Castle 5x18

Castle 5x18

Der Mord an einem Konditor mit Verbindungen zur irischen Mafia bringt an Ryan eine Seite hervor, die auch seine Kollegen bislang an ihm nicht kannten. Kate versucht unterdessen, aus Richard ein Geheimnis herauszukitzeln.

Wird seinen Anzug und einen Teil seiner Frisur ablegen müssen: Ryan (Seamus Dever). / (c) ABC
Wird seinen Anzug und einen Teil seiner Frisur ablegen müssen: Ryan (Seamus Dever). / (c) ABC

Most of what I say is meaningless. Why would it be any different when I'm asleep?
(Ja, das hat eine gewisse Logik...)

Das passiert in der Castle-Folge The Wild Rover:

Castle (Nathan Fillion) spricht im Schlaf: Schon mehrfach hat er dabei den Namen „Jordan“ fallen lassen. Er will Beckett (Stana Katic) aber partout nicht verraten, um wen oder was es sich dabei handelt. Bevor sie weiter nachbohren kann, bekommen sie es allerdings auch schon mit ihrem nächsten Mord zu tun. Ein Konditor namens Jimmy ist inmitten seiner Kreationen ermordet worden. Schnell wird deutlich, dass das Opfer Verbindungen zur irischen Mafia hatte.

Als Beckett die Barbesitzerin Siobhan (Cara Buono, Mad Men) vernimmt, die mit Jimmy mehrfach vor seinem Tod telefoniert hat, da entdeckt diese Ryan (Seamus Dever), fällt ihm vor den Augen seiner Frau Jenny (Juliana Dever, die tatsächliche Ehefrau von Seamus Dever) um den Hals und küsst ihn, bevor sie ihm eine runterhaut. Wie sich herausstellt, ist Ryan vor seiner Zeit bei der Mordkommission als Undercover-Ermittler in der irischen Mafia eingeschleust gewesen. Und er muss seine Tarnidentität wieder aufnehmen, um Siobhan aus einer ziemlich misslichen Lage zu befreien, auch wenn das die ohnehin schon durch die vergeblichen Empfängnisbemühungen belastete Beziehung zu seiner Frau weiter strapaziert...

Die Ryan-Folge

The Wild Rover ist das direkte Gegenstück zu Under the Influence: Schließlich ist es auch nur fair, dass, nachdem Esposito (Jon Huertas) „seine“ Folge hatte, auch Ryan eine Episode bekommt, in der er auf besondere Weise im Mittelpunkt steht.

In einer Hinsicht teilen beiden Folgen eine Schwäche. In einer anderen zieht sich The Wild Rover dagegen wesentlich besser aus der Affäre als Under the Influence.

Super-Ryan

Kommen wir zunächst zum gemeinsamen Kritikpunkt: Wie schon Javiers Schutzengel-für-einen-kleinkriminellen-Jugendlichen-Story kommt Ryans Mafia-Plot reichlich generisch daher. Der Einsatz, der nicht ganz zu Ende gebracht wurde (das geradezu sprichwörtliche „unfinished business“); die Frau, in die er sich dabei damals verliebt hat und der er nun aus dem Schlamasel helfen muss - das alles kommt einem doch ziemlich bekannt vor. Es ist nicht unspannend, aber doch weit davon entfernt, sonderlich originell zu sein.

Davon, dass die Folge von uns erwartet, zu glauben, dass der vergleichsweise eher etwas biedere und zurückhaltende Ryan in seinem früheren Polizistenleben dieser bad ass Undercover-Cop gewesen ist, wollen wir gar nicht erst anfangen! Gott sei Dank ist Seamus Dever ein so toller Schauspieler! Sonst würde hier die Grenze der Glaubwürdigkeit eindeutig überdehnt werden. Er hat allerdings, das muss man dem Drehbuch lassen, auch ein paar schöne Szenen geschrieben bekommen - etwa die, in der er Liam (Brian Letscher) die Waffe abnimmt, nur um sie im nächsten Moment als Beweis seiner Loyalität Bobby S (Michael Rodrick) in die Hand zu drücken und auf sich selbst zu richten.

