Dexter 8x07

Dexter 8x07

Die Episode Dress Code tröpfelt in der Tradition einer typischen Füllfolge aus dem Staffelmittelfeld ohne nennenswerte Höhepunkte vor sich hin. Selbst die Rückkehr der Hannah McKay in die Welt von Dexter kann keine Stürme der Begeisterung entfachen.

Endlich hat Dexter (Michael C. Hall) in „Dexter“ wieder seine geliebte Hannah (Yvonne Strahovski) an seiner Seite. / Oder vielleicht nicht? / (c) Showtime
Endlich hat Dexter (Michael C. Hall) in „Dexter“ wieder seine geliebte Hannah (Yvonne Strahovski) an seiner Seite. / Oder vielleicht nicht? / (c) Showtime

In den 90 Episoden, die es bislang von der Serie Dexter gibt, ließen sich sicher einige finden, die qualitativ schlechter geraten sind als die Nummer 91, die den Titel Dress Code trägt. Doch im Angesicht der Tatsache, dass es sich bei der achten Staffel um die letzte der Serie handelt und nun lediglich noch fünf Episoden ausstehen, wiegt die unspektakuläre Natur der neuen Folge besonders schwer. Hannah McKay (Yvonne Strahovski) bringt zwar das Gefühlsleben von Dexter (Michael C. Hall) und der vielen Freunde ihres Charakters gleichermaßen in Wallung. Doch leider schlägt auch dieser Handlungsstrang überflüssige Haken. Weder der Tod von Hannahs Ehemann Miles Kessner (Julian Sands) noch der Mord an Dexters Nachbarin Cassie (Bethany Joy Lenz) können große Emotionen heraufbeschwören.

Vogel verharrt

Die Spielzeit von Dr. Vogel (Charlotte Rampling) scheint proportional zu ihrem „Bedrohlichkeitsfaktor“ zusammenzuschrumpfen. Neue Erkenntnisse im Falle des brain surgeon bleiben weiterhin aus und überhaupt beschränkt sich die Rolle der Psychiaterin momentan darauf, Zach Hamilton (Sam Underwood) zu verteidigen. Doch im Vergleich zu dem frühen Dexter hat der reiche Spross bereits gemordet, bevor er von der Existenz eines „Codes“ erfahren konnte. Nachdem Zach also schon sprichwörtlich Blut geleckt hat, scheint das Risiko, das mit seiner Unterweisung einhergeht, ganz offensichtlich zu groß zu sein - und das sollte insbesondere die Psychopathenflüsterin Vogel erkennen. Die Serie hat bislang nicht ausreichend erörtert, warum genau die Psychiaterin in Zach „etwas Besonderes“ sieht. Aus dieser Ungereimtheit speist sich die hoffnungsvolle Ahnung, dass Vogel insgeheim doch noch etwas Verruchtes im Schilde führt, das der Figur der spiritual mother zu neuer Brisanz verhilft.

Hannah, welcome back!

Sobald sich die Blicke von Dexter und Hannah treffen, sprühen unverkennbar die Funken. Dabei ist es nicht zuletzt der stimmigen Chemie zwischen Hall und Strahovski zu verdanken, dass die Beziehung der beiden Charaktere etwas ganz Besonderes zu sein scheint. Doch sowohl ihr Giftanschlag auf die Morgans, der für die vorangegangene Folge bereits als Cliffhanger herhalten musste, als auch der ausführliche Exkurs in Hannahs Eheleben erscheinen dabei wenig durchdacht. Soll das vollkommen willkürliche Vergiften von Deb (Jennifer Carpenter) und Dex wie ein unorthodoxer Hilferuf Hannahs erscheinen? Und warum sollte man derartig viel Zeit in Anspruch nehmen, um ihren Ehemann in all seiner mächtigen Skrupellosigkeit zu zeigen, nur um ihn dann durch Hannah ermorden zu lassen? Der Erkenntniswert bleibt dabei gleich null: Dass Hannah des Mordens fähig ist, ist ebenso kein Geheimnis wie die spezielle Verbindung zwischen ihr und Dexter. Soll sich etwa aus den rachsüchtigen Personenschützern des Multimillionärs eine neue Bedrohung für Hannah manifestieren? In Anbetracht der grenzenlos unkomplizierten Beseitigung von Miles' Leiche scheinen seine Beschäftigten keine allzu große Gefahr darzustellen. Oder soll seine (trotz angeforderter Säge am Stück belassene) Leiche vielleicht am Ende noch Dex zum Verhängnis werden?

