Doctor Who 11x01

Doctor Who 11x01

Mit der Folge The Woman Who Fell to Earth startet die elfte beziehungsweise 37. Staffel der UK-Serie Doctor Who. Uns erwartet ein neuer, erstmals weiblicher Doctor sowie ein neues Team vor und auch hinter den Kulissen. Beginnt jetzt eine neue Ära für die Serie?

Doctor Who
Doctor Who
© BBC One

Frischer Wind oder bekannte Gefilde?

Diese Frage lässt sich nicht einfach beantworten, denn die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Zunächst einmal lässt sich aber festhalten, dass The Woman Who Fell to Earth sich nicht großartig von anderen Abenteuern des Doctors unterscheidet. So gilt es ein weiteres Mal, dem Treiben eines Aliens - in diesem Fall Tim Shaw oder „Tzim-Sha" (Samuel Oatley) - ein Ende zu setzen. Unsere Protagonisten müssen dabei vorerst - ebenfalls nicht unüblich - herausfinden, was vor sich geht, ehe sie dem Eindringling und Häscher von Karl (Jonny Dixon) im Schlussakt die Stirn bieten. Auf die Story gehe ich gleich noch etwas mehr ein, aber im Großen und Ganzen ist es ein Abenteuer, wie es schon mehrfach zu sehen war - mit Stärken und Schwächen.

Neu und mit Sicherheit von einigen Zuschauern mit Skepsis betrachtet, ist natürlich Jodie Whittaker als die nächste Inkarnation des Doctors, die sich im wahrsten Sinne des Wortes mitten ins Abenteuer stürzt. Die Episode weigert sich aber, abgesehen vielleicht von einigen leicht amüsanten Szenen zu Beginn und Ende der Folge, ein großes Aufsehen aus dem neuen Geschlecht des Doctors zu machen - und das ist gut. Ähnlich, wie Matt Smith damals seine langen Haare bemerkte, nimmt der neue Doctor seine Weiblichkeit zur Kenntnis und macht direkt weiter. Akzeptiert und weiter im Text - eine Botschaft, die dem Zuschauer damit deutlich vermittelt wird.

Was die Folgen der Regeneration angeht, bleibt der neue Doctor übrigens wieder in halbwegs bekannten Gefilden, was vielleicht weniger positiv zu betrachten ist. Klar, es wäre schon arg merkwürdig, wenn sich so gar keine Folgen bemerkbar machen würden. Aber es fällt doch ein wenig schwer, den neuen Charakter zu greifen, wenn die Regeneration noch nicht so ganz abgeschlossen ist. An verschiedenen Stellen entsteht hier der Eindruck, dass Whittaker ein bisschen von den Vorgängern kopiert und noch ihre eigene Doctor-Identität sucht. Aber das kann natürlich auch volle Absicht sein, um uns wie ihr die Möglichkeit zu geben, sich an die neue Persönlichkeit heranzutasten.

Außerdem muss an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass sich nun ein ganzes Team von Begleitern an der Seite des Doctors wiederfindet. Das ist ebenfalls neu (jedenfalls für die Serie ab 2005) und birgt immer die Gefahr, dass jemand zu kurz kommt. In Sachen Charakterisierung zieht Chris Chibnall allerdings alle nötigen Register, um schon von Beginn an wissen zu lassen, wie jede einzelne Figur tickt. Erstaunlicherweise gilt das auch für fast alle Nebenrollen, was beinahe jeder Figur mehr Substanz verleiht, als wir es gewohnt sind. Nicht schlecht für einen Auftakt.

Das Abenteuer

Das eigentliche Abenteuer des Staffelauftakts ist genau das, was noch am meisten Kritik erntet. Angefangen mit der „Idee" - die stark an John McTiernans „Predator" von 1987 erinnert und deshalb nun nicht gerade originell ist - machen sich während der Episode diverse Fragen breit, die nicht beantwortet werden. Warum werden die DNA-Bomben beispielsweise nicht direkt oder kurz, nachdem Karl den Zug verlassen hat, gezündet? Es sollten doch Zeugen beseitigt werden. Und was ist jetzt mit Rahuls (Amit Shah) Schwester und der anderen Beute der „Raubtiere" - tot sind die schließlich nicht, sondern warten auf Rettung. Okay, dank Karl konnte unser Doctor kaum dem Predator in die Heimat folgen und es ist möglich, dass das Thema noch aufgegriffen wird. Aber falls dem so sein sollte, hätte ich mindestens noch eine kleine Bemerkung darüber erwartet.

