Castle 6x04

Das passiert in der Castle-Folge Number One Fan:
Beckett (Stana Katic) weiß nicht, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll: Den Agentenjob in Washington hat sie verloren, die Polizei in New York will sie aber nicht wieder einstellen. Soll sie sich also künftig von Castle (Nathan Fillion) als ihrem „Sugar Daddy“ aushalten lassen? Als Captain Gates (Penny Johnson Jerald) anruft, fasst Beckett schon Hoffnung. Doch das Gespräch ist für Castle.
Eine junge Frau (Alicia Lagano, The Client List), die dringend tatverdächtig ist, ihren Freund erstochen zu haben, hat auf der Flucht vor der Polizei das Personal und die Patienten einer Zahnarztpraxis als Geisel genommen. Als Verhandlungspartner akzeptiert sie keinen anderen als den Krimi-Schriftsteller Richard Castle. Ihre Forderung: Castle soll den Beweis für ihre Unschuld erbringen, was sich jedoch als sehr schwierig erweist, da praktisch alles auf sie als Täterin deutet....
Ein starker Fall
Nach dem etwas witzlosen und enttäuschenden Washington-Ausflug von Beckett findet Castle mit Number One Fan (aus der Feder altgedienten Castle-Autors Terence Paul Winter) endlich wieder auf die richtige Spur zurück. Lanie (Tamala Jones) ist zurück - und löchert Beckett sogleich wegen des Hochzeitstermins. Sergeant Sully (Joshua Bitton) ist zwar noch da, stört aber nicht weiter. Und Castles „Writer“-Schutzweste bekommt einen i-Punkt gesetzt.
Vor allem aber wartet die Folge mit einem starken Fall auf. Eine Frau, die ihre Unschuld beteuert, was wir ihr als Zuschauer - ähnlich wie Castle - durchaus bereit sind abzunehmen, während gleichzeitig mehr und mehr Beweise zusammenkommen, die auf ihre Schuld hindeuten. Das - kombiniert mit der Grundsituation einer Geiselnahme - ist die Basis für eine schöne, spannende Geschichte, in der Castle einmal richtig glänzen kann.
Der Profi
Beckett kann ihm nur eingeschränkt helfen, weil sie keine Polizistin mehr ist und von Gates lediglich toleriert wird. Einer der schönsten Szenen der Folge ist der Moment, als sie Ryan (Seamus Dever) und Esposito (Jon Huertas) eine Anweisung gibt und die beiden sich umdrehen. Moment mal, Du arbeitest hier doch gar nicht mehr!
Doch zurück zu Castle: Bei ihm merkt man deutlich, dass wir uns nunmehr in Staffel 6 befinden. Er ist nicht mehr der naive Schriftsteller von vor fünf Jahren, der urplötzlich mit der Realität der Dinge konfrontiert wird, über die er zuvor nur geschrieben hat. Nein, er hat schon zahllose Abenteuer und gefahrvolle Situationen überstanden. Und das kommt in Number One Fan ganz klar zum Tragen. Sicher ist er zu Beginn der Verhandlungen nervös. Doch als er erst einmal in der Situation drinsteckt, geht er damit äußerst souverän und, ja, professionell um. Er ist derjenige, der den Hitzkopf in der Praxis (Billy Miller) dazu ermahnt, nichts Dummes zu tun. Er ist derjenige, der einen kühlen Kopf bewahrt.
Gleichzeitig hat sich auch das Verhältnis der Figuren untereinander verändert. Selbst Captain Gates hat mittlerweile gelernt, Castles Überlegungen nicht mehr vorschnell von der Hand zu weisen, sondern nimmt das, was er sagt, ernst. Schlechtere Autoren würden versuchen, eine Konfliktsituation wie die zwischen Gates und Castle auf Biegen und Brechen beizubehalten, egal wie unsinnig oder unlogisch das nach all den unter Mithilfe von Castle gelösten Fällen auch wäre. Die Castle-Autoren beschreiten dagegen lieber den Weg, das Verhältnis der Charaktere weiterzuentwickeln. Konflikte werden sich schon wieder finden.
Die Rückkehrerin
Dass Beckett in Number One Fan ein bisschen an den Rand gedrängt wird, stört überhaupt nicht. Wie manche Leser schon in den Kommentaren zur letzten Folge angemerkt hatten: es wäre ziemlich unrealistisch und unbefriedigend gewesen, hätte man sie auf Anhieb in den Polizeidienst zurückkehren lassen, so als ob nichts gewesen wäre. Nein, es ist ganz schön zu sehen, wie Beckett nun darüber nachdenkt, wie ihr Leben nun weitergehen soll. Und sie gleichzeitig beim Gang zum Tatort die ungewohnte Erfahrung macht, dass Castle derjenige ist, der in offizieller Funktion dorthin kommt, während sie nur die Begleiterin ist.
Das Ende ist sicher eine Spur zu konstruiert und klebrig-süß: der reiche Papa, der sich über die Begegnung mit seiner unehelichen Tochter freut (obwohl diese ihn möglicherweise Ehe und Karriere kosten wird) und aus Dankbarkeit zugunsten von Beckett bei seinem Golf-Kumpel, dem Polizeichef, interveniert. Ja, ist klar. Da wollten es die Autoren extraschön und mit Schleifchen machen. Aber das ist nicht weiter schlimm. Beckett hatte ihre Karenzzeit nach dem Washington-Trip. Jetzt kann es gerne wieder im normalen Krimibetrieb in New York weitergehen.
Fazit
Eine spannende Folge, mit der Castle endlich wieder vorbehaltlos zu begeistern versteht.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 16. Oktober 2013(Castle 6x04)
Schauspieler in der Episode Castle 6x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?