Schlecht informiert

Auch bei der Plausibilität haken wir lieber nicht zu genau nach: Ryan hat also sieben Jahre als Polizist in der Mordkommission gearbeitet - und das ist seinen früheren Kumpels von der irischen Mafia komplett entgangen? Offenbar haben Bobby S & Co. nicht nur keine Spitzel im Polizeiapparat, sondern auch keinerlei Zuträger auf dem Straßen. Auf der anderen Seite muss man sich sehr wundern, dass sich Esposito unbedingt mit Ryan treffen muss, um ihm eine wichtige Information zukommen zu lassen. Selbst wenn ein Handy-Telefonat zu gefährlich wäre, dann blieben immer noch Varianten des seligen „toten Briefkastens“ übrig, um Nachrichten auszutauschen. Klar, das persönliche Treffen mit dem damit verbundenen Risiko ist spannender, lässt die beiden aber leider auch irgendwie unprofessionell aussehen.

Nun will ich den Mafia-Plot aber auch nicht in Grund und Boden schreiben, keineswegs. Er hat auch seine guten Seiten. Die Chemie zwischen Ryan und Siobhan (ach, wie herrlich, dass Espo auch nicht weiß, wie man diesen Namen aussprechen soll!) stimmt; es wird sehr gut transportiert, dass Ryan nicht nur eine Rolle gespielt, sondern dass er echte Gefühle für sie entwickelt hat. Und dass diese Gefühle trotz seiner Liebe zu Jenny nie ganz verschwunden sind, was sowohl den dramatischen Höhepunkt (als er die als Verräterin entlarvte Siobhan erschießen soll) als auch die Versuchung, der er bei Siobhans Verabschiedung zu widerstehen hat, so glaubwürdig und emotional erfahrbar machen.

I love you even more

Der große Pluspunkt von The Wild Rover: Anders als in Under the Influence, als man zwischendurch das Gefühl haben konnte, in einer anderen Serie zu sein, bleiben Castle und Beckett die Folge hindurch viel stärker präsent - natürlich insbesondere durch den wirklich gelungenen Caskett-Nebenplot. Wie sie aus ihm herauszukitzeln versucht, was es mit „Jordan“ auf sich hat, und er sich herauswindet, das ist genau die Art von witzigem Hin und Her in den Dialogen, das uns von Beginn der Serie an überhaupt so sehr für Caskett eingenommen hat.

Die Auflösung des Plots übertrifft schließlich die kühnsten Erwartungen, die man als Caskett-Fan haben konnte: Rick öffnet sich Kate gegenüber mehr als je zuvor. Er erzählt ihr, dass (die Automarke) Jordan das Thema eines Schulaufsatzes gewesen ist, für den er einen Ghost Writer angeheuert hatte, um nicht sitzen zu bleiben. Und wie peinlich es ihm gewesen ist, als dieser Aufsatz auf einmal so gelobt und als exzellent herausgestellt worden ist. Und wie er seitdem versucht hat, an diese Exzellenz heranzureichen. Es ist etwas, das ihm offenbar nachhaltig auf der Seele liegt und ihn belastet. Und er teilt dieses intime Geheimnis, welches das Schreiben und damit einen ganz elementaren Teil seines Wesens betrifft, mit Kate. Das ist ein wirklich großer Moment für die beiden, welcher ihre Beziehung nur noch weiter stärkt.

Team-Player

Neben dem Caskett-Plot glänzt die Folge auch durch die vielen kleinen Team-Momente: etwa als Lanie (Tamala Jones) ein wenig eingeschnappt fragt, wann Espo denn ein Leichenbeschauer geworden sei - und er zurückgibt, dass sie es sonst doch lieben würde, wenn er „Doktor spielt“. Oder auch die Art, wie alle so zu tun versuchen, als ob nichts wäre, nachdem Ryan mit seiner Frau gesprochen hat und er ins Büro zurückkommt. Espos Spruch, dass ein bester Freund doch viel bedeutender als eine Ehefrau sei - und Becketts Anwort, dass es genau deshalb noch keine Mrs. Esposito gäbe. Das alles zeigt noch einmal sehr schön, dass es weit jenseits von Caskett eine familiäre Dynamik zwischen den Figuren gibt, der man einfach sehr gerne Woche für Woche zuschaut.

Fazit

Der Fall: Na ja. Aber ein wunderbarer, witziger und zu Herzen gehender Caskett-Nebenplot, der das mehr als wettmacht.

Trailer zur 100. Folge von „Castle“: „The Lives of Others“

[videosj=castle-519-trailer]

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 27. März 2013
Episode
Staffel 5, Episode 18
(Castle 5x18)
Deutscher Titel der Episode
Fenton O'Connell
Titel der Episode im Original
The Wild Rover
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 25. März 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 19. August 2013
Autor
Terence Paul Winter
Regisseur
Rob Hardy

Schauspieler in der Episode Castle 5x18

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