CSI: Crime Scene Investigation 8x06

CSI: Crime Scene Investigation 8x06

Das Review bezieht sich auf die Doppelfolge von letzter Woche, die in den USA gezeigt wurde. Ein Crossover zwischen CSI: Crime Scene Investigation und Without A Trace mit dem Titel „Who&What“. CSI: Crime Scene Investigation/Without A Trace: Würfel, Stift, Papier, Weinglas, Fernbedienung, Handtuch - immens viele Detailaufnahmen in den ersten Minuten. Die Kamera sucht Nähe und geht gleich wieder auf Distanz. So entsteht das Gefühl einer unaufhaltsamen Bedrohung. Dann ein brutaler Doppelmord und wir, die Zuschauer, schauen durch die Kameraposition dem Mörder regelrecht über die Schulter. Wir sind involviert, unser Blick wird mitschuldig gemacht.

Gil, Catherin und Jack am Tatort / (c) 2007 CBS/Monty Brinton
Gil, Catherin und Jack am Tatort / (c) 2007 CBS/Monty Brinton

Wenn Kinder bei CSI: Crime Scene Investigation die Opfer sind, ist es am schlimmsten. Die Kamera ist in solchen Folgen immer bemüht, die ganze Wucht der Trauer und das Nicht-fassen-können durch langsame Fahrten einzufangen; dabei sucht sie ständig die Gesichter der Beteiligten aus dem Team. Noch mehr Detailaufnahmen. Besuch von FBI - und gleichzeitig von der anderen CBS-Serie Without A Trace, Agent Jack Malone (Anthony LaPaglia): Die blutigen Abdrücke am Tatort haben Verbindung zu dem sechs Jahre alten Fall eines vermissten Jungen. Eine seltsame Kombination aus Grissom und Malone. Und eine sehr humorlose CSI-Folge.

Malone scheint eine schwere Last auf seinen Schultern zu tragen, die ihm Grissom am Anfang nicht abnimmt (in beiden Bedeutungen des Wortes). Ein Serienmörder und gleichzeitiger Entführer reist mit dem Zug und tötet (fast) jeden, dem er begegnet. Und wieder ein kleiner Sara-Auftritt als Hinweis auf ihren Abschied. Am Tatort ist sie verzweifelt und traurig über ... den menschlichen Makel, über die Unaufhaltsamkeit des Todes. Die Kamera zeigt schon Abschiedsworte in Grissoms Augen.

Grissom wird wiederum mit einer anderen Situation konfrontiert, die ihn an Saras und Nicks Entführungen erinnert: In dem Versuch, den Fragen, wie der Mörder die Tat begangen hat und wer er ist, zuvorzukommen, sie gar nicht erst zuzulassen, ein Verbrechen zu verhindern.

Grissom: „Manchmal ist man schneller, wenn man langsam geht.

Malone: „Lieber schneller sein, wenn man schneller geht.

Unterschiedliche Arbeitseinstellungen, aber die ersten Sympathietöne klingen in Grissoms „Jack“ mit.

Abgesehen von Saras Entführung hat man Grissom in keiner Folge sich so viel und so schnell bewegen gesehen. Er und Jack laufen durch die Gegend (beide tragen auch die gleiche Sonnenbrille) und springen sogar auf einen fahrenden Zug. So viel physischer Einsatz und alles umsonst. Der falsche Zug und dann noch ein Opfer im Kofferraum. Aus der Perspektive des Opfers blicken wir von unten nach oben auf die Hilflosigkeit und die Trauer in Grissoms und Jacks Gesichtern. Schnitt.

Die Kamera, auf Kindeshöhe, läuft zwischen den Sitzen eines Busses und erreicht den Mörder, der mit seinem gekidnappten Sohn diesmal mit dem Bus weiter fährt...

Without A Trace/CSI: Crime Scene Investigation: Zwei Stunden später, lautet eine Überschrift inmitten einer Blutlache. Die Kamera, dicht am Boden, folgt dem Weg der Flüssigkeit. Die nächste Leiche? Aus dem Off hört man Radionachrichten über die brutalen Mordfälle. Die Kamera geht weiter und zeigt uns einen Mann, der unter der Motorhaube seines Autos irgendetwas repariert. Daher auch die rote Flüssigkeit. Aufatmen, kein Mord. Die Kamera bewegt sich nach oben und gibt über der Motorhaube den Blick auf die Strasse frei. Aus der Kurve kommt ein Bus auf uns zu. Er fährt an uns vorbei und in der rechten Bildhälfte aus dem Bild heraus. Schnitt. Und wieder von links nach rechts in das Bild herein. Schnitt. Innenaufnahme. Auf Erwachsenenhöhe läuft die Kamera durch den Bus. Aus dem Off wird weiter berichtet. Die Kamera erreicht den Mörder, der mit Kopfhörern da sitzt. Nahaufnahme Radio. Er schaltet es aus. Auch die Stimme aus dem Off ist ausgeschaltet: Wir, die Zuschauer, waren die ganze Zeit der Radio hörende Serienmörder! So wird über 50 Sekunden auf morbide Art und Weise mit uns gespielt.

