Doctor Who 11x05

Doctor Who 11x05

In der Folge The Tsuranga Conundrum der UK-Serie Doctor Who landet unsere Crew nach einem recht explosiven Auftakt auf einem medizinischen Versorgungsschiff. Abgeschnitten von der TARDIS und mit vorprogrammiertem Kurs dauert es nicht lange, bis eine gefräßige Gefahr die Bühne betritt.

Szenenfoto aus der „Doctor Who“-Folge „The Tsuranga Conundrum“ (c) BBC
Szenenfoto aus der „Doctor Who“-Folge „The Tsuranga Conundrum“ (c) BBC
© zenenfoto aus der „Doctor Who“-Folge „The Tsuranga Conundrum“ (c) BBC

The Tsuranga Conundrum

Mit The Tsuranga Conundrum versuchen sich Showrunner Chris Chibnall und Regisseurin Jennifer Perrott an einem klassischen Szenario, welches in seinen Grundzügen nicht unähnlich der letzten Episode ist. Man entferne jegliche Fluchtmöglichkeiten (TARDIS, Rettungskapseln) für unseren Doctor (Jodie Whittaker) und dessen Begleiter, füge eine schier unüberwindliche Bedrohung hinzu und garniere das Ganze mit einem Countdown, der kaum Zeit zum Luftholen lässt. In diesem Fall ein Abenteuer, welches mehr oder weniger an „Alien“ (1979) erinnert oder vielleicht nur zu Beginn daran erinnern sollte, aber wie schon letzte Woche einiges an Problemen mit sich bringt.

Wie bereits am Anfang, als die Explosion der Mine eine scheinbar aussichtslose Situation für unsere Protagonisten darstellt, nur um im nächsten Moment zu zeigen, dass (fast) alle wohlauf sind, verpufft die Wirkung des anschließenden Abenteuers bereits mit dem ersten (sichtbaren) Auftritt des Pting. Nicht nur, dass diese Kreatur - die eine Kreuzung aus Adipose und Sontaran(er) sein könnte - deutlich zu niedlich ist, um bedrohlich zu wirken (daran ändert auch das katzenähnliche Fauchen nichts). Nein, sie bewegt sich bloß auf den Monitoren und off-screen mit rasender Geschwindigkeit und kommt - wenn tatsächlich im Bild - deutlich langsamer daher. Mir tat das Wesen sogar leid, als es von Yas (Mandip Gill) einen Tritt bekam. Soviel also zur plötzlich auftretenden Gefahr, auch wenn die Gefräßigkeit des kleinen Omnivoren natürlich ein ernsthaftes Problem darstellt.

Eine weitere Bedrohung ergibt sich aus der reinen Anwesenheit des Pting, denn sollte die vom Zielort des Schiffes erkannt werden, droht der Besatzung der sichere Tod durch Zerstörung. Damit wird es zeitlich eng für unsere Crew und die Spannungsschraube tatsächlich angezogen. Allerdings ist die Lösung des Dilemmas bereits relativ früh vorhersehbar, werden doch mit Vorliebe energiereiche Materialien verputzt - wer da schon zu Beginn mit einem Selbstzerstörungsmechanismus in Form einer Bombe rechnet, kann mit Leichtigkeit den Ausgang der Geschichte prognostizieren.

Im Vergleich mit anderen Szenarien dieser Art kommt The Tsuranga Conundrum daher bestenfalls solide weg. Selbst das hohe Tempo, welches der Folge zu Grunde liegt und kaum Langeweile aufkommen lässt, unterminiert irgendwo das Geschehen. Es bleibt kaum Zeit für Charaktermomente, alles wirkt hektisch und wenn es doch einmal ruhigere oder auch lustige Szenen gibt, fühlen die sich oft deplatziert an. Auf der anderen Seite - und das sehe ich gegenüber der Vorwoche sehr positiv - müssen unsere Figuren sich die Lösung des Dilemmas schwer erarbeiten, denn die fällt nicht einfach vom Himmel.

Figuren

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Bei den einmaligen Gastfiguren dieser Woche bin ich ein wenig im Zwiespalt. Keiner der Darsteller ist schlecht und jeder scheint bemüht, das beste aus seiner Rolle herauszuholen. Am überflüssigsten mag Ronan (David Shields) sein, der in seinen Dialogen kaum Interesse weckt und keine Gelegenheit erhält, seinen großen Vorteil (er kann als Androide die Kreatur berühren, ohne sich zu vergiften) auszuspielen. Warum er überhaupt im Skript steht, ist rätselhaft - vielleicht nur als (weiterer) Wink auf Alien gedacht, um beim Zuschauer Erwartungen zu wecken, die - Überraschung - nicht eintreffen?

