Castle 5x19

„You bet your ass no one is going to Al Capone me!“
(Ein ehrlicher Steuerzahler)
Das passiert in der Castle-Jubiläumsfolge The Lives of Others:
Castles (Nathan Fillion) Geburtstag steht unmittelbar bevor, aber er kann sich darüber gar nicht so recht freuen, da er sich beim Skifahren die Kniescheibe gebrochen hat und deshalb momentan an den Rollstuhl gefesselt ist. Beckett (Stana Katic) kümmert sich zwar rührend um ihn, aber er langweilt sich natürlich. Während sie mit Ryan (Seamus Dever) und Esposito (Jon Huertas) loszieht, um einen neuen Fall zu bearbeiten - eine Frau ist in einer Gasse erschlagen worden -, muss Castle zu Hause bleiben. Alexis hat ihm als Anspielung auf den Hitchcock-Film „Das Fenster zum Hof“ zwar ein Fernglas gekauft. Bislang hat er sich jedoch zurückhalten können, die Nachbarn auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu beobachten.
Schließlich tut er es aber doch. Und wie seinerzeit James Stewart im Film beobachtet Castle etwas, das für ihn wie ein Mord aussieht. Ein Mann entdeckt Hinweise darauf, dass seine Freundin eine Affäre hat. Und folgt ihr mit einem Messer ins Schlafzimmer, wo es augenscheinlich hinter verschlossenen Jalousien zu einem Kampf kommt. Natürlich ruft Castle sofort Beckett an. Doch als Ryan und Esposito die Wohnung gegenüber inspizieren, finden sie keinerlei Spuren eines Verbrechens. Beckett glaubt, dass Castles Phantasie mit ihm durchgegangen ist. Doch er hält daran fest, dass es wirklich ein Mord war - und hält seinen Nachbar unter genauer Beobachtung...
Mediale Referenzen
Wer Castle kennt, weiß um die Vorliebe der Macher für mediale Referenzen. Die Jubiläumsfolge ist geradezu voll davon: Der Hauptplot ist eine liebevolle Hommage an den Hitchock-Thriller „Das Fenster zum Hof“; der Titel der Folge The Lives of Others spielt auf das auch den USA bekannte deutsche Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ (Oscar-Preisträger 2007 in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film) an. Und Ryan und Esposito werfen sich in coole [quotme=Drei Engel für Charlie]-Pose, als Castle ihnen vorschlägt, dass er doch ihr Charlie am Telefon sein könnte.
Ein Plot für die Ewigkeit
Besonders mit der Anspielung auf „Das Fenster zum Hof“ stellen sich die Produzenten aber ein Stück weit selbst ein Bein. Denn The Lives of Others demonstriert auf das Vorzüglichste, dass das immer noch eine durch und durch packende Geschichte ist: der wegen einer Verletzung invalide Voyeur, der im gegenüberliegenden Haus ein Verbrechen beobachtet, was ihm jedoch niemand glauben will, weshalb er selbst dem Killer auf die Schliche zu kommen versucht. Das ist die Quintessenz eines spannenden Thriller-Plots, der heute noch genau so gut funktioniert wie 1954.
Natürlich ist es schon hart an der Grenze des Glaubhaften, dass sich das Szenario in der Castle-Folge so ähnlich wie im Film abspielt. Beckett fragt ja ganz zu Recht: „Wie wahrscheinlich ist das?“ Und natürlich ist es auch recht seltsam, dass der Nachbar von Gegenüber nie auf den Gedanken kommt, bei seinem Treiben auch mal in den übrigen Zimmern die Jalousien zuzuziehen. Allerdings haben wir in Krimiserien und auch in Castle schon größere Brocken schlucken müssen, so dass man das als eine typische plotbedingte Konstruiertheit abtut.
Surprise!
Auf den Gedanken, dass das Ganze nur für Castle inszeniert sein könnte, kommt man dagegen wohl kaum. Und damit sind wir auch schon beim zentralen Knackpunkt der Folge: die Enthüllung, dass dieser ganze „Fall“ nichts anderes als ein Geburtstagsgeschenk für Richard gewesen ist, damit er sich nicht so langweilt. Ja, in der Theorie ist das ungemein süß und aufmerksam. Und alles, was man sich sonst noch von einem Geburtstagsgeschenk wünschen kann.
Trotzdem - und vielleicht ging es ja auch nur dem Rezensenten so - ist da dieser fiese, wirklich fiese Stich der Enttäuschung, der den Zuschauer in dem Moment durchzuckt, als Beckett und alle anderen „Surprise!“ rufen. Es war eine so schöne, so packende Geschichte - und jetzt soll das alles nur ein Spiel, eine Inszenierung gewesen sein? Irgendwie kommt man sich um die Belohnung betrogen vor, die befriedigende Auflösung der Geschichte. Und natürlich auch um die Szene, in der Beckett einräumen muss, dass sich Richard das alles nicht nur eingebildet hat.
Sauer
Richards erster Impuls, auf Kate sauer zu sein, weil sie ihm vorgespielt hat, in Lebensgefahr zu schweben, ist absolut verständlich. Der emotionale Umschwung hin zur Begeisterung wirkt dagegen - bei aller Schauspiel-Kunst, die Mr. Fillion hier aufbietet - etwas gezwungen. So als wollten die Macher um jeden Preis die Stimmung der Party retten, die im ersten Augenblick nach dem „Surprise“-Ruf ernsthaft dabei war, ins Unangenehme zu kippen.
Der Nebenplot rund um den tatsächlichen Mord, von dem man eigentlich hätte erwarten können, dass er irgendwie mit dem Hauptplot in der Verbindung steht, wird anschließend im Rekordtempo aufgelöst - um nicht zu sagen: abgewickelt. Nein, irgendwie ist es schwer, sich mit diesem Vorgehen anzufreuden.
Fazit
Vielleicht hätten die Castle-Macher die Folge besser von vorn herein als Komödie aufgezogen, in der die Zuschauer gleich von Beginn an in Becketts Plan eingeweiht sind. Oder in der Richard hinter die Inszenierung kommt und nun seinerseits (so wie er es am Ende für eine zukünftige Folge ankündigt) eine Überraschung für Kate in petto hat. So war es jedoch über fast 40 Minuten hinweg ein richtig schöner, klassischer Thriller - mit einer bei aller Caskett-Romantik nicht wirklich zufrieden stellenden Auflösung.
Trailer zu Folge 5x20 „The Fast and the Furriest“
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 2. April 2013(Castle 5x19)
Schauspieler in der Episode Castle 5x19
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?