Designated Survivor 1x03

Designated Survivor 1x03

In der Episode The Confession gönnt sich das neue ABC-Drama Designated Survivor einen ersten Durchhänger. Intrigen spielen sich größtenteils innerhalb des neuen Präsidententeams ab, wobei am Ende einer oben steht, der das gar nicht verdient hat. Ziemlich realistisch also.

In Kimble Hookstraten (Virginia Madsen) hat Tom Kirkman (Kiefer Sutherland) eine schlagkräftige Gegenspielerin gefunden. / (c) ABC
In Kimble Hookstraten (Virginia Madsen) hat Tom Kirkman (Kiefer Sutherland) eine schlagkräftige Gegenspielerin gefunden. / (c) ABC

Neu-Präsident Tom Kirkman (Kiefer Sutherland), der Designated Survivor, ist einer, wie ihn sich das amerikanische Volk gerade in dieser aufgeheizten, von tiefem gegenseitigen Misstrauen geprägten Phase sicherlich wünschen würde. Er überlegt lange, bis er eine Entscheidung fällt. Er zieht keine voreiligen Schlüsse. Er denkt zuerst an das Wohl des Landes und nicht an das seiner Clique. Manchmal erbittet er sich sogar soviel Bedenkzeit, dass er bisweilen an die deutsche Kanzlerin erinnert, die ja auch dafür bekannt ist, bloß keine vorschnellen Entscheidungen zu fällen.

A human silver lining

So vorteilhaft ein solcher Präsident in der Realität auch wäre, so nachteilhaft ist er für eine TV-Serie, die vor allem von der eigenen Prämisse und dem daran angepassten Handlungsfortschritt lebt. Denn das ist „Survivor“ momentan - keine Charakterstudie, kein Schmaus für Dialogenthusiasten, sondern ein abgebrühter Politthriller mit einer überforderten Hauptfigur an der Spitze. Wenn dann aber eine Episode wie The Confession daherkommt, in der nahezu nichts Erwähnenswertes passiert, offenbaren sich die Schwächen des Formats.

Die Episode beginnt vielversprechend, wenn auch nach altbekanntem Muster. Entgegen aller Prognosen wird in den Trümmern des Kapitols ein Überlebender gefunden, der Kongressabgeordnete Peter MacLeish (Ashley Zukerman). Für die meisten Beobachter ist das nichts weniger als ein Wunder, FBI-Agentin Hannah Wells (Maggie Q) reagiert jedoch so, wie wir sie bisher stets erlebt haben - misstrauisch, spitzfindig und aufgeweckt. Statt dem Überlebenden eine Ruhepause zu gönnen, will sie ihn sogleich zur Tatnacht befragen.

Der mutmaßliche Verschwörer MacLeish lässt sich bereits in die Karten schauen, als er Hannah vom Krankenbett aus inständig darum bittet, ihn über sämtliche neuen Erkenntnisse auf dem Laufenden zu halten. Von dieser verdächtigen Forderung genährt, lässt sie es sich nicht nehmen, einmal mehr die Grenze des Legalen zu übertreten und auch noch einen Kollegen anzustiften, es ihr gleichzutun. Am Ende wird ihre unkonventionelle Vorgehensweise mit der Erkenntnis belohnt, dass MacLeish nicht an seinem angestammten Platz im Kapitol saß, als dort die Bombe hochging.

Gerät in die sexistischen Mühlen der Arbeitswelt: Emily Rhodes (Italia Ricci) © ABC
Gerät in die sexistischen Mühlen der Arbeitswelt: Emily Rhodes (Italia Ricci) © ABC

Dies ist der einzige Handlungsbogen, der von nennenswertem Plotfortschritt gekennzeichnet ist. Der Rest der Episode ist mit weniger interessanten innerparteilichen Intrigen und zwischenparteilichen Streiteren ausgestattet. Bei einem Hackerangriff auf das Weiße Haus wird eine Datei auf Kirkmans Computer platziert, die das angebliche Bekennervideo von Majid Nassar (Nicholas Massouh) enthält, dem Anführer der für den Anschlag verantwortlich gemachten Terrororganisation Al-Sakkar. Was danach passiert, folgt einem äußerst gewöhnlichen Pfad.

A lot of headaches

Falke Cochrane (Kevin McNally) reicht das Video als Beweis aus, um endlich losschlagen, ergo einen neuen Krieg entfachen zu können. So sehr ich die Funktion seiner Figur als Kirkmans Opponent verstehe, so drängend stellt sich mir die Frage, ob es solche Generäle wirklich gibt. Solche Heißsporne, die glauben, dass etwas verlorenginge, würden sie ein paar Tage mehr warten, bevor sie die Waffen sprechen lassen. Kirkman jedenfalls reagiert, wie er bislang immer reagiert hat - indem er auf die bellizistische Bremse drückt.

