Dead to Me: Review der Pilotepisode

© ??Dead to Me“ (c) Netflix
Liz Feldman stand als Serienschöpferin hinter der kurzlebigen Sitcom One Big Happy und moderiert die lesbische YouTube-Talkshow „This Just out“. Gemeinsam mit ihren prominenten Co-Producern Will Ferrell und Adam McKay präsentiert sie auf Netflix neuerdings ihre schwarze Trauerbewältigungscomedy Dead to Me mit Christina Applegate und Linda Cardellini in den Hauptrollen. Wir haben uns die erste Folge dieses halbstündigen Formats für Euch angesehen, um zu schauen, ob es zwischen all den Tränen wirklich noch etwas zu schmunzeln gibt.
Durch die Prämisse zweier ungleicher Frauen, die ihre Männer verlieren (wenn auch in diesem Fall durch Tod und nicht durch eine durch Doppel-Coming-out bedingte Scheidung), wird man direkt an die ebenfalls bei Netflix beheimatete Serie Grace and Frankie erinnert, in der Jane Fonda und Lily Tomlin seit fünf Staffeln ihren Lebensabend bestreiten. Wobei die Heiterkeit in diesem Fall sehr viel tiefer unter dem Drama verborgen liegt. Man soll eher im Angesicht und nicht aufgrund der desolaten Situationen von Applegates Hauptfigur lachen.
In „Dead to Me“ steigen wir mit der nun alleinerziehenden Mutter Jen (Applegate) ein, die alles dafür tut, in ein normales Leben zurückzukehren, nachdem ihr Mann durch einen Autounfall mit Fahrerflucht ums Leben kam. Das funktioniert nach außen hin und vor den Kindern ganz gut, die gelegentlichen Heulanfälle auf dem Klo oder Wutausbrüche im Metal-beschallten Auto bleiben jedoch nicht aus. In einer Trauergruppe, für welche die übermüdete Jen eigentlich überhaupt keine Geduld hat, lernt sie schließlich die offenherzige Judy (Cardellini) kennen, die sich in einer ganz ähnlichen Situation befindet und ihr offenes Ohr anbietet.

Es dauert auch nicht lange, bis Jen in einer weiteren schlaflosen Nacht Kontakt aufnimmt und sich mit der Fremden zunächst telefonisch anfreundet. So werden bald Chocolate-Chip-Cookies beim gemeinsamen Schauen von „The Facts of Life“-Wiederholungen vernichtet und Anekdoten über die verflossenen Männer ausgetauscht. So weit, so nett. Das alles kommt jedoch viel zu gut und passend zusammen, so dass man den faulen Braten regelrecht riechen kann. Spätestens, als Jen ihrer Trauerbusenfreundin einen Überraschungsbesuch abstattet und sich herausstellt, dass ihr Mann Steve (James Marsden) gar nicht verstorben ist, sondern lediglich Schluss gemacht hat, geht auch ihr ein Licht auf.
Während Judy bei der aufkommenden Konfrontation zwar einräumt, geflunkert zu haben und eine weitere, herzzerreißende Geschichte inklusive Fehlgeburten auftischt, fällt es schwer, ihr nach diesem Vertrauensbruch noch Glauben zu schenken. Zumindest geht es einem als Zuschauer so. Jen sieht das nach ein paar beschwichtigenden Worten der naiven Trauergruppe anders und lässt die in einem regelrechten Drecksloch gestrandete Judy letztlich bei sich einziehen. Dass sie einer Opportunistin oder gar Betrügerin auf den Leim geht, liegt eigentlich auf der Hand. So sehr sogar, dass man fast einen weiteren doppelten Boden vermutet. Immerhin ist die Serie so anständig, sich eine sehr offensichtliche Vermutung, die man schon nach dem Serientrailer haben konnte, nicht als finalen Twist für das Staffelfinale aufzuheben, sondern gleich als Cliffhanger der Pilotfolge damit zu kokettieren: die Frage, was Jane mit dem tödlichen Autounfall von Jens Mann zu tun hatte...
Fazit
Nur ein paar Zentimeter in eine Richtung und wir hätten es bei Dead to Me nicht mit einer schwarzen Komödie, sondern mit einer ausgewachsenen Dramaserie oder gar einem Thriller zu tun. Als Genremarker fungieren lediglich die Comic-Relief-Charaktere in der Trauergruppe, einige Soundtrack-Entscheidungen wie das konträr zum Gezeigten laufende „Get Happy“ sowie das zuweilen ihre Comedywurzeln offenbarende Schauspiel der hier zur Höchstform auflaufenden Christina Applegate. Nicht einmal die Beleuchtung oder große Teile des Drehbuchs müssten groß geändert werden. Schade nur, dass die Comedyaspekte nicht so recht zünden wollen beziehungsweise von den Dramaelementen derart erdrückt werden. Was dann wiederum sehr gut funktioniert, ist die aufblühende Beziehung der beiden Frauen. So gut jedoch, dass man sich den doppelten Boden der Geschichte beinahe hinfort wünscht...
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Netflix-Serie „Dead to Me":