Doctor Who 11x02

Doctor Who 11x02

In der Folge The Ghost Monument der UK-Serie Doctor Who wird der Cliffhanger der letzten Episode aufgelöst. Der Doctor und seine neuen Begleiter landen direkt im nächsten Abenteuer, welches ein Wettrennen zur titelgebenden Erscheinung auf einem unwirtlichen Planeten beinhaltet.

Szenenfoto aus der „Doctor Who“-Folge „The Ghost Monument“ (c) BBC
Szenenfoto aus der „Doctor Who“-Folge „The Ghost Monument“ (c) BBC
© zenenfoto aus der „Doctor Who“-Folge „The Ghost Monument“ (c) BBC

The Ghost Monument

Neuer Doctor (Jodie Whittaker), neue Titelsequenz, neue TARDIS. Die letzten beiden Punkte bekommen wir nun endlich in The Ghost Monument zu sehen und die dürften etwas gewöhnungsbedürftig sein. Einerseits recht abgefahren und definitiv neu, was recht gut zur neuen Ära passt. Andererseits in beiden Fällen sehr abstrakt und - im Falle der TARDIS - extrem düster. Da wird es ein wenig dauern, bis ich einen Satz wie „I really like it.“ von mir gebe.

Ähnliches gilt auch für die ersten beiden Abenteuer unserer Protagonisten, jedenfalls rein auf den Plot bezogen. In Sachen TARDIS, die sich bereits früh als das Ziel des Wettrennens zwischen Angstrom (Susan Lynch) und Epzo (Shaun Dooley) entpuppt, wäre es sicher nicht schwer gewesen, diese „Überraschung" mit ein wenig Finesse für das Ende aufzuheben. Einfach den Doctor im Dunkeln über das Aussehen des Zielpunkts lassen und unserem kleinen Team erst am Ende den Ausweg präsentieren. In gewisser Weise macht die Episode das zwar trotzdem (was uns zu einem weiteren Knackpunkt weiter unten im Text führt), aber der Spannung hätte es sicher gutgetan, wenn das Ziel vorerst ungewiss geblieben wäre.

Wobei es an Spannung natürlich trotzdem jede Menge gibt. Bereits der Anfang trägt ziemlich dick auf - teilweise vielleicht sogar etwas zu dick, was den Crash angeht - und der Überlebenskampf auf dem Planeten ist nicht ohne. Zwar können wir unsere Protagonisten aus dem Staffelauftakt als relativ sicher wähnen, aber für die beiden (sehr unterschiedlich eingestellten) Kontrahenten gilt das nicht. Gut, diverse Dinge wie der Einsatz der Zigarre zu einem bestimmten Zeitpunkt sowie das gemeinsame Überschreiten der Ziellinie lassen sich gewissermaßen vorhersehen. Außerdem stört ein wenig die allgemeine Geradlinigkeit der Geschichte, die hauptsächlich daraus besteht, dass unsere Figuren von Punkt A zu Punkt B gelangen, mit neuen Informationen ausgestattet werden und anschließend zu Punkt C marschieren und so weiter. Das ist alles nicht uninteressant und, wie gesagt, an Spannung mangelt es sicher nicht, aber es ist eben auch ein Abenteuer ohne irgendwelche Schlenker oder größere Rätsel - jedenfalls abgesehen davon, was auf dem Planeten einst passiert ist.

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Bevor das jetzt aber zu negativ klingt, sollte betont werden, dass das Abenteuer rein visuell eine echte Augenweide ist. Abseits der wirklich gelungenen Effekte haben sich die Dreharbeiten in Südafrika voll ausgezahlt. Rein optisch macht die Szenerie jedenfalls eine Menge her. Verglichen mit den älteren Staffeln seit 2005 ist hier qualitativ (erneut) ein guter Schub nach oben erfolgt - da kann man kaum noch böse sein, dass es in dieser Staffel nur zehn Episoden gibt. Und die, äh, fliegenden Decken sind eigentlich genau die Bedrohung, wie wir sie aus der Serie kennen: skurril ohne Ende und mit einem Angstfaktor für Kinder ausgestattet, den diese bislang überhaupt noch nicht wahrgenommen haben oder wussten, dass man sich davor überhaupt fürchten kann.

Angstrom und Epzo

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Mit Chris Chibnall am Steuer, der übrigens auch diese Folge geschrieben hat, können wir uns offensichtlich darauf verlassen, dass auch die Gastfiguren nicht zu kurz kommen. Es ist jedenfalls ein gewaltiger Pluspunkt, dass wir hier die Motivationen von Angstrom und Epzo nachvollziehbar präsentiert bekommen. Lynch hat es vielleicht etwas leichter, unsere Sympathien zu gewinnen, schließlich verkörpert Angstrom „die Gute", die sich selbst mit einem Gewinn nicht sicher sein kann, ob sie ihre Familie wiederfindet, dabei aber eben kein egoistisches Ziel verfolgt.

