Dexter 8x12

Dexter 8x12

Die finale Episode der Serie Dexter kann mit packenden Szenen und einem gut positionierten Schicksalsschlag aufwarten. Leider geben dabei wieder allerlei hanebüchende Ungereimtheiten und ein verpfuschtes Ende vom Ende Anlass zur Kritik.

Für Dexter (Michael C. Hall) und seine Hannah (Yvonne Strahovski) gibt es in „Dexter“ kein Happy End. / (c) Showtime
Für Dexter (Michael C. Hall) und seine Hannah (Yvonne Strahovski) gibt es in „Dexter“ kein Happy End. / (c) Showtime

Die Serie Dexter kommt nach acht mehr oder minder gelungenen Staffeln mit ihrer 96. Episode zu einem Ende. Dabei schneidet Remember The Monsters? eindeutig besser ab als die vorangegangenen Episoden der achten Staffel. Dies liegt in einigen cleveren Szenen und der Tatsache begründet, dass die Episode die Zuschauer zeitweise tief berühren kann. Da es sich jedoch um das große Finale (man kann es gar nicht oft genug betonen) der Serie handelt, wiegen eine ganze Reihe von lieblosen Unachtsamkeiten der Drehbuchautoren besonders schwer. Zudem muss auch der verpfuschte Schlussakkord bemängelt werden.

Schreckliche Komplikationen

Zu Beginn seiner letzten Episode geht es unserem zweifelhaften Helden Dexter Morgan (Michael C. Hall) ja ziemlich gut. Sein innerer Monolog verrät, dass Dex optimistisch einer ausgesprochen strahlenden Zukunft entgegenblickt. Doch spätestens, als die neuerlich angeschossene Deb (Jennifer Carpenter) ihrem Bruder die Absolution für all seine Sünden erteilt und ihn somit mit ihrer „Lizenz zum Glücklichsein“ ausstattet, ahnt man Böses - insbesondere in Bezug auf das Wohlergehen von Debra selbst. Dass Deb am Ende nicht Oliver Saxon (Darri Ingolfsson) zum Opfer fällt, sondern einem kleinen Blutgerinnsel, ist überraschend. Die Aussicht auf eine Debra, die nun ihrer Identität und der Persönlichkeit beraubt wird, die wir über so viele Stunden hinweg kennenlernen durften, ist dabei besonders erschütternd.

Eine Frage der Einstellung

An dieser Stelle ist es aus einer moralischen Perspektive äußerst heikel, Dexters folgende Handlungen zu bewerten: Erlöst er seine Schwester in gewisser Weise von einer unwürdigen Existenz oder benimmt er sich nicht doch egoistisch, ruchlos und furchtbar kurzsichtig? Der Meinung einer einzigen Ärztin zu vertrauen und zudem alle anderen Vertrauten Debras der Möglichkeit zu berauben, sich im Rahmen einer Beerdigung von ihr zu verabschieden, erscheint in diesem Zusammenhang wenig großherzig. Nichtsdestotrotz ist die Seebestattung Debras vielleicht eher das, was Dexter unter einer würdevollen letzten Ehrung versteht.

Die Art und Weise, in der Debra ihre - wie auch immer zu bewertende - letzte Ruhe findet, wird jedoch von den Serienverantwortlichen im Umfeld von Scott Buck mit einer Reihe von zutiefst unplausiblen Begebenheiten erkauft. Während man einige davon im Dienste des Sehvergnügens in Kauf zu nehmen bereit ist, lassen sich andere nur durch dramaturgische Inkompetenz, mangelnde Fantasie oder vielleicht Faulheit erklären.

Unplausibel, aber unterhaltsam

Zunächst ein Beispiel für Unsinn der ersten Kategorie: Dex spaziert ungehindert zu dem Mann, der verdächtigt wird, „seine Schwester zugrunde gerichtet zu haben“. Weil er die Frage höflich verneint, ob er dabei gerne einen Wachmann an seiner Seite hätte, darf er in seiner Funktion als Labornerd dem Vogel Jr. - einem höchst gefährlichen Serienmörder, der ohne (!!!) Handschellen in einer Zelle sitzt - selbstverständlich auch so einen Besuch abstatten.

