Castle 5x15

Castle 5x15

Ein Mordfall führt Castle zu einer schrecklichen Entdeckung - und setzt ihn einer kaum erträglichen Belastungsprobe aus. Zugleich ist die Folge ein Plädoyer für eine internationale Vereinheitlichung der Notrufnummern.

Stana Katic und Nathan Fillion mit Dylan Walsh - so richtig viel zu tun hatte er in der Folge nicht... / (c) ABC
Stana Katic und Nathan Fillion mit Dylan Walsh - so richtig viel zu tun hatte er in der Folge nicht... / (c) ABC

Das passiert in der Castle-Folge Target:

Ein Student aus Saudi-Arabien wird von einem Van überfahren, nachdem er auf diesen mehrere Schüsse abgefeuert hat. Castle (Nathan Fillion) und Beckett (Stana Katic) wissen zunächst nicht genau, was sie von diesem Fall halten sollen: Haben sie es etwa mit islamistischem Terrorismus zu tun? Die Wohnung des Studenten gibt auf jeden Fall zahlreiche Rätsel auf: ein umfangreiches Waffen-Arsenal, dazu modernste Abhörtechnik, mit welcher der junge Mann eine Kommilitonin von ihm überwacht hat, die aus Ägypten stammende Sara El-Masri (Karen David).

Wie sich herausstellt, ist Sara mit dem Van entführt worden, nachdem sie auf einem wissenschaftlichen Vortrag gewesen ist. Dort war sie allerdings nicht allein: Ihre Kommilitonin und Freundin Alexis (Molly C. Quinn) war bei ihr - und ist ebenfalls von den Kidnappern geschnappt worden. Eine fieberhafte Suche beginnt...

Nicht irgendjemand

Target ist gewissermaßen die Antithese zum Piloten von Zero Hour46841“. Die Castle-Folge demonstriert nämlich, wie man in einer Fernsehserie einen Entführungsplot geradezu mustergültig erzählt. Was einer Serie, die mittlerweile in der fünften Staffel ist, natürlich zugegeben auch etwas leichter fällt: allein schon, weil wir die Figuren eben seit Jahren kennen, zu ihnen eine Bindung entwickelt haben - und deshalb entsprechend mit ihnen mitleiden. Es ist halt nicht irgendjemand, der da entführt wird. Es ist Alexis, es ist Richards Tochter. Allein das erhöht schon mal fundamental den Spannungswert der Folge.

Fließender Übergang

Darüber hinaus ist die Episode aber auch sehr geschickt erzählt: Dadurch, dass es der erste Teil einer Doppelfolge ist und sich die Macher deshalb etwas Zeit bei der Entwicklung des Plots lassen können, vermeidet Target ein Problem, das manch andere Castle-Folgen haben, wenn die Serie auf einmal ernst und dramatisch wird: der Bruch zu den ausgelassenen, heiteren Folgen ist oft ziemlich groß, weshalb die Drama-Folgen dann so ein bisschen wie ein Fremdkörper in der Serie wirken.

Nicht so Target. Hier wird vielmehr eine Art fließender Übergang hergestellt. Die Episode beginnt nämlich wie eine ganz „normale“ Folge. Marthas (Susan Sullivan) missglückter Versuch, Pfannkuchen zum Frühstück zu bereiten, Castles und Becketts Dialog über seinen Umgang mit Alexis' Unabhängigkeit, die Mordermittlung, Castles verrückte Spionage-Theorien - das alles lässt zunächst nichts Ungewöhnliches erwarten.

Panik

Das persönliche Involvement der Figuren wird erst allmälich gesteigert: Als klar ist, dass es um die Entführung einer Studentin geht, wird Castle zunächst mit der Vorstellung konfrontiert, was wäre, wenn es sich um Alexis handeln würde. Als bekannt wird, dass sie mit der Entführten gemeinsam unterwegs gewesen ist und auf einmal ihr Handy klingelt, welches sie beim Kidnapping verloren hat (ein echter Gänsehaut-Moment!), da wird die Vorstellung für Castle plötzlich grausame Wirklichkeit.

Und Target spart nicht daran, die daraus resultierende Belastung für Castle emotional erfahrbar zu machen. Nathan Fillion leistet in dieser Folge wirklich fantastische Arbeit, die ihm in einer gerechten Welt zumindest die Nominierung für einen Emmy eintragen würde: absolut perfekt transportiert er die Panik, die jeden Vater erfassen würde ob der Ungewissheit, was seiner Tochter passiert ist - und ob das Blut, das die Polizei im Van gefunden hat, etwa Alexis' Blut ist.

