Deep State 1x01

Deep State 1x01

Der Agententhriller Deep State stellt sich in seiner Pilotepisode als klassischer Vertreter des Genres heraus und lockt mit einer undurchsichtigen Verschwörung. Der gute Cast, angeführt von einem stoischen Mark Strong, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier das gewisse Etwas fehlt.

„Deep State“ (c) FOX
„Deep State“ (c) FOX
© ??Deep State“ (c) FOX

Spätestens seit Homeland und dem weitaus actionlastigeren 24 sind turbulente Agententhriller im TV en vogue und aus der Serienlandschaft kaum noch wegzudenken. Alle paar Monate sprießt ein neues Format aus dem Boden, in dem sich mit den undurchsichtigen Machenschaften gesichtsloser Organisationen und skrupelloser Geheimdienste unserer Zeit befasst wird, um ein großes Unrecht zu entlarven oder die unbequeme Wahrheit hinter den Kulissen aufzudecken. Zuletzt schickte sich Hulus The Looming Tower an, dieses spezielle Genre zu bereichern. Nun steht mit dem achtteiligen Drama Deep State der Fox Networks Group schon der nächste Kandidat in den Startlöchern, frischen Wind in eine Seriensparte zu bringen, die mittlerweile ein klein wenig erschöpft wirkt.

Diese Erschöpfung rührt allen voran daher, da die Parameter des Agententhriller-Genres inzwischen abgesteckt sind, sich eine gewisse Formel etabliert hat und Innovation nur selten gegeben ist. In unregelmäßigen Abständen gelingt es wenigen Serien (The Americans, das viel zu wenig beachtete London Spy und aktuell Counterpart sind ein paar Beispiele), mit unverbrauchten Ansätzen und smarten Einfällen dem Genre einen neuen Anstrich zu geben. Auf der anderen Seite häufen sich aber eben auch die Produktionen, die sich schwer tun, ein Alleinstellungsmerkmal zu finden und aus der Masse herauszuragen. Visuell serviert man uns eine Variation von Grautönen und intensiven Nahaufnahmen, die sprunghafte Handlung führt uns rund um die Welt, während jedes Bild steril und kühl wirkt. Die Helden der Geschichte sind derweil zumeist auf sich allein gestellt und stehen mit dem Rücken zur Wand.

The game

Der Serienneustart „Deep State“ fällt seiner Auftaktfolge Old Habits nach (im Nachhinein ein fast schon bezeichnender, ironischer Titel) eher in letztere Kategorie. Das heißt nicht, dass die Produktion, welche hierzulande ab Montag, den 9. April beim FOX Channel ihre Premiere feiern und dann immer wöchentlich dienstags ausgestrahlt wird, ein Reinfall ist. „Deep State“ ist ein handwerklich sehr ordentlich inszeniertes, klassisches Agentendrama, das viele Genrefans ansprechen dürfte. Die solide Geschichte wird von einem überzeugenden Cast getragen, allen voran Hauptdarsteller Mark Strong stellt seine Qualitäten unter Beweis. Nur leider fehlt dem Format das gewisse Etwas, eine Besonderheit oder ein spannender Kniff, um sich abzugrenzen. Dass man im Laufe der ersten Staffel ein solches Element noch findet, ist nicht ausgeschlossen. Die Pilotfolge hat es jedoch noch nicht. Und das macht sich bemerkbar.

Back to normal

In „Deep State“ folgen wir dem ehemaligen britischen Geheimagenten Max Easton (Mark Strong), der sein gefährliches Leben in Diensten ihrer Majestät längst hinter sich gelassen hat und mittlerweile mit Kind und Kegeln in der französischen Provinz lebt. Doch plötzlich wird Max zurück in alte Zeiten katapultiert, als ihm gar keine andere Wahl gelassen wird und er sich ein letztes Mal auf eine gefährliche Mission begeben muss. Und dieses Mal ist es etwas Persönliches...

So stellt sich nämlich heraus, dass der Sohn von Max, Harry (Joe Dempsie, Gendry aus Game of Thrones), im wahrsten Sinne in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist und riskante Aufträge für den britischen Geheimdienst erfüllt. Unter anderem im Iran, wo die Briten in Zusammenarbeit mit den USA das illegale Voranschreiten eines nuklearen Waffenprogrammes verhindern wollen. Notfalls auch mit ein paar gezielten Anschlägen. Nachdem eine Operation des Killerkommandos nach hinten losgeht, liegt es an Max, Klarheit in die trübe Suppe zu bringen, die von unzähligen Köchen da zusammengerührt wurde. Dabei erfährt er, dass sein eigener Sohn kaltblütig ermordet wurde. Oder etwa doch nicht? Eine große Verschwörung bahnt sich an und Max findet sich inmitten des ganzen Schlamassels wieder, während er gleichzeitig sein Privatleben deichseln muss. Seine aktuelle Frau hat nämlich keinen blassen Schimmer von seiner eigentlichen Berufung und kommt seiner Geheimidentität allmählich auf die Spur...