Dooleys Epzo, der Einzelgänger und scheinbare Unsympath, der hier einiges über Teamwork lernen darf, ist nicht minder interessant und weit davon entfernt, ein Bösewicht zu sein. Seine Entwicklung mag von Beginn an offensichtlich sein, ist aber trotzdem gelungen und obendrein klasse dargestellt. Und hey, Epzo scheint das power nap erfunden zu haben - alleine das verdient schon einen großen Pluspunkt.

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Die Rolle des Bösewichts nimmt eher Ilin (Art Malik) als Ausrichter der Veranstaltung ein, von dem wir aber nicht sehr viel zu sehen bekommen. Dafür - und mit Blick auf Bösewichte - erfahren wir, dass die Stenza für den Zustand des Planeten verantwortlich sind. Da formiert sich ein neuer, dauerhafter Gegner für den Doctor, der nicht zu Scherzen aufgelegt ist. Inwiefern sich in weiteren Episoden ebenfalls eine (direkte oder indirekte) Präsenz dieser kriegerischen Aliens zeigt, bleibt noch abzuwarten. Aber sie hinterlassen zumindest in den ersten beiden Episoden einen recht großen Fußabdruck und lassen somit vermuten, den Staffelbösewicht zu verkörpern.

Ryan und Graham (und Yasmin)

Zu Beginn der Folge werden Ryan (Tosin Cole) und Graham (Bradley Walsh) von Yasmin (Mandip Gill) und dem Doctor getrennt. Hier zeichnet sich storytechnisch bereits ab, was uns nach dem Wiedersehen auf dem fremden Planeten ebenfalls präsentiert wird: Ryans und Grahams Verhältnis zueinander, welches sich von den beiden anderen Figuren ein wenig abschirmt und welches nach dem Tod von Grace (Sharon D. Clarke) ähnlich stark belastet ist wie zuvor. Es muss jedenfalls noch einiges passieren, ehe Ryan Graham als seinen Vater annimmt. Aber das Gespräch zwischen den beiden, in dem der eine dem anderen vorwirft, zu viel über seine Gefühle zu sprechen, während der andere meint, Ryan spreche zu wenig darüber, ist genau der Knackpunkt, der eine solche Beziehung voranbringt. Unterschiede finden und benennen, um daraus einen möglichen, gemeinsamen Werdegang zu finden, mit dem beide glücklich sein können.

Rein charakterlich genießt Ryan die größte Aufmerksamkeit des Zuschauers. Er steht des Öfteren im Mittelpunkt und zwar nicht nur durch seine Dialoge mit Graham. Erwähnenswert ist sein Versuch, den Robotern mit Waffengewalt beizukommen, was unser Doctor natürlich nicht gutheißen kann. Ryan lernt dadurch eine Lektion, die ihn beinahe das Leben kostet, aber eben auch aufzeigt, nach besseren (friedlicheren) Alternativen zu suchen. Im übertragenen Sinne könnte er diese Lektion folglich auf sein Verhältnis zu Graham anwenden und seine verbalen Waffengeschütze herunterfahren. Oder interpretiere ich jetzt zu viel in die Situation hinein? Wie auch immer, Ryan steht auch in der zweiten Episode im charakterlichen Fokus und schlägt sich sehr gut, denn er bleibt stets nachvollziehbar und dürfte kaum Sympathien einbüßen.

Bei Graham hingegen sieht das Ganze ein bisschen anders aus. Etwas zu oft lässt er gegenüber unserem Doctor den Skeptiker heraushängen, hinterfragt die weiteren Schritte und läuft Gefahr, als Figur zu repetitiv zu werden. Ohne sein Bedürfnis, als Ryans Vaterfigur zu fungieren, könnte man ihn schon fast als Griesgram bezeichnen. Da fehlt noch eine gute Portion Abenteuerlust und Begeisterung, wenn er weiterhin als Begleiter dabei sein möchte. Mit anderen Worten: Seine Motivation darf in Zukunft nicht nur darauf abzielen, sich mit Ryan besser zu verstehen.

Zuletzt haben wir noch Yasmin, die... anwesend ist, aber eher unscheinbar bleibt. Es gibt zwar ein paar kleine Infos zu ihrer Familie, die sie im Gespräch mit Angstrom offenbart. Aber unterm Strich muss sie noch deutlich mehr in den Vordergrund treten, um unser Interesse zu wecken. Mag sein, dass Chibnall hier wegen des Todes von Grace vorerst verstärkt Ryan und Graham behandelt und Yasmin deshalb auf die Ersatzbank verschoben wird. Aber da muss möglichst bald ein großer Auftritt ihrerseits kommen, wenn sie nicht dauerhaft zur Nebenfigur des Teams werden soll.