Deb (Jennifer Carpenter) wird ein schreckliches Schicksal zuteil. © Showtime
Deb (Jennifer Carpenter) wird ein schreckliches Schicksal zuteil. © Showtime

Es kommt, wie es kommen muss und Vogel hat irgendwann einen Kugelschreiber im Hals stecken. Dies erscheint zwar komplett unmöglich, führt aber zu einer hübschen Szene, in der sowohl Quinn (Desmond Harrington) und besonders auch Batista (David Zayas) mit einem gewichtigen moralischen Dilemma konfrontiert werden. Sie können dank der - glücklicherweise nur die Bildspur mitschneidenden - Überwachungskamera genau sehen, wie ruhig und beherrscht Dexters Finger nach dem Übergriff den Panikknopf betätigt. Während es bei Quinn schon immer Raum für eine moralische Grauzone gegeben hat und er zudem noch um die Liebe seines Lebens trauert, erweist der ehrenhafte Batista Dex einen wahren Freundschaftsdienst, indem er ihn gehen lässt. Die Tatsache, dass Dexters fadenscheinige Erklärungen hier einem Beweis der Unschuld gleichgestellt werden („It was obviously self-defense“), wirkt in keinem Fall realistisch. Doch immerhin war es so möglich, noch einen Blick auf den kalkuliert und geübt mordenden Dex aus früheren Tagen zu werfen. Dass Debra zuvor das schreckliche Schicksal eines Hirntods zuteil geworden ist, kann vielleicht auch ein bisschen rechtfertigen, dass Dex es durch den - eigentlich überflüssigen - Rachemord riskiert, seiner Hannah (Yvonne Strahovski) und Harrison (Jadon Wells) im Notfall nicht mehr zur Hilfe kommen zu können. Schließlich hätte er ja ebenso gut verhaftet werden können.

Hannahs Freiheitskampf

Zum Thema Hannah: Es ist schön, dass ihre Figur in der letzten Episode noch einmal beweisen darf, dass sie mehr ist als lediglich die (des Tarnens nach wie vor überdrüssige) Frau in Not. Zwar wäre es für eine sorglosere Zukunft mit ihrer Familie zweifelsohne besser gewesen, Jacob Elway (Sean Patrick Flanery) zu töten. Doch vielleicht gibt es für seinen Charakter ja noch andere Pläne? (Die Rezensentin fahndet nun gezwungenermaßen an abwegigeren Stellen nach den Vorbereitungen eines Spin-offs.) Ungleich ärgerlicher als ein lebendiger Elway ist jedoch, dass Hannahs Triumph durch die grenzenlose Naivität Elways eingeleitet werden musste. Er hatte zwar nicht gehört, dass Dex seiner Geliebten auch ein paar „necessities“ in den Rucksack gepackt hatte. Dennoch sollte der hauptberufliche (!) Kopfgeldjäger (!) doch zumindest ahnen, dass sich gefährliche Kriminelle nicht immer anstandslos festnehmen lassen wollen. Aber nein, „no need to upset Harrison“, Jacob ist halt ein netter Typ.

Freuden der Vaterschaft

Eine Rückblende in die Zeit, in der Harrison geboren wurde, zeigt - wenig subtil und auch etwas zu kitschig - die Entwicklung auf, die Dexter seit dem Beginn der Serie durchlaufen hat. Gleichzeitig markiert die Geburt seines Sohnes eine wichtige Ursache für Dexters jetziges Dasein als fühlendes Wesen. Auch die Liebe, die dem früher so kompromisslosen Serienmörder durch Hannah zuteil wird, spielt hierbei eine gewichtige Rolle.

Sinneswandel

Obwohl Debras Tod für Dex ein furchtbarer Schlag sein muss, der ihn zur Selbstreflektion anhalten dürfte, ist es doch viel verlangt, dass der Killer daraufhin eine 180 Grad Wandlung absolviert. Zwischen seinem hoffnungsvollen „I don't want to lose you again. Even if it is just for a couple of days.“ gegenüber Hannah und der endgültigen Abkehr von seiner Familie („I destroy everyone I love. I can't let that happen to Hannah, to Harrison. I have to protect them - from me.“) stehen so lediglich eine verhältnismäßig gerechtfertigte Hinrichtung und ein Blutgerinnsel.