Unterstützung erhält er dabei von Agentin Wells, die via dem Vorgesetzten Atwood (Malik Yoba) ihre Theorie erklären darf. Demnach ist die in den Trümmern des Kapitols gefundene, nicht explodierte Bombe ein Hinweis darauf, dass es weitere Anschläge geben könnte. Das Auftauchen des Bekennervideos ändert ihre Haltung nur geringfügig, wobei das Band im Laufe der Episode noch viel weitreichendere Implikationen nach sich ziehen wird. Zunächst nimmt sich Kirkman aber die Zeit für eine Fernsehjournalistin, die ihn mit einer überraschenden Frage überrumpelt.

Sie habe herausgefunden, dass er kurz vor dem Anschlag von seinem Vorgänger versetzt werden sollte. In wahrer Kirkman-Manier beantwortet Tom die Frage nach einer kurzen Unterbrechung wahrheitsgemäß, was zwar sein eigenes Gewissen befriedigt, nicht aber die sensationslüsterne Öffentlichkeit. Bald darauf gehört der Hashtag #BogusPOTUS zu den Twitter-Trends, was eigentlich schon alles über die negativen Nachwirkungen dieses TV-Interviews sagt. In die Bresche springt nun Kirkman-Berater Aaron (Adan Canto) mit einer halsbrecherischen Aktion.

Lektion zum wiederholten Male gelernt: Leo Kirkman (Tanner Buchanan) © ABC
Lektion zum wiederholten Male gelernt: Leo Kirkman (Tanner Buchanan) © ABC

Er lässt Nassars Bekennervideo an die Presse durchsickern, um so die öffentliche Aufmerksamkeit von Kirkmans Geständnis abzulenken. Das funktioniert, ist aber auch eine direkte Befehlsmissachtung. Statt dafür abgestraft zu werden, wird Aaron von Kirkman zum Chief of Staff befördert - statt Emily (Italia Ricci), die für den Posten nach Aarons jüngster Aktion eindeutig besser geeignet wäre. Deutlicher könnte man die sexistischen Dynamiken der Arbeitswelt kaum herausstellen: Mann bekommt Beförderung, Frau eine fadenscheinige Entschuldigung.

She's so political, she doesn't even seem political

Wie wenig sich das Autorenteam darüber bewusst ist, zeigt die nachfolgende Szene. Darin gratuliert Emily ihrem innerparteilichen Konkurrenten zum Aufstieg. Der antwortet ihr, die gerade den Heiratsantrag ihres Freundes ausgeschlagen hat, doch tatsächlich folgendermaßen: „I get a job, you get a fiancé. You're probably the real winner here.“ Da sind sie wieder, die uralten Geschlechterrollen, die sich in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft so hartnäckig halten wie Kaugummi an der Unterseite der Schulbank: Mann Karriere, Frau Hochzeit.

Welchen dramaturgischen Zweck das Kreativteam mit der Beförderung Aarons verfolgt, ist bereis vor der Abschlussszene klar. Über seine wahren Intentionen soll eine oder mehrere Staffeln lang Unklarheit herrschen, bis er endlich sein wahres Gesicht zu erkennen gibt. So lange hat es bei der Republikanerversion des Designated Survivor, Kimble Hookstraten (Virginia Madsen), nicht gedauert. Nachdem sie am Ende von The First Day Nachforschungen über Kirkman angestellt hatte, lässt sie ihn jetzt direkt wissen, dass sie scharf auf seinen Job ist.

Der familieninterne Handlungsbogen wird indes so stiefmütterlich behandelt, dass es sich nicht lohnt, ihn hier noch einmal auseinanderzunehmen. Wie schon in den Episoden zuvor lernt Leo (Tanner Buchanan) eine Lektion, statt vollständig abzudriften und für noch größeren Ärger zu sorgen. Eingehüllt ist das - wie auch die übrigen Erzählstränge - in penetrant utilitaristische Dialoge, dank derer auch der letzte Bügelbrettbenutzer versteht, was genau nun gerade vor sich geht. Das war schon eine der Schwächen der ersten Episoden. Hat man sich an die charismatischen Darsteller gewöhnt und fällt die Episodengeschiche so uninteressant aus wie in The Confession, werden diese noch viel deutlicher hervorgehoben.

Trailer zu Episode 1x04: 'The Enemy'

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 6. Oktober 2016

Designated Survivor 1x03 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 3
(Designated Survivor 1x03)
Deutscher Titel der Episode
Das Geständnis
Titel der Episode im Original
The Confession
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 5. Oktober 2016 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 20. November 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Sonntag, 20. November 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Sonntag, 20. November 2016
Autoren
Jennifer D. Johnson, Paul Redford
Regisseur
Sergio Mimica-Gezzan

Schauspieler in der Episode Designated Survivor 1x03

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