Doctor Who 12x01

Doctor Who 12x01

Mit der Folge Spyfall: Part One startet die 12. Staffel der UK-Serie Doctor Who. Spione auf der ganzen Welt werden von außerirdischen Gegnern heimgesucht, woraufhin der britische Geheimdienst den Doctor und ihre Begleiter um Hilfe bittet.

Szenenfoto aus der Doctor-Who-Folge Spyfall: Part One (c) BBC One
Szenenfoto aus der Doctor-Who-Folge Spyfall: Part One (c) BBC One
© zenenfoto aus der Doctor-Who-Folge Spyfall: Part One (c) BBC One

Staffelauftakt

Lange haben wir Whovians warten müssen, ehe mit Spyfall: Part One ein neues Abenteuer des Doctors (Jodie Whittaker) auf Sendung ging. Nachdem die letzte Doctor Who-Staffel bei vielen (auch mir) nicht immer auf Gegenliebe stieß, was sich auch anhand von fallenden Quoten im Verlauf der elften Staffel bemerkbar machte, lag die Vermutung nahe, dass das kreative Team um Showrunner Chris Chibnall die Zeit nutzen würde, um ein paar der Kritikpunkte zu verarbeiten. Punkte, wie ein möglicherweise zu großes Begleiterteam, weil häufig pro Episode mindestens eine Figur ein bisschen auf der Strecke blieb oder ein Doctor, der nicht selten bloß in Worte fasste, was es gerade zu sehen gab oder einer der Begleiter zuvor angemerkt hatte. Oder andere Dinge wie diverse Abenteuer, die teilweise zu Kommentaren führten, die nach einem neuen bzw. alten Showrunner verlangten. Klingt nach Kleinigkeiten, sind es wohl meistens auch, aber summa summarum schlagen sich eben auch Kleinigkeiten nieder, womit die Frage nach Änderungen in der zwölften Staffel durchaus gestellt werden darf.

Nun, eine definitive Antwort liefert uns der Staffelauftakt nicht. Dazu werden wir abwarten müssen, was die Auflösung am kommenden Sonntag liefert. Auffällig ist dennoch, dass unser Doctor nur selten bis gar nicht kommentiert, was wir gerade sehen, sondern vielmehr die richtigen Fragen stellt, was besonders in einer Szene mit potenziellem Bösewicht Daniel Barton (Lenny Henry) deutlich wird. Ebenso auffällig ist allerdings auch, dass Graham (Bradley Walsh) beim Auftakt leicht außen vor steht und nur wenig zu tun bekommt - ein (kleines) Manko, wie es in der elften Staffel häufiger vorkam, wenn auch dann meist bei anderen Figuren wie Yas (Mandip Gill) oder Ryan (Tosin Cole).

Spyfall

Bereits der Titel lässt darauf schließen, dass wir es im zweiteiligen Auftakt mit einem Abenteuer nach James-Bond-Manier zu tun bekommen. Dahingehend liefert der erste Teil auch wunderbar ab, angefangen mit den ganzen Agenten und Spionen, die den Titel „Spyfall“ mit ihren Abgängen rechtfertigen, über den potenziellen Bösewicht Barton, der mit Google, äh, VOR ein scheinbar wahnwitziges Ziel verfolgt, bis hin zu unseren „Geheimagenten“ und TARDIS-Nutzern, die vom MI6 herbeigerufen werden, um nichts anderes als das gesamte Universum zu retten.

Ja, der Staffelauftakt ist eine Hommage an das James-Bond-Franchise und ja, die Folge wird dahingehend fast immer gekonnt von Jamie Magnus Stone in Szene gesetzt. Manchmal sehr platt („The name is Doctor, THE Doctor!“) und manchmal an den Grenzen des Budgets (Verfolgungsjagd per Motorrädern), aber dennoch wirkt alles sehr groß und Blockbuster-mäßig, was mitunter stark an der Actionschraube dreht und gleichzeitig viel Vergnügen bereitet. Ohnehin gibt es nur wenige Momente in der Folge, die dem Zuschauer eine Verschnaufpause gönnen. Das hält die Spannung durchgehend hoch, liefert entsprechend aber nur wenige(r) Charakter-Momente, wo unsere Figuren sich mal sammeln und untereinander austauschen können.