The Doctor

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Kleine Anmerkung vorweg: Jodie Whittaker ist natürlich eine Frau, aber der Begriff „Doctor" ist für mich männlich und ich würde nur ungern zu „Doctoressa" oder so was umschwenken. Die Briten haben es da mit ihrem Artikel etwas einfacher, kann „the" doch alles Mögliche bedeuten und wird bei Männlein, Weiblein und (neutralen) Gegenständen gleichermaßen verwendet. Insofern, ja, ist Jodie Whittaker für mich jetzt „der" Doctor. Widersprüche oder bessere Lösungen zu diesem Dilemma nehme ich gerne in den Kommentaren entgegen.

Aber weiter im Text. Der neue Doctor weiß schon zu gefallen. „Quirlig" war glaube ich der Begriff, der in den Kommentaren zum letzten Review des Öfteren benutzt wurde und da würde ich zustimmen. Nicht zu verwechseln mit „hibbelig" - ein Wort, welches ich doch stark mit Matt Smith als Doctor verbinde (allerdings im positiven Sinne). Whittaker ist sicherlich auf ähnlichen Bahnen wie Smith unterwegs, hinterlässt aber einen deutlich geerdeteren Eindruck. Sie bringt auf jeden Fall eine große Emotionalität für die Rolle mit und das gefällt. Trotzdem sind die Reaktionen des Doctor meist nicht überemotional, sondern erfolgen überlegt, begründet und vor allem zielgerichtet. Von ganz wenigen Abern abgesehen sind hier alle Voraussetzungen für einen sehr guten Doctor erfüllt.

Aber (hehe) eine Szene ließ mich doch ein wenig säuerlich aufstoßen. Gegen Ende, als unsere Truppe von Angstrom und Epzo verlassen dasteht und vollkommen alleine ist. Der Doctor wirft hier scheinbar die Flinte ins Korn, weil die TARDIS sich nicht blicken lässt und das passt nicht. Klar, mir ist die Intention hinter der Szene bewusst - steht die gesamte Episode doch unter dem Motto des Teambuilding. Jetzt ist es folglich an den Begleitern, den Spieß umzudrehen und dem Doctor neuen Mut zu verleihen. Trotzdem verkrampft sich da etwas in meinem Magen, wenn der Doctor ratlos bis hoffnungslos auftritt, zumal der Planet ohnehin nicht mehr in seiner Bahn war und die zeitlichen Intervalle des TARDIS-Auftritts nicht unbedingt sekundengenau definiert wurden. Böse Zungen könnten jetzt meinen, dass „die Frau" als Doctor zu verwundbar dargestellt wird und schlimmer noch, „ihre" Schwäche kurz darauf mit „I don't know what you mean.“ abstreitet. Umgekehrt: Der Doctor gibt nicht auf, während die Begleiter bloß einen leeren Hügel sehen - das wäre mir deutlich lieber gewesen. So nach dem Motto: „Just wait for it.

Zuletzt sei noch eine weitere Szene angemerkt, die mir nicht aus dem Kopf geht, die ich aber gefeiert habe. Ich sage nur „Venusian Aikido“. Ich weiß, hat Peter Capaldi als Doctor auch benutzt. Aber der Ursprung von Whittakers Szene dieser Woche liegt eindeutig bei der Doctor-Inkarnation von Jon Pertwee. Seht selbst: Venusian Karate - Inferno.

Fazit

Das neue Abenteuer ist leicht besser als der Staffelauftakt, wenngleich zu geradlinig und mitunter zu vorhersehbar. Aber optisch eben verdammt toll anzuschauen und an Spannung fehlt es auch nicht. Charakterlich fehlt hingegen noch die Balance zwischen den neuen Begleitern, denn Yasmin kommt deutlich zu kurz, während Ryan vielleicht schon zu sehr im Mittelpunkt steht und Graham noch ein bisschen die passende Motivation fehlt. Unser Doctor macht derweil einen sehr guten Job, allerdings nicht ganz ohne Kritik. Über den Daumen gepeilt bleibe ich bei vier von fünf Sternen, auch wenn da ein halber Stern mehr sicher gerechtfertigt wäre.

Der Trailer zur Episode Rosa (11x03) der UK-Serie Doctor Who:

Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 16. Oktober 2018

Doctor Who 11x02 Trailer

Episode
Staffel 11, Episode 2
(Doctor Who 11x02)
Deutscher Titel der Episode
Das Geistermonument
Titel der Episode im Original
The Ghost Monument
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Sonntag, 14. Oktober 2018 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 7. Februar 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 7. Februar 2019
Regisseur
Mark Tonderai

Schauspieler in der Episode Doctor Who 11x02

Darsteller
Rolle
Bradley Walsh
Tosin Cole
Mandip Gill

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