Castle 6x01

Castle (Nathan Fillion) hat die Frage gestellt. „Willst Du mich heiraten?“ Und Beckett (Stana Katic) traut ihren Ohren kaum. Doch Castle meint es absolut ernst. Er geht sogar so weit, dass er seinen Antrag expressis verbis von Becketts Entscheidung über den Agentenjob in Washington loslöst. Sie soll sich entscheiden, wonach immer ihr der Sinn steht. Er will sie heiraten, weil er sein Leben nicht mehr ohne sie vorstellen kann. Welche Frau könnte dazu Nein sagen? Beckett jedenfalls nicht. Sie sagt Ja.
Zwei Monate später wird den beiden jedoch immer mehr bewusst, was Kates Wahl für den Job in D.C. für ihren Alltag als Paar bedeutet. Seit sechs Wochen haben sich die beiden nicht mehr gesehen. Und nun, da Beckett zum ersten Mal ein Wochenende frei zu haben glaubt, kommt für sie und ihre neue Partnerin (Lisa Edelstein, House) ein brenzeliger Fall dazwischen. Durch einen Sabotageakt ist es in einer Technologiefirma zu einem Stromausfall gekommen, der zum Diebstahl eines Verschlüsselungssystems für militärische Satelliten genutzt wurde. Castle, der seinerseits Beckett überraschend besuchen kommt, darf von all dem natürlich nichts erfahren. Nationale Sicherheit! Da rutscht Beckett ein Foto aus dem Aktenordner - und ihr Verlobter kann der Versuchung einfach nicht widerstehen, sich in den Fall einzuschalten...
Produktive Spannung
Man kann Valkyrie wohl eine rundum gelungene Folge nennen. Der Auftakt zur sechsten Staffel bietet genau die Mischung aus Humor, Romantik und Spannung, welche die Fans an der Serie so schätzen. Zugleich ist die Episode aber auch ganz anders als das, was wir bisher als Castle kannten. Er und Beckett arbeiten nicht mehr zusammen. Das ist für ihre Beziehung - und die Serie - natürlich ein fundamentaler Einschnitt.
Trotzdem funktioniert die Serie auch unter diesen Bedingungen, was wohl der produktiven Spannung geschuldet ist, die hier zwischen dem Krimi- und dem Romantik-Element der Serie hergestellt wird.
Selbstlose Liebe
Als Caskett-Fan rührt es einen natürlich schon ganz gewaltig, als Castle über seinen eigenen Schatten spring - und seinen Heiratsantrag ausdrücklich nicht von Kates Job-Wahl abhängig macht. Seine Liebe ist so groß, dass er ihr den Raum geben kann, ihren Traum zu verwirklichen, ganz gleich welche Schwierigkeiten dies für ihren Beziehungsalltag bedeutet. Zwar kann er zwischendurch nicht der Versuchung widerstehen, sich in ihren Fall einzumischen und an alte Zeiten anzuknüpfen. Doch zeigt er sich, als er damit auffliegt, sehr schnell einsichtig. Alles in allem verhält er sich Kate gegenüber ganz wundervoll.
Die Beziehung der beiden, für die es gegen Ende der fünften Staffel etwas holprig geworden war, ist damit in sicheres Fahrwasser zurückgekehrt. Die beiden sind verlobt! Das private Glück ist ihnen - trotz aller praktischen Hindernisse - hold. Das Caskett-Fanherz schlägt höher!
Getrennte (Berufs-) Wege
Doch dann ist da ja auch der Krimianteil von Castle. Und für den ist die Situation, so wie sie sich hier entfaltet, natürlich gar nicht schön. Als Krimiserie lebt Castle davon, dass Rick und Kate gemeinsam Verbrechensfälle aufklären. Wie sie sich mit unterschiedlichen Theorien einem Sachverhalt nähern, sich freundschaftlich zanken, aber dann doch häufig auf die gleichen Gedankengänge kommen, oder besser noch, der eine den Gedankengang des anderen im Wechselspiel fortführt und befruchtet. Das ist es, was an Castle als Krimiserie so viel Spaß macht. Und das macht die Serie ziemlich gut.
