CSI: Crime Scene Investigation 11x05

CSI: Crime Scene Investigation 11x05

Die Ermittler bei CSI sehen sich in dieser Episode einem neuen Serienmörderfall ausgesetzt, aber um das Rätsel zu lösen, müssen sie aufpassen, wo sie hintreten. Serienjunkies.de-Redakteur Vladislav Tinchev geht jetzt den Keller aufräumen.

Grausamer Fund! / (c) CBS
Grausamer Fund! / (c) CBS

Letzte Woche habe ich davon gesprochen, dass CSI: Crime Scene Investigation in der neuen Staffel - von der schwachen Hai-im-Casino-Pool-Episode einmal abgesehen - zu den Ursprüngen zurückzukehren versucht. Man setzt auf dunklere Töne und auf dunklere Taten. In den letzten zwei Staffeln fiel auf, dass sich die meisten Mordfälle als Zu- oder Unfallsresultate entpuppten. Die elfte Staffel wendet sich bislang zurück zum "vorsätzlichen Morden". Die Tatorte befinden sich innerhalb von Räumen, was typisch für die ersten Staffeln der CBS-Serie war.

Die klaustrophobische neue Episode House of Hoarders nun führt den Raum als Tatort in eine neue Dimension. Es ist schon schlimm genug, wenn die Bewegungsmöglichkeit eines Menschen in einem geschlossenen Raum extrem behindert wird - aber wenn dieser Raum bzw. diese Räume auch noch mit verwesenden Körpern angefüllt sind, die mit den anderen Gegenständen nahezu verschmelzen, dann wird es ... richtig gut.

Das CSI-Team bekommt es mit einer Frau zu tun, die am Messie-Syndrom (compulsive hoarding) leidet - das heißt, erst einmal bekommen sie es mit ihrem Haus und ihrer Familie zu tun. Das Haus ist so zugestopft mit Sachen, dass man sich darin kaum bewegen kann. Die Ermittler kämpfen sich hindurch - und müssen dabei herausfinden, dass sich in diesem materiellen Chaos Menschen befinden, deren körperliche Zustände von "noch am Leben" über "im Verwesen begriffen" bis zu "nur noch Knochen" reichen.

In einem Loch hinter dem Haus findet man drei weitere Skelette. Das CSI-Team steht vor der schweren Aufgabe, Verbindungen herzustellen zwischen den Opfern und den noch lebenden Familienmitgliedern, die das Haus bewohnen - und überhaupt herauszufinden, wer hier eigentlich Täter und wer Opfer ist.

Was fällt unter Krankheit, was unter Grausamkeit? Diese Fragen führen beinahe zu einem Zerwürfnis zwischen Sara (Jorja Fox) und Nick (George Eads). Seit Saras Rückkehr fragte ich mich, wo die alte Sara abgeblieben war, die unter der Schwere menschlicher Grausamkeit und Dummheit litt. Die "neue" Sara schien bisher alles hinzunehmen, ohne nachzufragen. In dieser Episode aber kommt die Sara von früher wieder an die Oberfläche: Doch, sie ist noch da - und das bekommt vor allem Nick zu spüren.

Ich glaube, wir hören in House of Hoarders zum ersten Mal ganz klar aus Saras Mund, was sie in ihrer Kindheit so traumatisiert hat. Ihre Mutter war schizophren und hat ihren Vater im Schlaf erstochen...

Da beide, Sara und Nick, mit ihrem Tatverdacht falsch liegen, schließen sie am Ende der Episode Frieden: über einer blauen Murmel. Diese Murmel hatte Nick von Grissom (William Petersen) bekommen, zusammen mit einem Ratschlag. Es erweist sich, dass Sara genau die gleiche Murmel besitzt und natürlich dieselben Worte von Grissom gehört hat.

Immer wieder wurde Grissom in den bisherigen Episoden erwähnt. Liegt das an der Rückkehr von Anthony Zuiker ins CSI: Crime Scene Investigation-Autorenteam - oder hat es etwas Anderes zu bedeuten?

