Dexter 8x05

Nachdem die Episode Scar Tissue (8x04) mit Debras (Jennifer Carpenter) (Selbst-)Mordversuch und der anschließenden Rettung ihres Bruders zu Ende gegangen war, widmet sich This Little Piggy der Versöhnung der Geschwister Morgan. Obwohl es dabei wieder gute schauspielerische Leistungen der Hauptdarsteller und spannende Passagen zu beobachten gibt, sind nicht alle Bestandteile dieser Folge von Dexter befriedigend.
Quinns Gespür
Joey Quinn (Desmond Harrington) bekommt es mit dem Fall einer ermordeten Geliebten zu tun. Dabei macht er als leitender Ermittler die Erfahrung, dass die polizeilichen Ermittlungen oftmals durch verdeckte Interessen und ein Gewirr von Gefälligkeiten verkompliziert werden. Quinns Widerwillen, als er durch Tom Matthews (Geoff Pierson) zu einem besonders feinfühligen Umgang mit der wohlhabenden Familie Hamilton angehalten wird, zeugt zwar von seinem lobenswerten Sinn für Gerechtigkeit. Was jedoch sein Gespür für Bösewichter angeht, macht Joey jedoch einen sehr zweifelhaften Eindruck. So zeigt Quinn sich - obwohl er doch das auffällig zwielichtige Betragen von Zach Hamilton (Sam Underwood) bezeugen durfte - ernsthaft überrascht davon, dass es sich bei dem reichen Hamilton-Spross um den Hauptverdächtigen handelt.
In Anbetracht seines verkümmerten Killerradars scheint es fast sinnvoll, wenn statt Quinn dessen ambitionierte Kollegin Angie Miller (Dana L. Wilson) zum Sergeant befördert werden würde. Doch leider wurde uns diese Polizistin in den vergangenen Episoden nur extrem oberflächlich nahegebracht. So gibt der inoffizielle Wettkampf der beiden Kandidaten keine mitreißende Storyline ab, sondern scheint lediglich der Fortführung der zentralen Handlung im Wege zu stehen.
Die gierige Tochter?
Ähnlich verhält es sich zu diesem Zeitpunkt mit Vince Masuka (C.S. Lee ) und seiner Tochter Niki (Dora Madison Burge). Der Forensiker hat sich dank seiner ausdauernden Funktion als comic relief sicherlich eine eigene Geschichte als Belohnung verdient. Doch falls sich die Bedeutung seiner Tochter auf die Frage beschränken sollte, ob sie nur an Vinces Geld interessiert ist, stellt der gesamte Handlungsstrang eine beliebig wirkende Enttäuschung dar. Besonders, da es sich doch um die allerallerletzte Staffel von Dexter handelt...

Zwangsversöhnung
Die unmittelbaren Konsequenzen auf den Cliffhanger der Episode Scar Tissue (8x04) werden in der Serie ausgespart. Statt im Krankenhaus wird die Handlung so in dem Behandlungszimmer von Dr. Evelyn Vogel (Charlotte Rampling) wieder aufgegriffen. Nachdem wir für eine kurze Passage einen tief verletzten Dexter (Michael C. Hall) zu sehen bekommen, der sich ausgesprochen zickig verhält, verhindert eine dringlichere Entwicklung, dass die Geschwister Morgan allzu viel Zeit für eine Aussöhnung in Anspruch nehmen können. Vogel wird nämlich durch ihren früheren Patienten A. J. Yates (Aaron McCusker) entführt. Dex und Deb (Jennifer Carpenter) bleibt also für den Moment nichts anderes übrig, als sich zusammenzuraufen - um dadurch das Leben der Psychiaterin zu retten. Ein paar Nachforschungen, Autotelefonate und Dexters beherzten „Mord durch Gardinenstange“ später wird die neuerliche Annäherung der Morgans am Ende der Folge durch einen gemeinsamen Bootstrip mit Vogel besiegelt: „A few days ago, everything seemed hopeless between Deb and me, but through Dr. Vogel and Yates, I got my sister back. Not like things were before, but it's something different.“
Obwohl Dexter in diesem Ausspruch eingesteht, dass sich die Beziehung zu seiner Schwester „verändert“ habe, bekommt es der Zuschauer nach den gravierenden Differenzen zwischen Deb und Dexter - und auch Vogel - mit einem fast makellosen Happy End zu tun. Wenn man bedenkt, dass Deb doch erst vor ein paar Tagen versucht hatte, ihren Bruder und sich selbst ins Jenseits zu befördern, ist dieser versöhnliche Ausklang nicht als plausibel zu betrachten. Doch Dexter wird seine Vergebung durch ein wahrhaftig echtes Nähebedürfnis zu Deb, der einzig festen Konstanten in seinem Leben, und wahrscheinlich auch durch ein immerwährendes schlechtes Gewissen ihr gegenüber erleichtert. Debra auf der anderen Seite dürfte in dem Moment, in dem Dex samt des Unfallwagens im See zu versinken drohte, klar geworden sein, dass sie sich immer und immer wieder für ihren Bruder entscheiden wird. Ihr großer Ehrgeiz, Vogel zu helfen, scheint dabei auch aus dem Bedürfnis zu resultieren, zukünftig lieber für ihre Verfehlungen zu büßen, indem sie Gutes tut.
Familienbande
Das große Hauptthema der Folge lautet „Familie“. Diese Thematik wird nicht nur wortwörtlich immer wieder hervorgehoben, sondern manifestiert sich neben der Haupthandlung der Morgans auch in der schrecklichen Mutter des Killers Yates, Vinces Vatergefühlen und selbst in der Familie Hamilton. Spätestens, als Dexter am Episodenende auf der slice of life auch noch die Worte „I wanted to be with family“ zum Besten gibt - und dabei auch Dr. Vogel miteinzubeziehen scheint -, wirkt dies doch einen Hauch zu kitschig. Dass er Deb früher oder später praktisch alles vergeben würde, war absehbar. Doch warum bringt er der Psychiaterin nach so kurzer Zeit eine derartige Hingabe entgegen? Obwohl es sich bei der Frau um eine Vertraute seines Vaters und zudem seine spiritual mother handelt, die ihn einschließlich seines mörderischen Treibens akzeptiert, sollte er gegenüber Fremden doch ein etwas größeres Misstrauen an den Tag legen...

