Defiance 1x04

Figuren- und Charakterentwicklungen stehen bei Defiance an erster Stelle. So wird auch in A Well Respected Man erneut an mehreren Fronten gestrickt, wobei Irisa (Stephanie Leonidas) diese Woche - abgesehen von einer kleinen Szene am Anfang - eine Auszeit nimmt. Merkwürdigerweise knüpft die Folge damit an die Handlungen in Down in the Ground Where the Dead Men Go an und lässt die Ereignisse in The Devil in the Dark damit außen vor.
Familie Rosewater
Amanda (Julie Benz) und Kenya (Mia Kirshner) sind Schwestern, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Während die eine vorübergehend Bürgermeisterin von Defiance ist und versucht, ihrer nicht gerade leichten Aufgaben gerecht zu werden, betreibt Kenya das Stadtbordell, wobei sie sich den Kunden auch persönlich annimmt. Konflikte sind dort vorprogrammiert, wie in den ersten Minuten der Episode auch klar dargestellt wird. Trotzdem sind die beiden mit einander verbunden, nicht zuletzt, weil die ältere Amanda für lange Zeit die Mutterrolle für die jüngere Kenya übernommen hat.
Als Kenya verschwindet, setzt Amanda folglich alle Hebel in Form von Sheriff Nolan (Grant Bowler) in Bewegung, um ihre Schwester wieder zu finden. Dass sie dabei nicht ohne Datak (Tony Curran) auskommen, ist eine kleine Ironie des Schicksals, denn dessen letzte - durch Nolan - gescheiterte Waffentransaktion sieht er als eine Handlung von Respektlosigkeit (zumal der Waffenhandel vorher vom Stadtrat abgesegnet wurde) und ist daher auch nicht bereit, in der Angelegenheit zu helfen. Den Schlüssel, um Datak doch noch umzustimmen, liefert seine Frau Stahma (Jaime Murray): Sie schlägt Amanda vor, Datak in die vakante Position des Stadtrats zu berufen und Amanda willigt ein.
Somit wird das Hauptproblem der Folge mehr oder weniger durch eine einfache politische Handlung gelöst, die zugegebenermaßen die Machtverhältnisse für Datak und seine Frau verstärkt, aber für das Verhältnis zwischen den Schwestern nicht mehr als einen Anschauungswert hat. Das wird vor allem bei der letzten Szene zwischen Amanda und Kenya deutlich: Das Frage-Antwort Spielchen von wegen „Why didn't you shut me down?“ - „Because you are my sister.“ hätte prinzipiell in zig anderen Situation ähnlich verlaufen können. Die Rettungsaktion ist da lediglich Mittel zum Zweck und hat die Aufgabe, den Zuschauer in die Vergangenheit der beiden zu führen und die Bedeutung von Kenyas Amulett zu veranschaulichen.
Familie McCawley
Rafe (Graham Greene) darf anfangs noch Amanda darin einweihen, dass Dataks Waffengeschäfte vom Stadtrat abgesegnet wurden, um sich dann seinem Sohn Quentin (Justin Rain) zu widmen. Zwischen den beiden herrscht nach wie vor ein angespanntes Verhältnis und als Rafe Lukes Minenschacht still legen lässt, nimmt Quentin das persönlich. Dabei steckt dahinter eine ganz andere Absicht: Aus Lukes Unterlagen hat Rafe wohl geschlossen, dass das goldene Amulett, was wir am Ende von Down in the Ground Where the Dead Men Go gesehen haben, aus eben diesem Minenschacht stammt. Nach kurzem Gespräch wieder mit einander vereint, machen sich Vater und Sohn auf den Weg in den Schacht und finden unter anderem Höhlenmalereien vor (auf die zuvor außer Luke noch niemand gestoßen ist - komisch, da hat er wohl ganz alleine in einem ganzen Schacht gearbeitet). Dort findet sich auch eine Zeichnung des Amuletts, sowie eines weiteren, scheinbar silbernen Stücks gleicher Beschaffenheit.