Außerdem ist auffällig, dass es sich hier um ein recht düsteres, zuweilen gar brutales Abenteuer handelt. Zwar hatte die Serie davon im Laufe der Zeit einige, die in ähnlichen Gefilden unterwegs waren, aber die Todesrate ist schon ziemlich hoch und, da ein Großteil des Abenteuers bei Nacht stattfindet, macht sich die Vermutung nach einem Ansatz breit, der weniger familienfreundlich ist. Zwar schwenkt die Kamera beim richtigen Horror weg oder kaschiert gegebenenfalls die blutigen Ereignisse anderweitig (beispielsweise, indem wir eben kein Blut sehen, nachdem Grace (Sharon D. Clarke) tödlich gestürzt ist), aber dennoch machen sich bei mir leichte Bauchschmerzen breit, was die (neue) Präsentation angeht. Ich kann zwar nicht vorhersehen, ob die kommenden Abenteuer ähnlich gestaltet werden, aber für den Auftakt hätte ich mir einen etwas „harmloseren" Plot gewünscht.

Das gesagt, kann man dennoch beeindruckt sein. Das Design des Bösewichts sieht gut aus und ist wirkungsvoll (vielleicht startet da sogar ein neuer Trend - „Teething" statt Piercing), außerdem sieht er auch mit Rüstung sehr bedrohlich aus. Wenn mich nicht alles trügt, sind die Effekte ganz allgemein ein gutes Stück nach oben geschraubt worden. Man spürt die Höhe auf dem Kran förmlich und selbst das merkwürdige Gekräusel, welches im Zug erstmals auftaucht, wirkt eine ganze Ecke echter als so mancher Effektversuch in der Vergangenheit. Da wird nicht gekleckert, sondern geklotzt.

Die neuen Begleiter

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So wirklich viel will und kann ich an dieser Stelle nicht schreiben. Die neuen Companions des Doctors hinterlassen allesamt direkt einen Eindruck, der in Zukunft sicher noch weiter ausgearbeitet wird, aber bereits im Auftakt gute Formen annimmt. Überraschend und auch sehr dramatisch bleibt hier auf jeden Fall Grace in Erinnerung, mit deren Ableben ich jetzt nicht gerechnet hatte. Das ist schon ein echter Schock, der dramatisch auch voll ausgekostet wird und sicher den weiteren Weg von Ryan (Tosin Cole) und Graham (Bradley Walsh) bestimmen wird.

Ryan wird mit Anfang und Ende der Episode (wobei die Video-Blogs irgendwie blöd sind - wer macht denn so was?) quasi als Kernstück oder wichtigster Begleiter ins Bild gesetzt. Da macht sich schnell der Gedanke breit, er steht im Zentrum von allem, was aber falsch ist. Tatsächlich ist er nur Teil eines Ensembles und im Auftakt etwas präsenter inszeniert. Wir erfahren über ihn etwas mehr als über die anderen, aber das kann sich in Folge zwei schon wieder ändern. Zudem erhält er durch seine Krankheit ein gewisses Etwas, eine Schwäche, die sich auch in Zukunft noch bemerkbar machen wird, aber ebenfalls eine Stärke sein könnte (jedenfalls mit Blick auf die Serie). Sympathisch und menschlich eben - reicht mir, um die Figur zu mögen.

