„Chief of War“: Wird diese Serie das hawai'ianische „Game of Thrones“?

„Chief of War“: Wird diese Serie das hawai'ianische „Game of Thrones“?

Mit „Chief of War“ bringt Apple TV+ eine historische Serie über die blutigen Vereinigungskriege der hawai'ianischen Inseln - und trifft damit voll ins Schwarze.

Ka'ahumanu (Luciane Buchanan) und Ka'iana (Jason Momoa) auf einem Szenenfoto aus den ersten Folgen der US-Serie „Chief of War“
Ka'ahumanu (Luciane Buchanan) und Ka'iana (Jason Momoa) auf einem Szenenfoto aus den ersten Folgen der US-Serie „Chief of War“
© Apple TV+

Das passiert in den ersten beiden Episoden der Serie „Chief of War“

Ka'iana (Jason Momoa) ist in der Serie Chief Of War im ausgehenden 18. Jahrhundert der Sohn des verstorbenen Königs von Maui. Nachdem sein machtgieriger Onkel die heiligen Insignien des Reichsoberhaupts übernahm, überzog er die hawai'ianischen Inseln mit blutigen Kriegen. Deshalb kehrte Ka'iana seiner Heimat den Rücken und lebt nun mit seinen Brüdern Namake (Te Kohe Tuhaka), Nahi' und seiner Frau Ka'ahumanu (Luciane Buchanan) auf Kauai.

Doch die Schatten seiner Herkunft holen Ka'iana bald wieder ein, denn König Kahekili (Temuera Morrison) ruft ihn wegen einer Prophezeiung zurück, die die Vereinigung aller Inseln unter der Führung eines mächtigen Herrschers voraussagt. Kahekili glaubt, er sei der Auserwählte, aber seine brutale und mordlüsterne Vorgehensweise führen zu Zwietracht in den eigenen Reihen...

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Ka%26#039,ahumanu (Luciane Buchanan) und Ka%26#039,iana (Jason Momoa) auf einem Szenenfoto aus den ersten Folgen der US-Serie „Chief of War“ - © Apple TV+

Wow-Momente

Trotz der schier unübersehbaren Flut an mittelmäßigen Serien, mit denen uns die großen und kleineren Streamingdienste überschwemmen, gibt es sie noch: Diese Momente, in denen man mit geöffnetem Mund vor dem Fernseher sitzt und dafür dankbar ist, dass es so etwas noch gibt.

Wer Game of Thrones gesehen hat, die ersten Staffeln von The Walking Dead oder im Krimiserien-Bereich neuerdings den Bosch-Ableger Ballard weiß genau, was ich meine. Kinoreife Inszenierungen, klug geschriebene Krimis oder eben Epik pur werden zugunsten schnell dahingeschluderten Materials immer seltener.

Früher galt HBO Max als rühmliche Ausnahme in diesem Wust, in letzter Zeit mehren sich allerdings Aussagen darüber, dass Apple TV+ Warner Bros. den Rang ablaufen könnte. Kein Wunder, denn der Apfelkonzern investiert riesige Summen in seine Serien und Filme und heimst dafür einen Preis nach dem anderen ein. 76 Emmy-Nominierungen und zehn Auszeichnungen sprechen eine deutliche Sprache. Wo Apple draufsteht, ist in den meisten Fällen Fernsehen erster Güte angesagt.

Wer sich nun fragt, warum wir jene Tatsache so stark betonen, dem sei ein Blick auf „Chief of War“ von und mit Jason Momoa angeraten. Schon die Debütfolge offenbart, dass wir hier etwas zu sehen bekommen, was es in ähnlicher Art noch nie gegeben hat. Mein erster Gedanke nach den ersten 45 Minuten war ein zwar nicht ganz passender, aber doch irgendwie stimmiger Vergleich zu „Game of Thrones“. Selten habe ich eine historische Serie gesehen, die so vorbildlich inszeniert ist und so episch beginnt wie diese. Bereits das Opening macht klar, dass wir es in den neun Teilen der Staffel mit Intrigen, Liebe, Verrat und brutalen Kriegen zu tun bekommen, die sich keine Sekunde lang weichgespült anfühlen.

Im Gegenteil geht es im zweiten Teil der Startepisode richtig zur Sache. Da schlägt der mächtige Krieger Ka'iana Köpfe ein, schlitzt Bäuche auf und sticht wild in die Weichteile seiner Gegner, nur um nach dem Gemetzel zu erfahren, dass ihn sein Onkel und König schändlich aus purer Machtgier in den Rücken gefallen ist.

Glaubte er zuvor noch, das Reich seiner Väter gegen einen gemeinen Überfall seitens des Oberpriesters von O'ahu zu verteidigen, muss er nun erfahren, dass es lediglich um die Eroberung einer friedlichen Insel ging, dessen König auch noch ein treuer Verbündeter Mauis war.

