Club der roten Bänder 3x10

© zenenbild zu der „Club der roten Bänder“-Episode „Das Vermächtnis“ / (c) VOX
Gestern Abend ging die VOX-Produktion, Club der roten Bänder, zu Ende. Mit Das Vermächtnis verabschiedeten wir uns als Zuschauer nicht nur von der tollen Adaption des spanischsprachigen Romans, sondern auch von dem todkranken Leo (Tim Oliver Schultz) - dem Anführer der „Club der roten Bänder“.
Ihr sollt nämlich nichts mehr für mich machen, sondern ich für euch
Bereits vor ein paar Folgen wurde verraten, dass Leo nicht mehr lange zu leben hat. Somit konnten sich sowohl die Zuschauer als auch die restlichen Mitgliedes des Clubs darauf vorbereiten, dass Leo stirbt. Das macht seinen Abschied jedoch nicht weniger schmerzvoll und traurig. Nachdem der Club in Die Liste bereits bewiesen hat, dass sie alles für ihren Anführer tun würden, dreht dieser nun den Spieß um. Er ist so unfassbar dankbar für alles, was der Club für ihn ermöglicht hat an seinen letzten Tagen und möchte nun auch das Gleiche für sie tun - soweit ihm das in seinem Zustand möglich ist.
Da dieser Zustand momentan daraus besteht, dass er ans Bett gefesselt ist, beschließt er, mit Emma (Luise Befort), Hugo (Nick Julius Schuck), Jonas (Damian Hardung) und Toni (Ivo Kortlang) jeweils eine individuelle Gedächtnisreise zu machen. In dieser reisen sie an die Orte, zu denen sie möchten und können ihre Probleme vergessen. Diese Art der Reise hatten sie bereits während Leos Chemo in der zweiten Staffel unternommen.
Die Liebe ist nichts für mich
Nachdem der Club bereits zuletzt Toni dabei geholfen hat, das Seepferdchen zu machen, beschließt Leo nun, dass er Toni in einer weiteren Angelegenheit helfen muss. Hierbei geht es um die Liebe. Vor kurzem traf Toni zum ersten Mal ein Mädchen, das er nett fand und verliebte sich in sie, jedoch behauptet er, dass die Liebe nichts für ihn sei. Leo möchte das jedoch nicht einfach so stehen lassen und täuscht Toni, um so ein Treffen zwischen den beiden zu arrangieren. Während dieses arrangierten Treffens ist Toni noch etwas verwirrt, jedoch blickt Valerie sofort durch und verschafft auch Toni Klarheit.
Schließlich ist der Tod für den gut vorbereiteten Geist das nächste große Abenteuer
Zusammen mit Emma reist Leo an den Kölner Flughafen, denn die beiden hatten geplant, zusammen eine Weltreise zu unternehmen, wenn es Leo besser geht - dazu ist es jedoch leider nie gekommen. An dieser Stelle nutzt Leo die Gelegenheit, um sich bei Emma für ihre Stärke und ihre Liebe zu bedanken. Hier spürt man, dass sich die beiden gegenseitig so viel geben - so viel Halt, so viel Liebe. Sie machen einander stärker. Umso trauriger macht es den Umstand, dass Leo bald nicht mehr unter ihnen weilen wird.
Ich will endlich, dass du stirbst
Die letzte einzelne Gedankenreise findet mit Jonas statt. Dieser war, im Gegensatz zum Rest des Clubs, mehr wütend als traurig während dieser letzten Tage. Bei ihrer gemeinsamen Gedankenreise wird auch klar, warum er sich so verhält.