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Like father, like son

In Mark Strong verfügt Deep State über einen talentierten Hauptdarsteller, der mit seiner natürlichen Gravitas und Präsenz die Erzählung automatisch aufwertet. Die Last, die auf den Schultern von Max liegt, dem keine andere Wahl bleibt, als nach langer Zeit zu dem finstersten Kapitel seines Lebens zurückzukehren, ist deutlich spürbar. Und Regisseur Robert Connolly nimmt sich die Zeit, diesen Aspekt ausführlich zu beleuchten, was zur Schwere der Geschichte und Tragweite von Max' Entscheidung beiträgt, der eigentlich nie wieder im Auftrag von jemandem Menschen töten wollte. Verlernt hat er sein Handwerk, auf das er nur widerwillig zurückgreift, mitnichten. Das zeigen ein paar kernige Szenen, die jedoch klar im Zeichen des Understatements stehen.

Extrem schwungvolle, dynamische Aufnahmen bleiben aus, vielmehr wird die Prämisse sehr bedächtig und unaufgeregt etabliert. Das gelingt den Verantwortlichen um die beiden Serienmacher Simon Maxwell und Matthew Parkhill zwar (der wie Connolly vier Episoden der achtteiligen ersten Staffel von „Deep State“ inszeniert hat), jedoch kann der sehr ruhige Plot auch zu einer kleinen Geduldsprobe für den Zuschauer werden. Einerseits kann man der stilsicheren Machart, die dem Spektakel eine Art bedrückende Intimität vorzieht, durchaus etwas abgewinnen. Andererseits schleppt sich die Geschichte stellenweise auch ein wenig von Szene zu Szene, selbst wenn man versucht, mit kleineren Rückblicken und einem leicht anachronistischen Erzählstil für Abwechslung zu sorgen.

Clockwork

Hinzu kommt, dass der Plot der Pilotepisode doch arg vorhersehbar ist und man jede Wendung aus der Ferne auf einen zukommen sieht. Wenn man mit der einen oder anderen Serie aus dem Genre vertraut ist, dann erkennt man recht schnell bestimmte Muster in „Deep State“, die einfach reproduziert werden. Diese vermeintliche Schwäche ließe sich wiederum mit einer originellen Umsetzung ausgleichen, doch dahingehend besteht noch reichlich Luft nach oben für die Serie. Schlecht ist das Gezeigte auf keinen Fall, nur eben etwas fad und gewöhnlich. Dass die Handlung um die Fragen, was wirklich mit dem Sohn von Max passiert und welch ungeheuerlicher Verschwörung man auf den Fersen ist, noch gewaltig Fahrt aufnehmen kann, ist gut vorstellbar. Doch heutzutage muss man sich als Serienmacher des Umstands bewusst sein, dass die Konkurrenz auf dem Serienmarkt so groß ist, dass viele Zuschauer sich ihre freie Zeit als Konsument sehr genau einteilen.

No choice

Wenn man dann in der ersten Folge seiner Serie keine richtigen Reizpunkte setzen kann, läuft man eben Gefahr, dass das Publikum nicht wiederkommt. Argumente für sich bringt man, wie bereits erwähnt, jedoch über die Darstellerriege und die Darbietungen an. Neben Strong, dessen authentische, reservierte, aber dennoch sehr kraftvolle Performance herausragt, fällt die in Flandern geborene Schauspielerin Lyne Renee in der Rolle von Max' Ehefrau Anna auf. Ihr Charakter erscheint zunächst etwas flach und stereotypisch, Renees Schauspiel hebt die Figur jedoch auf ein anderes Level, so dass sich rasch Mitgefühl und Verständnis für sie entwickelt. Vor allem in einer Szene, als Anna die Wahrheit über ihren Gatten erfährt, trifft Renee den Nagel auf dem Kopf.

Über diese Verstrickung von zwei unterschiedlichen Dramen - Max' erzwungene Rückkehr zu seinem alten Leben und die Suche nach seinem Sohn versus der Konflikt mit Anna, der Mutter seiner beiden Töchter, mit der er sich ein neues, friedliches Leben aufgebaut hat - könnte Deep State die Würze bekommen, die der Auftaktfolge (die mit einem Cliffhanger endet, der kein wirklicher Cliffhanger ist) in weiten Teilen fehlt. Der verhaltene Beginn der Staffel ist etwas schwerfällig und daher für manche Zuschauer sicherlich abschreckend. Irgendwo in „Deep State“ schlummert aber eine packende Genreserie. Ob man diese freilegen kann, wird sich erst noch zeigen müssen.

Die erste Staffel von „Deep State“ startet in Deutschland mit einem Preview am Montag, den 9. April auf dem FOX Channel.

Trailer zu „Deep State“:

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 6. April 2018

Deep State 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Deep State 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Schlaf der Verdammten
Titel der Episode im Original
Old Habits
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Donnerstag, 5. April 2018 (FOX Channel)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 9. April 2018
Autor
Matthew Parkhill
Regisseur
Robert Connolly

Schauspieler in der Episode Deep State 1x01

Darsteller
Rolle
Mark Strong
Lyne Renee
Joe Dempsie
Fares Fares
Anastasia Griffith

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