Doctor Who 11x04

© zenenfoto aus der „Doctor Who“-Folge „Arachnids in the UK“ (c) BBC
Arachnophobia?
Arachnids in the UK verspricht zu Beginn, eine sehr unheimliche Doctor Who-Episode zu werden. Was der Titel schon vorab offenbart, wird zunächst durch diverse Kameraschwenks auf die Netze dieser possierlichen Tierchen angedeutet. Es gibt ein Spinnenproblem in Sheffield, welches unsere Protagonisten meist getrennt voneinander wahrnehmen, bis sie sich allesamt am Ursprungsort der arachniden Bedrohung wiederfinden und schließlich feststellen müssen, dass sie in der Falle hocken wie ... nunja, die Fliegen im Netz.
Dieses Szenario, noch dazu mit wachsenden, übergroßen Spinnen, die sich auch menschliche Beute suchen, klingt direkt nach einem billigen B-Movie. Arachnophobiker und Kinder mit erhöhter Angst vor Spinnen könnten zwar tatsächlich ein paar Alpträume bekommen, denn billig wirkt das CGI hier keineswegs. Aber für echten Grusel oder gar Horror ist selbst die Szene, in der es Kevin (William Meredith) erwischt, zu harmlos. Am effektivsten ist die achtbeinige Bedrohung immer dann, wenn sie nicht im Bild ist - beispielsweise, wenn Graham (Bradely Walsh) Ryan (Tosin Cole) fragt, ob er die Decke gecheckt hat und anschließend beide vorahnungsvoll nach oben blicken. Aber sobald die Spinnen - egal, wie groß - ins Bild kommen, ist es (zumindest bei mir) mit dem Grusel vorbei. Mag sein, dass es an mir liegt, weil ich ein kleiner Spinnen-Fan bin, aber für meinen Geschmack sehen die Tierchen dieser Episode einfach zu „freundlich" aus, als dass ich sie als Gefahr wahrnehmen würde. Da hatte der dritte Doctor (Jon Pertwee) in Planet of the Spiders trotz wesentlich trashigeren Effekten etwas mehr Grusel für mich parat.

Womit wir zum nächsten Punkt kommen. Der Gedanke, dass die Spinnen, die unsere Crew in Atem halten, Aliens sein könnten, ist sicher nicht nur mir gekommen. Nach dem kleinen Ausflug in die Geschichte von letzter Woche, liegt der Gedanke einfach nahe, dass nun die Einwohner von Metebelis Three versuchen, eine Invasion zu starten. Und vielleicht wäre ein solcher Ansatz in der Tat besser gewesen, als den wirklich B-Movie-artigen Zug zu machen, toxischen Müll und Forschungsarbeiten als Ursache heranzuziehen. Man sieht hier zwar, dass die Folge auf ein reales Problem aufmerksam machen möchte, aber ungleich der Vorwoche wird dieses Problem sicher kaum nach Ende der Episode in den Köpfen der Zuschauer mitschwingen. Ich möchte zwar nicht schon wieder in der vierten Folge einer Staffel furzende Aliens sehen, die in die Regierung einziehen möchten (siehe Aliens in London), aber der arachnoide Ansatz samt Ursprung hätte gerne etwas ausgefallener sein können.
Unterm Strich lässt sich das Abenteuer somit als durchschnittlich bezeichnen. Nichts Besonderes, andererseits aber auch kein Griff ins Klo. Sehr schade ist aber, dass es sich um ein selbstlösendes Problem handelt und keine weitere Intervention seitens des Doctors (Jodie Whittaker) notwendig ist, um die Spinnen zu stoppen. Die verkraften ihre übergroßen Körper auf Dauer nämlich nicht, womit das eigentliche Abenteuer sehr abrupt endet.
Karikatur der Woche

Der eigentliche Bösewicht dieses Abenteuers wird von Chris Noth verkörpert und heißt Jack Robertson. Bereits in der Eröffnungsszene wird uns veranschaulicht und im weiteren Verlauf der Episode manifestiert, dass Robertson ein unsympathisches Arschloch ist. Außerdem ist er natürlich reich, Präsidentschaftsanwärter, Waffenfreund und vieles mehr, was den Zuschauer an einen bestimmten Präsidenten erinnert, der es einfach nicht verdient, hier namentlich genannt zu werden.
Wichtig ist vielmehr, dass Noth sich alle Mühe gibt, eine überzeugende Darstellung abzugeben. Aber seine Rolle ist einfach nur eine Karikatur eines Bösewichts und vom Drehbuch als solche vorherbestimmt. Es gibt keinerlei Facetten, Ecken und Kanten oder gar Einsicht, dass er irgendwann etwas falsch gemacht hat. Ob nun absichtlich so geschrieben oder nicht, spielt auch keine große Rolle. Robertson ist als Figur langweilig, weil er sich trotz aller Ereignisse als wandlungsresistent erweist. Es gibt nicht einmal eine abschließende Lektion für ihn, nachdem er von der Schusswaffe Gebrauch gemacht hat. Mit anderen Worten: eine Figur, die wir sehr schnell wieder vergessen werden.
Von Chris Chibnall ist man da eigentlich anderes gewohnt. Spielt keine Rolle, welche Inkarnation von Broadchurch man nun gesehen hat (sind übrigens beide - US- und UK-Version - sehenswert, auch wenn mein Liebling die UK-Serie ist), aber gerade dort zeigt sich eben, wie gut Chibnall normalerweise mit Charakteren umgehen kann, die nicht dem normalen Standard entsprechen (und dunkle Seiten haben). Schade, dass er in der neuen Staffel Doctor Who bislang noch nicht zu dieser Form zurückgefunden hat, insbesondere, was die Antagonisten angeht. Schließlich sind die besten Gegenspieler immer die, die sich (zumindest halbwegs) nachvollziehen lassen.
Team TARDIS

