CSI: Crime Scene Investigation 11x02

CSI: Crime Scene Investigation 11x02

In dieser CSI-Episode sieht man, was passiert, wenn Tiere an Orten auftauchen, wo sie nicht hingehören. Serienjunkies.de-Redakteur Vladislav Tinchev geht immer bewaffnet ins Wasser.

Wendy geht / © CBS
Wendy geht / © CBS

Was haben CSI: Crime Scene Investigation und 24 gemeinsam? Auf den ersten Blick rein gar nichts. Aber auf den zweiten vielleicht doch. CSI: Crime Scene Investigation und 24 können meiner Meinung nach als Eckpfeiler der letzten zehn TV-Jahre gewertet werden: nicht nur ihren Erfolg, sondern auch ihre exzessive Beschäftigung mit den Möglichkeiten des Mediums Fernsehen betreffend. In 24 gehörten die Eigenschaften dieses Mediums selbst zu den wichtigsten narrativen und audiovisuellen Stilmitteln: Live-Charakter und Echtzeit (Nachrichten), Zeitangabe durch die Digitaluhr (Sportevents), Überschriften, Split-Screen (Webseiten) usw. So zelebrierte 24 nicht nur den Vormarsch der Ästhetik im Fernsehen, sondern auch die Natur des Fernsehens als Medium.

Während 24 das Medium kommentierte, konstruierte CSI: Crime Scene Investigation ein Spielverhältnis von Frage und Antwort mit den Zuschauern, bot ihnen die aktive Rolle eines Dr. Watson an. Ebenso wie 24 demonstrierte CSI: Crime Scene Investigation außerdem, dass den audiovisuellen Möglichkeiten des Mediums keine Grenzen mehr gesetzt sind.

Diese Flut an Informationen und die expressive Präsentation der eigenen Ästhetik dienten jedoch nicht nur einem Selbstzweck. Zwei Ziele verfolgten die fragmentierten Oberflächen: Sie repräsentierten zum einen die Erfahrung einer zerfaserten, zerstückelten Post-9/11-Welt, verbunden mit Gefühlen der Distanz, der Entfremdung und der Isolation. Bei CSI: Crime Scene Investigation wurde diese Erfahrung der fragmentierten Welt als eine körperliche thematisiert: als Körpertrauma.

Eine kurze Erklärung an dieser Stelle: Warum schreibe ich über CSI: Crime Scene Investigation in der Vergangenheitsform, obwohl die Serie noch läuft? Weil sie in den letzten Jahren von ihrer melancholisch-traurigen, mit schwarzem Humor gespickten Grundstimmung abgekommen ist und bislang nicht recht wieder hineingefunden hat. Aber wie sollte es auch anders sein, wenn sich nicht nur das Produkt verändert hat (Weggang von wichtigen Figuren zum Beispiel), sondern auch sein Kontext (TV-Landschaft) und damit der Zuschauerblick an sich?

Normalerweise werden Sherlock Holmes und Dr. Watson als fiktive Figuren im Krimi selbst verkörpert, während bei CSI: Crime Scene Investigation wir, das Publikum, Dr. Watsons Rolle einnehmen. Wir Zuschauer tun beim Zuschauen dasselbe wie das CSI-Team: zuerst Bewegungen, Bilder, Sounds und geschriebene Sprache wahrnehmen, dann das Wahrgenommene analysieren und Schlussfolgerungen ziehen - daraus konstruiert man dann eine sinnvolle Story.

Die Veränderung in den letzten zehn Jahren ist nun folgende: Während wir zu Zeiten der CSI: Crime Scene Investigation-Anfänge noch Dr. Watson waren, hat uns inzwischen die Flut an Produktionen, die wir tagtäglich verfolgen, zu einem gleichrangigen Partner gemacht. Unsere Sehgewohnheiten haben sich verändert. CSI: Crime Scene Investigation muss dieser - von der Serie selbst angestoßenen! - Entwicklung dringend Rechnung tragen - und uns als solche Partner behandeln.

Wenn das stimmt, dann sind Episoden wie Pool Shark kein Schritt in die richtige Richtung. Natürlich demonstriert die Episode eindrucksvoll, wie viele Hai- und Fischmetaphern man innerhalb einer Stunde anwenden kann. Aber mein subjektiver Eindruck ist, dass es viel zu viele waren - und dieses "Überladen" die Sprachspielbewunderung erschlägt. Sehr schön und der Atmosphäre der Serie angemessen scheint es mir hingegen, wenn die Figuren in Las-Vegas-Metaphern reden, wie „dealer's choice“ und „the ace in the deck“. Nur, wie gesagt: man sollte es nicht so übertreiben wie bei den Hai-Sprüchen, sonst wirkt das Ganze aufgesetzt, angestrengt.

Nun: das Problem der Episode liegt nicht im Sprachlichen, sondern in dem langweiligen Fall. Man erkennt zwar das Bemühen, Las-Vegas-Glamour hochkommen zu lassen, aber irgendwie versickert alles im Wüstensand.

Fort von der Wüste geht Wendy (Liz Vassey), die man zu den weiteren schmerzhaften Verlusten für das CSI-Team zählen muss. Der staffelübergreifende Nebenplot um sie und Hodges (Wallace Langham) nimmt so ein nicht zufrieden stellendes Ende. Vielleicht wäre es sogar besser gewesen, sie still und heimlich weggehen zu lassen, wie Melina Kanakaredes von CSI: New York?

Elliott Gould als Earnest "The Booz" Boozell („Ocean's Eleven“) macht seine Gaststar-Sache gut; das Zusammenspiel mit Catherine (Marg Helgenberger) funktioniert - aber das reicht nicht hin, um diese Episode aus dem CSI: Crime Scene Investigation-Mittelmaß herauszuheben.

Aber wir sind ja erst am Anfang der Staffel.

Verfasser: Vladislav Tinchev am Samstag, 2. Oktober 2010
Episode
Staffel 11, Episode 2
(CSI: Crime Scene Investigation 11x02)
Deutscher Titel der Episode
Solange es Haie gibt
Titel der Episode im Original
Pool Shark
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 30. September 2010 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 8. September 2011
Autor
Dustin Abraham
Regisseur
Michael Nankin

Schauspieler in der Episode CSI: Crime Scene Investigation 11x02

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