Castle 5x16

Castle 5x16

Cherchez la fille! Castle macht sich auf den Weg nach Paris, um seine entführte Tochter zu suchen. Dabei ist er weder Liam Neeson noch Ashley Judd. Und ist höchst erstaunt, als er erfährt, warum Alexis gekidnappt wurde.

Castle kommt den Entführern seiner Tochter näher, als ihm lieb ist... / (c) ABC
Castle kommt den Entführern seiner Tochter näher, als ihm lieb ist... / (c) ABC

Das passiert in der Castle-Episode Hunt (2):

Die El-Masris erhalten eine Lösegeldforderung über 50 Millionen Dollar. Das Geld soll innerhalb von wenigen Stunden in Paris übergeben werden. Tatsächlich kommt ihre Tochter danach frei. Von Alexis (Molly C. Quinn), die eigentlich ebenfalls ausgelöst werden sollte, fehlt aber jede Spur. Castle (Nathan Fillion) ist verzweifelter denn je: So wie er es sieht, haben die Kidnapper jetzt keine Verwendung mehr für Alexis. Er hält es nicht länger aus. Während Beckett (Stana Katic) glaubt, dass er nach Hause gegangen ist, setzt er sich in Wahrheit ins Flugzeug und fliegt kurzentschlossen selbst nach Paris.

Dort nimmt er Kontakt zu einem geheimnisvollen Mann (Christopher Heyerdahl, Hell on Wheels) auf, der ihm helfen soll, Alexis wiederzufinden. Beckett folgt unterdessen einer Spur: Nachbarn haben einen Mann von dem Grundstück kommen sehen, wo einer der Kidnapping-Gehilfen gefoltert und ermordet worden war. Auf Grund der Beschreibung entsteht ein brauchbares Phantombild. Fast zur gleichen Zeit macht Castle die Bekanntschaft von besagtem Herrn (James Brolin, „Hotel“) - und ahnt zunächst gar nicht, in welcher Beziehung er zu ihm steht...

Der Spion, der mich zeugte

So, das ist also Castles Vater! Wie schon in Linchpin angedeutet, ist er tatsächlich ein Spion. Und der Zweiteiler Target (1) / Hunt (2) rund um Alexis' Entführung gibt seinem ersten Auftritt auf jeden Fall einen angemessen großen und spektakulären Rahmen.

Wie man sich fast schon hätte denken können, war also nicht die Tochter der El-Masris das eigentliche Ziel der Entführung, sondern Alexis. Und der Grund dafür war auch nicht Lösegeld, sondern Vergeltung wegen einer Mission ihres Opas, bei der er die Frau eines KGB-Agenten (Nestor Serrano) getötet hatte. Das ist jetzt nicht die Ausgeburt der Originalität, aber immerhin doch so weit ganz schlüssig erzählt. Auch wenn man natürlich versucht ist zu fragen, wieso aus den Ägyptern auf einmal Russen geworden sind.

Kein Ticket für Nathan

Alles in allem kann Hunt (2) nicht so recht mit dem starken ersten Teil mithalten. Das hat verschiedene Gründe. Einer davon ist finanzieller/technischer Natur. Einer der ganz großen Pluspunkte von Target (1) war der verblüffende Cliffhanger, als Alexis sich plötzlich auf einem Dach in Paris wiederfindet. Und offenbar hatte man mit Molly C. Quinn tatsächlich in Paris gedreht. So sieht es zumindest aus. Das Resultat war auf jeden Fall sehr authentisch, was definitiv zur Überraschungs- und Spannungswirkung dieser Szene beitrug.

Leider reichte das Budget aber offenbar nicht mehr aus, um auch ein Flugticket für Nathan Fillion zu kaufen. Für die wenigen Außenaufnahmen mit ihm in Paris hat man ihn (für die Nahaufnahmen) vor einen Green Screen gestellt und (für die Totalen) durch ein leider viel schlankeres und auch von der Haarfarbe her nicht ganz passendes Double ersetzt. Anders gesagt: So schlecht gefakte Außenaufnahmen hat der Rezensent seit den 90er Jahren nicht mehr gesehen, was sich natürlich eklatant negativ auf den Spannungsgehalt auswirkt, wenn einem die Folge ständig bewusst macht: Der ist ja eigentlich gar nicht dort!

Das ist Sparen am falschen Ende. Entweder man entscheidet sich, eine Folge in Paris zu drehen - und macht es dann richtig. Wofür man als ABC Studios (= Teil des Disney-Konzerns) eigentlich die finanziellen Ressourcen zur Verfügung haben sollte. Wir erinnern uns: In den 80er Jahren war es durchaus üblich und offenbar auch machbar, dass US-Serien wie Remington Steele oder „Agentin mit Herz“ tatsächlich einzelne Folgen in Europa gedreht haben (zum Beispiel eine Folge von „Agentin mit Herz“, die in München spielt und in der Sky Du Mont als Gaststar auftritt). Und wenn das aus irgendeinem Grund nicht mehr möglich ist, dann muss man es halt bleiben lassen.