Deb (Jennifer Carpenter) und ihr Boss Jacob (Sean Patrick Flanery) © Showtime
Deb (Jennifer Carpenter) und ihr Boss Jacob (Sean Patrick Flanery) © Showtime

Nebensächlichkeiten in Serie

Zum Glück für Dexter sind mit Masuka (C. S. Lee), Batista (David Zayas) und Quinn (Desmond Harrington) gleich drei Kräfte des Miami Metro Police Department ohnehin zu beschäftigt, um Mördern nachzustellen. In gewisser Weise ist es schön, zu sehen, dass Vince durch seine barbusige Tochter zur Selbstreflexion angehalten wird. Obwohl mit Nikis (Dora Madison Burge) Arbeit im breastaurant auch Humor einhergeht, mangelt es dem Handlungsstrang doch an Relevanz für die entscheidenden Begebenheiten von Dexter. Quinn lässt sich derweil auf einen kindischen Kleinkrieg mit Batista ein. Auch an dieser Stelle wäre ein - wie auch immer eingeleiteter - Fokus auf Polizeiarbeit wünschenswert. Das Privatleben der weniger zentralen Charaktere sollte gerade in einer finalen Staffel nicht zu Lasten der unheilschwangeren Atmosphäre gehen, durch die sich eine Serie über einen Serienmörder im besten Falle auszeichnen sollte.

Hannah vs. Deb 2.0

Warum schwärmt Hannah wohl in den höchsten Tönen von ihrem Retter Miles, nur um ihn wenige Minuten später auf ihre persönliche schwarze Liste zu setzen? Diese Entwicklung untermauert wieder einmal Hannahs Talent für die Lüge. Es wäre - ähnlich Vogels Charakter - wünschenswert, wenn auch Hannah heimlich an einem Masterplan arbeitet, der über die Suche nach einem weniger besitzergreifenden Partner hinausgeht. Ein durchtriebener Racheakt als Antwort auf Dexters Verrat würde die überromantisierten Ergüsse Hannahs („You were it for me, Dexter.“) im Nachhinein gehörig aufwerten.

Abseits ihrer Funktion als Quell der Unberechenbarkeit in Dexters Leben ist es vor allem Hannahs Aufgabe, von neuem einen Keil zwischen Dexter und Deb zu treiben. Doch dieser Keil war ja in dieser Staffel bereits auf verlockende Weise etabliert worden - bis er sich in der Episode This Little Piggy viel zu schnell wieder in Luft aufgelöst hatte. Zudem ist die „Deb vs. Hannah Problematik“ („I want her gone!“) ja bereits sehr ausführlich in der siebten Staffel abgehandelt worden. Trotzdem bringt eine rastlos im Schatten herumlungernde Deb auch zu diesem Zeitpunkt einen bedrohlichen Unterton mit sich.

Ein Freund für Deb?

Während Debs Verhältnis zu ihrem Chef Jacob Elway (Sean Patrick Flanery) zwar nicht gerade die Adrenalinproduktion anregt, profitiert dieser Erzählstrang ungemein durch Flanerys sympathische Ausstrahlung. Vielleicht ist die Mischung aus reichlich Zuckerbrot (beziehungsweise Gesundheitsdrinks) und ein wenig Peitsche („Fucking Bitch!“) ja genau das, was die sorgengeplagte Deb am Ende glücklich machen wird.