Jetzt aber mal ein bisschen weg vom Abenteuer und zu unseren Hauptdarstellern. Die Landung der TARDIS erfolgt quasi vor der Haustür von Yasmin (Mandip Gill) und verspricht somit - spätestens nach der Einladung zum Tee - etwas bessere Einblicke in ihre Familie beziehungsweise ihre Familienverhältnisse zu bekommen. Obendrein ist ihre Mutter Najia (Shobna Gulati) Teil des Abenteuers, während Papa Hakim (Ravin J. Ganatra) und Schwester Sonya (Bhavnisha Parmar) die meiste Zeit mit Warterei auf das Teekränzchen verbringen.
Positiv ist natürlich, dass wir wenigstens ein bisschen von Yasmins (Familien-)Umfeld zu sehen bekommen. Wir können uns nach dieser Episode zumindest in Grundzügen vorstellen, wie ihr Familienalltag abläuft und die Gesichter ihrer Familie sowie die einzelnen Rollen sind uns mehr präsent. Aber damit hört es dann auch auf. Chibnall vermeidet es vorerst, wirklich tiefer in die Materie einzutauchen, obwohl es sich angeboten hätte. Sei es zu Beginn oder gegen Ende der Episode - Team TARDIS zusammen am Tisch der Familie Khan hätte nicht nur die Folge, sondern explizit die Figur Yasmin ungemein bereichert und Einblicke liefern können, die die Entscheidung von Yas am Ende womöglich gerechtfertigt hätte. So aber bleibt es nur leere Luft, weshalb sie lieber mit dem Doctor reisen möchte, als in den eigenen vier Wänden zu bleiben.
Glücklicherweise bleibt es bei Ryan und Graham in gewohnten Bahnen. Ganz großes Lob an dieser Stelle für Walsh, deren Figur wir es tatsächlich abkaufen, nicht länger im eigenen Haus bleiben zu wollen, wo er immerzu an Grace (Sharon D. Clarke) erinnert wird und sogar Gespräche mit ihr hat. Das Abenteuer führt zudem dazu, dass sein Verhältnis zu Ryan sich bessert. Nicht nur, weil die beiden im Verlauf der Folge mehrere gemeinsame Szenen bekommen, sondern weil diese Szenen meist sehr gut auf die beiden abgestimmt sind. Zwar wird hier und dort das Ergründen charakterlicher Hintergründe unterbrochen (wie beim Beispiel da oben im ersten Kapitel dieses Textes), aber das Verständnis der beiden für einander wächst, wobei ein bestimmter Brief für Ryan sicher einen guten Teil dazu beiträgt.
Aus meiner Sicht ist jedenfalls klar, weshalb Ryan und Graham lieber durch Raum und Zeit reisen möchten, als sich der heimischen Realität zu stellen. Bei Yas muss derweil noch mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden, ehe ich ihre Entscheidung nachvollziehen kann.
The Doctor

Last but not least möchte ich noch ein paar Worte über den neuen Doctor verlieren. Laut eigener Aussage ist sie noch immer nicht sie selbst und das trifft (leider) den Nagel auf den Kopf. Sicher, es handelt sich bei Whittaker eindeutig um eine neue Inkarnation des Doctors. Die Herangehensweise an die Abenteuer, Analyse der jeweiligen Situation, et cetera pp. - das alles macht den Doctor aus und findet sich auch bei Thirteen wieder.
Aber - und das ist kein kleines Aber - mir fehlt da noch was. Dieses individuelle Etwas, diese kleine Besonderheit am Rande, die jeden ihrer Vorgänger auszeichnete. Es muss keine Flöte, kein Sellerie, keine Jelly-Babies, kein Regenschirm, keine Sonnenbrille oder sonst ein Gegenstand sein - nicht wenige Doctoren sind auch ohne derlei Besonderheiten ausgekommen. Aber jede Inkarnation hatte ihre Eigenartigkeit und besondere charakterliche Merkmale. Das fehlt mir bei Whittaker noch, wird aber hoffentlich bald in Angriff genommen. Traue ich dem Internet, dann haben wir jetzt einen weiblichen David Tennant als Doctor - nicht gerade eine schlechte Wahl (und in gewisser Weise würde ich sogar zustimmen, weil sich in der Tat vieles von Tennant wiederfindet), aber ein neuer Doctor sollte eben neu sein und entsprechend neue charakterliche Züge aufweisen. Ich vermisse die bislang noch, obwohl ich Jodie Whittaker als Doctor sehr mag. Und ihr?
Fazit
Nicht das B-Movie, welches der Titel andeutet, aber die bislang schwächste Episode der Staffel. Im Nachhinein hätte ich Rosa wohl tatsächlich einen halben Stern mehr geben müssen, denn im Vergleich dazu ist Arachnids in the UK doch ein gutes Stück niedriger angesiedelt. Die Charakterarbeit fokussiert sich abermals hauptsächlich auf Ryan und Graham, obwohl Yasmins Chance jetzt eigentlich da ist, aber nicht voll ausgekostet wird. Team TARDIS und der Doctor funktionieren trotzdem, aber das gewisse Etwas lässt noch auf sich warten. Das Abenteuer ist weder Fisch noch Fleisch, wenngleich ich diese Redensart nie verstanden habe - ich mag beides. Wertung? Hmm, sagen wir 3,5 von 5 Sternen?
Trailer zur Episode The Tsuranga Conundrum der Serie Doctor Who (11x05):
Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 30. Oktober 2018Doctor Who 11x04 Trailer
(Doctor Who 11x04)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 11x04
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