Wir erleben hier einen Castle, wie wir ihn noch nie zuvor gesehen haben. Außer sich vor Sorge und Verzweiflung. Und bereit alles zu tun. Es zwar etwas schade, dass auch ihm nichts anderes als Folter einfällt (und wieder mal die alte 24-Idee der Wirksamkeit von Folter unters Volk gebracht wird). Es ist jedoch insofern verzeihlich, weil es hier ja eigentlich nur darum geht, zu zeigen, wie weit Castle bereit ist zu gehen. Die Härte, die er in Recoil an den Tag gelegt hat, als er meinte, dass er Bracken hätte sterben lassen, die sehen wir hier wieder. Und erkennen, dass das nicht nur so dahergesagt gewesen ist. Der Castle, der seine Lieben bedroht sieht, würde das tatsächlich tun.

Caskett

Zugleich ist Target eine ganz große Caskett-Folge: Denn natürlich stellt die Situation auch für die beiden eine nie dagewesene Belastung dar. Es gibt echte Herzschlag-Momente wie etwa den, als Beckett ihm am Telefon versprechen will, dass sie Alexis schon finden werden - und er sie unterbricht, dass sie es nicht versprechen soll, weil er es ihr niemals verzeihen könnte, wenn es ihr dann doch nicht gelänge. Zugleich zeigt die Folge aber auch, was diese Beziehung abkann.

Kate ist ohne Wenn und Aber für Richard da. Sie nimmt ihn in den Arm, ganz gleich, was Gates (Penny Johnson Jerald) vielleicht denken mag. Umgekehrt geht ihre Fürsorge aber auch nicht an Richard vorbei: Als sie ihm - in schöner Verkehrung ihrer üblichen Routine - einen Kaffee mitbringt und ihn nach Hause schickt, da kommt sein „Danke“ aber von ganz weit tief Innen, wie es scheint.

Apropos Gates: sie mag am Anfang ja so getan haben, als würde Castle als Schriftsteller nicht auf das Revier gehören, mit ihrer entschiedenen Anweisung, alles, aber auch wirklich alles zu tun, damit Castle sein kleines Mädchen zurückbekommt, macht sie deutlich, dass er inzwischen auch in ihren Augen sehr wohl „zur Familie“ gehört.

Realer Hintergrund

Um noch mal auf den Entführungsplot zurückzukommen: was die Spannung ebenfalls nach oben treibt, ist natürlich der Umstand, dass wir es hier mit einer wirklich überzeugenden Gefahr zu tun haben. Es sind nicht irgendwelche kleinen Ganoven, die Sara und Alexis entführt haben, es scheint noch nicht einmal um Lösegeld zu gehen. Stattdessen hat der Fall offenkundig eine ganz andere Dimension, wie nicht zuletzt der Ausflug nach Paris am Ende demonstriert. Auch der sehr reale Kontext mit dem Machtwechsel in Ägypten gibt, sorgt dafür, dass sich die Bedrohung, in der Sara und Alexis schweben, echt anfühlt.

Was die Wirkung des Plots zusätzlich steigert, ist überdies der Umstand, dass die ganze Episode im Grunde das Wahrwerden von Castles schlimmsten Befürchtungen darstellt. Bis hin zu der Tatsache, dass die Entführer die entscheidende Information über den Aufenthaltsort der beiden jungen Frauen tatsächlich von Alexis' Vlog gezogen haben. Hätte sie nur mal auf die Warnung ihres Vaters in Death Gone Crazy gehört, als er sie ausdrücklich dazu ermahnt hat, nicht zu viel Privates im Internet preiszugeben.

Fazit

Ungemein spannende und intensive Folge, welche auch und gerade im Hinblick auf die Charaktere sehr gute Verwendung vom Entführungsplot macht. Fünf Sterne!

ACHTUNG MEGA-SPOILER! Trailer zu Folge 5x16 „Hunt“

[videosj=castle-5x16-trailer]

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 19. Februar 2013
Episode
Staffel 5, Episode 15
(Castle 5x15)
Deutscher Titel der Episode
Entführt (1)
Titel der Episode im Original
Target (1)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 18. Februar 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 29. Juli 2013
Autor
David Amann
Regisseur
Bill Roe

Schauspieler in der Episode Castle 5x15

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