Doctor Who 11x06

Doctor Who 11x06

In der Folge Demons of the Punjab der UK-Serie Doctor Who bittet Yasmin um eine Zeitreise ins Indien des Jahres 1947, um das Geheimnis einer Uhr zu ergründen, die ihr ihre Großmutter vermacht hat. Dabei entdeckt sie mehr, als ihr lieb ist...

Szenenfoto aus der „Doctor Who“-Folge „Demons of the Punjab“ (c) BBC
Szenenfoto aus der „Doctor Who“-Folge „Demons of the Punjab“ (c) BBC
© zenenfoto aus der „Doctor Who“-Folge „Demons of the Punjab“ (c) BBC

Geschichtslektion und Tragödie

Demons of the Punjab ist ähnlich wie Rosa eine Doctor Who-Episode, die sich mit der Geschichte befasst. In diesem Fall geht es um die Teilung von Britisch-Indien, welche zu den heutigen, unabhängigen Staaten Indien und Pakistan führte. Im Zuge dieses Teilungsprozesses kam es zur Deportation, Vertreibung und Umsiedlung von etwa 20 Millionen Menschen und zum Tod von mehreren Hunderttausenden (wobei einige Quellen von mehr als einer Million Toten sprechen, was auch diese Episode wiedergibt). Religiöse und ethnische Auseinandersetzungen standen an der Tagesordnung und sind auch heute noch nicht verstummt.

Folglich widmet sich Vinay Patel, der diese Woche die Feder führt, einem schweren, geschichtlichen Thema, welches er in die tragische Geschichte von Prem (Shane Zaza) und Umbreen (Amita Suman) - Yasmins (Mandip Gill) spätere Großmutter Nani (Leena Dhingra) - einbettet, welche sich lieben und trotz unterschiedlichen Glaubens heiraten. Die Tragik des Ganzen wird uns im Folgenverlauf bewusst, als der Doctor (Jodie Whittaker) erkennt, dass Prems Tod kurz nach der Hochzeit unvermeidbar ist.

Vergleiche zu Rosa drängen sich geradezu auf, auch wenn Demons of the Punjab thematisch keineswegs identisch ist. Die größte Ähnlichkeit findet sich am Ende wieder, als unserem Team TARDIS abermals die Hände gebunden sind und sie sich nicht einmischen dürfen. Es gibt kein Schlupfloch, durch welches sich Prem retten lässt und sein Schicksal entfaltet auch die entsprechende Wirkung beim Zuschauer - schließlich lernen wir Prem als einen good man kennen, der vom ersten bis zum letzten Auftritt sympathisch bleibt.

Was leider weniger gut funktioniert, ist das gesamte Umfeld um die Staatenteilung. In Rosa spüren wir jederzeit den Rassismus, sind geradezu angewidert davon oder gar wütend. Währenddessen gibt es hier eigentlich nur Manish (Hamza Jeetooa), der im Folgenverlauf zwar Sand ins Getriebe wirft, aber unterm Strich zu wenige Auftritte erhält, charakterlich nicht gerade stark und bis zuletzt nicht nachzuvollziehen ist. Davon, dass die Region ein Brandherd ist, bekommen wir kaum etwas mit - es wird uns immer nur erzählt. Das sehr schön eingefangene Ambiente (gedreht wurde in Andalusien) hilft da leider auch nicht weiter.

Yasmin

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Mit Beginn der Episode kommt schon ein bisschen Vorfreude auf. Endlich mal eine Folge, die sich um Yasmin dreht und ihre Figur näher beleuchten könnte. Schließlich dreht sich die gesamte Handlung um ihre Herkunft, und die Tatsache, dass Prem nicht ihr Großvater (aus dem Foto von Nani) ist, lädt zur weiteren Ergründung der Vergangenheit ein. Während Yas also darauf brennt, mehr über die Geheimniskrämerei ihrer Großmutter zu erfahren, hoffen wir derweil auf eine stärkere Ausarbeitung ihres Charakters.

Am Ende sind wir aber nicht viel schlauer. Wir erfahren zwar jede Menge über Nani beziehungsweise Umbreen, erhalten erstmals bedeutsame Dialoge zwischen Yas und Graham (Bradley Walsh) und die gesamte Geschichte um Prem und Umbreen ist keineswegs uninteressant. Aber verstehen wir Yas jetzt besser? Wissen wir, was sie bewegt, wo ihre Stärken und Schwächen liegen, welche Ängste und Hoffnungen sie hat? Ich würde sagen, wir sind da kaum einen Schritt weiter. Sicher, ihre Hintergrundgeschichte wird diese Woche ein wenig oder sogar viel ausgebaut und sie zeigt sich auch sehr involviert in den Ereignissen (verständlich, hängt doch ihre Existenz davon ab). Aber auf rein charakterlicher Basis ist es mir nach dieser Episode eher unverständlicher geworden, weshalb sie an Bord der TARDIS bleiben möchte - denn, weshalb sollte sie ihrer Familie entfliehen wollen, wenn uns die Rahmenhandlung eine glückliche Familie präsentiert?

