Castle 5x08

Das passiert in der Castle-Folge After Hours:
Eigentlich hĂ€tte der Abend fĂŒr Beckett (Stana Katic) und Castle (Nathan Fillion) kaum noch schlimmer werden können. Ein gemeinsames Abendessen mit Kates Vater (Scott Paulin) und Richards Mutter (Susan Sullivan) gerĂ€t zum kompletten Desaster, da sich die beiden Eltern so ĂŒberhaupt gar nicht verstehen. Als Kates Telefon klingelt, kann man ihr und Castle geradezu die Erleichterung anmerken, dass sie zu einem Tatort gerufen werden. Damit ist die Sache fĂŒr die beiden aber noch lĂ€ngst nicht ausgestanden. Denn nun beginnen zwischen ihnen die gegenseitigen Schuldzuweisungen, wessen Elternteil sich hĂ€tte anders verhalten sollen.
Die Leiche, zu der die beiden gerufen werden, ist ein katholischer Priester, der mit drei gezielten SchĂŒssen offenbar von einem Profi hingerichtet wurde. Schnell wird klar, dass der Mord offenbar etwas damit zu tun hat, dass der Priester seit Kindheitstagen mit Mickey Dolan (Tony Denison), einem Vollstrecker der irischen Mafia, befreundet gewesen ist. Beckett und Castle machen sich auf den Weg, um einen Zeugen (Patrick Fischler) zu befragen, der Dolan möglicherweise als den TĂ€ter identifizieren können. Bevor sie aber auch nur ein Wort mit ihm wechseln können, bekommen sie es auch schon mit zwei Gangstern zu tun, welche sie durch eine der finstersten Gegenden der Stadt jagen...
New York, New York
Nach dem misslungenen Mockumentary-Versuch in der Vorwoche kehrt Castle mit After Hours zu gewohnter StĂ€rke zurĂŒck. Dabei handelt es sich allerdings keineswegs um eine gewöhnliche Folge. Denn der Krimianteil, also das klassische Whodunit?, rĂŒckt hier gegenĂŒber der Thrillerdramaturgie klar in den Hintergrund. Im Mittelpunkt der Folge steht Kates und Richards nĂ€chtliche Flucht durch New York - mit einem Zeugen im Schlepp und der Mafia im Nacken. Das ist spannend umgesetzt. Nicht zuletzt auch dank einer wirklich ĂŒberraschenden Wendung im letzten Drittel, als sich - was sich vorher durch nichts absehen lieĂ - der vermeintliche Zeuge als der tatsĂ€chliche Killer herausstellt.
Der Gedanke, dass man sich inmitten einer GroĂstadt auf einmal in einer Situation wiederfindet, in der man völlig hilflos und auf sich allein gestellt ist, hat etwas reizvoll erschreckendes an sich. Gleichzeitig wirkt es allerdings auch stellenweise etwas sehr bemĂŒht, wie die Autoren diese Hilflosigkeit zu etablieren versuchen. Ihr Problem ist: Es ist eben nicht die einsame PrĂ€rie, durch die Beckett und Castle fliehen, sondern eine Millionenstadt.
Hey, Taxi!
Dass sie hier wirklich niemanden finden, der ihnen hilft (der Mieter, den sie aus dem Schlaf klingeln; der abweisende Taxifahrer, die unfreundliche Handy-Besitzerin), und dass es auch sonst keine Möglichkeit der Kontaktaufnahme nach auĂen hin gibt (das zerstörte MĂŒnztelefon), schaut - in der Summe - wie eine AnhĂ€ufung wirklich böser ZufĂ€lle aus. Nicht dass so etwas nicht wirklich eintreten könnte. Man kennt es ja aus dem Alltag und auch aus Murphys Gesetz: Alles, was schief gehen kann, geht auch schief. Im Rahmen einer ErzĂ€hlung hinterlassen solche Ansammlungen von ZufĂ€llen allerdings bisweilen das ungute GefĂŒhl der Konstruiertheit.
Das scheint den Autoren allerdings auch ein StĂŒck weit bewusst gewesen zu sein, weshalb sie damit am Ende auch spielen - und plötzlich auf einen Pfiff hin ein Taxi zur Stelle ist.
Nicht von schlechten Eltern
Das eigentliche Fundament der Folge ist aber natĂŒrlich der Knatsch zwischen Jim und Martha, der einen Knatsch zwischen Kate und Richard zur Folge hat. Das ist - was sich ja schon von Beginn der Staffel an als eine der groĂen StĂ€rken des Romantik-Plots erwiesen hat - von einer erfrischenden AlltĂ€glichkeit, welche die Beziehung zwischen den beiden nur um so realistischer erscheinen lĂ€sst. NatĂŒrlich ergreifen beide zunĂ€chst mal Partei fĂŒr die eigene Elternseite, was jedoch, wie der therapieerfahrene Zeuge/Killer treffend analysiert, nur die OberflĂ€che eines tiefergehenden Konflikts ist.
SelbstverstĂ€ndlich könnte man einwenden, dass die Geschichte nicht ganz neu ist: Wir bringen die beiden Protagonisten in Gefahr, damit sich die Eltern dadurch ihrer Gemeinsamkeiten bewusst werden und sich im Lichte der gemeinschaftlichen Sorge um die Kinder versöhnen. Und wir nutzen die gleiche Gefahrensituation auch noch dazu, damit sich unser Paar bewusst werden kann, dass die GefĂŒhle fĂŒreinander stĂ€rker sind als alle ĂuĂerlichkeiten, die vermeintlich gegen eine Beziehung sprechen. Ja, ganz neu ist das nicht. Aber es ist sehr charmant und warmherzig erzĂ€hlt. Und die Beziehungstipps vom Killer geben dem Ganzen ohnehin noch eine besondere Note.
Fazit
New York hĂ€tte in kein schlechteres Licht gerĂŒckt werden können. Dessen ungeachtet ist After Hours eine spannende und amĂŒsante Folge. Leichte AbzĂŒge in der B-Note gibt es fĂŒr die (zur Aufrechterhaltung der Grundsituation allerdings wahrscheinlich notwendige) Konstruiertheit.
Trailer zu Folge 5x09 âSecret Santaâ
(am 3. Dezember)[videosj=castle-5x09-trailer]
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 20. November 2012(Castle 5x08)
Schauspieler in der Episode Castle 5x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?