Dexter 9x01

© zenenfoto aus der Episode Cold Snap der Serie Dexter - New Blood (c) Showtime
Als der US-Kabelsender Showtime vor knapp einem Jahr das unverhoffte Dexter-Revival aus dem Hut zauberte, waren die Stimmen unserer Community gespalten zwischen Begeisterung und Bammel (hier Eure damaligen Kommentare). Das Misstrauen nach dem verpatzten Serienfinale von 2013 saß und sitzt noch tief, zumal der Krimi mit Michael C. Hall als Mörder der Mordenden schon nach der vierten Season nur noch ein Schatten seiner selbst war.
Erklären lässt sich dieser Einbruch zur Mitte des Serienlaufs sicherlich ein Stück weit durch den Ausstieg von Clyde Phillips, der genau zu der Zeit aus privaten Gründen den Showrunner-Posten aufgab. Aber auch die jeweiligen Schurken waren stets ausschlaggebend für den Erfolg einer Dexter-Staffel, weshalb die vierte Season für viele Fans nach wie vor als Nonplusultra gilt: Denn sie hatte den Trinity Killer, gespielt von John Lithgow. (Kleiner Fun Fact am Rande: Sowohl Lithgow als auch Hall traten in The Crown zuletzt als legendäre Politiker auf, Winston Churchill und John F. Kennedy).
Dass natürlich nicht nur der damalige Hauptdarsteller Hall, sondern auch der Chef-Autor Phillips und - zumindest als Cameo - sogar Lithgow in der neunten Season mitmischen werden, hat den Optimismus für das Revival, das unter dem Titel „Dexter: New Blood“ vermarktet wird, bei vielen Skeptikern erhöht. Trotzdem muss Dexter nun einiges leisten, um seine Wiederauferstehung nach acht Jahren in der Serienhölle zu rechtfertigen.
Den Auftakt zur achtteiligen Event-Season, welche die Geschichte vom sonnigen Miami in eine verschneite Kleinstadt im Bundesstaat New York verlagert, macht die Episode Cold Snap (9x1). Wie alle Folgen wurde sie vom Dexter-Veteran Marcos Siega inszeniert. Eine Reihe neuer Figuren wird vorgestellt, aber auch ein paar alte Gesichter sind zu sehen...
Was passiert?
Die erste Einstellung gehört tatsächlich dem Holzfäller Dexter, den die Fans im Finale früher so verteufelten. Diese Rechnung muss nun beglichen werden, weshalb sich schnell herausstellt, dass der Protagonist nach seiner Flucht in den hohen Norden gar nicht mal so abgeschieden lebt. Sein Sozialleben kann sich für einen Psychopathen ziemlich sehen lassen: Die ganze Kleinstadt Iron Lake scheint ihn zu mögen, so dass Dexter wie in einem Romcom-Opening mit jedem Bürger im Vorbeigehen locker Smalltalk hält. Das wirkt bisweilen etwas lächerlich, ist aber leider nicht das einzige Klischee.
Dexters neue Freunde kennen ihn selbstverständlich nicht als Dexter, sondern als Jim Lindsay (der Name ist eine Hommage an den Autoren der Comicvorlage zur Serie). Lustigerweise datet Dexter beziehungsweise Jim die lokale Polizeichefin Angela Bishop (Julia Jones). Wie echt seine Gefühle für sie sind, ist anfangs schwer einzuschätzen. Die beiden haben eine gute Chemie, aber wir wissen, dass Dexter stets einen engen Kontakt zum Gesetz gepflegt hat, um sich selbst zu schützen. Betrachtet man derweil sein bisheriges Liebesleben, sollte Angela lieber Schluss machen, bevor sie stirbt...

Dexter arbeitet nicht mehr als Blutspurenanalytiker und zum Glück auch nicht als Holzfäller. Vielleicht, um als Amerikaner möglichst wenig aufzufallen, hat er sich dazu entschieden, Waffen zu verkaufen. So lernen wir ein weiteres neues Gesicht kennen: den Tunichtgut Matt (Steve M. Robertson). Bei seiner Charakterzeichnung könnten die Serienmacher kaum dicker auftragen, um klarzumachen, dass er ein Unsympath ist, dem wir den baldigen Tod wünschen sollen. Seine Szenen sind teils kaum zu ertragen - und man hätte Dexter sicherlich auch subtiler vom Pfad der Blutabstinenz ableiten können. Auch wirkt es etwas unpassend, dass am Ende ausgerechnet ein toter Hirsch für Dexter das Fass zum Überlaufen bringt.
Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass er früher ein besonderer Tierliebhaber war. Zumal die Serie parallel schon einen weiteren Handlungsstrang vorbereitet, bei dem Naturschutz zum Mordmotiv für den Protagonisten werden könnte. Es geht um einen Fracking-Millionär, der sich in Iron Lake reichlich unbeliebt macht. Könnte er der große Staffelschurke werden? Und wenn ja, wird Dexter dann zu einer Art Ökoaktivist? Wenigstens wäre das dann eine zeitgemäße Thematik, aber ich würde schon noch gerne wissen, wie Dexter sein grünes Herz entdeckt hat.
Andere Bewohner der Stadt spielen erst mal keine Rolle, weshalb wir sie erst nach der nächsten Folge näher vorstellen. Stattdessen sind zwei altbekannte Charaktere zu erwähnen: Debra (Jennifer Carpenter), die zur imaginären Begleiterin Dexters wird, und Harrison (Jack Alcott), der eines Tages an die Tür seines Vaters klopft beziehungsweise in sein Haus einbricht. Dass Dexters Sohn so schnell in Erscheinung tritt, war eigentlich das Einzige in der Auftaktepisode, was mich wirklich überraschen konnte. Wobei die Dynamik der beiden leider an einen gewissen Zach erinnert, den viele Fans aus der finalen Season vielleicht verdrängt haben. Für ihn war Dexter selbst eine Art Mentor, was eher langweilig war.
Wie ist es?
Alles in allem ein unspektakuläres Comeback für Dexter. Vieles verläuft genau, wie man es erwarten würde - und einiges sogar schlechter. Allzu spannende Figuren führt die wiederbelebte Serie zum Auftakt nicht ein, weshalb nun alles auf die nächsten Wochen ankommt. Wirklich erfreulich war für mich, der früher mal ein regelrechter Superfan war, eigentlich nur das Wiedersehen mit Michael C. Hall, den ich einfach mag. Betrogen fühle ich mich unter anderem um die berühmte Intro-Musik, zumal der neue Soundtrack allgemein sehr negativ hervorsticht (zumindest für meinen Geschmack).
Dass die Rückkehr nicht nur finanzielle Gründe für den Sender Showtime sowie die Partnerplattform Paramount+ hat, die dringend exklusives Eigenmaterial benötigt, muss der neue alte Chef Clyde Phillips erst noch beweisen. Wie gesagt: Vieles wird auch vom Gegenspieler Dexters abhängen, der momentan noch nicht erkennbar ist. Interessant bleibt auch die Frage, ob der Protagonist im Schnee bleibt oder zurück nach Miami geht, was fast unvermeidlich wirkt. Kriegt er diesmal sein legitimes Ende, indem er hinter Gitter geht, um zum Beispiel seinem Sohn ein gutes Vorbild zu sein und die Geister seiner Vergangenheit zu besänftigen? Klar ist jedenfalls, dass er vorher noch ein paar Morde begehen wird.
Ein Problem für das Dexter-Revival könnte übrigens auch von außen kommen, denn mit der Netflix-Stalkerserie You gibt es mittlerweile ein sehr erfolgreiches Format, das eigentlich in eine ganz ähnliche Kerbe schlägt. Obwohl hier auch eine merkwürdige Entwicklung im Vergleich zu erkennen ist: Während Dexter noch einen moralischen Vorwand brauchte, um Menschen umzubringen - denn er tötet ja nur die „Bösen“ -, darf sein Nachahmer einfach so morden, wenn er es für nötig hält. Wer hätte gedacht, dass sich das Publikum auch damit anfreunden kann?
Hier abschließend der Trailer zur Episode Storm of Fuck der Serie Dexter:Hier kannst Du „Dexter - Die komplette Serie (Blu-ray)“ bei Amazon.de kaufen
Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 8. November 2021Dexter 9x01 Trailer
(Dexter 9x01)
Schauspieler in der Episode Dexter 9x01
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