Doctor Who 10x13

Doctor Who 10x13

Mit dem Weihnachtsspecial Twice Upon A Time der UK-Serie Doctor Who verabschiedet sich Peter Capaldis Doctor von den Bildschirmen. Zuvor erlebt er aber noch ein letztes Abenteuer und erhält dabei ungewöhnliche Unterstützung.

Poster zum Weihnachtsspecial „Twice Upon a Time“ (c) BBC One
Poster zum Weihnachtsspecial „Twice Upon a Time“ (c) BBC One
© oster zum Weihnachtsspecial „Twice Upon a Time“ (c) BBC One

Twice Upon A Time

Dass das Weihnachtsspecial dieses Jahr sehr ungewöhnlich werden würde, ließ sich bereits den letzten Minuten von The Doctor Falls entnehmen, wo David Bradley als der erste Doctor einen Überraschungsauftritt hatte. Entsprechend startet Twice Upon A Time mit einigen Originalaufnahmen aus dem letzten Abenteuer des ersten Doctors, welches dem geneigten Fan als The Tenth Planet bekannt sein dürfte. Neben William Hartnell gibt es dort auch kurz Anneke Wills als Polly und Michael Craze als Ben zu sehen - die damaligen Begleiter des Doctors - ehe David Bradley, Lily Travers und Jared Garfield diese Rollen übernehmen.

Showrunner und Autor Steven Moffat holt für seine Abschiedsvorstellung noch einmal weit aus und zeigt uns in den ersten Minuten, dass auch die erste, originale Inkarnation des Doctors von 1963 sich gegen die Regeneration wehrte. Das ist selbstredend gefährlich, wird dadurch doch der Verlauf der damaligen Originalfolge verändert - böse Zungen mögen gar behaupten, Moffat pfuscht hier ein letztes Mal in der Vergangenheit herum. Mit Blick auf die Auflösung des Weihnachtsspecials lässt sich dieser Eingriff allerdings verschmerzen, denn die Veränderungen halten sich in Grenzen, so dass The Tenth Planet nach wie vor Bestand hat - wir dürfen am Ende sogar die effekttechnisch sehr gelungene erste Regeneration des Doctors erneut begutachten, die die Staffelübergabe an den zweiten Doctor Patrick Troughton zeigt.

„Twice Upon a Time“
„Twice Upon a Time“ - © BBC One

Nachdem dann die Prämisse gesetzt ist, lebt das Special von den Interaktionen der beiden Doctoren. One und Twelve (Peter Capaldi) geben dabei den Generationsunterschied zum Besten, was oftmals zu sehr amüsanten Dialogen und Szenen führt. David Bradley verkörpert die Rolle (soweit mich mein Gedächtnis nicht trügt) ziemlich grandios. Es kommen jedenfalls nicht nur beim Anblick der alten TARDIS oder der Kostüme von One nostalgische Momente zum Vorschein. Das Aufeinandertreffen weckt ferner Erinnerungen an The Two Doctors und The Five Doctors, wo damals schon unterschiedliche Inkarnationen unseres zeitreisenden Time Lords ein Abenteuer bestehen mussten und ihre Differenzen zum Besten gaben. Und damit kommen wir gleich zur eigentlichen Krux der Episode, denn das Abenteuer ist nicht wirklich eines.

Testimony

Die Entität, die schon zu Beginn der Folge in das Geschehen eingreift, gilt für lange Zeit als das große Mysterium, welches es zu entschlüsseln gilt. Der Doctor vermutet einen sinisteren Plan hinter dem Ganzen und traut auch der zurückgekehrten Bill Potts (Pearl Mackie) nicht über den Weg. Der vierte im Bunde der Hauptfiguren ist „The Captain“ (Mark Gatiss), der durch das Aufeinandertreffen der beiden Doctoren dem Schlachtfeld des ersten Weltkriegs entrissen wurde, wo er sich gerade in einer vermeintlich tödlichen Situation befand.

Alle vier Hauptfiguren haben hier auf die eine oder andere Weise mit dem Thema Tod und Loslassen zu tun, welches in die gesamte Episode integriert ist und den roten Faden darstellt. Hier schwingen auch verstärkt die ernsteren, dramatischen Momente durch, zumal wir als Zuschauer bereits wissen, worauf es am Ende hinauslaufen muss (okay, zumindest bei den Doctoren und Bill können wir uns sicher sein). Und es ist gut, dass sowohl Moffat als auch Regisseurin Rachel Talalay sich genug Zeit nehmen, um diesen vier Figuren Raum zum Atmen zu geben. Charakterlich lässt sich Twice Upon A Time jedenfalls kaum etwas vorwerfen.

David Bradley und Lily Travers in „Twice Upon a Time“
David Bradley und Lily Travers in „Twice Upon a Time“ - © BBC One

Aber - und das ist der eigentliche Knackpunkt - das Abenteuer kommt dabei zu kurz. Rusty der Dalek aus Into the Dalek wirkt da ähnlich fehlplatziert wie die Auflösung, um wen es sich bei der übermächtigen Entität handelt. Denn da ist kein böser Plan, den es aufzuhalten gilt. Da ist kein Gegenspieler, den man austricksen muss. Das gesamte Abenteuer fällt in dem Moment in sich zusammen, als uns „Testimony“ vorgestellt wird. Für eine Einzelfolge wäre das unter Umständen eine angenehme Überraschung gewesen. Also, die Erwartungshaltung des Zuschauers auf den Bösewicht derart aufzubauen und schließlich ins Leere laufen zu lassen. Aber hier fühlt man sich doch irgendwie um ein letztes großes Abenteuer betrogen. Obendrein ist es durch Testimony nun möglich, jeden x-beliebigen Charakter zurückzuholen, wenn man ihn oder sie mal braucht, wodurch jedweder Figurentod an Bedeutung verliert.