Und die blutige Spur zieht sich weiter.

Jetzt verfolgt das WaT-Team den Fall weiter, mit Grissom als Unterstützung. In den FBI-Räumlichkeiten hat Grissom mit seinem mobilen Labor nichts verloren. Deswegen bekommt er einen Platz im Keller zugewiesen.

Die Stärken des WaT-Teams liegen in der Zeugenbefragung und ihrer Auswertung. Deswegen besteht Teil 2 des Crossovers aus vielen Gesprächen, die oft auf unterschiedliche Art und Weise gefilmt werden. Es werden manchmal nicht, wie üblich, Schuss-Gegenschuss-Aufnahmen benutzt, sondern der erste Gesprächsteilnehmer (in den meisten Fällen jemand aus dem Team) ist allein im Bild und redet zu jemandem außerhalb des Bildes. Dann beginnt die Kamera einen 180 Grad-Schwenk um die Person als Zentrum, als würde man mit dem Zirkel einen Halbkreis um sie ziehen. Hierauf erscheint das Gegenüber im Bild, die/der Sprechende verschwindet bzw. wir sehen ihr/ihm über die Schulter. Es ergibt sich ein Kontinuum in der Szene, ein ununterbrochener Erzählfluss mit wechselnden Perspektiven.

Grissom identifiziert ein von Malone gefundenes Skelett als der seit sechs Jahren vermissten Jungen.

Und dann kommt es zum Showdown zwischen Malone und dem Serienmörder: auf den Bahngleisen zwischen zwei stehenden Frachtzügen. Das Treffen wird wie in Sergio Leones Western inszeniert. Der jeweils Sprechende befindet sich links in der Tiefe des Bildes und wird aus der Froschperspektive gefilmt, dabei befindet sich die Kamera neben den Füßen des Hörenden, die rechts im Bild zu sehen sind. Und dann spiegelverkehrt. So bilden die beiden Reihen von Waggons und die Gleise zwei entgegengesetzte Fluchtpunkte (von Malone und vom Serienmörder), die wie in dem berühmten Bild von Giorgio de ChiricoDas Rätsel eines Tages“, in der Unendlichkeit liegen und nicht zu einander finden werden.

Zwischen den Figuren herrscht Distanz, ebenso wie zwischen den Zuschauern und dem Geschehen. Dann wechselt die Kameraeinstellung - Mediumshots (Körper ist vom Kopf bis zu den Hüften zu sehen und der Hintergrund wird unscharf). Die Aufmerksamkeit der Zuschauer wird auf die Emotionen der Figuren gelenkt. Dann folgen Aufnahmen von Kopf und Schultern, die schon erwähnten Close-Ups, und am Ende ist nur die Augen-Nasenpartie des Mörders im Bild (extremes Close-Up - in Western wird an dieser Stelle geschossen): So schafft man emotionale Nähe zu den Figuren in einer Szene und steigert die Spannung. Kommt nun der Höhepunkt? Keine Auseinandersetzung, die Spannung wird in denselben filmischen Schritten wieder zurückgebaut. Oder doch nicht? Der Mörder schießt sich in den Kopf...

Der Höhepunkt kommt überraschend. Der Junge wird letztendlich lebendig gefunden. Und die letzte Szene im Auto zwischen Gil und Jack, über ihre Jobs:

Jack: „Hast Du jemals daran gedacht, aufzuhören?

Gil: „Jeden Tag.

Das Gespräch ist voller Mut, Hilflosigkeit und Trauer zugleich: Trauer über den menschlichen Makel.

Der zweite Teil des Artikel ist morgen nachzulesen. Wer mehr über die neue Sat.1-Serie [seriefj=Deadline] erfahren möchte, gehe bitte hier entlang: www.fernsehjunkies.de/news/deadline-spricht-12303.html

Verfasser: Vladislav Tinchev am Montag, 12. November 2007
Episode
Staffel 8, Episode 6
(CSI: Crime Scene Investigation 8x06)
Deutscher Titel der Episode
Mordlust
Titel der Episode im Original
Who & What
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 8. November 2007 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 16. Oktober 2008
Autoren
Julie Kavner, Toni Pearen, Jenna Leigh Green, Dean Stockwell
Regisseur
Danny Cannon

Schauspieler in der Episode CSI: Crime Scene Investigation 8x06

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