Common Law 1x01

Ein Raum voller Pärchen: eines davon älter, eines jünger, eines liberal und eines davon - männlich. Wes Mitchell (der Weiße, Warren Kole) und Travis Marks (der Schwarze, Michael Ealy) haben sich zwischen anderen hier eingefunden, um die Differenzen zu überwinden, die ihrer einst so fruchtbaren Zusammenarbeit nun im Weg stehen.
Die beiden benehmen sich nämlich wie ein frustriertes altes Ehepaar. Weil die Parallele zum Eheleben niemandem entgehen soll, wird für das Drehbuch eine altbewährte Szene recycelt: Die Frage nach der Dauer ihrer „Partnerschaft“ beantwortet Wes mit fünf, Travis - in der gleichen Sekunde - mit sieben Jahren.
In Gesellschaft der anderen Problempärchen sollen sich die beiden wieder näherkommen. Dabei stehen sie unter der Aufsicht der schlagfertigen Therapeutin Dr. Emma Ryan (Sonya Walger). Das einzige, worauf sich die zwei Cops bislang einigen können ist, dass sie nicht schwul sind.
Es folgt ein ganzer Tornado von abgegriffenen Klischees: Weiße halten Schwarze für Hip-Hopper, Männer wollen lieber sterben, als einen anderen Mann zu berühren und über Gefühle zu reden kann man getrost Frauen und Weicheiern überlassen. Außerdem müssen Therapeutinnen natürlich höchstens vier Sätze gehört haben, um den Patienten ihr wahres Problem auf den Kopf zusagen zu können (Travis kann keine ernstzunehmenden Beziehungen eingehen und Wes scheut sich aus Verlustangst vor emotionaler Nähe).
Bereits in den ersten zwei Minuten werden so viele Stereotypen bedient, dass man erleichtert aufatmet, als die beiden Polizisten einen Einsatzbefehl erhalten. Vielleicht können ja Spannung und Action für ein wenig kurzweilige Unterhaltung sorgen... Vorher müssen allerdings noch ein paar spärlich bekleidete Statisten durch das Bild wandern, während das zankende Gespann sich in sein überdimensioniertes Dienstfahrzeug (einen Range Rover) begibt.
Schlimme Cops
Dass es äußerst schade wäre, wenn Streitigkeiten die berufliche Beziehung der zwei zerstören würden, offenbart sich am Leichenfundort. Dort beeindrucken die beiden durch eine schnelle und sich ergänzende Auffassungsgabe. Wes glänzt dabei besonders durch unnötige Arroganz. Travis bildet den plakativen Gegenentwurf, indem er mit Insiderwissen über die hiesige Junkieszene aufwarten kann. Schließlich hat er seine problematische Kindheit am Rande der Gesellschaft verbracht und kennt sich aus.
Als hätten sich Wes und Travis mit ihm verabredet, baut sich ein junger Mann an der Polizeiabsperrung auf. Er trägt zu seinen ärmlichen Hochwasserhosen die Schuhe des Opfers. Eine Verfolgungsjagd beginnt. Die wird zwar von aufregender spanischer Musik begleitet, wirkt dabei aber choreographiert und genau so abgegriffen wie der Einkaufswagen, der dabei umgeschmissen wird. Einzig der gestellte Jugendliche zeigt sich von der Bad-Boy-Methodik beeindruckt: „Manche von euch Cops sind schlimmer als die Verbrecher, Mann.“
Auch Phil (Jack McGee), der Boss des Ermittlerduos, hat so seine Probleme mit den Streithähnen: „Why do my two best detectives have to be the biggest pain in my ass?“ Dabei handelt es sich natürlich gar nicht wirklich um Kritik, sondern vielmehr um eine Lobeshymne für die draufgängerische Herangehensweise des Gespanns.
Im Angesicht des Verbrechens raufen sich die beiden zusammen und es kommt so etwas wie Teamwork auf. Nur: Wenn Wes und Travis dabei von Zeit zu Zeit innehalten, um die Köpfe zu schütteln, scheinen sie dadurch ihrer Enttäuschung über die Vorhersehbarkeit der Serienhandlung Luft machen zu wollen.
Wes sorgt immerhin mit seiner unkonventionellen Obsession für den Rasen seiner Exfrau für einen kleinen Lichtblick. Der geht dann aber in einer Welle der Rührseligkeit unter, wenn er seinen Berufswechsel begründet: „Die Menschen brauchen gute Cops dringender als gute Anwälte.“
Und wenn sich Travis hingegen als Babytröster hervortut, wirkt es, als wäre diese Charakterisierung nach dem „Malen-nach-Zahlen“-Prinzip entstanden.
Kurz vor dem Ende scheint alles verloren: Die beiden haben „Schluss gemacht.“ Da kommt noch einmal die Therapeutin Dr. Ryan zum Einsatz. Im Handumdrehen rettet die clevere Frau die Beziehung der beiden - und dabei gleichzeitig einen Unschuldigen vor dem Gefängnis. Alles endet, wie es einst begonnen hat: mit vorhersehbaren Albernheiten. Da überrascht es auch nicht weiter, dass der Mörder am Ende der war, der gegärtnert hat.
Fazit
Die kleinen Witzchen und coolen Sprüche am Rande („Did he just admit that he is a jerk?“ - „He is in therapie.“) sorgen für gelegentliche Schmunzler. Allerdings ist man immer ein wenig überrascht, wenn etwas Originelles passiert. Wenigstens sehen die beiden ganz nett aus und von Zeit zu Zeit gibt es ein bisschen Selbstironie. Dabei wird die Schwelle vom Klamauk hin zu tiefergehendem Humor jedoch zu keiner Zeit überschritten.
Inwieweit die Buddy-Cop-Dramedy in Zukunft überzeugen kann, bleibt abzuwarten. Es ist fraglich, ob der Running Gag der „wie ein altes Ehepaar“-Thematik ausreichen kann, um die 08/15-Tathergänge dauerhaft etwas aufzupeppen. Ein paar echte Ecken und Kanten fehlen den beiden Hauptfiguren bislang genauso wie Nebencharaktere, die mehr sind als bloße Schablonen ihrer selbst.
Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 15. Mai 2012(Common Law 1x01)
Schauspieler in der Episode Common Law 1x01
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