Dabei ist irgendwo offensichtlich, was Moffat hier in seiner Abschlussvorstellung vermitteln möchte. Er kommt thematisch auf den Schluss seines ersten Zweiteilers der Serie zurück. Denn am Ende von The Doctor Dances verkündet Nine (Christopher Eccleston) hocherfreut, dass jeder das Abenteuer überstanden hat. „Everyone lives.“ Für eine Weihnachtsfolge sicher nicht verkehrt, aber gleichzeitig wieder derart übertrieben, dass dieser Satz des Doctors nun selbst dann Gültigkeit haben wird, wenn künftige Figuren ihr Leben lassen.

Peter Capaldi in „Twice Upon a Time“
Peter Capaldi in „Twice Upon a Time“ - © BBC One

Weihnachtsfrieden 1914

Die angenehmere Überraschung, die das Ende der Episode dann auch wieder sehr weihnachtlich gestaltet, betrifft den Captain. Denn während unsere beiden Doctoren lediglich davon überzeugt werden müssen, sich der jeweiligen Regeneration hinzugeben - Bill leistet da wirklich fantastische Arbeit - steht dem Vorfahren eines gewissen Lethbridge-Stewart ein vermeintlich unangenehmeres Schicksal bevor. Er muss zurück an die Front, wo er bereits zu Beginn einem deutschen Soldaten gegenübersaß - beide im Begriff, auf den jeweils anderen zu schießen.

Doch statt eines (doppelten?) Knalls vernehmen wir plötzlich weihnachtlichen Gesang und erleben mit, wie die gegnerischen Lager ihre Waffen niederlegen, aufeinander zugehen und den Krieg (wenn auch nur für kurze Zeit) vergessen. Diese Szenen sind berührend und herzerwärmend und leiten schließlich den Abschied von Twelve ein, der neben Bill auch noch einmal Nardole (Matt Lucas) und Clara (Jenna Coleman) zu sehen bekommt. Das drückt auf die Tränendrüse.

Auf Wiedersehen und herzlich Willkommen

Nachdem seine erste Inkarnation und seine Begleiter sich verabschiedet haben, ist es dann am Doctor, die letzten Schritte bis zur Regeneration alleine zu gehen. Capaldi legt sich hier ordentlich ins Zeug und präsentiert uns eine gelungene Abschiedsvorstellung, die vielleicht nicht ganz an die Regenerationsfolge von Ten (David Tennant) heranreicht, sich aber nichtsdestotrotz sehen lassen kann.

Für mich war Peter Capaldi jedenfalls ein großartiger Doctor, der mit seiner ganz eigenen Art frischen Wind in die Serie brachte und mich während seiner drei Staffeln stets positiv überzeugt hat (auch wenn sich das sicher nicht von allen Abenteuern behaupten lässt). Müsste ich eine Topliste (der Serie ab 2005) erstellen, würde er bei mir auf dem zweiten Platz knapp hinter David Tennant landen, aber vor Matt Smith und Christopher Eccleston. Mein All-Time-Fav (der gesamten Serie) bleibt aber sicher Tom Baker. Wie sieht das bei euch aus?

Bleibt jetzt noch, der neuen Inkarnation des Doctors ein herzliches Willkommen zu wünschen. Jodie Whittaker wird nun am Steuer der TARDIS sitzen und wir dürfen gespannt sein, wie sich die erste weibliche Inkarnation unseres Time Lords (den wir ab jetzt wohl Time Lady nennen können) schlagen wird. Moffat liefert hier einen sehr fiesen Cliffhanger ab, der es seinem Nachfolger Chris Chibnall nicht leichtmachen dürfte, eine Auflösung zu finden. Wir sind gespannt.

Peter Capaldi und Pearl Mackie in „Twice Upon a Time“
Peter Capaldi und Pearl Mackie in „Twice Upon a Time“ - © BBC One

Fazit

Ein abschließendes Urteil ist nicht einfach zu finden. Was die Figurenkonstellationen betrifft, weiß hier durch die Bank weg nahezu alles zu gefallen, wobei es größere Portionen Fanservice, Nostalgie und Humor, aber auch gute, dramatische Momente gibt. Weihnachtliche Stimmung kommt erst gegen Ende auf, wo sich aber auch ein wenig Wehmut bemerkbar macht und erwartungsgemäß auf die Tränendrüse gedrückt wird. Negativ(er) hingegen lässt sich das eigentliche Abenteuer betrachten, das die Figuren bestehen müssen, welches aber plötzlich verpufft, womit sich alles leerer anfühlt, als es sein müsste. Bei mir überwiegen aber am Ende die positiven Momente, weshalb ich 4 von 5 Sternen springen lasse und gespannt der nächsten Staffel entgegenblicke. Thank you, Peter.

Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 26. Dezember 2017

Doctor Who 10x13 Trailer

Episode
Staffel 10, Episode 13
(Doctor Who 10x13)
Deutscher Titel der Episode
Aus der Zeit gefallen
Titel der Episode im Original
Twice Upon a Time
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Montag, 25. Dezember 2017 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 10. Januar 2018

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?