Die beiden als partners in crime zu trennen, ist natürlich ein interessanter Ansatz, aber zugleich auch einer, der unseren Wünschen als Zuschauer eklatant zuwider läuft. Doch so wie die Serie es hier zeichnet, können wir momentan nur eines von beiden haben: Wollen wir Caskett als glückliches Liebespaar sehen, müssen wir die berufliche Trennung der beiden akzeptieren. Aber das fällt natürlich schwer. Und kann natürlich kein Dauerzustand sein. Allein schon wegen Ryan (Seamus Dever) und Esposito (Jon Huertas), die sonst zu sehr an den Rand gedrängt werden würden.
Cliffhanger
Deshalb ist man am Ende ja fast froh um die tödliche Kontaminierung Castles. Wir wissen natürlich, dass kaum anzunehmen ist, dass die titelgebende Hauptfigur der Serie im Laufe der Staffelpremiere sterben wird. Die Tatsache, dass Castle mit dem gefährlichen Kampfstoff in Berührung gekommen ist, holt ihn jedoch wieder in die Geheimdienst-Handlung mit herein, aus der er sonst herausgefallen wäre.
Und es bringt ihn und Kate wieder beruflich zusammen; hatte doch gerade das kurze Intermezzo auf dem Golfplatz gezeigt, wie ähnlich die beiden inzwischen denken und wie toll sie als Partner harmonieren (wohingegen Lisa Edelstein in ihrer Rolle fast ein bisschen so herüberkommt, wie Beckett früher gewesen ist; sie ist nicht unkollegial, sie verpetzt ihre Partnerin nicht, aber sie agiert schon sehr nach Vorschrift; die heutige Beckett hat dagegen fünf Jahre Castle hinter sich, das prägt natürlich...).
3,14159
Dafür, dass auch der Humor in der Folge nicht zu kurz kommt, sorgt vor allem Alexis' (Molly C. Quinn) neuer Freund Pi (Myko Olivier), der Papa Rick ganz schön aus der Fassung bringt („I'm fruitarian“ / „Of course you are...“). Aber auch zwischen Rick und Kate gibt es natürlich viele wunderbare Momente. Nicht zu vergessen die köstliche Szene, in der Ryan und Esposito dem Umstand auf die Spur kommen, dass Castle ihnen mit der angeblichen Recherche für ein Buch einen Bären aufgebunden hat - und er sich mit einer wirklich toll simulierten Handy-Empfangsstörung herauszuwinden versucht.
Larger than life
Wenn es etwas gibt, das man an Valkyrie kritisieren könnte, dann den Umstand, dass die Serie hier natürlich schon etwas dick aufträgt (Geister-Militärbasen, tödliche Kampfstoffe...). Ja, Castle ist in dieser Hinsicht schon immer recht weit gegangen. Und Folgen, in denen es um Geheimdienste, Spionage und Terrorismus ging, hat es auch schon früher gegeben. Der Unterschied ist vielleicht, dass diese Dinge früher immer nur von Außen an unsere Figuren herangetragen wurden, eben über die Fälle, die sie bearbeitet haben.
Durch Kates neue Position gehören sie jedoch auf einmal zu dieser Welt des staatstragend Mysteriösen. Und sogar Espo ist - über den Freund eines Freundes - mit den großen Staatsgeheimnissen der USA vertraut, zu denen selbst Google (beziehungsweise dessen Castle-Äquivalent) keine Ergebnistreffer liefert. Wie gesagt: etwas dick aufgetragen und vielleicht stellenweise weit hergeholt, aber natürlich braucht es auch - gerade zu Staffelbeginn - eine solche Geschichte, um zu zeigen: Wir sind nicht mehr bei der Mordkommission in New York.
Fazit
Ein gelungener Staffelauftakt: Obwohl sich vieles auf der Handlungsebene verändert, bleibt sich die Serie in der Stimmung, die sie transportiert, absolut treu. Kate und Rick trumpfen, nachdem zuletzt etwas düstere Wolken am Liebeshimmel aufzogen, als Paar wieder ganz groß auf, was das Caskett-Herz höher schlagen lässt. Jetzt müssen die beiden nur noch beruflich wieder ein Paar werden, und alles ist gut!
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 25. September 2013Castle 6x01 Trailer
(Castle 6x01)
Schauspieler in der Episode Castle 6x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?