zum Besten lenken.

Ich würde sogar meinen, dass It Takes You Away die erste Folge dieser Staffel ist, die die Figur des Doctors (also, der neuen Inkarnation) voll ausgekostet hat. Klar, das Rätsel wird erforscht, es wird (mit Ribbons) gehandelt, es gibt einige expositorische Monologe (Großmutter Nummer fünf lässt grüßen) und ja, ab und an wirkt noch immer vieles kopiert von vorherigen Inkarnationen. ABER (ein wirklich großes Aber): Thirteen opfert sich für die Heimkehr aller Begleiter und Gastfiguren, richtet diese sogar ein und ist bereit, dem Schlimmsten gegenüberzutreten - dem eigenen Exitus. Eine größere Aufopferung kann sicher niemand verlangen, der dem Doctor bis dato gefolgt ist.

Gut, dem gegenüber steht natürlich der (gottgleiche) Frosch des anderen Universums. Aber ist das nicht auch typisch Doctor Who und irgendwie awesome? Ein Frosch als Lenker eines Universums, als Meister zur Falle, die für die jeweiligen Opfer kaum süßer ausfallen könnte? In meinen Augen genau die Art von Trash, die ich bei dieser Serie sehen will. Irgendwie ernst und diskutabel (und mit Blick auf Graham und Erik auch emotional fesselnd), andererseits witzig und absurd. Aber genau dafür liebe ich die Serie.

Gastfiguren

BBC One
BBC One - © BBC One

Was Hanne angeht, bleibt nicht viel zu diskutieren. Nachvollziehbar, gut einzufühlen und ihr anfänglicher Disput mit Ryan wirkt natürlich, auch wenn es nur daran liegt, dass beide auf einem schlechten Fuß gestartet sind. Als Zuschauer kann man ohnehin nur beeindruckt von ihren Talenten sein, die später in der Episode auch ihre vermeintliche Mutter Trine (Lisa Stokke) als Fake outen. Blinde „sehen" eben doch mehr, als das Auge hergibt und das wurde hier wundervoll umgesetzt.

Zweiter im Bunde ist Erik, dessen Ausflug ebenfalls nachvollziehbar ist. Was würde man nicht darum geben, die verstorbene Ehefrau an der Seite zu haben? So gut wie alles eben, aber nicht den Verlust des eigenen Kindes. Gute Figur, wobei ein paar Szenen mehr seine Liebe zu Trine noch hätten unterstreichen können, aber im Rahmen der gegebenen Zeit war alles in Ordnung.

Zuletzt noch ein paar Worte zu Ribbons, von dem ich mir etwas mehr erhofft hätte. Unterm Strich mag er zwar nur eine Brücke zum eigentlichen Problem gewesen sein, aber es hätte halt schon interessiert, wie er in der Zwischenwelt gelandet ist, wo er vorher war und was er mit dem Sonic Screwdriver gemacht hätte. Da wurde ein wenig Potenzial verschenkt, um die Figur näher zu beleuchten und vielleicht (aber nur vielleicht) auf kommende Abenteuer hinzudeuten, die sein Volk betreffen.

Fazit

Für mich persönlich die beste Folge dieser Doctor Who-Staffel bislang. Einziger wirklicher Kritikpunkt wäre, die übertrieben schnellen Wechsel im Storytelling, die gerne in einer Doppelfolge hätten näher ausgelotet werden können - allein, weil es der Episode mehr Geltung verschafft hätte. Da bleibt zweifelsohne ein wenig Potenzial auf der Strecke. Aber rein emotional und auch mit Blick auf das Team und die Gastfiguren und den übergeordneten Science-Fiction-Faktor, der hier wunderbar mit der Serie an sich harmoniert, bleibt kaum etwas zu wünschen übrig. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen.

Trailer zur Episode The Battle of Ranskoor Av Kolos der Serie Doctor Who (11x10):

Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 4. Dezember 2018

Doctor Who 11x09 Trailer

Episode
Staffel 11, Episode 9
(Doctor Who 11x09)
Deutscher Titel der Episode
Verkehrte Welt
Titel der Episode im Original
It Takes You Away
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Sonntag, 2. Dezember 2018 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 28. März 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 28. März 2019
Regisseur
Jamie Childs

Schauspieler in der Episode Doctor Who 11x09

Darsteller
Rolle
Bradley Walsh
Tosin Cole
Mandip Gill

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