Sehr deutlich wird dieser Status quo des Charakters am Ende der Folge. Nanis Geheimnisse sind keine mehr und obwohl ihre Großmutter jetzt gerne dazu sprechen würde, zeigt Yas kein Interesse. Die Lieblingsenkelin wird in Nanis Augen auch nicht als eine der Personen erkannt, die damals bei ihrer Hochzeit anwesend waren. Im Prinzip bleibt die Situation so, wie sie vor dem Abenteuer war, am Ende bestehen. Und das ist der Punkt, auf den ich hinaus will: Yas weiß zwar mehr als zu Folgenbeginn, aber sie macht daraus nichts. Ähnlich eben, wie wir mehr über ihre Hintergrund- beziehungsweise Familiengeschichte erfahren, aber kaum etwas über die charakterlichen Züge von Yas. Alles bleibt, wie es vor der Folge war - und das ist schade.

Thijarians

Was unserem Doctor schon kurz nach der Landung Kopfschmerzen bereitet und im weiteren Folgenverlauf zunächst nach einem (bisher uns unbekannten) alten und sehr tödlichen Gegner aussieht, entpuppt sich später als eine Quasikopie von Twice Upon a Time. Mit anderen Worten: Aliens, die ein Archiv von verstorbenen Persönlichkeiten anlegen und ausbauen.

Diese Offenbarung kommt mit Sicherheit überraschend, denn diese Dämonen des Punjabs sehen lediglich (tolles Design!) gefährlich aus, sind aber kein Feind. Einerseits eine schöne Überraschung, weil die Thijarians somit besser funktionieren als der plumpe Gegenspieler aus Rosa. Andererseits, na ja, ist mit der Offenbarung plötzlich auch jedwede Spannung vom Tisch, denn anschließend wissen wir, wie das Abenteuer ausgehen muss beziehungsweise wird. Bei dem durchaus unheimlichen Aufbau dieser potentiellen Gegenspieler ist es jedenfalls schade, dass sie nicht als solche genutzt werden. Da bleibt nur noch Manish übrig - und zu dem wurde weiter oben bereits alles Nötige gesagt.

Team TARDIS

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Jedweder Kritik zum Trotz weiß das Zusammenspiel unserer Hauptfiguren zu gefallen. An einigen Stellen hätte sich womöglich mehr herausholen lassen, was vor allem die ersten Aufeinandertreffen mit den Einheimischen angeht (die sich niemals über die Kleidung von Ryan (Tosin Cole), Graham, Yas oder die unserer Time Lady wundern). Auch wird Grahams britische Herkunft nur einmal kurz kritisch angeführt, obwohl sie im Rahmen der Zeit stärker angeprangert werden sollte. Aber gut, Team TARDIS trifft auf (hauptsächlich) vernünftige, nette Menschen, die nicht allzu viele Fragen stellen.

Die Rollenverteilung, die Wahrnehmung der Situation und das gemeinsame Ergründen des Abenteuers (ob nun im kleineren oder größeren Team) weiß aber zu gefallen. Okay, vielleicht wird das jetzt eher ein Fazit der ersten sechs Folgen dieser Staffel, als nur eine Erkenntnis dieser Woche. Aber mir gefällt unser Team, welches weit dynamischer wirkt, als wenn der Doctor nur mit einem Begleiter unterwegs ist. Das weitere Vorgehen wird diskutiert, mehrere Blickwinkel (als bloß zwei) betrachtet und selbst mit meiner kritischen Betrachtung von Yasmin, hat sie irgendwie ihren Platz im Team gefunden - Ryan und Graham sowieso. Mit anderen Worten: Selbst, wenn das Abenteuer (oder die bisherigen Abenteuer) kein Nonplusultra ist (sind), ist man aufgrund unseres Teams doch voll im Geschehen.

Fazit

Ein guter Ansatz, nicht unbedingt schlecht ausgearbeitet und zum Ende hin sehr effektiv und emotional. Leider kann Patel aber nicht abliefern, was uns vor drei Wochen in ähnlicher Form geboten wurde. Böse Stimmen könnten gar meinen, vieles wäre zusammengestohlen und lediglich in einem anderen Mantel präsentiert. Ist es zwar - trotz aller Parallelen - nicht wirklich, denn Demons of the Punjab lädt tatsächlich zur Auseinandersetzung mit dem historischen Hintergrund ein. Aber es gibt leider viele Faktoren, die besser hätten ausgearbeitet und präsentiert werden müssen. Nicht nur auf geschichtlicher, sondern auch auf charakterlicher Ebene. Team TARDIS weiß dennoch zu gefallen und ich werde den Teufel tun, diese Folge als schlecht zu deklarieren. Aber mehr als drei Sterne sind diese Woche von meiner Seite nicht drin.

Der Trailer zur Episode Kerblam! (11x07) der UK-Serie Doctor Who:

Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 13. November 2018

Doctor Who 11x06 Trailer

Episode
Staffel 11, Episode 6
(Doctor Who 11x06)
Deutscher Titel der Episode
Dämonen in Punjab
Titel der Episode im Original
Demons of the Punjab
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Sonntag, 11. November 2018 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 7. März 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 7. März 2019
Regisseur
Jamie Childs

Schauspieler in der Episode Doctor Who 11x06

Darsteller
Rolle
Bradley Walsh
Tosin Cole
Mandip Gill

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