Womit wir auch gleich beim größten Kritikpunkt angekommen sind. Denn wirklich viel erfahren wir nicht über die außerirdischen Invasoren, die unser Universum als nächstes Ziel haben. Klar, das Ausmaß wird uns bewusst gemacht, Daniel Barton steckt mittendrin und die Auftritte der Aliens sind unheimlich wie bedrohlich, was oftmals zu einer gruseligen Atmosphäre einlädt, wie auch die Einblicke in die Welt der Wesen zeigen. Aber wir erhalten nie das Gefühl, die Puzzleteile zusammensetzen zu können, trotz der großen Offenbarung am Ende der Episode, die wiederum ganz andere Kritikpunkte liefert.

Figuren

BBC One
BBC One - © BBC One

Unsere bekannten Gesichter werden uns zu Beginn recht plakativ vor Augen geführt. Wir sehen, dass Ryan ein schlechter Lügner ist, erhalten (endlich) ein Bild davon, weshalb Yasmins Reisen mit dem Doctor sich negativ auf ihre Polizeiarbeit auswirken und Graham darf bei seiner ärztlichen Untersuchung erneut in Erinnerung rufen, dass seine Frau verstorben ist. Ein bisschen neu ist, dass Ryan sich für Yasmins Schwester interessiert, wodurch sowohl Ryan als auch Yas ein kleines Thema abseits des Abenteuers bekommen. Die beiden stehen ohnehin auch deswegen verstärkt im Fokus, da sie VOR infiltrieren sollen, wobei Yas da die besseren Karten hat. Wie bereits angemerkt, bleibt Graham diese Woche etwas auf der Strecke und wird auf ein paar Kommentare beschränkt, die er hauptsächlich bei O (Sacha Dhawan) - der Name ist verdient - von sich geben darf. Eine eigene, kleine Nebenhandlung hätte ihm sicher gut getan - und sei es bloß die Auseinandersetzung mit Os gesammelten Werken über den Doctor gewesen, was sich schon fast riechen ließ.

Der Doctor selbst weiß derweil sehr zu gefallen. Ein bisschen an der TARDIS schrauben, natürliche Neugierde, als die Limousinen mit den Begleitern vor der Tür stehen und sich letztlich vollends auf das neue Abenteuer einlassen, wozu eben auch gehört, dass man einfach mal dahin treibt, wohin es die Bösewichte wollen. Wie bereits angemerkt, fand ich es auch sehr cool, dass sie Barton direkt auf dessen Party auf alles anspricht - schade nur, dass Daniel da mit Antworten sparsam ist.

Ansonsten kam mir C (Stephen Fry) deutlich zu kurz, während O neugierig darauf machte, mit welchem unserer Doctoren er schon das Vergnügen hatte (eine Frage, die leider nicht beantwortet wird, jedenfalls nicht richtig). O kann man natürlich schon deswegen loben, weil er schön versteckte Hinweise auf seine wahre Identität gab - was auch mir erst später aufgefallen ist. Und Barton? Lediglich seine überzogen unbeholfene Art, auf die Verfolger zu feuern, würde ich negativ ankreiden. Alles andere entsprach dem gängigen Bond-Bösewicht wie die Faust aufs Auge und kann auch in Sachen Helferlein für die bösen Aliens (und Konzerne bzw. Suchmaschinen) überzeugen.

Handlung

BBC One
BBC One - © BBC One

Dass das ganze Universum auf dem Spiel steht, ist natürlich etwas zu hoch gegriffen. Etwas kleiner hätte es auch getan. Spannung, Spiel und Schokolade sind trotzdem garantiert, wobei letztere schon in größeren Mengen verzehrt werden muss, um wirklich alles gut zu finden. Wie bereits angemerkt, sind Antworten auf die größeren Fragen nach den Aliens, deren Welt, usw. noch etwas, was der zweite Teil abliefern muss. Ins Auge fallen vielmehr die Dinge, die leicht unstimmig erscheinen.

