Dead to Me Staffel 2
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Für eine erste Einschätzung der Dark Comedy, könnt ihr einen Blick in unser Pilotreview werfen.
In der 2.Staffel der Netflix-Serie Dead to Me müssen Jen (Christina Applegate) und Judy (Linda Cardellini) den Mord an Steve (James Marsden) geheim halten. Dabei kommen die Untersuchungen seines eineiigen Zwillingsbruders Ben sehr ungelegen. Insbesondere bei Jen löst seine Ankunft gespaltene Gefühle aus, denn sie konnte seinen Zwillingsbruder nicht nur nicht ausstehen, sondern sie hat ihn auch umgebracht. Sie stellt aber auch im Laufe der Zeit fest, dass sie Ben im Gegensatz zu Steve echt sympathisch findet und auf ihn steht. Auch bei Judy entwickelt sich eine unerwartete und süße Liebesgeschichte mit der Tochter einer Heimbewohnerin, Michelle (Natalie Morales).
Prinzip auf den Kopf gestellt
Das Prinzip der 1. Staffel war das, dass Jen und Judy beste Freundinnen werden - man könnte sie fast schon Busenfreundinnen nennen. Sie sind wahre Freunde füreinander und lieben einander bedingungslos. Der Clou hierbei ist, dass Judy Jens Ehemann überfahren hat und Fahrerflucht begangen hat. Das verheimlicht sie ihr die ganze Zeit, bis sich schließlich Jen selbst die Schuld an dem Tod ihres Mannes gibt und Judy ihr ihre Tat gesteht. Man sollte meinen, dass das die beiden auseinandertreiben würde, doch es findet ein ironischer Ausgleich der Gerechtigkeit statt, der die beiden wieder zusammenführt. Denn Jen bringt im Affekt Steve, den psychopathischen Ex von Judy, um, als dieser ihr den Tod ihres Mannes vorwirft. Eins führt zum anderen und Jen und Judy sind wieder unzertrennlich: Judy hat einfach ein gutes Herz, dass sie jedem verzeihen und lieben muss. So hilft sie Jen dabei Steve zu vergraben, da sie annimmt, dass die Tötung von Steve aus Notwehr geschehen ist.
Demzufolge findet auch hier wieder eine Parallele, eine Wiederholung, zur 1. Staffel statt. Wieder einmal lügt die Eine die Andere an, weil sie den Mann der Anderen umgebracht hat. Doch dieses Mal lügt die Eine zumindest nur über das Motiv der Tat und nicht über die Tat selbst.
Das passiert in der 2. Staffel von Dead to Me
In einem narrativen Stil, der an Desperate Housewives erinnert, versuchen die besten Freundinnen alle Spuren an die gewaltsame Tat zu verwischen. Doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht. So kommt ihnen immer wieder etwas dazwischen oder sie stehen kurz davor enttarnt zu werden: Die Tiefkühltruhe, in der sich Steve, befindet leakt. Zudem gibt es dort Ratten, dass ein Kammerjäger kommen muss. Sie werden auf der Rückfahrt, nachdem sie Steve begraben haben, von der Polizei angehalten. Jens Sohn nimmt sich Steves Auto und fährt damit in der Gegend herum, da er annimmt, dass ihm das Auto sowieso bald geschenkt werden soll und er ein Mädchen beeindrucken möchte. Dieses postet sofort ein Foto von dem Auto, zusammen mit ihnen, im Internet. So geht es immer weiter.
Das macht auch den Humor und die Spannung der Serie aus. Denn diese Stellen gestalten sich sowohl als lustig und charmant, aber auch als nervenaufreibend, da sie immer wieder am Abgrund stehen.
Doch so wie bei der stilistischen Vorlage, Desperate Housewives, können sie sich durch ein paar Tricks immer wieder irgendwie retten, doch diese sind stets nur akute und keine chronischen Lösungen, sodass ihre Lügen sie immer wieder einholen und wie bei einem Schneeballprinzip immer schlimmere Auswirkungen haben.
Dabei ist es nicht hilfreich, dass auf einmal Ben, Steves eineiiger Zwillingsbruder vor der Tür steht. Zum Einen bringt das Jen völlig aus dem Konzept, da sie nicht von seiner Existenz wusste und so auch immer wieder in das Gesicht des Mannes gucken muss, den sie getötet hat. Zum Anderen hört dieser nicht auf Fragen zu stellen und Nachforschungen anzustellen. Judy tischt ihm eine Geschichte auf, dass Steve das Land verlassen und nach Mexiko gewollt hätte, wenn ihm mal die Behörden auf die Schliche kommen sollten - was vor seinem „Verschwinden“ der Fall gewesen ist. Doch auch da hakt er immer weiter nach ...
Bei seinen Nachforschungen lernen sich Ben und Jen kennen und lieben: Zwischen den beiden ist eine spürbare Anziehungskraft. Dieser Anziehung geben die beiden auch nach und wenn Jen nicht Bens Bruder umgebracht hätte, wären die beiden ein tolles Paar geworden. Doch so beendet Jen das Zwischen ihnen bevor es überhaupt richtig angefangen hat.
Bens herzliche und alberne Art verdrängt Jens zynische Seite und gestaltet ihr Leben schöner. So wie das auch bei Judys herzlicher, naiver und süßer Art der Fall ist. Solche Menschen lassen Jen aufblühen - ob sie das möchte oder nicht.
