CSI: Crime Scene Investigation 8x05

Welche sind die grundlegenden Horrorfilmplots:
- 1. Jemand kehrt von den Toten zurück, um ein Geheimnis zu lüften - Variationen: Der Geist ist entweder gut oder böse
- 2. Menschen ziehen in ein unheimliches Haus ein und wecken das Böse - Variationen: Vampire, Dämonen, der Teufel, alte satanische Sekten
- 3. Ein Tier dreht durch bzw. mutiert und geht auf ahnungslose und ungläubige Bürger los
- 4. Böser Geist nimmt die Gestalt von - Variationen: Menschen oder Gegenständen
- 5. Virus bricht aus - Variationen: Zombies, Mutanten
- 6. Serienmörder/Massenmörder dezimiert die Bevölkerung - Variationen: Kleinstadt, Großstadt
- 7. Eine Gruppe junger Leute (enthält immer eine Blondine und eine Brünette) wird in der Wildnis geschlachtet - Variationen: Es bleibt ein Pärchen am Leben oder die Blondine, das so genannte „final girl“. Die Brünette stirbt auf jeden Fall.
Ohne jetzt wirklich auf Subgenres, Mixgenres, Erfolg und andere Einzelheiten einzugehen, könnte man grob unterteilen: 1, 2, 3, 4 werden oft als Klassiker („Jaws“, „The Shining“, „Rosemarys Baby“ usw.) des Horrorgenres bezeichnet und 5, 6 und 7 als Slasher-Movies („Texas Chainsaw Massacre“, „Scream“, „Halloween“). In diesen letzten Filmen haben wir oft eine subjektive Kamera Mörder/Monster, die die Zuschauer in ihn/es versetzt. Im Laufe des Films verschiebt sich dieser Blickwinkel und am Ende nehmen wir die Position des „final girl“ ein, um die Gefahr zu bekämpfen.
Um die Regeln des Horrorfilms, nach welchen lustigerweise diese CSI: Crime Scene Investigation-Folge konstruiert ist, weiß auch Sara. Um den Jorja Fox-Fans einen Gefallen zu tun, sei zuerst die nachdenkliche Szene zwischen Sara und Greg erwähnt. Sie sagt, dass am Ende eines Films immer die Brünette daran glauben muss und die Blonde überlebt. Und sie habe es satt, jeden Tag den Tod aufs Neue zu sehen. Erste Abschiedsworte?
Abgesehen von dieser Szene, die ein bisschen fehl am Platz bzw. in der Folge zu sein scheint, zeigt CSI: Crime Scene Investigation, dass es auch nach sieben Staffeln immer noch Potential hat, an bizarren, ironischen, filmisch auf hohem Niveau erzählten Geschichten. Die Folge um den Tod (um den echten Tod ?) einer Horrofilmschauspielerin glänzt mit der Abwesenheit bzw. den kleinen Parts der Haupt-Männer aus dem Team (Grissom, Warrick, Greg) und dem Auftritt von Hodges, Brass, Dr. Robins, David und den „girls“: Catherine, Wendy und Ronnie (denkt an Saras Worte)!

Auf dem Studiogelände (altes Lagerhaus) wird mit einer Axt im Rücken das berühmte Slasher-Final Girl Weatherly Adams (Carla Orlandi) gefunden - exakt wie in einer Szene aus ihren Filmen. Habt ihr „Can I lick the spoon?“ gesehen, und wo könnte man ein Poster bekommen?
Die Schöne ist tot - und das Biest? Wird vorläufig festgenommen (der Ex-Lover mit dem verbrannten Gesicht, den Weatherly nicht mehr wollte). Die Dramaturgie der ersten 30 Minuten bildet einen Vorspann (ich flüstere es: Vorspann zu einem Horrorfilm) aus einer „nicht ernst genommenen“ Morduntersuchung (schöne Aufnahme auf Kniehöhe - zwischen den Beinen der sich streitenden Verdächtigen trinkt Brass Kaffee) mit kleinen witzigen Zwischen(höhe)punkten:
Brass' Gespräch mit dem Regisseur über die Hautfetzen mit seiner DNA unter den Fingernägeln der Toten - sie hätte ihn angeblich am...Arsch gekratzt!
Director: Brass, check out this ass. (zieht die Hose runter und beugt sich)
Brass: Are you trying to make me throw all up? (gelassen)
Oder noch besser: Die Laborantin Wendy (Liz Vassey), knapp angezogen, rennt durch einen Korridor. Sie ist in Panik. Jemand (wir, die Kamera) verfolgt sie, alle Türen sind zu. Nur eine kann man aufmachen und die führt ins Verderben - Leatherface zersägt Wendy in zwei Teile! Keine Angst... alles nur Film - die Kamera zeigt Wendys zufriedenes Gesicht. Sie präsentierte ihren Kollegen einen Slasher, in dem sie mitgemacht hat.
Ronnies Kommentar: Ist ja immer dasselbe, Mädchen mit großen Titten werden geschlachtet.
Wendy: Ich habe keine großen Titten. (Pause und Blick zu ihren...) Eher Medium.
Hinter ihr Hodges (mit abwesendem Ausdruck auf dem Gesicht): Aber perfekt.
Dann sucht er betreten nach Erklärungen für seine Aussage...
Bei der Autopsie erweist sich David (David Berman) als Slasher-Spezialist. Gespräch unter Horrorfilmfans (Dr. Robins (Robert David Hall) und David): Dr. Robins (nachdem David erstaunt darüber war, dass er die Slasher-Filme nicht kennt): Das sind keine Klassiker! Klassiker sind: „The Shining“, „The Exorcist“, „Rosemarys Baby!“


