Continuum 4x06

Kiera (Rachel Nichols) versucht auch in der vierten Staffel von Continuum immer noch nach Hause zu ihrem Sohn zu gelangen. Gleichzeitig will sie mit ihren Verbündeten eine düstere Zukunft abwenden. Doch kann ihr beides gelingen und wo liegen ihre Prioritäten? Und wem kann sie bei so vielen facettenreichen und undurchsichtigen Parteien überhaupt vertrauen?
Das passiert in der finalen Staffel
Mit der Ankunft der Soldaten aus Kellogs ( Stephen Lobo) und Brads ( Ryan Robbins) düsterer Zukunft erreicht nicht nur eine neue Partei das Vancouver der Gegenwart, die schwerbewaffneten Soldaten entpuppen sich sehr schnell als Gegenspieler für den Großteil der Charaktere, mit Ausnahme von Kellog. Dieser schlägt sich nach dem Ratschlag von Curtis (Terry Chen) und einer Nachricht seines zukünftigen Ichs auf die Seite der mächtigen Krieger und versorgt diese fortan mit Ressourcen von Piron.
Zentraler Angelpunkt der Aktivitäten ist ein Lagerhaus, in dem die Soldaten eine Maschine zusammenbauen, die ein Tor in die Zukunft aufbauen kann. Das Problem: Sie wollen damit eine Invasion der Gegenwart einleiten, um ihre Feinde frühzeitig zu vernichten.
Keira sieht die Anlage als Ticket nach Hause zu ihrem Sohn und arbeitet zusammen mit Garza (Luvia Petersen), Lucas (Omari Newton), Alec (Erik Knudsen) und Jason (Ian Tracey) an einem Plan, die Soldaten auszuschalten und somit die Bedrohung zu neutralisieren.
Nachdem es auf dem Polizeirevier zu einem erbitterten Kampf um eine essentielle Komponente für die Zeitmaschine kommt, schließen sich auch Carlos (Victor Webster) und Dillon (Brian Markinson) ihrem Vorhaben an und machen sich bereit, den Unterschlupf ihrer Gegner zu stürmen, bevor diese die Invasion in den Gang setzen.
Auch Kellog ist sich nicht mehr sicher, ob die Zukunftssoldaten und sein zukünftiges Alter Ego nur Gutes für ihn im Sinn haben, schließlich weiß er selbst am besten, dass man ihm nicht vertrauen kann, weswegen er Team Kiera seine Hilfe zusagt. Doch ohne Verrat und doppelten Boden hat das gerissene ehemalige Mitglied von Liber8 nicht pokern gelernt, weshalb er nicht nur den vermeintlich verbündeten Soldaten, sondern auch Keira und ihren Freunden in den Rücken fällt.
Doch ein doppeltes Spiel trifft Keira nicht unvorbereitet, sodass Kellogs Plan, selbst eine Zeitreise zu unternehmen, um sich als souveräner Herrscher auf dem Spielbrett zu platzieren, fehlschlägt und er einige Jahrhunderte vor seinen beabsichtigen Zeitkoordinaten landet. Nachdem die Gefahr durch die Soldaten nach einem finalen Kampf neutralisiert ist, wagt Keira den Sprung in die Zukunft, bevor die Maschine beziehungsweise das Energiefeld kollabiert. Dort erwartet sie bereits sehnsüchtig ihr alter Freund Alec, der ihr davon berichtet, dass durch ihre Taten eine bessere Zukunft geschaffen wurde. Auch ihr Sohn Sam (Sean Michael Kyer) lebt in dieser Zeitlinie, doch zu Keiras Schock hat dieser bereits eine Mutter, die sich um ihn kümmert - eine andere Keira.
Zeitdruck
Eine Serie, die im Idealfall für sieben Staffeln konzipiert wurde, bereits in der vierten Staffel auf nur sechs Episoden herunterzubrechen, ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Gerade bei solch einer sehr verzweigten und durchaus komplexen Geschichte mit einer großen Anzahl an Figuren, ist es nahezu unmöglich, ein Serienende zu verfassen, dass jeden zufrieden stellt. Diese gewisse Ambivalenz ist sicherlich für viele Zuschauer Bestandteil der letzten Staffel von Continuum.
In Anbetracht dieser Umstände liefern Serienschöpfer Simon Barry und sein Team grundsätzlich gute Arbeit ab. Was bis zuletzt aufgeht, ist das Konzept der mysteriösen und undurchsichtigen Figuren, bei denen es bis zum Schluss kaum vorherzusagen ist, was ihre Ziele sind und wie sie noch ins Geschehen eingreifen werden.

