Deutsches Haus Staffel 1
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Nach Sam - Ein Sachse erschien mit Deutsches Haus nun im November die zweite deutsche Originalserie des Streamingdiensts Disney+. Und wieder hat sich das Maushaus, das sonst für lockerleichte Kinderfilme da ist, einen ziemlich schweren Geschichtsstoff vorgenommen. Es geht nämlich um die ersten Auschwitzprozesse, die die Bundesrepublik keine 20 Jahre nach den Nazi-Verbrechen aus dem Tiefschlaf der historischen Verdrängung aufschrecken ließen.
Adaptiert wird der gleichnamige Roman von Annette Hess, der 2018 auf den Markt kam. Die Autorin hat nun auch selbst das Skript der fünfteiligen Miniserie übernommen. Die Regie wurde Isabel Prahl (Westwall) und Randa Chahoud (Legal Affairs) anvertraut, die es sich offenbar zur Aufgabe gemacht haben, in den härtesten Szenen am längsten draufzuhalten, um diesem Thema auch in der fiktionalisierten Aufarbeitung gerecht werden zu können.
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Der Cast wird angeführt vom glänzendem Youngster Katharina Stark („Dead Girls Dancing“), die sich auch von größeren Namen wie Anke Engelke (Das letzte Wort), Hans-Jochen Wagner („Kommissarin Heller“), Heiner Lauterbach („Enkel für Anfänger“), Uwe Preuss („Polizeiruf 110“), Henry Hübchen (Ze Network) und Iris Berben („Paradise“) nicht überschatten lässt. Ihre Hauptfigur der zunächst so naiven Dolmetscherin Eva Bruhns ist das Herzstück der Serie. Durch sie bleibt der Fokus auf dem Wesentlichen...
Worum geht es in der Serie „Deutsches Haus?“
Die Geschichte beginnt 1963 in Frankfurt am Main. Im Zentrum steht die gutbürgerliche Gastronomenfamilie Bruhns, die das Lokal betreibt, nach dem die Serie (und das Buch) benannt ist. Der immer gut gelaunte Vater Ludwig (Wagner) ist für die Küche verantwortlich, während seine charismatische Frau Edith (Engelke) die Gäste bedient. Die älteste Tochter Annegret (Ricarda Seifried) arbeitet als Krankenschwester auf der Neugeborenenstation im städtischen Krankenhaus. Und unsere Eva übersetzt am Rathaus aus dem Polnischen ins Deutsche.
Wenn im „Deutschen Haus“ Hochbetrieb herrscht, müssen natürlich trotzdem alle Bruhnsens anpacken. Die Familie hat einen herzlichen und lustigen Umgangston, der auch nach außen hin authentisch rüberkommt. Doch das heitere Treiben findet bald ein Ende, als Eva einen neuen Auftrag annimmt. Es geht dabei um einen Mann aus Polen, der eine Zeugenaussage abgibt. Was er beschreibt, lässt sich für Eva beim ersten Hören gar nicht übersetzen. Die Wörter haben in diesem Zusammenhang keinen Sinn - so grausam wäre das, was er berichtet.
Gaskammern und Rauchsäulen verbrannter Menschen an einem Ort namens Auschwitz: Kann es das wirklich gegeben haben? Diese Frage lässt Eva fortan nicht mehr los. Als sie später beim Prozess die eindrücklichen Schilderungen der Holocaust-Überlebenden Dr. Rachel Cohen (Berben) hört, gibt es für Eva kein Zurück mehr in die Gemütlichkeit der Verdrängung. Und auch mit ihrer Familie beginnt sie zunehmend zu fremdeln.

Da es sich hierbei um eine Staffelkritik handelt, müssen wir auch auf den einen oder anderen Spoiler im weiteren Verlauf der Geschichte eingehen. Falls Ihr Euch noch nicht sicher seid, ob Ihr der deutschen Eigenproduktion von Disney+ eine Chance geben wollt, lest gern noch mal in unser Review zur Pilotfolge rein.
