Dexter 8x06

Dexter 8x06

Bei Dexter gibt es ein Wiedersehen mit einer alten Bekannten. Zuvor darf sich Mr. Morgan ausgiebig mit einer unkontrollierten Version seiner selbst auseinandersetzen. Die Nebenhandlungsstränge können sich leider selbst noch untertreffen.

Zwischen Dexter (Michael C. Hall) und Cassie (Bethany Joy Lenz) sprühen in „Dexter“ nicht gerade die Funken. / (c) Showtime
Zwischen Dexter (Michael C. Hall) und Cassie (Bethany Joy Lenz) sprühen in „Dexter“ nicht gerade die Funken. / (c) Showtime

Die Fortschritte, die Debra (Jennifer Carpenter) und ihr Bruder Dexter (Michael C. Hall) in der vorangegangenen Episode This Little Piggy (8x05) bezüglich ihrer Versöhnung gemacht haben, schreiten weiter voran. Obwohl nicht alles an A Little Reflection gelungen ist, endet diese Folge von Dexter aber zumindest mit einer durchaus verlockenden Ausgangssituation.

Vogels Arbeitseifer

Nachdem Dexter in Gestalt von A. J. Yates die vermeintlich größte Bedrohung für Dr. Vogel (Charlotte Rampling) aus dem Weg geräumt hat, legt die Psychiaterin eine ausgeprägte Leichtigkeit an den Tag. Kaum dem Tode entronnen hat sie ihr nächstes prekäres „Projekt“ im Auge: den jungen Psychopathen Zach Hamilton (Sam Underwood). Die Art, in der Vogel beiläufig die Tatsache bagatellisiert, dass dieser bereits eine Unschuldige auf dem Gewissen hat, nährt neuerlich die Zweifel an der Aufrichtigkeit ihres Charakters. In diesem Zusammenhang wird es auch sehr spannend, zu erfahren, was genau es mit ihrem Ehemann Rich auf sich hatte - Opfer oder Komplize?

Die Praktikanten des Psychopathen

Dexter sträubt sich zunächst noch dagegen, Zach als ersten Schüler in „Vogel und Morgans Akademie für den gesellschaftlich wertvollen Psychopathen“ zu begrüßen. Doch nachdem er in dem jungen Mann, dessen dark passenger nie in geordnete Bahnen gezwungen wurde, ein Spiegelbild seiner selbst (Episodentitel!) zu erkennen glaubt, ändert er seine Meinung.

Die Tatsache, dass auch Zach ausgewählten Personen - sprich: seiner Mutter - gegenüber zur Empathie fähig ist und sein Eingeständnis der eigenen Machtlosigkeit („I don't want to be like this but I can't help it“) scheinen bei Dexter Mitgefühl zu erregen und retten Zach im Endeffekt das Leben.

Nach Jeremy Downs, Lumen und Miguel Prado ist es nicht das erste Mal, dass Dexter Harrys Code weitergibt. Wie er mit seinem Messer statt Zachs Haut dessen Plastikfesseln aufschlitzt, erweckt den Eindruck eines Déjà-vu: So gleicht die Szene frappierend der Sequenz, in der Dex der Giftmörderin Hannah MacKay (Yvonne Strahovski) einst im allerletzten Moment das Leben geschenkt hatte - abgesehen vom anschließenden Versöhnungssex vielleicht.