Klein angefangen, ist die Aussage von C, dass sich das MI6 nicht um außerirdische Bedrohungen schert, mit Blick auf vergangene Staffeln schon sehr fragwürdig (wie oft schon gingen weltweite Bedrohungen von Aliens aus und manifestierten sich in Großbritannien? Furzende Slitheen in Menschenhaut seien hier als ein kleines Beispiel genannt). Und weshalb weiß er nicht, dass UNIT und Torchwood nicht mehr existieren, die sich um solche Angelegenheiten gekümmert haben? Woher weiß er dann überhaupt von der TARDIS, vom Doctor und dessen aktuellen Begleitern? Da beißt sich die eine Aussage mit dem Geschehen der Folge, was absolut unnötig ist und auch nicht auf den Brexit geschoben werden kann.

Aber gut, unser Team TARDIS gibt sich alle Mühe, um die Bedrohung festzumachen und dieser entgegenzuwirken. Zwar ohne große Fortschritte, aber zweifelsohne stecken sie alle mittendrin und geben ihr Bestes, um den Ereignissen auf den Grund zu gehen. Yas und Ryan hätten vielleicht die Kamera in Bartons Büro bemerken sollen - weil sie zuvor eine Kamera im Flur ausschalten und ohnehin gesehen haben, dass Barton alles per Kamera überwacht - aber gut, kleine Fehler passieren eben.

Worauf ich aktuell aber überhaupt nicht klarkomme, ist die Offenbarung, dass O jetzt der neue Master ist. Die Überraschung mag groß sein und sich nur schwerlich kommen sehen lassen, was ein Pluspunkt ist. Aber wie soll hier eine Verbindung zu Missy (Michelle Gomez) hergestellt werden, die zum Ende der zehnten Staffel prominent vertreten war und einen Sinneswandel durchmachte? Da wird der Eindruck erweckt, dass unser Kreativteam die zehnte Staffel noch nicht gesehen und einfach übersprungen hat. Aber gut, in einer Serie, die mit Zeitreisen spielt, kommt vielleicht noch eine passende Erklärung.

Ansonsten ist die Folge mit vielen kleinen Einzelheiten gespickt - ob nun aus dem Bond-Franchise oder aus der Serie selbst - die jede Menge Spaß bereiten. Unsere Protagonisten sind voll drin im Abenteuer und es gibt zahlreiche Stellen, an denen sich gut mitfiebern und um einzelne Figuren bangen lässt. Das Geschehen steuert dabei zielsicher auf die Offenbarung am Ende und den Cliffhanger zu, der sich sehenlassen kann. Unsereins kann die Fortsetzung jedenfalls kaum erwarten.

Fazit

Es soll Leute geben, die dem nächsten Bond entgegenfiebern und das sei ihnen gegönnt. Ich fiebere derweil dem zweiten Teil von „Spyfall“ entgegen und erwarte viel. Teil eins weiß trotz diverser Kritikpunkte zu gefallen, denn viele davon könnten in der Auflösung am kommenden Sonntag wegradiert werden - was Zweiteiler eben so an sich haben (können). Für den Auftakt gibt es von mir jedenfalls vier von fünf Sternen. Und von euch?

Der Serientrailer zur Episode Spyfall der Serie Doctor Who (12x02):

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Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 4. Januar 2020

Doctor Who 12x01 Trailer

Episode
Staffel 12, Episode 1
(Doctor Who 12x01)
Deutscher Titel der Episode
Spyfall – Teil 1
Titel der Episode im Original
Spyfall, Part 1
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Mittwoch, 1. Januar 2020 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 23. Juli 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 23. Juli 2020
Regisseur
Jamie Magnus Stone

Schauspieler in der Episode Doctor Who 12x01

Darsteller
Rolle
Bradley Walsh
Mandip Gill
Tosin Cole

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