Kupuohi (Te Ao o Hinepehinga) auf einem Szenenfoto aus den ersten Folgen der US-Serie „Chief of War“
Kupuohi (Te Ao o Hinepehinga) auf einem Szenenfoto aus den ersten Folgen der US-Serie „Chief of War“ - © Apple TV+

Einfach nur richtig gut

Allein für die zweite Hälfte hätte die Folge also fraglos die Bestnote verdient, doch da ist noch viel mehr. Da wäre beispielsweise die Tatsache, dass die Idee und Umsetzung maßgeblich vom selbst aus Honolulu stammenden Superstar Jason Momoa beeinflusst wurde. Sein Ziel war es von Anfang an, nicht nur eine epische Story zu erzählen, sondern auch möglichst authentisch zu bleiben. Entsprechend lehnen sich sowohl das gesamte Bühnenbild als auch die Kostüme und Requisiten sehr stark an historische Vorbilder an, eine Entscheidung, die der Produktion sichtlich guttut.

Ähnliches gilt für die Darstellenden, von denen die meisten entweder von einer der hawai'ianischen Inseln stammen oder Angehörige der in Neuseeland beheimateten Māori sind. Beides sind bekanntlich polynesische Völker, die kulturell und sprachlich eng miteinander verwandt sind.

Ein weiterer wichtiger Aspekt zur Unterstreichung von Glaubwürdigkeit und Stimmigkeit dürfte hingegen nicht allen Zuschauenden uneingeschränkt zusagen. Zumindest in der ersten Folge wird nämlich ausschließlich Ōlelo Hawai'i gesprochen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass ohne Untertitel nichts läuft. Was die einen als störend empfinden könnten, stieß bei mir aber auf offene Ohren. Erstens handelt es sich nämlich um eine wirklich schöne Sprache und zweitens vermochte dieser dramaturgische Kniff es im Gegensatz zu anderen Formaten, mich noch mehr in den Bann zu schlagen. Die Immersion ist so dicht, dass ich mich tatsächlich bisweilen wie ein Teil der Geschichte fühlte, eine Gabe, die heute leider immer seltener wird.

Insgesamt darf man festhalten, dass der Cast ausgezeichnet gewählt ist. Wer Jason Momoas Anfänge als Jason Ione in Baywatch, North Shore und vor allen Dingen in Stargate Atlantis beobachtet hatte, hätte wahrscheinlich nie damit gerechnet, dass aus dem muskelbepackten, bisweilen recht steif und hölzernen wirkenden „sanften Riesen“ mal ein Superstar mit echten Schauspielqualitäten wird. In „Chief of War“ hängt sich der Mime allerdings voll und ganz rein. Gestik, Mimik, Dialogführung: All das ist tadellos vorgetragen und sorgt dafür, dass wir seiner Figur gerne folgen. Doch auch Momoas Mitstreiterinnen und Mitstreiter, allen voran Luciane Buchanan und Temuera Morrison, greifen tief die Repertoire-Kiste ihres Berufsstandes, um die starke Atmosphäre der Folge zu betonen.

Bleibt last, but not least noch die Kameraführung nebst Farbgestaltung und Beleuchtung. Trotz der düsteren, kriegsgeschwängerten Tonalität sind sich die Kameraleute Matthew Chuang und Michael Snyman (See) jede Minute lang darüber bewusst, wo die Handlung spielt. Entsprechend sehen wir überwiegend hell beleuchtete, sonnige Bilder und kräftige Farben, die in den Schlachtszenen von starken Brauntönen, auf Feuerschein basierender Beleuchtung und Schatten abgelöst werden.

Gedreht wurde übrigens in Neuseeland und in den Lavafeldern von Kalapana, Hawai'i, was die Stimmigkeit der Serie erhöht und die Bildsprache maßgeblich mitbeeinflusst hat. Hinzu gesellt sich ein gänsehauterzeugender Score von Hans Zimmer („Dune“ und den auf Dokumentationen spezialisierten James Everingham („Königreich der Mumien“. Angereichert ist das Ganze außerdem mit traditionellen Klängen.

Moku (Moses Goods) auf einem Szenenfoto aus den ersten Folgen der US-Serie „Chief of War“
Moku (Moses Goods) auf einem Szenenfoto aus den ersten Folgen der US-Serie „Chief of War“ - © Apple TV+

Fazit

Was soll ich sagen? Die Pilotfolge der Serie „Chief of War“ begeistert mich auf ganzer Linie. Hier stimmt wirklich alles: die Epik der Geschichte, die Technik, das Bühnenbild, die schauspielerischen Leistungen. Auch wenn die ein oder andere Szene vielleicht ein wenig theatralisch wirkt (man beachte, in welcher Art und Weise sich Jason Momoa seinen Königsumhang über die Schultern wirft) fühle ich mich tief in das Geschehen hineingezogen, freue mich über die tollen Bilder sowie die hervorragend choreografierten Schlachtszenen und feiere jeden Moment. Für mich persönlich geht es nicht besser.

Wir verteilen daher gleich mal fünf von fünf Auslegerkanus.

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