Spiritual Father

Den Autoren von Dexter ist es verhältnismäßig gut gelungen, den Charakter Zach im Verlauf einer einzigen Episode dreidimensionaler werden zu lassen. Sein problematisches Elternhaus weckt Sympathien und auch die Tatsache, dass er es als Spross einer reichen Familie gewohnt sein dürfte, das zu bekommen, was er möchte, könnte sich als vielversprechend - weil unberechenbar - erweisen. Doch leider entsteht gleichzeitig der Eindruck, dass Dexter einfach nicht aus seinen Fehlern der Vergangenheit zu lernen vermag. So endeten seine mörderischen Partnerschaften - außer bei Lumen - stets auf desaströse Weise. Sollte allein ein gewisses Verbundenheitsgefühl zu einer ansonsten fremden Person ausreichen können, um deswegen sich selbst - und besonders auch das Wohlergehen von Harrison - in Gefahr zu bringen? Auch der temporäre Frieden mit Debra würde sicherlich ins Wanken geraten, wenn Dexter ihr gegenüber in Bezug auf seinen „Praktikanten“ wirklich ehrlich gewesen wäre.

Zach Hamilton (Sam Underwood) wird demnächst wohl im Code Harrys unterwiesen. © Showtime
Zach Hamilton (Sam Underwood) wird demnächst wohl im Code Harrys unterwiesen. © Showtime

Heilung mit Hindernissen

Debra kann nun wieder etwas unbeschwerter durchs Leben wandeln. Als Masuka (C. S. Lee) sie umarmt, gibt sie quasi ein Plädoyer für das Gute im Menschen: Vince soll abwarten, ob die schuldengeplagte Niki (Dora Madison Burge) nicht doch eher an seiner Nähe interessiert ist als an seiner Geldbörse. Sich selbst kann Deb glücklicherweise noch nicht vollends vergeben, weshalb sie die romantischen Gefühle, die Jacob Elway (Sean Patrick Flanery) ihr entgegenbringt, nicht genießen kann. Obwohl es wohl niemanden gibt, der Deb den Luxus einer normalen Beziehung vorenthalten wollen würde, ist es sehr löblich, dass sie Elway noch auf Distanz hält. So schreitet Debras mentale Genesung den Umständen entsprechend ohnehin schon sehr schnell voran. Eine leidenschaftliche Liebschaft wäre zu diesem Zeitpunkt einfach nicht plausibel.

Aller Anfang ist zäh

Allzu zäh geratene Steaks führen dem Zuschauer metaphorisch vor Augen, dass sich die Geschehnisse, die sich in der jüngeren Vergangenheit zwischen die Geschwister Morgan gedrängt haben, nicht einfach in Luft auflösen. Dennoch spiegelt sich in dem ersten gemeinsamen Fleisch-und-Bierabend nach Debras (Selbst-)Mordversuch ein riesiger Schritt in Richtung Normalität wider. Die Steakallegorie ist zwar nicht sonderlich subtil geraten, gibt aber Hall und Carpenter die Gelegenheit, ihre ausgezeichnete Chemie unter Beweis zu stellen. Zudem bringt das Essen dank Debs zerknirschtem „This tastes like asshole!“ und ihrem anschließenden „Sorry, Cow!“ den humoristischen Höhepunkt der Folge mit sich.

Quinn, der König der Arglosigkeit

Der Handlungsstrang um Quinns (Desmond Harrington) verpatzte Beförderung zum Sergeant bringt im Vergleich zu der vielen Spielzeit, die sie in Beschlag nimmt, fraglos einen zu geringen Mehrwert in puncto Unterhaltung mit sich. Allerdings wird an Quinns gefasster Reaktion auf die eigene Niederlage die beachtliche Entwicklung deutlich, die sein hitzköpfiger Charakter im Verlauf der vergangenen Staffeln von Dexter durchlaufen hat. Außerdem wird durch Batistas (David Zayas) Absage ein neuer Ehrgeiz in dem Ermittler geweckt, der ihn - über den Umweg des Mordfalles Rivera - Dexter in die Quere treibt. Doch leider wird an dieser Stelle die Chance verpasst, Spannung zu schüren, indem es für Dexter auch aus Richtung der Miami Metro Police noch einmal gefährlich wird. Stattdessen kommt es zu dem absoluten Tiefpunkt von Quinns Charakter, als Joey Dex in flagranti bei der Beschattung von Zach ertappt. Obwohl der Polizist in der Vergangenheit bereits große Zweifel an Dexters Rechtschaffenheit an den Tag gelegt hatte (Stichwort „Kyle Butler“), gibt er sich völlig arglos damit zufrieden, dass sein undurchsichtiger Kollege nun einmal Gefallen am Beschatten von Verdächtigen findet. Batista scheint Miller (Dana L. Wilson) zu Recht den Vorzug gegeben zu haben.