I chose me
Viele Charaktere haben dabei eine lange Entwicklung hinter sich. In der ersten Staffel hätte ich noch vermutet, dass Kellog (Stephen Lobo) als potentieller love-interest von Kiera (Rachel Nichols) als ein zuverlässiger Verbündeter an ihrer Seite hätte stehen können. Doch dieser entwickelte sich zu einem durchtriebenen verräterischen Wiesel, welches wahrscheinlich keine Serien wie Game of Thrones schaut, da ihm dort zu wenig Intrigen und Verrat vorkommen. Nachdem er sich im letzten Kapitel endgültig als kaltblütiger Antagonist entpuppt, der sogar nicht davor zurückschreckt, seine (quasi) eigene Tochter (Kyra Zagorsky) zu ermorden, weil sie seinem Plan im Weg steht, gönnt man ihm als Zuschauer sein finales Schicksal. Unterm Strich war er auf jeden Fall einer der charismatischsten und unterhaltsamsten Charaktere der Serie.
Dillons (Brian Markinson) Werdegang repräsentiert in vielerlei Hinsicht die Entwicklung der Serie und ihrer Fraktionen: Überzeugt davon, das Richtige zu tun, wird aus einem rechtschaffenen Mann eine von Macht korrumpierte Person, die ihren Weg für den einzig logischen sieht. Daraufhin fällt er tief und sucht im Anschluss nach Wiedergutmachung, Rehabilitation und Vergebung, die er im Finale auch erhält.
Zeit des Abschieds
Einen ähnlichen Verlauf nehmen viele Mitglieder von Liber8, die gerade im Fall und Lucas (Omari Newton) und auch Travis (Roger R. Cross) ihr Leben geben, um ihre Mitmenschen zu retten. Julian (Richard Harmon) musste zwar kein solches Opfer bringen, doch seine Wandlung schafft es doch tatsächlich, in der letzten Staffel eine gewisse Empathie beim Zuschauer zu wecken, was ihm zuvor wahrscheinlich in den meisten Fällen verwehrt blieb.
Alec (Erik Knudsen) bleibt bis zum Schluss einer der sympathischsten Figuren und sein Happy End ist nach den Strapazen auch durchaus verdient. Seine Freundin Emily (Magda Apanowicz) wurde hingegen frühzeitig fallen gelassen und die kurze Erwähnung, dass beide nun doch bis zum Schluss miteinander glücklich waren, hätte ich viel lieber gesehen und eben nicht nur erzählt bekommen.

Auch Garza (Luvia Petersen) kommt nach ihrem nicht unwesentlichen Involvement in die Geschehnisse ein wenig zu kurz, bleibt aber dennoch eine interessante Figur, die über die Zeit sicherlich noch viel mehr hätte hergeben können. So merkt man auch hier die Kürzung der Serie deutlich.
Carlos (Victor Webster) wurde einmal mehr über weite Strecken der Staffel im Dunklen gelassen, doch seine Art, wie er als pflichtbewusster Cop an seinen teilweise unmöglichen Aufgaben wächst, ist konsequent weitergeführt worden. Jason (Ian Tracey) wird zwar nicht mehr in der Zukunft neugeboren, da Alec sich gegen die Mutter seines Sohnes entschieden hat, doch sein Wunsch in der Gegenwart bei seinem Vater zu bleiben, entspricht dem, was nach seiner bisherigen Charakterzeichnung Sinn ergibt.
Zeitphilosophie
Zeitsensei Curtis (Terry Chen) durfte hauptsächlich immer mal wieder auftauchen, um ein paar ominöse Sprüche vom Stapel zu lassen, die auch aus Glückskeksen hätten stammen können. Die Einbindung und der Zweck des Travelers (Vladimir Ruzich) will sich mir in diesem Zusammenhang auch nicht wirklich erschließen. Indem er in seine Zeit zurückkehren konnte, war es ihm möglich, die Zeit(linien), die warum auch immer (durch Kiera?), aus dem Gefüge geraten sind, zu reparieren. Diese Stoyline funktioniert dementsprechend nicht so richtig und verläuft somit ein wenig im Sand der Zeit.
Interessanterweise befindet sich der actionlastige Höhepunkt der Staffel mehr in der vorletzten Episode The Desperate Hours als im Serienfinale Final Hour, in der die wuchtige und mitreißende Schießerei, bei der fast das komplette Polizeirevier von Vancouver zerlegt wird, einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Zwar wäre es logischer gewesen, wenn Zukunftssoldat Rollins (Aleks Paunovic) einfach im Powersuit in das Gebäude spaziert wäre, doch so konnte Travis nicht nur seinen großen Moment bekommen, die Action wirkte ohne den Computereffekt der Rüstung auch handgemachter, was optisch einiges her gab. Hier ist sehr wahrscheinlich der Großteil des verbleibenden Budgets investiert worden, was sich zum Glück auch bemerkbar macht.

Kieras Verhalten war schon immer ein wenig sprunghaft und inkonsequent, aber was sich mir nicht erschließt, ist wie sie erwartet, dass ihre Handlungen die Zukunft verbessert haben, aber gleichzeitig auch hofft ihren Sohn in der selben Zeit ohne Veränderungen wiederzusehen. Beinahe hätte ich mir gewünscht, sie hätte sich nach all dem entschieden, in der Gegenwart zu bleiben, doch die Macher von Continuum wollten anscheinend in ihrem bittersüßen Ende zeigen, dass ihre Bemühungen Auswirkungen auf die Zukunft hatten, damit der Inhalt der Serie letztendlich für ein nachvollziehbares Ergebnis steht.
Fazit
Es werden sicherlich nicht alle Handlungsstränge und Figuren gebührend verabschiedet, doch lässt sich in solch eine kurze Zeitspanne nun mal leider auch nur eine bestimmte Menge an Inhalt zwängen. Zwar hat dementsprechend nicht jedes Detail der facettenreichen Handlung sich passend in das Zeitmosaik eingefügt, doch unterm Strich habe ich nicht das Bedürfnis, in die Vergangenheit zu reisen um die Zukunft von Continuum zu verändern. Alles in allem lässt das Finale seine Zuschauer zufrieden zurück und beendet eine der cleversten Science-Fiction-Serien der aktuellen Fernsehlandschaft auf einer guten Note. Auch wenn die Serie leider bis zu ihrem Schluss von ihrem Bekanntheitsgrad her lediglich als Geheimtipp bezeichnet werden kann, so bin ich froh, meine Zeit mit dieser unterhaltsamen und spannenden Serie verbracht zu haben, deren Zukunft sich nie sonderlich einfach voraussagen ließ.
Der Trailer zur vierten Staffel „Continuum":
Verfasser: Tim Krüger am Dienstag, 13. Oktober 2015(Continuum 4x06)
Schauspieler in der Episode Continuum 4x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?