Wesentlich besser gefallen da Durkas (Ben Bailey Smith) und Eve (Suzanne Packer). Bei den Geschwistern, deren Verhältnis von Konflikten geprägt ist, schwingt eine gute Portion dramatischer Energie mit, die sich gegen Ende auch entladen darf und sehr gut ins Abenteuer passt. Auch Mabli (Lois Chimimba) erhält eine kleine Hintergrundgeschichte, die sich als passend für die Figur erweist und mit dem Abgang von Astos (Brett Goldstein) in den Vordergrund tritt. Allerdings ist ihre größte Herausforderung mit dem Strang einer anderen Figur verknüpft, deren Handlung leider größtenteils nebensächlich ist.

Die Rede ist natürlich von Yoss (Jack Shalloo), der hochschwanger ist und dessen Fruchtblase (oder was auch immer) platzt, als der Zeitpunkt gerade sehr schlecht ist. Ohne diesen Handlungsstrang verteufeln zu wollen - schließlich wird der genutzt, um Ryan (Tosin Cole) und Graham (Bradley Walsh) wieder ein Stück weiter zusammenzubringen, auch wenn Grahams Fist Bump von Ryan abermals nicht erwidert wird - passt er einfach nicht zum Rest der Folge. Als wenn man eben Alien und Junior (1994) in einem Film unterbringen wollte - das „beißt" sich einfach. Gegen den Versuch, hier etwas „Komisches" mit etwas Dramatischem zu verbinden, habe ich sicher nichts. Im Drehbuch mag das auch so abgefahren wirken, dass es zu Doctor Who irgendwie passt. Aber ich komme nicht umhin, diesen Plot - jedenfalls für diese Folge - als unpassend zu empfinden.

Ähnlich unpassend oder gar künstlich implementiert ist Yasmins kleines Gespräch mit Ryan über dessen leibliche Eltern. Das ist einer dieser Momente, die ich oben weiter als deplatziert bezeichnete. Dafür fehlt in Anbetracht der Lage auch eigentlich die Zeit für ein solches Gespräch. Es ist zwar toll, wenn die beiden sich gegenseitig austauschen dürfen und gut, wenn Ryan da offen und ehrlich aus der Vergangenheit berichtet. Aber die Situation hätte da ein bisschen anders ein müssen. Und ganz ehrlich, mir wäre es lieber gewesen, wenn die familiäre Lage von Yas das eigentliche Gesprächsthema gewesen wäre. Schließlich ist ihre Figur noch immer etwas blass, auch wenn wir die charakterlichen Grundzüge kennen.

Was unseren Doctor angeht, bleibt diese/r nach wie vor etwas ungreifbar. Da fehlt noch immer der große oder kleine Paukenschlag, der Whittaker so richtig glänzen lässt. Diese Woche steht sie zuweilen (wieder) recht ratlos dar, weiß nicht, was ein Pting ist oder wie sie der Lage Herr werden könnte. Jedenfalls, bis es am Ende „klick" macht. Außerdem ist es komisch, dass unser „Doc" (um Grahams Wort zu benutzen) angeschlagen erscheint, während die Begleiter vollkommen okay nach dem Vorfall mit der Mine sind. Soviel zu dem überlegenen Körper (Doppelherz lässt grüßen) der Einwohner Gallifreys. Was mich daran stört? Ganz eindeutig, dass dieser Doctor - obwohl recht konform mit vergangenen Inkarnationen - in gewisser Weise als schwach dargestellt wird. Klar, sie findet die Lösung und kann am Ende den Tag retten. Aber für alle Kritiker eines weiblichen Doctors sind Episoden wie diese ein gefundenes Fressen. Wie oft ging die TARDIS schon verloren? Wie oft war die Situation so aussichtslos wie hier? Oft genug, ohne den Doctor als schwach oder ratlos wahrzunehmen. Chibnall betritt hier dünnes Eis und liefert Feuer für Kritik. Das muss wirklich nicht sein.

Fazit

In etwa gleichauf mit der letzten Woche. Nicht ganz unähnliche Situation, wenn man es auf die Story zusammenbricht. Allerdings lehnt sich das Abenteuer an zwei widersprüchliche Vorlagen an, wenn man denn Haupthandlung mit Nebenhandlung verbindet und das passt irgendwie nicht. Positiv ist allerdings, dass diese Woche die Lösung nicht vom Himmel fällt, sondern erarbeitet werden muss. Negativ die stark eingeschränkte Charakterentwicklung, die obendrein hier und dort nicht so recht zur Episode passen will. Vieles ist auch abhängig davon, ob man die Lösung der Woche bereits kommen sieht oder nicht. Von mir gibt es abermals 3,5 von 5 Sternen.

Trailer zur Episode Demons of the Punjab der Serie Doctor Who (11x06):

Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 6. November 2018

Doctor Who 11x05 Trailer

Episode
Staffel 11, Episode 5
(Doctor Who 11x05)
Deutscher Titel der Episode
Das Tsuranga-Rätsel
Titel der Episode im Original
The Tsuranga Conundrum
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Sonntag, 4. November 2018 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 28. Februar 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 28. Februar 2019
Autor
Chris Chibnall
Regisseur
Jennifer Perrott

Schauspieler in der Episode Doctor Who 11x05

Darsteller
Rolle
Bradley Walsh
Mandip Gill
Tosin Cole

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