Doctor Who 11x03

© zenenfoto aus der âDoctor Whoâ-Folge âRosaâ (c) BBC
Rosa
Es ist immer riskant, Zeitreisen in die Vergangenheit durchzufĂŒhren beziehungsweise Zeitreisende mit bedeutenden geschichtlichen Ereignissen und Figuren zu konfrontieren. Kleinste Interaktionen können eine VerĂ€nderung bewirken, die nicht nur, wie Krasko (Joshua Bowman) es anstrebt, den Verlauf der Geschichte anders gestalten, sondern eben auch die Bedeutung historischer Figuren - in diesem Falle Rosa Parks (Vinette Robinson) - unterminieren.
Die wirklich groĂe HĂŒrde, der Malorie Blackman und Chris Chibnall sich hier stellen mĂŒssen, ist es folglich, Rosa Parks weit genug auf Distanz von unseren vier Helden zu halten, damit diese nicht ihre Entscheidung beeinflussen. Einer der gröĂten Fehler wĂ€re es gewesen, hĂ€tte der Doctor (Jodie Whittaker) erst bewirkt, dass Rosa im entscheidenden Moment nicht aufsteht. Aber auch ein möglicher Einfluss von Ryan (Tosin Cole) oder Yasmin (Mandip Gill) auf die titelgebende Figur - beispielsweise indem sie ihr berichten, welche Bedeutung ihr baldiges Handeln fĂŒr die Zukunft hat - wĂ€re negativ gewesen. Parks Entscheidung musste aus eigener Ăberzeugung gefĂ€llt werden und Rosa schafft es tatsĂ€chlich, diesen wichtigen Punkt zu vermitteln und damit die historische Figur nicht zu verwĂ€ssern.
In Sachen Spannung lieĂe sich vielleicht bemĂ€ngeln, dass die Geschichte trotz aller Widrigkeiten vorhersehbar ablĂ€uft. Ăberhaupt ist die ganze Angelegenheit eine der ruhigeren Geschichten der Serie. Dennoch liefert die Episode gröĂere Schockmomente ab, die bereits in den ersten Minuten und beim ersten Aufeinandertreffen von Rosa mit dem Busfahrer James Blake (Trevor White) hervortreten, und ich kam gegen Ende nicht umhin, mitzufiebern, ob Rosa ihre geschichtlich relevante Sache tatsĂ€chlich durchzieht oder nicht.

Bildung und Doctor Who

Ich weiĂ nicht, wie gut Ihr mit den UrsprĂŒngen von Doctor Who vertraut seid. Aber, als die Serie damals im Jahre 1963 auf Sendung ging, gab es nicht wenige Folgen, die sich mit historischen Ereignissen oder Figuren befassten und neben dem allseits prĂ€senten Science-Fiction-Element auch eine gute Portion Bildung vermitteln wollten. Ob gelungen oder nicht, sei mal dahingestellt, aber zumindest bei den ersten beiden Doctor Whos (gespielt von William Hartnell und Patrick Troughton) gab es stets Episoden, die sich mit historischen Themen oder Figuren befassten. SpĂ€ter wurden derartige Folgen fallengelassen und wenn, gerade seit dem Neustart in 2005, doch einmal geschichtlich relevante Materialien oder Personen behandelt wurden, dann weniger aus bildungstechnischen GrĂŒnden.
Unter Chris Chibnall scheint man jetzt zu diesen UrsprĂŒngen zurĂŒckzufinden. Denn der Science-Fiction-Faktor - hier hauptsĂ€chlich durch Krasko prĂ€sent - wird gewaltig zurĂŒckgeschraubt, wĂ€hrend wir allerhand ĂŒber Rosa Parks und ihren Tagesablauf am 1. Dezember 1955 erfahren. Obendrein wird auch die heutige Relevanz des Themas Rassismus aufgezeigt, wie beispielsweise eines der kleineren GesprĂ€che zwischen Yas und Ryan aufzeigt. BloĂ, weil auf dem Papier die Hautfarbe heutzutage keine Rolle mehr spielt, ist das im Realfall leider auch heute noch nicht wirklich so. Da ist es immer gut, einmal mehr darauf aufmerksam zu machen.
Die gröĂten Schockmomente dieser Episode rĂŒhren dann auch daher, dass uns die ungleiche Behandlung bisweilen recht brutal aufgezeigt wird. Vielleicht schon zu brutal, als Ryan sich beispielsweise zu Beginn einen Schlag ins Gesicht einfĂ€ngt. Andererseits unterstreichen solche Momente und die Tatsache, dass auch die Begleiter des Doctor nicht davor geschĂŒtzt sind, das Thema dieser Woche. Einen richtigen Knoten im Magen bekommt man zudem, als Graham (Bradley Walsh) gegen Ende seine Rolle erkennt und kein Teil davon sein will.
Charaktere