Es besteht schließlich berechtigter Zweifel daran, dass Harrison bei einer flüchtigen Mörderin tatsächlich besser aufgehoben sein würde als bei einem liebenden Vater, der sich zuletzt gar von seinem Tötungstrieb losgesagt hatte. Dieser Eindruck kann auch durch Harrisons perfekt getimtes und wieder einmal allzu altklug wirkendes „Do you know what, daddy? I love Hannah.“ nicht wettgemacht werden. Trotz allem schwingt in einem „Ende“, in dem Dex auf seiner altbewährten „Slice of Life“ in den Sturm braust, das befriedigende Gefühl eines Abschlusses mit.

Elway (Sean Patrick Flanery) hat Hannah (Yvonne Strahovski) sträflich unterschätzt. © Showtime
Elway (Sean Patrick Flanery) hat Hannah (Yvonne Strahovski) sträflich unterschätzt. © Showtime

The End

... Doch halt, da geht es ja noch weiter! Wie in dem Film „The Dark Knight Rises“ wird den Zuschauern nicht nur eine Restaurantszene aufgetischt, sondern auch der Moment, an dem man es gut sein lassen sollte, verpasst. Der Mann, der da (in Alaska?!?) seinen Lebensunterhalt mit schwerer körperlicher Arbeit verdient, das ist ja... nein, kein Harrison aus der Zukunft, keine Niki (Dora Madison Burge) mit Bart, sondern - Dex selbst? Es könnte zwar argumentiert werden, dass Dex seinem weit, weit zurückliegenden Statement gegenüber Doakes (Selbstmord sei „erbärmlich“), treu geblieben ist und sich stattdessen aus dem Leben seiner Lieben radiert. Aber warum dann die höchst riskante „ich fahre mein Boot in einen Wirbelsturm“-Variante? Wie konnte Dex das überhaupt überleben? Auch wenn man akzeptiert, dass Dex in der selbst gewählten Isolation die perfekte Strafe für seine Verfehlungen wähnt - warum gibt es dann nicht wenigstens ein kleines „tonight is the night“?

Fazit

Mit Remember The Monsters? kann Dexter den unangenehmen Beigeschmack nicht tilgen, den die letzten allzu konzept- und spannungslos verlaufenen Episoden hinterlassen haben. Der überraschende Twist um Debs Blutgerinnsel, ihr bewusstloses Dahinsiechen und die Art und Weise, wie sich Dex von ihr - wie von einem letzten Opfer - auf dem Boot verabschiedet, können große Gefühle heraufbeschwören. Nun muss aber auch gesagt werden, dass an dieser Stelle die Loorbeeren der Vergangenheit geerntet werden. Dort wurde aus Deb überhaupt erst so ein dreidimensionaler Charakter gemacht - der somit einen Abgang hat, der auch betrauert werden kann.

Saxon kann sich im Zusammenspiel mit dem bemitleidenswerten Tierarzt noch einmal als das grenzenlos Böse hervortun, wodurch er gleichzeitig die Vorzüge des moralisch vertretbareren Serienmörders Dexter untermalt. Gleichzeitig sorgt er durch seine Grausamkeit für allerlei Nervenkitzel. Zudem darf Dex, indem er Saxons „All eyes on the victim“-Ablenkungsmanöver durchschaut, noch einmal zu seinem messerscharfen Instinkt zurückfinden. Selbst das MMPD darf seinetwegen glänzen, indem es zur Abwechslung einmal einen Killer stellt - auch wenn dieser danach in ihrer Obhut zu Tode kommt.

Trotz dieser gelungenen Begebenheiten stimmt die Szene, in der ein Eiswürfeltransporter auffällig lange im Bild verharrt, melancholisch. Sie erinnert uns an den „Ice Truck Killer“ und daran, dass die Serie schon sehr viel bessere Tage gesehen hatte. Jetzt ist Dexter jedoch vorbei. In Anbetracht der jüngeren Vergangenheit ist das aber vielleicht nicht das Schlimmste, was der Serie noch hätte passieren können. How about we go and get some ice cream?

Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 23. September 2013

Dexter 8x12 Trailer

Episode
Staffel 8, Episode 12
(Dexter 8x12)
Deutscher Titel der Episode
Abschied
Titel der Episode im Original
Remember the Monsters?
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 22. September 2013 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 4. September 2014
Autoren
Scott Buck, Manny Coto
Regisseur
Steve Shill

Schauspieler in der Episode Dexter 8x12

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