Yasmin (Mandip Gill) hat es da schon schwerer, mich zu überzeugen. Hier fehlt auch noch ein gutes Stück Charakterisierung, also abseits der Tatsache, dass sie zusammen mit Ryan zur Schule ging (was aufgrund des Alters der jeweiligen Darsteller ohnehin fragwürdig ist). Aber gut, sie scheint das Herz am rechten Fleck zu haben, ist offen für das Abenteuer und erweist sich durchaus als nützlich während der Folge. Obendrein ist sie auch ohne weiteren Hintergrund sympathisch, der vermutlich in kommenden Episoden noch weiter ausgearbeitet wird.

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Graham beziehungsweise Walsh hat es im Auftakt am schwersten. Seine Rolle lässt ihn von Beginn an weniger gut dastehen, schließlich stellt er einen Konfliktpunkt in Ryans Leben dar. Er ist es auch, der dem Doctor am skeptischsten gegenübersteht. Da kann man nur den Hut ziehen, dass er trotzdem jede Menge Sympathiepunkte einheimsen kann - vor allem am Ende, welches uns noch einige Hintergründe zur Figur liefert.

Unterm Strich würde ich meinen, dass das Ensemble an Companions verdammt gut funktioniert. Es braucht nicht immer nur eine Figur, die dem Doctor nahesteht. Es können auch mehrere sein, die ihn begleiten (was damals zur Zeit der alten Serie übrigens nicht ungewöhnlich war). Mir gefallen jedenfalls die Möglichkeiten, die sich aus der Konstellation ergeben. Potential und so. Bin gespannt, was Chibnall und sein Team draus machen.

The Doctor

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Ich habe es anfangs bereits erwähnt. Für mich ist der neue Doctor noch nicht so wirklich greifbar, weil die Folgen der Regeneration noch die Persönlichkeit verschleiern. Aber Whittaker spielt ihre Rolle gut, fühlt sich wie der Doctor an und handelt auch so. Und genau das ist vorerst der wichtigste Punkt. Alles andere muss sich noch zeigen.

Ob männlich oder weiblich ist mir schnuppe. Schwarz oder weiß oder gelb oder rot? Vollkommen egal. Hauptsache, ich finde den Doctor irgendwo wieder und die Abenteuer lassen mich nicht im Stich. Mit dem Auftakt lassen sich solche Befürchtungen aber leicht beiseiteschieben. Joa, das Abenteuer war jetzt kein Hit, aber in Ordnung. Dafür zeigt sich ein großes Augenmerk auf character building, was sich, wie gesagt, auch bei Nebenrollen zeigt. Insofern bin ich sehr zuversichtlich, dass der neue Doctor mein Herz sehr schnell erobern wird. Aller Anfang ist (immer) schwer, wovon gerade Whovians ein Lied singen können. Und manchmal geht es sich nicht aus, jedenfalls, wenn ich auf die Colin Baker-Ära schaue. Aber auch das hat mich nicht vom Weiterschauen ferngehalten.

Aber jetzt seid Ihr dran. Gefällt Euch der neue Doctor? Wie kommt das neue Team von Begleitern an? Mochtet Ihr das Abenteuer? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

Fazit

Ein sehr gelungener Auftakt, der aber keineswegs so neu und innovativ ist, wie er hätte sein können. Dafür hätte das Abenteuer sich einfach mehr abheben müssen, denn daran krankt es noch am meisten. Jodie Whittaker macht hingegen einen guten bis sehr guten Job, ist aber als Doctor noch ein wenig unnahbar, weil noch die genannten Regenerationsfolgen bestehen. Das Team an Begleitern passt, auch wenn hier und dort noch etwas mehr Präsenz gezeigt werden darf. Unsereins ist erst mal sehr zufrieden, hätte gerne etwas mehr gehabt, aber für vier von fünf Sternen reicht es alle mal.

Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 9. Oktober 2018

Doctor Who 11x01 Trailer

Episode
Staffel 11, Episode 1
(Doctor Who 11x01)
Deutscher Titel der Episode
Die Frau, die zur Erde fiel
Titel der Episode im Original
The Woman Who Fell to Earth
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Sonntag, 7. Oktober 2018 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 31. Januar 2019
Regisseur
Jamie Childs

Schauspieler in der Episode Doctor Who 11x01

Darsteller
Rolle
Bradley Walsh
Tosin Cole
Mandip Gill

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