Ob es sich hierbei um den Auftakt zu einem größeren Geheimnis handeln soll? Falls ja, lässt sich die Serie einiges an Zeit, um diesen Dingen nachzugehen. Im Piloten drehte sich die Handlung noch stark um ein anderes Artefakt, das Nolan und Irisa ausfindig gemacht hatten und zur Rettung im Kampf mit den Volgen eingesetzt wurde. Dieser Teil der Serie kommt in den Augen des Rezensenten bisher eindeutig zu kurz und wäre das, was der Serie einen deutlichen Schub Zuschauerinteresse verschaffen könnte.
Ulysses
Der „Biomann“ Ulysses (Rob Archer) ist offensichtlich der einzige seiner Art in Defiance und bekommt diese Woche ebenfalls eine kleine Hintergrundgeschichte seiner „Spezies“ spendiert - nur, um dann am Ende (so wie es aussieht, endgültig) ausgeschaltet zu werden. Die Idee, dass er sich vom menschlichen Adrenalin ernährt beziehungsweise davon abhängig ist, war sicher keine Glanzleistung der Autoren. Wäre es nicht viel einfacher, das nötige organische Mittel aus Tieren zu gewinnen als sich dem Risiko auszusetzen, Menschen zu entführen und auf gezeigte Art und Weise zu verängstigen, um den Ausstoß des Hormons zu provozieren? Und warum fällt die synthetische Methode flach? In einer Welt, in der man mit Leichtigkeit Leute in eine virtuelle Realität versetzen kann (um sie zu verängstigen) sollte es doch einfache technische Mittel geben, um den passenden Hormon-Mix künstlich herzustellen.
Eine andere Frage, die sich stellt: Waffenhändler, Drogengeschäfte, entführte Menschen - das alles gehört zum Alltag in Defiance, wenn man die richtigen Viertel betritt. Wo sind da unsere heldenhaften Freunde? Die mischen sich scheinbar immer nur dann ein, wenn es persönlich wird (Dataks Mord an Bandik, Entführung von Kenya) oder sie (wie im Fall der Hellbugs) direkt darauf gestoßen werden. So sind die Machenschaften von Ulysses Freund Miko (Robin Dunne, bekannt aus Sanctuary), der permanent unter Drogen steht, auch lange im Dunkeln geblieben.
Fazit: Diese Episode liefert einen weiteren Einblick in einige der Hauptfiguren, wobei das Verhältnis von Kenya und Amanda im Mittelpunkt stehen soll. Wirklich überzeugend wirkt die Geschichte dabei nicht, auch wenn die Darsteller durchaus gute Leistungen bringen. Der größte Makel liegt dabei an der schlecht konstruiert wirkenden Entführung Kenyas, die sich leicht hätte besser gestalten lassen. Damit sinkt meine Sternewertung diese Woche auf 2 von 5 Sternen.
In eigener Sache
Es fällt mir von Woche zu Woche schwerer, die Serie Defiance anzusehen und ihr was abzugewinnen. Das hängt jetzt nicht an den schauspielerischen Leistungen, die sind durchweg in Ordnung. Ich habe auch nichts gegen einen hohen Charakteranteil oder eine langsame Entwicklung der größeren Geschichte. Aber ich komme mir beim Betrachten der Folgen immer mehr so vor, als wenn mich „Defiance“ mit einer „ganz normalen“ Dramaserie abspeisen möchte und der Sci-Fi Anteil lediglich schmückendes Beiwerk ist. Politische Intrigen und Machtspiele, konfliktreiche Familienverhältnisse, fremde Sitten und Bräuche - ja, das kann stimmig in einer Science-Fiction Serie eingebaut werden. Kann.
Kurzum: In meinen Augen gelingt der Serie das nicht und bevor ich jetzt eine negative Kritik nach der anderen an dieser Stelle abliefere und mich dabei durch eine Serie quäle, die ich sonst nicht weiter verfolgen würde, höre ich lieber auf. Damit kann ich mich mehr auf die Serien konzentrieren, die mir gefallen und stoße nicht den Leuten vor den Kopf, die mit Begeisterung die Serie verfolgen (wovon es offensichtlich nicht wenige gibt).
Verfasser: Christian Schäfer am Donnerstag, 9. Mai 2013Defiance 1x04 Trailer
(Defiance 1x04)
Schauspieler in der Episode Defiance 1x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?