Dex (Michael C. Hall) mit seinem Schützling Zach (Sam Underwood) © Showtime
Dex (Michael C. Hall) mit seinem Schützling Zach (Sam Underwood) © Showtime

Schüler oder Gegner?

Mithilfe seines gut verbundenen Schützlings Zach Hamilton erhält Dexter - der in seinem zerknitterten Jackett einen außergewöhnlich mitgenommenen Eindruck macht - Zutritt in den elitären Club Red Coral. Sein VIP-Pass kann die Gefahr, die von dem unkontrollierten Juniorkiller ausgeht, dabei aber wohl kaum wettmachen. Doch Dexters Hirn wird von Gedanken an Hannah in Beschlag genommen, weswegen der Killer jegliche Vorsicht vernachlässigt. Dies wird inszenatorisch bedauerlicherweise etwas überfrachtet dargebracht: Nicht nur schneidet Dexter sich am Hals, ignoriert Zachs warnende SMS und bringt gar den abgegriffendsten aller eifersüchtigen Sätze über die Lippen („Was ist Miles denn überhaupt für ein Name?“). Selbst Harrison (Jadon Wells) wird auf wenig subtile Weise dazu missbraucht, die Sonderstellung Hannahs unmissverständlich klarzumachen...

Trotz Zachs Enttäuschung über seinen Mentoren und seinen quälenden Drang zu Töten - der Dexter in letzter Zeit übrigens weitestgehend zu verschonen scheint - hält die Rezensentin ihn in dem neuesten Mordfall nicht für den Schuldigen. Zach wäre als Täter nicht nur reichlich offensichtlich, sondern hatte zum Zeitpunkt seines Zusammentreffens mit Cassie Dexters Apartment den Rücken gekehrt. Aber Cassie (Bethany Joy Lenz) ist und bleibt tot, was aufgrund der oberflächlichen Einführung ihres Charakters zwar ein bisschen egal ist. Dennoch stellt sich die Frage nach dem tatsächlichen Mörder - wenn es denn nicht doch Zach war. Die Rezensentin tippt an dieser Stelle etwas müde auf Cassies Freund Oliver (Darri Ingolfsson), der in Anbetracht seiner unbedeutenden Rolle doch etwas zu offensiv ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt wurde, um an entscheidenden Handlungssträngen gänzlich unbeteiligt zu bleiben.

Fazit

Man kann an dieser Folge einiges bemängeln. An der einen Stelle ist sie zu langatmig, an einer anderen zu vorhersehbar. Trotz kleinerer Lichtblicke (Deb!) und ihrer Positionierung im oft ereignisarmen Staffelmittelfeld ist Dress Code als Teil der letzten (!) Staffel von Dexter enttäuschend. Während man über belanglose Nebenhandlungen und allzu offensichtliche falsche Fährten leicht hinwegsehen kann, ist der größte Dorn im Auge zu diesem Zeitpunkt der Mangel an Spannung. Seicht plätschert die Handlung dahin - als wüsste sie nicht um das nahende Ende der Serie. Immerhin stehen die Chancen gut dafür, dass es nach der vollzogenen Positionierung der wichtigsten Charaktere bald die Antworten geben wird, die so manches lose Ende verknüpfen werden. Dexter hat fraglos immer noch die Chance auf einen würdigen Abschluss, doch dafür muss sich die Serie ab jetzt erheblich steigern und sowohl an Tempo als auch an Spannung zulegen.

Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 12. August 2013
Episode
Staffel 8, Episode 7
(Dexter 8x07)
Deutscher Titel der Episode
Meister und Schüler
Titel der Episode im Original
Dress Code
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 11. August 2013 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 31. Juli 2014
Autor
Arika Lisanne Mittman
Regisseur
Alik Sakharov

Schauspieler in der Episode Dexter 8x07

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