Castle 5x23

„We don't have a body, we don't have a crime scence, we don't have any witnesses, but..“ / „...at least we've got each other.“ (Castle konzentriert sich auf das Positive)
Das passiert in der Castle-Folge The Human Factor:
Dale Tanner steigt nichtsahnend in sein Auto und fliegt kurze Zeit später samt seines Fahrzeugs in die Luft. Als Beckett (Stana Katic) und Castle (Nathan Fillion) am Tatort erscheinen, hat dort bereits Homeland Security das Kommando übernommen. Die Regierungsbeamten behindern die Ermittlungen der Polizei, wo sie nur können. Beckett und ihr Team machen trotzdem unbeirrt weiter: sie finden heraus, dass Tanner eine Art Julian Assange gewesen ist und eine Whistleblower-Webseite zur Aufdeckung von Skandalen betrieben hat, womit er sich zahlreiche Feinde in Wirtschaft und Politik gemacht hat.
Steckt etwa die Regierung selbst hinter dem Anschlag auf Tanner? Beckett und Castle wollen das eigentlich nicht glauben. Da findet die Kriminaltechnik auf einmal Hinweise darauf, dass die Explosion nicht auf eine Bombe zurückging, sondern dass das Auto von einer Rakete getroffen wurde, welche offenbar von einer Drohne aus abgefeuert worden ist. Beckett und Castle statten einer nahegelegenen Militärbasis einen Besuch ab, erfahren dort jedoch nichts, weil jede Frage nur mit „Das ist geheim“ beantwortet wird. Wo sie auch hingehen, treffen sie jedoch auf einen mysteriösen Mann (Carlos Bernard, 24), der ebenfalls nur eine sehr geringe Kooperationsbereitschaft an den Tag legt...
Krimi pur?
Immer mal wieder wird in den Kommentaren der Ruf laut, dass sich Castle spätestens in der fünften Staffel zu sehr mit Caskett, also der privaten Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, und zu wenig mit den eigentlichen Kriminalfällen beschäftigt. Die Kritik ist verständlich, immerhin handelt es sich bei Castle in erster Linie um eine Krimiserie, von daher lässt sich die Erwartungshaltung, dass sie sich hauptsächlich um die Krimihandlung drehen sollte, nicht so ohne Weiteres als verkehrt abtun.
Spannender Stoff
In den Reviews spielte dieser Kritikstrang bislang keine Rolle. Erstens, weil der Rezensent ein hoffnungsloser Caskett-Shipper ist. Und zweitens, weil nach mehr als einhundert Folgen auch einfach nicht mehr so viele interessante Krimigeschichten übrig sind. Weil es nach mehr als einhundert Folgen einfach nicht mehr so reizvoll ist, Castle und Beckett bei der Aufklärung irgendeines Mordes zu begleiten. Da sind die Storys, die sich aus ihren Charakteren und aus ihrer Beziehung ergeben, häufig schlicht interessanter.
Ausnahmen bestätigen bekanntermaßen die Regel. Und The Human Factor ist so eine Ausnahme. Die Folge konzentriert sich weitgehend auf den Krimiplot. Und daran ist nicht das kleinste Bisschen auszusetzen, einfach weil der Krimiplot überdurchschnittlich spannend ist. Er ist durch seinen Bezug auf Wikileaks und den Drohnenkrieg der Amerikaner allein schon thematisch sehr spannend. Und er kommt - gerade zu Beginn, als die Ermittlungen von Beckett und Castle ein ums andere Mal von „Oben“ sabotiert werden - wie ein richtig schön-spannender Verschwörungsthriller daher. „Der unsichtbare Dritte“-Referenz inklusive.
Damit versteht es Castle, eine Dreiviertelstunde bestens zu unterhalten. Und kann Caskett (Becketts Streich mit Castles Spielzeug-Panzer; der drohende Konflikt um das Jobangebot) auf Sparflamme drehen.
Sidekick?
Einzige größere Kritik an The Human Factor ist die Rolle von Castle selbst: Es ist ja okay, dass die Autoren ihn nicht mehr so wie am Anfang behandeln, als man sich fragen konnte, wie die Polizei von New York überhaupt jemals Fälle ohne ihn gelöst hat. Mittlerweile scheint es jedoch so, als hätte man in die andere Richtung überkorrigiert: Richard ist nur noch der Stichwortgeber für die VTW (Verrückte Theorie der Woche, diesmal die Angst vor dem Aufstand der Maschinen á la „Der Terminator“), aber ohne einen echten Input zur eigentlichen Lösung des Falls. Castle scheint in The Human Factor nicht mehr als der komische Sidekick für die brillante Beckett zu sein.
Das macht natürlich gerade in dieser Folge ungemein Sinn: schließlich geht es ja darum zu etablieren, warum der Sonderermittler auf sie aufmerksam wird und ihr das Jobangebot unterbreitet. Irgendwie macht es einem jedoch auch schmerzlich bewusst, dass wir schon längere Zeit nicht mehr die Brillanz von Casketts gemeinsamen Kombinationsanstrengungen gesehen haben (außer in den Rückblicken von Still).
Das Ende?
Für das Staffelfinale zeichnet sich dank Carlos Bernard für Caskett eine ernste Krise ab: ein verführerischer Job, der jedoch ein Ende der Partnerschaft mit Castle (zumindest in der jetzigen Form) bedeuten würde. Der Rezensent überlegt schon mal, was er für nächste Woche bereitlegen soll: Taschentücher? Baldrian?
Fazit
Nicht jeder Fall-der-Woche kann eine Folge praktisch allein tragen. Dieser hier kann es. Und beschwört eine Krise herauf, die in der jetzigen Ausstrahlungsreihenfolge, direkt im Anschluss an Still, vielleicht etwas gezwungen wirkt. Aber darüber hatten wir ja schon letzte Woche ausführlich diskutiert.
Trailer zum Staffelfinale 5x24 „Watershed“
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 7. Mai 2013(Castle 5x23)
Schauspieler in der Episode Castle 5x23
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?