Das Ende des Hirnchirurgen?
Die Jagd nach dem Killer Yates lehrt einem in ihrer grausigen Bedrohlichkeit („Now you can take the pain and live a little longer or you can stop struggling and I will kill you right now.“) das Fürchten. Dabei profitiert die Handlung vor allem durch Vogels gewiefte Versuche, sich selbst zu retten, wobei die Psychiaterin zugleich menschlichere Facetten und ihre ausgeprägte psychologische Expertise offenbart. Auch Dexters Auffassungsgabe, dank der er den Psychopathen unter dem Bett vermutet, und sein beherzter „Mord durch Gardinenstange“ gehören zu den Highlights der Episode. Falls es sich bei Yates jedoch tatsächlich um den brain surgeon handeln sollte, hinterlässt dieser Handlungsstrang jedoch ein sehr unangenehmes Gefühl in der Magengegend. Die Gehirnoperation, die Vogel bei ihm veranlasst hatte, würde zwar eine Vorliebe für verschenktes Hirngewebe erklären. Doch warum sollte ein Mann, der über ein klares Tötungsmuster - Frauen die Zehen zu brechen und sie stellvertretend für seine Mutter zu ermorden - verfügt, davon abweichen, um den unbeteiligten Lyle Sussman (Scott Michael Morgan) zum Mörder zu machen? Die Rezensentin hat zu diesem Zeitpunkt die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der wahre Hirnchirurg sich nach wie vor auf freiem Fuß befindet.
Fazit
Die Versöhnung der Morgans vollzieht sich in der Folge This Little Piggy zwar etwas zu rapide. Der Waffenruhe, die übrigens in keinem Falle von Dauer sein muss, wird jedoch durch die gute Leistung der Protagonisten Hall und Carpenter zu Plausibilität verholfen und sorgt zudem für emotionalen Tiefgang. Außerdem ist die Aussicht auf eine Kooperation von Dex und Deb in den kommenden Folgen sehr vielversprechend.
Neben der ungenügenden (falls tatsächlichen) Auflösung des Falles um den brain surgeon sorgen auch die Nebenhandungen aus dieser Dexter-Episode für Verdruss. Zwar sind die Geschichten um Quinns Beförderung, Masukas Vaterschaft und den love interest Cassie (Bethany Joy Lenz) nicht schlechter als vergleichbare Randerscheinungen in vorangegangenen Staffeln. Falls sich an den drei erzählerischen Fronten jedoch nicht bald Vielversprechendes abspielt, erscheinen sie jedoch wie Störfaktoren, die der verlockenderen Haupthandlung um Vogel, Deb und Dexter die Spielzeit rauben...
Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 29. Juli 2013(Dexter 8x05)
Schauspieler in der Episode Dexter 8x05
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