Zuerst spielen die beiden Jungen Fußball, haben noch beide Beine und haben einfach nur ihren Spaß dabei, während im Hintergrund „Nothing Else Matters von Metallica“ gespielt wird. Sie sind einfach nur gesunde, normale Jugendliche, die es genießen, zusammen Fußball zu spielen. Diese schöne Illusion kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Leo im Sterben liegt und Jonas aus diesem Grund voller Schmerzen ist. Hier platzt letzterem auch ein „Ich will endlich, dass du stirbst“ heraus. So grausam das auch klingen mag, so wahr ist es wahrscheinlich auch. Jonas erträgt es einfach nicht mehr, seinen Freund und den Rest des Clubs leiden zu sehen. Jonas möchte sich nicht weiter damit auseinandersetzen, dass sein bester Freund sterben wird. Zuletzt gelingt es den beiden jedoch, ihren Frieden miteinander zu schließen. „Wir sind okay.“
Es ist nicht schlimm zu sterben. Es ist nur schlimm, sein Leben nicht zu leben.
Zuletzt unternehmen alle (lebenden) Mitglieder des Clubs eine gemeinsame Gedankenreise. Hier wird die Geschichte des „Clubs der roten Bänder“ noch einmal vor unseren Augen abgespielt. Diese wundervolle Montage zeigt, was diese Freunde schon alles miteinander durchgestanden haben. Sie sind miteinander durch dick und dünn gegangen. Hier bekommt man Figuren zu Gesicht, die man schon lange nicht mehr gesehen hat und vermisst - zum Beispiel Benito, aber auch Alex und Ruben.
Ich glaube, wir müssen los.
Nachdem Leo sich zum Sterben an den See gelegt hat, bekommt auch noch Alex (Timur Bartels) die Chance, sich von Leo zu verabschieden. Zusammen sitzen sie in schwarzer Kleidung am See und reden über den Tod. Hier wird nun auch klar, dass die Sequenzen, die in den letzten Episoden immer wieder eingefügt wurden, nach Leos Tod spiel(t)en.
Mit den Worten „Ich glaube, wir müssen los“ machen sich die beiden auf den Weg zu Leos Beerdigung. Spätestens an dieser Stelle wird wohl auch der letzte Zuschauer, der noch nicht eine ganze Packung Taschentücher verbraucht hat, zum Weinen gebracht und der Damm bricht.
Das, wovor wir alle Angst hatten, ist eingetreten: Leo ist tot. Diesem Umstand müssen sich während der Beerdigung nicht nur die Figuren, sondern auch wir als Zuschauer uns stellen. Zudem findet hier auch die Verabschiedung der Figuren von Leo statt. Diejenigen, die vorher nicht die Möglichkeit bekommen hatten, sich auf einer Gedankenreise oder anderweitig zu verabschieden, können das nun hier nachholen.
An dieser Stelle möchte ich jedoch auch eine Anmerkung machen. Die Gedankenreise ist exklusiv dem Club vorbehalten. Somit können sich alle Mitglieder des Clubs auf diese Weise verabschieden. Da jedoch in dieser Folge das Thema Verabschiedung ganz klar im Fokus steht, hätte ich es schön gefunden, wenn diese Verabschiedung auch auf weitere Personen ausgeweitet worden wäre, die Leo nahestanden. Hier kommen mir Tabea (Julie Stark) und Leos Vater in den Sinn, mit dem er erst in der Folge zuvor wieder Kontakt aufgenommen hatte. Ich kann aber auch verstehen, dass es in dieser Folge, so wie in der Serie insgesamt - wie der Name schon verrät -, um den Club geht und deshalb auch nur die Verabschiedung des Clubs im Mittelpunkt stehen soll. Trotzdem finde ich es schade, dass man keine gemeinsame Verabschiedung der Familie zu Gesicht bekommt.
Ein Jahr später
Für mich bedeutet ein Serienfinale sowohl einen Abschied von den Figuren als auch eine Vorschau auf das Leben der Figuren, das noch vor ihnen liegt. Getreu diesem Motto erfüllt die Serie mit Bravour diese zwei Anforderungen. So wird unsere Neugierde, was die restlichen Mitglieder des Clubs in Zukunft machen werden, gestillt, indem uns zumindest die wichtigsten Entwicklungen ihres Lebens vor Augen geführt werden.
