City on Fire: We Have Met the Enemy, and He Is Us - Review der Pilotfolge

City on Fire: We Have Met the Enemy, and He Is Us - Review der Pilotfolge

„City on Fire“ aka „Fire in the Sky“ adaptiert den gleichnamigen Erfolgsroman von Garth Risk Hallberg und überführt den Stoff von den 70er Jahren in die frühen 2000er, wobei der Einstieg in die Geschichte zwar interessant, aber auch sperrig und ungelenk daherkommt. In unserem Review zur Pilotfolge verraten wir Euch, warum.

Szenenfoto aus der Serie „City on Fire“
Szenenfoto aus der Serie „City on Fire“
© Apple TV+

Das passiert

New York, im Juli 2003. Im Central Park findet der angehende Schriftsteller Mercer (Xavier Clyde) nach einem Partybesuch die NYU-Studentin Samantha (Case Sui Wonders, Generation) mit einer Schusswunde am Kopf auf dem Boden liegend auf. Wer hat auf die junge Frau geschossen und warum?

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Schwerfällig

City of Fire“ ist ein über 1000 Seiten langes Literaturwerk, das sich mit exzessiven Menschen und ihren Lebensumständen befasst. Die Intensität der Figurenzeichnung brachte Autor Garth Risk Hallberg viel Lob ein, obwohl das Buch vornehmlich vom deutschen Publikum kritischer aufgenommen wurde. Legt man als Nichtkenner des Romans die Pilotfolge der von Stephanie Savage (Gossip Girl) und Josh Schwartz (Dynasty, 2017) kreierten Miniserie zugrunde, lässt sich die partielle Ablehnung leicht nachvollziehen.

Schon in der ersten halben Stunde erweist sich die TV-Adaption als ein sperriges Konstrukt, im dem gefühlt erst einmal so gut wie gar nichts passiert. Beinahe ziellos springt das Drehbuch zwischen den zahlreichen Figuren (allein in der Pilotfolge immerhin 14!) hin und her, stets darum bemüht, den Protagonisten irgendwie gerecht zu werden. Dass ein solches Unterfangen selbst mit einer Laufzeit von über einer Stunde kaum möglich ist, bedarf kaum einer Erläuterung.

Dabei ist es durchaus interessant zu erfahren, welches Päckchen diese oder jene Person zu tragen hat. Regan (Jemima Kirke, Girls) hat sich für ihre Ehe geopfert und wird von ihrem Mann ausgerechnet mit Samantha betrogen, die zu Beginn und am Ende der Episode schwer verletzt im Park liegt. Regans Bruder William Nico Tortorella, The Walking Dead: World Beyond) ist ein Junkie, Samantha zieht mit ihrer Clique durch New York und setzt Gebäude in Brand. Charlie (Wyatt Oleff, Scorpion) ist ein schüchterner Junge, der auf Sam steht und Mercer ist in Will verliebt. Von welcher Seite man es aber auch betrachtet: Samantha ist der Dreh- und Angelpunkt der Story, eine Tatsache, an der die Showrunner von der ersten Minute an keinen Zweifel aufkommen lassen.

Erschlagen von den Figuren

Genau das ist allerdings die Krux an der Geschichte, denn so spannend die soeben geschilderten Details auch klingen mögen, so verwirrend ist die Informationsfülle. Leider geben sich Savage und Schwartz keine große Mühe, den Wust zu filtern. So lassen sie die Welten der Schönen und Reichen unreflektiert auf die des armen Schluckers und eine Gruppe Punks prallen, ohne wirklich in die Figuren einzutauchen. Sicherlich, in einer Szene spritzt sich Will Drogen in eine Vene seines Fußes, der Sänger Nicky kokst wie ein Wilder und Ramona kifft sich mit Mercer den Frust von der Seele. Eine wirkliche Bindung zu den menschlichen Dramen, die sich vor dem Auge des Publikums entspinnen, entwickelt sich aber nicht. Das mag zum einen - wie oben erwähnt - der schieren, erdrückenden Personenmasse geschuldet sein, zum anderem aber auch der belanglosen Inszenierung, die kaum Höhen bietet.

Den Aufhänger der Story an den Anfang zu setzen, ist zudem ein gern gewähltes Stilelement, das gut funktionieren kann, nicht aber unbedingt im Fall von We Have Met the Enemy, and He Is Us. Nach knapp einer Stunde Laufzeit ist die Luft einfach raus. Man interessiert sich als Zuschauender kaum noch für das Klischee, dass Mercer als Tatverdächtiger verhaftet wird, weil er schwarz ist und die Polizei Drogen in dem Jackett findet, mit dem er die Verletzte zudeckte. Der Sinn der Verhaftung erschließt sich indes ohnehin nicht, denn der junge Mann selbst war es, der um Hilfe rief, die Cops zur Angeschossenen führte und half, wo er konnte. Insofern greift das Autorenteam an dieser Stelle tief in die „Good-Will-Kiste“) und fordert vom Publikum, mehr als nur ein Auge zuzudrücken...

Der Cast

Szenenfoto aus der Serie „City on Fire“
Szenenfoto aus der Serie „City on Fire“ - © Apple TV+

Alles in allem wäre es insofern keine schlechte Idee gewesen, die Einführung der Figuren auf zwei Episoden aufzuteilen und den Protagonisten einen größeren Handlungsspielraum zu gewähren. An den Schauspielerinnen und Schauspielern liegt es überwiegend jedenfalls nicht. Chase Sui Wonders füllt die Rolle der attraktiven, undurchsichtigen und emotional verwirrenden Samantha voll aus und Wyatt Oleff gelingt es, die Unsicherheit des schüchternen Charlie sympathisch vorzutragen. Nico Tortorella und Max Milner haben die Gesten und Bewegungsabläufe von Drogensüchtigen beim Konsum gut recherchiert und liefern eine glaubwürdige Perfomance ab.

Lediglich Xavier Clyde fällt aus dem Rahmen. Ihm ist eine gewisse Affektiertheit zu eigen, die die Figur des Mercer überzeichnet und wie in das Genre geschubst wirken lässt. Dazu gesellt sich noch der Rest der Clique, unter anderem Alexandra Doke, die als Sewer genauso unter den Tisch fällt, wie ihre Filmfreunde.

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Fazit

Es ist gar nicht so, dass die Geschichte um Samantha nicht spannende Fragen aufwirft oder dass die Figuren unbedingt uninteressant wären. Das Problem von City on Fire liegt schlicht in dem Wunsch, zu viel auf einmal zu wollen. Als Zuschauender vermag man sich weder auf die Handlung, noch auf die Protagonisten zu fokussieren, weil sich die Einführung der Figuren ungelenk und unstrukturiert anfühlt. Weniger wäre hier mehr gewesen. Manchmal muss man als Autor den Mut zur Straffung aufbringen, vor allem, wenn man ein über 1000 Seiten starkes Werk in nur acht Stunden Film pressen will.

Konkret wäre es die richtige Entscheidung gewesen, vor allem die Punkerclique massiv schrumpfen zu lassen und Regans Familienprobleme auf die zweite Episode zu verlegen. So hätten sich die Serienmacher ein wenig Luft verschaffen und die Hauptcharaktere atmen lassen können. Zweifellos wird die Serie dennoch ihre Fans finden, anderen könnte der Trip in die Abgründe von New York jedoch zu langatmig sein, um weiterzuschauen. Drei von fünf Punkten.

Hier abschließend noch der Originaltrailer zur Serie „City on Fire“:

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