CSI: Crime Scene Investigation 10x23

Mit Serienmördern verhält es sich wie mit Weihnachtsgeschenken: Man hat sich zwar etwas gewünscht, aber möchte trotzdem überrascht werden, wenn die Verhüllung entfernt wird. In seiner traditionellen Doppelepisode am Staffelende verspricht CSI: Crime Scene Investigation die Identität von Dr. Jekyll preis zu geben - nicht ohne blutige Nebenkosten. Wurde aber dieses große Versprechen erfüllt?
Nachdem die Serienmörder als fiktionale Figuren ihr Unwesen in der Kinogeschichte der neunziger Jahre trieben, finden sie heutzutage des Öfteren als dramaturgische Serialisierungsmaßnahme in Procedural-Serien Verwendung. Schon einmal hatte CSI: Crime Scene Investigation die richtige Mischung aus Spannung, Überraschung und zufrieden stellendem Ende gefunden - mit dem Fall der Miniaturmorde in der siebten Staffel. Viele Zuschauer haben sich gefragt, ob alles ein zweites Mal funktionieren würde. Immerhin bemühten sich die CSI: Crime Scene Investigation-Autoren, durch Langstons (Laurence Fishburne) Figur eine neue Komponente ins Spiel zu bringen.
Nachdem die erste Hälfte der Staffel meiner Meinung nach etwas enttäuschend und ziemlich planlos verlief, was sich in den Quoten niederschlug (obwohl: nach zehn Jahren muss man Gnade walten lassen), krempelte man offenbar die Ärmel hoch: Anhand geschickten Platzierens von Informationen über Langstons Figur - zugleich außerhalb der Serienerzählung (als PR-Spoiler) und innerhalb - gelang es den Autoren, die nötige Spannung in der zweiten Staffelhälfte aufzubauen. Im Zuge dessen besann man sich auf die altbewährte Mischung aus Slapstickepisoden, wie Appendicitement, Field Mice und Serienmörderpuzzle. Die zunehmende Verwicklung von Ray Langston in den Fall und die schon erwähnten Informationen sorgten für alle möglichen Spekulationen, die im ersten Teil des Finales Doctor Who (1) durchgespielt wurden.
Außerdem fand man endlich eine Bezugsperson für Langston innerhalb des Teams: Mehrere Episoden nach seiner Ankunft stand er irgendwie abseits und fand nicht recht Anschluss. Nun aber wird mehr und mehr Nick (George Eads) sein Partner - nicht nur Laborarbeit, sondern auch Vertrauen und Sich-aufeinander-verlassen betreffend. In Meat Jekyll (2) sehen wir genau das: wie die beiden sich aufeinander verlassen können.
Jetzt - am Ende der Staffel, da wir Ray Langston aus der Obersicht niedergestochen in einer Blutlache liegen sehen - können wir die Frage, ob er bei CSI: Crime Scene Investigation angekommen ist, mit „Ja“ beantworten. Klingt auf den ersten Blick grausam - meint aber vor allem Folgendes: Die Zuschauer interessieren sich für die Figur, sie ist ihnen nicht egal. Oder?
Kann man dann sagen, dass der Übergang von Grissoms (William Petersen) CSI: Crime Scene Investigation zu Langstons CSI: Crime Scene Investigation damit vollbracht ist? Hat die Serie, die sich seit zehn Jahren in den Top-Rankings befindet, überhaupt einen Vergleich nötig? Vergleichen ist so eine subjektive Geschichte... wir lassen es lieber. Man sollte sich nicht in unendliche (und häufig fruchtlose) Diskussionen über Serien mit Fortsetzungs- und abgeschlossener Episodenhandlung verwickeln lassen, sondern auf die Details achten: "Detail" war schließlich immer schon das CSI: Crime Scene Investigation-Stichwort.
Damit sind nicht nur die CSI: Crime Scene Investigation-Shots, sondern auch andere visuelle Feinheiten gemeint, wie zum Beispiel eine aus dem ersten Teil des Finales: Als Übergang zwischen dem Tatort (wo das Auto des Opfers untersucht wird) - bzw. dem Flashback, das den vermuteten Ablauf der Ereignisse zeigt - und Langston, der an der Ampel im Auto sitzt, wird ein fallender Blutstropfen in Close-Up gezeigt. Er fällt genau dorthin, wo schon in der nächsten Langston-Szene die sich in seiner Windschutzscheibe spiegelnde Ampel rot wird. Der Blutstropfen passt dort sozusagen hinein, wie ein Mimikry. Hiermit wird eine visuelle Verbindung suggeriert - die jedoch täuscht: Wie sich erweist, hat Langston nichts mit dem Mord zu tun. Und da CSI: Crime Scene Investigation so sehr uns auf Details zu achten lehrte, hat man sich von Jekyll mehr versprochen, als man am Ende bekommt. "Enttäuschend" ist das richtige Wort.
Warum enttäuschend? Nachdem von Langstons beruflicher und persönlicher Vergangenheit aus zahlreiche Parallelen zum Fall Jekyll gezogen und auch noch der diabolische Nate Haskell ins Spiel gebracht wurden, wirkt die Auflösung des Jekyll-Serienmörder-Mysteriums irgendwie trivial und unspektakulär. Ja, Nick wird von Jekyll angeschossen und ein anderer Polizist ermordet. Aber haben wir tatsächlich darauf hingefiebert, einen hysterischen jungen Mann, der als Koch arbeitet, seine „daddy issues“ in die Gegend hinausschreien zu sehen? Es passt irgendwie nicht zusammen: Nachdem Langston ein Päckchen mit der Absenderadresse seines verstorbenen Vaters bekommt, das eine diabolische Nachricht erhält, erscheint es einfach zu eindimensional, am Ende einen Mann mit Pumpgun zu sehen, der sich im Hinterzimmer von Daddys Restaurant verschanzt und ihn beschuldigt, seine Arztkarriere ruiniert zu haben: Giovanni "Papa" DiMasa sollte das letzte Opfer seines Sohnes werden.
Geniale Serienmörder und rationale Gründe? Hmmm. Und sollte die Geschichte nicht Langstons innere Dämonen ans Tageslicht bringen? Stattdessen erzählt er eine Fake-Geschichte darüber, wie er seinen Vater sterben ließ - um Jekyll abzulenken, damit Nick ihn erschießen kann. Noch weniger zufrieden stellend erscheint diese Auflösung im Kontrast zur psychotischen Performance von Nate Haskell (Bill Irwin), der Langston trotz schwerer Bewachung am Ende niedersticht.
Alles in Allem hat sich die Serie in der zweiten Staffelhälfte jedoch gefangen. Ich bin gespannt, was uns in der elften Staffel erwartet - dem etwas enttäuschenden Finale zum Trotz.
Verfasser: Vladislav Tinchev am Mittwoch, 26. Mai 2010(CSI: Crime Scene Investigation 10x23)
Schauspieler in der Episode CSI: Crime Scene Investigation 10x23
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?