Schluss mit lustig. Der Soundtrack sagt uns, dass wir uns mitten in einem Horrorfilm befinden. Jetzt gibt es nur noch die drohende Gefahr und zwei Frauen: Catherine und Ronnie.
In Las Vegas stürmt es. Blitz und Donner. Der Regen. In Horrorfilmen regnet es auch nicht wie in anderen Filmen. Es regnet unheimlich. Im alten Lagerhaus sind nur noch Catherine (trägt die ganze Zeit eine weiße Bluse!) und Ronnie. Was könnte Dickie Jones, der Kleinwüchsige (Zwerg), von Catherine (Schneewittchen) wollen?
Dickie Jones (to Catherine): Have you had the back of your thighs kissed by a man standing up?
Das Licht geht aus. Dann wieder an. Keine Telefonverbindung. Die Kamera umkreist die beiden Frauen. Dann fahren sie weg - natürlich getrennt in zwei Autos. Ronnie vergisst natürlich ihr Handy und muss dann zurück, obwohl Catherine ihr sagt, sie soll es lassen. Regen, keine Funkverbindung, kein Benzin, Motel mit unheimlicher Tankstelle und einer unheimlichen Beobachterin. Ronnie ist zurück am Tatort, im Lagerhaus. Licht an. Licht aus. Nur Ronnes Brüste und Gesicht zu sehen. Und vor ihrem Gesicht hängt auf einmal der Zwerg kopfüber von der Decke mit einem Einschussloch in der Stirn. Kein Telefon. Schüsse fallen. Ronnies Atem immer hektischer. Ein kreischendes Crescendo. Das Blitzlicht enthüllt eine unheimliche Frau am Ende des Korridors. Oh, nein, Ronnies Telefon klingelt. Sie rennt um ihr Leben. Sackgasse. Aber das „final girl“ eilt zur Hilfe. Nicht aber jenes, das wir zuerst vermuten - Catherine.
Der Regisseur ist schwer verletzt, angeschossen. Inzwischen entpuppt sich der Mord als trivialer Unfall, der aber dazu führt, dass der Boss/Produzent (das passt ja zum Streik der Autoren) zum Mörder wird. Und bevor er auch Ronnie erledigen kann, wird er vom blonden „final girl“ mit einer Axt erledigt. Das „final girl“ ist die unheimliche Beobachterin, ist die unheimliche Frau, ist das Biest - eine Perücke macht es möglich. Eine Brünette überlebt. Siehst du, Sara, es geht auch anders.
Halloweentauglich: CSI: Crime Scene Investigation verkleidet als Horrorfilm und ein doppelter Spannungsbogen - die eigene Spannung der Krimiserie über einen Mordfall wird von einer zweiten eines Horrorfilms, in dem die Ermittler selbst Protagonisten sind, gedoppelt. So wird Spannung konstruiert, indem man uns vor eine Frage stellt, die mehrere Antworten zulässt. Eine langfristige: Wer ist der Mörder? Und z.B. ein paar kurzfristigen: Wer verfolgt Wendy? Wird Catherine rechtzeitig kommen? Ist die Tote auferstanden? Wird der Mörder auf Ronnie schießen?
Eine der besten CSI-Folgen überhaupt!
Auch deswegen: Die Kamera schleicht langsam, begleitet von unheimlicher Musik, um die Ecke des Autopsieraums. Schreie sind zu hören. Dann... David und Dr. Robins sitzen mit Popcorn vor dem Computerbildschirm und sehen sich anscheinend einen Horrorfilm an. Im Hintergrund sind Schatten der Füße und Köpfe von Leichen zu sehen. Dr. Robins kommentiert fachlich den Messerschnitt, als jemandem die Kehle durchgeschnitten wird. David regt sich auf und besteht auf der Schauspielleistung und der Humanität...
Die Kamera geht rückwärts heraus.
Verfasser: Vladislav Tinchev am Sonntag, 4. November 2007(CSI: Crime Scene Investigation 8x05)
Schauspieler in der Episode CSI: Crime Scene Investigation 8x05
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