Trau niemals einem „Frog“

Ein zweiter Punkt, der Hunt negativ anzukreiden ist: Während Target (1) überaus glaubhaft und gerade deshalb so spannend das Szenario einer Entführung geschildert hat, ist es in Hunt (2) mit der Glaubhaftigkeit nicht mehr weit her: das blinde Gehör-Genie, das in einem unterirdischen Gewölbe sitzt, Castles Vater, der kernige Super-Agent im Greisenalter - das alles wirkt doch ziemlich weit hergeholt. Als würde auf das A Movie von letzter Woche nun ein B Movie folgen.

Und auch für die Völkerverständigung tut diese Castle-Folge wenig: Man darf es sicherlich nicht überinterpretieren - und doch scheint eine Spur von Ressentiment hindurchzukommen, als Castle von seinem französischen Verbündeten verraten und verkauft wird. Die Szene hat so ein bisschen den Geschmack von freedom fries...

Papa

Nun soll das aber auch kein Verriss von Hunt (2) werden. Denn gerade die Szenen zwischen Castle und seinem Vater sind überaus gelungen. Die Serie vermeidet es geschickt, Castle in das aus vielen anderen Filmen und Serien bekannte „Warum, Daddy, bist Du nie da gewesen?“-Gejammer verfallen zu lassen. Stattdessen macht Castle sehr schnell klar, dass sich Jackson zwar nie offen als Castles Vater zu erkennen geben konnte, aber das Leben seines Sohnes immer - wenn auch heimlich - begleitet hat.

Die Offenbarung, dass es Jackson war, der Castle, wenn auch indirekt, dazu inspiriert hat, ein Schriftsteller zu werden, und der Castle bei seinen CIA-Recherchen unter die Arme gegriffen hat, ohne dass dieser davon wusste, hat etwas sehr Berührendes: Ohne viele Worte und in kürzester Zeit schafft die Folge hier eine Verbindung zwischen Vater und Sohn. Richard findet in Hunt (2) nicht nur den Mann, der ihn gezeugt hat, sondern entdeckt auch, dass dieser ihm wirklich - auf seine Weise - ein Vater gewesen ist. Da ist Richard nicht der Einzige, der einen Kloß im Hals hat.

Auch die Action mit den beiden macht - insbesondere natürlich dank der raffinierten Sprengstoff-Finte - großen Spaß. Das Lebenszeichen, das Jackson in Buchform schickt, und die Unterhaltung, zu der Rick sich am Ende mit seiner Mutter (Susan Sullivan) zusammensetzt, runden den Plot schließlich aufs Schönste ab.

Nie mehr ohne mich

Caskett-Momente gibt es in der Folge naturgemäß nicht so viele. Besonders nachhaltig in Erinnerung bleibt das Ende, als Kate ihn ermahnt, so etwas nie wieder ohne sie zu unternehmen. Sie sagt nicht, dass er so etwas nie wieder machen soll. Sie sagt, dass er es nicht ohne sie machen soll. Eine bedeutungsvolle Nuance. Und ein Versprechen, das er ihr offenkundig sehr gerne gibt.

Abgesehen davon ist es schön, Kate inmitten der allseitigen Umarmungen als einen mittlerweile selbstverständlichen Teil von Castles Familie zu sehen!

Ashley Judd

Der Preis für den Spruch des Tages geht derweil an Esposito (Jon Huertas). Schließlich ist auch den Autoren von Castle die Ähnlichkeit mit „Taken“ nicht entgangen: „Liam Neeson? The Dude is barely Ashley Judd...“ Ob ABC-Chef Paul Lee es dagegen auch so lustig fand, an einen der Flops (Missing (2012)) der vergangenen Season erinnert zu werden, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Fazit

Die Einführung von Castles Vater ist rundum gelungen, auch wenn die Folge als Ganzes nicht mit dem ersten Teil konkurrieren kann. Dylan Walsh (Nip/Tuck, Unforgettable) wurde für einen völlig belanglosen Gastauftritt gebucht.

Jetzt, liebe Castle-Freunde, heißt es, tapfer sein: Denn bis zum 18. März ist erst mal Pause.

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 26. Februar 2013
Episode
Staffel 5, Episode 16
(Castle 5x16)
Deutscher Titel der Episode
Entführt (2)
Titel der Episode im Original
Hunt (2)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 25. Februar 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 29. Juli 2013
Autor
Andrew W. Marlowe
Regisseur
Rob Bowman

Schauspieler in der Episode Castle 5x16

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