Wie gelungen ist die Serie „Deutsches Haus?“
„Deutsches Haus“ hat herausragende Stärken, aber auch viele kleine Schwachstellen. Alles, was direkt im Gerichtssaal spielt, scheint wirklich gut gelungen. Serienmacherin Hess und ihre Regisseurinnen Prahl und Chahoud achten penibel darauf, die Schrecken der schlimmsten Verbrechen im 20. Jahrhundert angemessen abzubilden. Besonders eindrucksvoll ist die fast ungeschnitte Verlesung aller Anklagepunkte gegen die Verantwortlichen Robert Mulka (Martin Horn), Wilhelm Boger (Lauterbach), Hans Hofmeyer (Preuss) und Co. Auch kommt es später zu einer ohrenbetäubenden Schweigeminute bei der Ortbegehung vor der Schwarzen Wand im KZ Auschwitz.
Die Serie ist eine Abrechnung mit allen Deutschen, die die NS-Zeit miterlebt, unterstützt oder nur zugelassen haben - eine Abrechnung ohne Aber! Konsequent bricht Eva mit ihrer Familie, mit der sie vorher so eng war, als ihr klar wird, dass auch sie Blut an den Händen haben. Die Erkenntnis, dass sie als Kind neben dem Lager aufwuchs, dreht nicht nur ihr den Magen um, sondern auch uns Zuschauenden. Ihre ganze Verzweiflung gipfelt darin, dass sie nach Polen reist, um den ehemaligen Inhaftierten aufzusuchen, der ihr als junges Mädchen die Haare schnitt. Sie will, dass er ihr eine Glatze rasiert, weil sie Buße tun will. Er entlarvt ihre egoistische Geste der Selbstentschuldigung: „Das steht dir nicht zu.“
Die Schauspielerin Stark meistert die schwierige Herausforderung, in nur fünf Folgen eine komplette Wandlung ihrer Figur durchzuspielen. Mit Eva verändert sich auch der Ton der Serie von einer harmlosen Nostalgieschau hin zu einer ganz, ganz düsteren Geschichtsbewältigung. Die Einzige, die ihr mit ihrer Darbietung das Wasser reichen kann, ist Berben. Ihr gehört der Höhepunkt im Fünfteiler, als ihre Dr. Rachel Cohen auf die Angeklagten zuschreitet und ihre Verlogenheit verhöhnt.
Ein Lob verdient aber auch Lauterbach, der seinen realen Nazi-Verbrecher Boger so nüchtern spielt, dass es einem - wie man abgedroschen sagen würde - das Blut in den Adern gefrieren lässt. Mit einer ebenso herausragenden Präsenz kommt Sabin Tambrea (Ku'damm) als schmieriger Verteidiger Dr. Fritz Jerichow daher, der all den Hass auf sich lädt, den seine feigen Mandanten nicht annehmen. Und dann ist da noch Hübchen als Exkommunist/Kaufhausmillionär Walther Schoormann, der mit seinem Charme den kompletten Nebenplot rund um Evas Verlobten trägt, den man sonst sofort streichen wollen würde.
Damit kommen wir abschließend auf die Schwachstellen von „Deutsches Haus“ zu sprechen. Man merkt der Serie an, dass sie auf einem Buch basiert. Warum? Hess hat zu viel von ihrem eigenen Werk in die Adaption mitnehmen wollen - was man verstehen kann, aber nicht umsonst gibt es die Autorenregel „Kill Your Darlings“. Dianas (Runa Greiner) Schwangerschaft, Jürgens (Thomas Prenn) Kindheitstrauma, Davids (Aaron Altaras) Gewaltausbrüche sowie seine Romanze mit Sissi (Alice Dwyer) - auf all das hätte man sicherlich verzichten können.
Geradezu sprachlos lassen einen die Wendungen rund um den Unfalltod von Dr. Rachel Cohen oder die Coli-Vergiftungen auf Annegrets Station zurück. Das wirkt einfach so drüber, dass man es nicht verstehen muss. Zumal der eigentliche Fall ja schon erschütternd genug ist. Gleichzeitig dienen diese Freiheiten, die Hess sich genommen hat, als Erinnerung daran, dass wir es nicht mit einer Dokumentation zu tun haben, sondern mit einer Dramaserie. So tritt auch der bei den Auschwitzprozessen so zentrale Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Thomas Bading) immer nur sporadisch auf.
Alles in allem überwiegen die Stärken die Schwächen von „Deutsches Haus“. Die Serie von Disney+ bietet einen Einblick in eine Schlüsselzeit der bundesdeutschen Geschichte und konzentriert sich dabei vor allem auf die Stimmung statt auf Fakten, was eine wichtige Ergänzung in der Aufklärung neuer Generationen sein kann. Insgesamt vergeben wir daher vier von fünf Sternen.
«Deutsches Haus» Trailer
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