In der Zwischenzeit lernt Judy über ihre Arbeit eine toughe Frau, Michelle, kennen, in die sie sich unverhofft verliebt. Sie ist das passende Gegenstück zu der kindlichen Judy. Zwischen den beiden könnte alles perfekt sein, wenn die Ex-Freundin von Michelle nicht niemand anderes als Detective Ana Perez (Diana Maria Riva) wäre und die beiden nicht noch zusammenwohnen würden. Das erschwert die Beziehung zwischen den beiden. Zum Einen kann der mürrische Detective die stets fröhliche, junge Frau auf den Tod nicht ausstehen - vor allem nicht, wenn sie mit ihrer Ex-Freundin schläft. Zum Anderen sollte sich die plappernde Judy, der oft mal Sätze aus dem Mund entweichen, die sie besser für sich behalten sollte, so weit es geht von Polizeibeamten fernhalten. So beendet Judy die Beziehung zu Michelle, bevor diese überhaupt anfangen konnte.

Frauendynamik
Die Serie baut auf die Dynamik zwischen und die Chemie der beiden Protagonisten zueinander. Sie stellen ein perfektes Paar dar. Sie ergänzen sich wie Ying und Yang. Sie werden wie von unsichtbaren Kräften zueinander hingezogen und sind einfach unzertrennlich. Sie sind wie Pech und Schwefel.
Die beiden sind komplette Gegensätze und genau das macht die besondere Dynamik der beiden aus. Deshalb ergänzen sie einander so harmonisch. Judy ist stets fröhlich, unendlich optimistisch, naiv, liebend, kindlich und süß. Im Gegensatz dazu ist Jen eher verschlossen, kalt, zynisch und taff. So unterschiedlich die beiden sind, so sehr brauchen die beiden sich. Sie lernen auch voneinander. So hat Judy gelernt für sich einzustehen und Jen hat gelernt sich ihre Gefühle einzugestehen und offener mit diesen umzugehen. Mit dieser besonderen Dynamik erinnert die Serie sehr an eine jüngere Version einer anderen Netflix-Comedy - Grace and Frankie.
Am Ende stehen die beiden wieder zu zweit bzw. alleine dar - ihre Liebschaften, die überaus großes Potenzial hatten, sind in der Leere verlaufen - und das nur aufgrund ihrer Verbrechen. Doch so sehr ihr Verlust auch schmerzen mag, die beiden sind sich bewusst, dass sie immer einander im Leben haben werden. Sie können sich aufeinander verlassen. Und genau darum geht es in der Serie. Obwohl die Frauen den Mann des jeweils Anderem „getötet haben“, können sie doch nicht ohne einander. Dead to Me erzählt keine Geschichte von Frauen und ihren Männer-Liebesgeschichten, sondern um eine Liebe zwischen zwei Frauen, die größer ist als die Liebschaften, die sie sonst haben.
Ähnlich wie bei Desperate Housewives steht die Freundschaft und das Drama von mittelalten Frauen im Mittelpunkt. Zudem begehen scheinbar unschuldige Vorstadt-Frauen Morde und versuchen ihr Geheimnis geheim zu halten. Doch so wie bei Desperate Housewives macht es sich auch Dead to Me in den „kriminellen Bereichen“ etwas zu einfach, sodass man den Fokus des Schauens weniger auf die Authentizität der Mordermittlungen legen sollte, sondern viel mehr auf die tolle Dynamik der Frauen zueinander, denn darin liegt die Stärke der Serie.
Dabei gibt es jede Staffel ein neues Geheimnis, das behütet werden muss und im Zentrum der Staffel steht. Dabei geht es um kriminelle Vergehen, die aus dem Affekt geschehen sind. Gegen Ende jeder Staffel wird die eine Prämisse beendet, das eine Geheimnis ist also gesichert, und es kommt zu einem Verbrechen, das das Geheimnis für die nächste Staffel darstellt: In diesem Fall sind Judy und Jen im Finale in einen Autounfall verwickelt, der durch den rückfällig gewordenen Alkoholiker, Ben, verursacht wurde. Während dieser Fahrerflucht begeht, lässt er die verzweifelte Judy mit der verletzten Jen zurück. Das Drama geht also in der nächsten Staffel weiter und ist erneut auf für die Protagonisten versteckte Weise mit den vertrauten Figuren verbunden.
Fazit
Wer sich an einem dynamischen, sympathischen und lustigen Frauen-Duo erfreut, das durch dick und dünn geht, dem sei diese Serie ans Herz gelegt. Denn das ist das Herzstück der Serie. Dabei liefern die zwei Hauptdarstellerinnen, Christina Applegate und Linda Cardellini, tolle Schauspielleistungen ab und weisen eine großartige Chemie zueinander auf, die elementar für die Serie ist.
Außerdem beweist die Serie, dass sie in der neuen Staffel zwar mit der gleichen Prämisse aufwartet, aber damit das Konzept der Dramedy auf den Kopf stellt: Judy und Jen werden zu „partners in crime“ und in life. Dabei wartet die Netflix-Serie, die gerade um eine 3. und letzte Staffel verlängert wurde, mit viel Charme, Humor, Drama und toll ausgearbeiteten Figuren auf, die die 10 30-minütigen sehr bingeable macht.
«Dead to Me» Trailer
Dead to Me Staffel 2 Episodenguide
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