Jonas hat zusammen mit seinem Team bei den Paralympics die Silbermedaille gewonnen und ist nun Bademeister beziehungsweise Trainer im Schwimmbad. Diese Entwicklung finde ich durchaus passend für ihn, jedoch hätte ich mir gewünscht, dass seine Beziehung mit Iris noch irgendwie zu Ende gebracht wird. Emma befindet sich im ersten Semester des Medizinstudiums und macht ein Praktikum in dem Krankenhaus, in dem alles angefangen hat. Toni arbeitet auch immer noch dort und ist glücklich in einer Beziehung mit Valerie. Seine Aussage „Wir sind besonders und ich liebe sie“ sagt wohl alles aus und muss nicht weiter ergänzt werden.

Bereits in den Folgen hat Hugo verraten, dass er die Geschichte des Clubs in einem Buch festhält. Dieser Umstand, zusammen mit dem Fakt, dass er auch die Stimme aus dem Off spricht, führt zu keiner anderen Schlussfolgerung als der, dass Hugo die Rolle des Autors übernimmt, der den Roman geschrieben hat, auf dem die Serie basiert. Aus diesem Grund befindet sich Hugo auch ein Jahr nach Leos Tod bei der Lesung seines Romans über den „Club der roten Bänder“. Am Ende steht die Message, dass der Club - auch nach Leos Tod - zusammenbleibt. Ihnen ergeht es also nicht wie Benitos Club. Stattdessen bleiben sie nicht nur nach dem Tod des ersten Anführers in Kontakt, sondern unterstützen sich weiterhin und der Club bleibt bestehen. Zudem werden Alex und Leo in den vier verbleibenden Clubmitgliedern weiterleben.
Fazit
Mit Das Vermächtnis landet Club der roten Bänder wie erwartet eine Punktlandung. Das Finale ist einfach stimmig. Hinten und vorne ist die (erst mal) letzte Geschichte des Clubs einfach nur passend erzählt. Das ist das größte Kompliment, das man einem Serienfinale machen kann. Mehr wünsche ich mir von einer Serie nicht. Sie soll sich selbst treu bleiben und uns ein würdiges Ende bieten. Das Finale von „Club der roten Bänder“ macht hier einfach alles richtig. Obwohl die Serie stets eher einen traurigen Unterton hatte, da sie in einem Krankenhaus spielt und zwei Figuren Krebs haben, schaffte sie es doch immer, uns zum Lachen zu bringen. Das schaffte sie dadurch, dass sie stets herzlich war und einfach wusste, wie man uns mit auf diese wundervolle Reise nehmen kann. Doch in dem Serienfinale bezahlen wir den bitteren Preis dieser Reise. Wir haben zwar schon mal zuvor eine Achterbahn der Gefühle in der Serie erlebt, jedoch befinden wir uns während des Finales in einer stetigen Abwärtsspirale in der der einzige Halt, den wir finden können, der Griff nach der Taschentücherschachtel ist.
Hier bleibt kein Auge trocken und genau das wollen die Macher der Serie auch so. Wem die alleinige Verabschiedung von Leo und dem Rest des Clubs noch nicht genügt, der greift spätestens dann zu Taschentüchern, wenn die ausgewählte Musik einsetzt. Hier werden alle Karten gespielt, die die Schöpfer der Serie zu bieten haben. So werden hier die typischen Lieder wie „Mad World“ gespielt, um so auch dem letzten Zuschauer den letzten Funken Hoffnung und Fröhlichkeit zu nehmen.
Zusammengefasst kann man also sagen, dass mit dieser Episode auf die bestmögliche Weise das Ende von Leos Leben und das Ende der Serie erzählt wird. So wie die Mitglieder des Clubs verlieren auch wir einen geliebten Menschen und für uns stellt das Finale der Serie auch gleichzeitig eine Verabschiedung von diesem sowie von den restlichen Figuren dar.
Jedem, dem diese Gefühlsachterbahn noch nicht gereicht hat und der selbst auch weiterhin als Punchingball benutzt werden will, der könnte sich über die Möglichkeit eines Films durchaus freuen.
Verfasser: Maike Karr am Dienstag, 12. Dezember 2017(Club der roten Bänder 3x10)
Schauspieler in der Episode Club der roten Bänder 3x10
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