Zu unserem Team kann ich nur schreiben, dass man diese Woche eine bessere Balance gefunden hat. Yasmin (die ich vorher gerne etwas bemĂ€ngelt habe) wirkt weniger wie das fĂŒnfte Rad am Wagen, sondern erhĂ€lt wichtige Aufgaben und genug Screentime mit den anderen, die sie als einen wesentlichen Teil des Teams prĂ€senter gestalten. Da ist zwar noch weiterhin Luft nach oben, aber insgesamt ist sie besser in die Handlung integriert als in den ersten beiden Episoden dieser Staffel.
Ryan ist diese Woche mal wieder verstĂ€rkt im Vordergrund, aber seine Differenzen mit Graham werden auf ein Minimum reduziert. Wir merken vor allem bei der gemeinsamen Aufgabe, Blakes Angelausflug madig zu gestalten, wie gut die beiden zusammenarbeiten können. Die Fronten schlichten sich somit und ein echtes Vater-Sohn-VerhĂ€ltnis rĂŒckt ein gutes StĂŒck nĂ€her.
Unser neuer Doctor ist natĂŒrlich auch dabei, darf Aufgaben verteilen und muss mehrere Situationen - oft aus dem Bereich der Science-Fiction - erklĂ€ren. Mir gefĂ€llt Whittakers Art nach wie vor und sie ist auch in diesem Abenteuer ein wichtiges Element. Dennoch lĂ€sst sie den anderen genug Spielraum, was in Anbetracht des Themas nur verstĂ€ndlich ist.
Zu Rosa Parks muss man nicht viel sagen. GroĂartig gespielt und natĂŒrlich ein integraler Bestandteil des Abenteuers. Ob man Martin Luther King (Ray Sesay) unbedingt hĂ€tte zeigen mĂŒssen? Aus rein geschichtlichen (und bildungstechnischen) GrĂŒnden bestimmt. Aber Ryans Aufeinandertreffen mit ihm hatte eher humoristische ZĂŒge, was zwar vollkommen okay ist, aber eben nicht so ganz zum Rest der Folge passt.

Kommen wir jetzt zu den Bösewichten. An erster Stelle sei der âhistorische Bösewicht" James Blake genannt, der von Trevor White grandios verkörpert wird - seine Rolle kauft man ihm jederzeit ab. Eine hassenswerte Figur, wie sie im (Geschichts-)Buche steht. Ăhnliches gilt fĂŒr die anderen weiĂen Gastdarsteller, die verstĂ€rkt auf die Rassentrennung hinweisen, aber eben nur kurz vorkommen.
Zuletzt mĂŒssen wir aber auch noch den einzigen wirklichen Schwachpunkt der Episode betrachten. Der heiĂt Krasko und ist im Grunde genommen ĂŒberflĂŒssig. So ganz wollten Chibnall und Blackman aber wohl nicht auf Science-Fiction verzichten, weshalb sie diesen Gegenspieler einbauten, der zwar einige (teils bekannte) Gimmicks besitzt, aus der Zukunft kommt und auch eine âStormcage"-Referenz machen darf, aber einen der schwĂ€chsten Bösewichte ĂŒberhaupt darstellt. Ganz zu schweigen davon, dass Bowman sein Charisma scheinbar vor den Dreharbeiten abgeben musste, wirkt er nie bedrohlich. Im Folgenverlauf offenbart sich vielmehr, dass er nur stark begrenzt handeln kann/darf und obendrein verliert er ein Gadget nach dem anderen, was ihm auch das letzte bisschen GefĂ€hrlichkeit raubt. Den muss ich bestimmt nicht wiedersehen, auch wenn die Anlehnung an den Time Meddler aus einem der 1965er Abenteuer der Serie anderes vermuten lĂ€sst...
Besser wĂ€re es gewesen, die Autoren hĂ€tten Krasko schlicht aus dem Drehbuch gestrichen. Ăhnlich wie bei Marty McFlys (Michael J. Fox) erstem Abenteuer in „ZurĂŒck in die Zukunft“ (1985) wĂ€re es effektiver gewesen, unsere Zeitreisenden zu Beginn der Episode das Problem selbst verursachen zu lassen. Einfach eine kleine VerĂ€nderung herbeifĂŒhren (was Krasko die ganze Zeit probiert, mehrfach) und anschlieĂend probieren, die Geschichte wieder in die korrekte Bahn zu bringen...
Fazit

Rosa ist ein riskantes, aber gröĂtenteils gelungenes Experiment, welches die Serie zurĂŒck zu ihren UrsprĂŒngen fĂŒhrt. Dominiert von eher ruhigen, aber trotzdem sehr intensiven Szenen, wird die Rassentrennung thematisiert und zwar, ohne dabei historische Figuren zu verwĂ€ssern. Charakterlich wissen fast alle Figuren zu ĂŒberzeugen, wobei unser kleines Team ausbalancierter als zuvor wirkt. Der einzige echte Schwachpunkt ist der Gegenspieler Krasko, auf den man auch gut hĂ€tte verzichten können. Von mir gibt es erneut vier von fĂŒnf Sternen.
Der Trailer zur Episode Arachnids in the UK (11x04) der UK-Serie Doctor Who:
Verfasser: Christian SchÀfer am Dienstag, 23. Oktober 2018Doctor Who 11x03 Trailer
(Doctor Who 11x03)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 11x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?