Das Faszinierende in House of Hoarders liegt in der Art, wie der Raum bzw. der Tatort durch die Ermittleruntersuchungen nach und nach "entblättert" wird. Die Beschäftigung mit dem Raum bildete immer schon eine wichtige Komponente der CSI: Crime Scene Investigation-Inszenierung: Die CSI: Crime Scene Investigation-Räumlichkeiten sind eindeutig der narrative Dreh- und Angelpunkt, das "Zuhause" der Serie. Innerhalb dieser Räumlichkeiten - bzw. im Rahmen ihrer Nutzung für die Inszenierung - existiert eine Struktur, die streng eingehalten wird, da sie die narrative Struktur jeder Episode trägt.

Diese Struktur lässt sich in folgende Einheiten aufgliedern: Autopsieraum - Labor - Verhörraum. Als Zwischenstopps oder Zwischenschritte kann man Brass' (Catherines, früher Grissoms) Büro oder den Besprechungsraum betrachten; die Flure und die Rezeption bilden Übergangselemente. Unser Zuschauerblick wird von einem Raum zum nächsten geleitet.

Obwohl all diese Räume eine sehr dynamische Struktur aufweisen - sie sind gefüllt mit Objekten unterschiedlicher Größen und Textur - und ihre Grenzen, die transparenten Glaswände, durchlässig zu sein scheinen, wirken sie trotzdem übersichtlich, "organisiert". Nicht nur narrativ befindet sich das Labor im Zentrum der Episodenerzählung, sondern auch visuell wird diese Tatsache unterstrichen:

Der zentrale Laborraum befindet sich mittig auf der Ebene des Stockwerks, so dass ihn die Kamera "umkreisen" kann; die so spezifischen Long Takes können so den Blick von rechts oder links durch den Laborraum hindurch dringen lassen, so dass die das Licht spiegelnden Glaswände den Eindruck schaffen, als würde dieser Ort von innen heraus leuchten, als wäre das gesamte Wissen dieser Welt, alles Nötige, hier versammelt - eine geballte Ladung Wissen über den Menschen.

Dieses Erstrahlen des CSI: Crime Scene Investigation-Labors ist jedoch Ergebnis einer Entwicklung. in den allerersten Staffeln wirken die Räume noch voll gestopft, klein, eng, den Blick geradezu abweisend. Die Produzenten selbst teilen in den Kommentaren zur ersten und zweiten CSI: Crime Scene Investigation-Staffel mit, es sei nötig, den Räumen mehr "Raum" zu geben, sie anders zu gestalten und zu präsentieren (vor allem durch Licht und Farbe), um ihre Wirkung für das Gesamtkonzept ausnutzen zu können.

Man kann die CSI: Crime Scene Investigation-Erzählungen als räumliche bezeichnen - als räumliche Abläufe, Bewegungen des Blicks von außen nach innen: Von einem Tatort außerhalb der CSI: Crime Scene Investigation-Räumlichkeiten hin zum Autopsietisch und dann in den menschlichen Körper hinein - in den Raum, wo die Wahrheit über uns erblickt werden kann. Der Tatort in House of Hoarders spiegelt diese Bewegung, er eröffnet immer weitere Räume und weitere menschliche Schicksale... Wir arbeiten uns in das Schicksal einer brutalen Mörderin geradezu hinein: von außen nach innen, zur Wahrheit. Die kommt schließlich aus Ray Langstons (Laurence Fishburne) Mund - mit einem Zitat des Psychologen Erich Fromm, das ungefähr so lautet:

People have two orientations, having and being. The person with the "having" orientation seeks to acquire and possess things, property, even people, But a person with a "being" orientation focuses on the experience. They derive meaning from exchanging, engaging and sharing with other people. Unfortunately a culture driven by materialism and commercialism is doomed to having orientation which leads to dissatisfaction and emptiness.

Verfasser: Vladislav Tinchev am Samstag, 23. Oktober 2010
Episode
Staffel 11, Episode 5
(CSI: Crime Scene Investigation 11x05)
Deutscher Titel der Episode
Vom Suchen und Finden der Leichen
Titel der Episode im Original
House of Hoarders
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 21. Oktober 2010 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 29. September 2011
Autor
Christopher Barbour
Regisseur
Alec Smight

Schauspieler in der Episode CSI: Crime Scene Investigation 11x05

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