Castle 5x07

Castle 5x07

Castle goes Mockumentary: Nach dem Mord am Sänger einer erfolgreichen Band haben Richard und Kate auf einmal ein Filmteam an den Hacken, welches eigentlich eine Dokumentation über die Musikgruppe drehen wollte.

Esposito (Jon Huertas, m.) hätte anfangs große Lust, auf die Doku-Filmer loszugehen. / (c) ABC
Esposito (Jon Huertas, m.) hätte anfangs große Lust, auf die Doku-Filmer loszugehen. / (c) ABC

Das passiert in der Castle-Folge Swan Song:

James Swan (Hunter Jackson), Sänger der erfolgreichen Band Holy Shemp, wird ermordet in seinem Tour-Bus aufgefunden. Beckett (Stana Katic) und Castle (Nathan Fillion) nehmen die Ermittlungen auf. Dabei werden sie von einem Filmteam begleitet, das eigentlich eine Dokumentation über die Band drehen wollte, aber nun mit dem Segen der Stadt New York die Ermittlungsarbeiten der Polizei begleitet. Für Kate und Richard eine heikle Sache: Schließlich soll Captain Gates (Penny Johnson Jerald) nichts von ihrer Beziehung erfahren.

Der erste Verdacht fällt auf den Fahrer eines weißen Vans, der Swan seit Wochen auf den Fersen war. Der vermeintliche Stalker stellt sich jedoch als der besorgte Vater (Daniel Roebuck, Lost) eines Groupies heraus...

Von einer guten Idee...

Swan Song hätte eine richtig gute Folge sein können. Leider haben die Macher einen zentralen Fehler begangen, der zumindest für den Rezensenten das Vergnügen an der Folge erheblich minimiert hat: Die Idee, dass ein Filmteam Castle und Beckett bei den Ermittlungen begleitet, war im Ansatz richtig schön. Vielleicht nicht umwerfend originell (andere Serien haben mittlerweile auch schon diesen Kunstgriff angewandt), aber doch schön. Mit vielen Gelegenheiten, die Figuren einmal in einem anderen Licht zu zeigen, nämlich wie sie sich verhalten, wenn sie sich unter medialer Beobachtung wissen.

Castle, der sofort sein Medien-Lächeln aufsetzt und eine Möglichkeit sucht, sein neuestes Buch zu promoten. Esposito (Jon Huertas), der nach anfänglicher Feindseligkeit sich als muskelbepackter Super-Bulle zu inszenieren versucht. Gates, die umgehend die Gelegenheit zur Öffentlichkeitsarbeit wahrnimmt. Und Beckett, der das Ganze äußerst unangenehm scheint - und die immer wieder mit leichter Verunsicherung zur Kamera schielt. Wie gesagt: Vom Ansatz her ist das eine richtig schöne Idee.

...zu einer weniger guten Umsetzung

Welche visuell leider grauenhaft schlecht umgesetzt wurde. Es war, als könnten sich der Regisseur und die Produzenten nicht entscheiden: Irgendwie wollten sie die Folge so ein bisschen anders inszenieren als sonst, ohne dabei aber auf das übliche Kamerakonzept der Serie zu verzichten. Das Resultat ist ein völlig unausgegorener Kompromiss, der hinten und vorne nicht funktioniert.

Konsequent wäre es gewesen, durchgehend auf Handkameras und eine damit einhergehende Doku-Optik zu setzen, so wie Leverage das im vergangenen Jahr in seiner The Office-Hommage The Office Job gemacht hat. Damit wären auch die Blicke der Protagonisten in die Kamera und das Ansprechen der Kameraleute für den Zuschauer befriedigend gelöst gewesen. Stattdessen ist Swan Song jedoch weitgehend wie eine normale Castle-Folge gedreht worden, nur dass die Figuren bisweilen die vierte Wand durchbrechen - und einem in diesen Momenten bewusst wird, dass hier etwas nicht stimmt.

Wo sind die Kameras?

Irgendwie sind die Doku-Kameras gleichzeitig da und nicht da. Mehrfach tritt der Fall auf, dass von den Schuss-Gegenschuss-Einstellungen her (beispielsweise als Castle und Beckett auf der Bühnenprobe erscheinen) eigentlich die Kameras mit im Bild sein müssten, es aber nicht sind. Ähnlich in einer der Verhörszenen: Castle und Esposito spiegeln sich in der Scheibe, die Kamera, in die Castle spricht, aber nicht.

Am stärksten wird der Zuschauer aber dadurch irritiert, dass es meist - wie üblich bei Castle - so viele Einstellungs- und Größenwechsel innerhalb einer Szene gibt, dass der Raum voller Kameras sein müsste, welche das Geschehen gleichzeitig filmen. Man sieht und spürt, dass es sich um kein Doku-Material handeln kann, welches man da präsentiert bekommt, was der Illusion, die hier hergestellt werden soll, so ziemlich den Todesstoß versetzt. Viel zu selten wird die Doku-Kamera als eigenständiger Mitspieler eingesetzt: eine der wenigen gelungenen Ausnahmen ist der verstohlene Moment der Zärtlichkeit zwischen Kate und Richard, den die Kamera aus der Ferne einfängt - und welcher den beiden anschließend große Kopfschmerzen bereitet, weil Gates die Aufnahme zu Gesicht bekommen könnte.

Fazit

Ein solider Fall und sehr gute schauspielerische Leistungen können das komplette Versagen der Inszenierung leider nicht übertünchen. Es mag Zuschauer geben, die sich nicht so sehr daran stören. Für den Rezensenten war es aus den genannten Gründen die schwächste und bislang enttäuschendste Folge der fünften Staffel.

Trailer zu Folge 5x08 „After Hours“

[videosj=castle-2x08-trailer]

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 13. November 2012
Episode
Staffel 5, Episode 7
(Castle 5x07)
Deutscher Titel der Episode
Abgesang
Titel der Episode im Original
Swan Song
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 12. November 2012 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 15. März 2013
Autor
Rob Hanning
Regisseur
David Barrett

Schauspieler in der Episode Castle 5x07

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