Deb (Jennifer Carpenter) und ihr Chef Jacob Elway (Sean Patrick Flanery). © Showtime
Deb (Jennifer Carpenter) und ihr Chef Jacob Elway (Sean Patrick Flanery). © Showtime

Remember me?

I think we may need some alcohol“, sagt Cassie (Bethany Joy Lenz) als Reaktion auf Dexters allzu verkrampfte Smalltalkbemühungen, bei denen er auf einmal wieder in die frühe Rita-Ära zurückversetzt scheint. Wie auch die Szene, in der Dex Zach energisch losschneidet, scheint sein desaströses Date mit der Nachbarin - rückblickend betrachtet - indirekt auf die Ankunft einer alten Bekannten verwiesen zu haben. „Hello, Dexter! Remember me?“, fragt Hannah MacKay, als sie zum ersten Mal seit ihrer geglückten Flucht in der Episode Surprise, Motherfucker! (7x12) wieder in Erscheinung tritt. Vor Hannah konnte Dexter - im Gegensatz zu Cassie - stets er selbst sein. Was will seine impulsive Exfreundin wohl mit ihrem unverhofften Giftanschlag bezwecken?

Fazit

Die Nebenhandlungen bringen in der Episode A Little Reflection ganz besonders wenig Positives hervor: Weder Masukas Vaterprobleme noch Quinns berufliche Aufstiegschancen geben Grund zur Freude. Es bleibt zu hoffen, dass es sowohl bei Cassie als auch im Falle von Niki noch zu einem Twist kommen wird, der ihr üppiges Vorhandensein in der finalen (!) Staffel von Dexter rechtfertigen wird.

Auch bleibt zu hoffen, dass wir mit dem Tod von Yates nicht tatsächlich das Ende des Brain Surgeon erlebt haben - das wäre aus verschiedenen Gründen, die bereits in den vorangegangenen Reviews besprochen wurden, eine herbe Enttäuschung.

Vielversprechend ist hingegen, dass Dexter mit Hannah, Zach und Vogel gleich von drei potentiell hinterhältigen Charakteren umgeben ist. Falls sich die Verstrickungen zwischen diesen Figuren nicht auf allzu absurde Weise manifestieren werden, besteht in der hohen Gefahrendichte ein Element, das mit der Ungewissheit auch die Spannung nährt. Es wäre löblich, wenn auch Quinn sich irgendwann von seiner frappierenden Unbedarftheit in Bezug auf die Morgans trennen wird - schließlich bleibt den Polizisten des MMPD in den verbleibenden sechs Episoden nicht mehr viel Zeit, um sich für das Übersehen eines geschäftigen Killers in den eigenen Reihen zu rehabilitieren.

Doch bislang lässt sich über den Ausgang von Dexter ohnehin nur spekulieren. Vielleicht entpuppt sich ja Sofia Fuentes - die aktuelle Geliebte von Zachs Vater - als rachsüchtige Schwester von Marco, die sich insgeheim mit dem flüchtigen Carlos auf Debras Spur gesetzt hat... Die Spekulationen mögen beginnen!

Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 5. August 2013

Dexter 8x06 Trailer

Episode
Staffel 8, Episode 6
(Dexter 8x06)
Deutscher Titel der Episode
Spiegelbilder
Titel der Episode im Original
A Little Reflection
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 4. August 2013 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 24. Juli 2014
Autor
Jace Richdale
Regisseur
John Dahl

Schauspieler in der Episode Dexter 8x06

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