Castle 4x23

Die Leiche eines ehemaligen Gang-Mitglieds wird aufgefunden. Seltsamerweise wurde auf ihn mit zwei unterschiedlichen Pistolen gefeuert. Wie sich herausstellt, hat ihn die erste Kugel getroffen, als er bei einem Einbruch erwischt wurde - im Haus des verstorbenen Captain Montgomery! Dabei hat er Akten und den Laptop des Polizisten mitgehen lassen. Beckett (Stana Katic) hat sofort eine ungute Ahnung, dass der Vorfall mit dem Mord an ihrer Mutter zusammenhängen könnte. Castle (Nathan Fillion) fürchtet das ebenfalls. Sein Deal mit dem Mystery Man (Geoff Pierson) sah ja schließlich vor, dass er Beckett von Ermittlungen in dieser Sache abhält, um sicherzustellen, dass kein weiterer Anschlag auf sie verübt wird.
Das gestaltet sich natürlich etwas schwierig, wenn sich auf einmal eine neue Spur in dem Fall ergibt. Zunächst hat Castle noch die Hoffnung, dass sich alles als ganz harmlos herausstellt - und dass der Einbruch in das Haus von Montgomery in Wahrheit mit einem Fall von Bandenkriminalität in Verbindung steht. Doch die Hoffnungen zerstreuen sich, als die DNA-Ergebnisse für die Hautreste unter den Fingernägeln des ermordeten Einbrechers bekannt werden: Er ist offenbar von dem gleichen Mann getötet worden, der vor einem Jahr auf Beckett geschossen hat...
Krimi oder Liebe?
Nach dieser Folge wird nichts mehr so sein wie vorher. Das war die Ankündigung, welche die Produzenten im Vorfeld trafen. Und sie haben nicht gelogen. Die Frage ist nur: Gefällt uns das überhaupt?
In Always tritt ein elementares Problem der fünften Staffel von Castle zu Tage, welches uns das Vergnügen daran, dass Castle und Beckett endlich zueinander finden, doch ein wenig vergällt. Castle liebt Beckett, deshalb geht er den Deal ein, sie von weiteren Ermittlungen im Fall ihrer Mutter abzuhalten. Das ist menschlich durchaus verständlich, birgt jedoch erzählerisch eine ziemlich fundamentale Schwierigkeit: Wenn in einer Krimiserie die Ermittler aufhören zu ermitteln, dann hört die Serie auf, eine Krimiserie zu sein.
Castle hält es für nackten Selbstmord, sich mit den Hintermännern anzulegen, die für den Mord an Becketts Mutter verantwortlich waren. Das ist für einen Schriftsteller, der unbedingt darauf besteht, für die Recherchen zu seinen Büchern echte Polizisten zu begleiten - und sich dabei in den letzten vier Jahren mehrfach in größte Lebensgefahr begeben hat, eine zwar überaus vernünftige, zugleich aber auch etwas charakteruntypische Einschätzung.
Das ist jedoch noch gar nicht einmal das größte Problem hier. Wirklich knifflig wird es in dem Augenblick, in dem Castle Beckett letztlich vor die Wahl stellt: Entweder er oder der Fall. Sie entscheidet sich zunächst für den Fall, muss jedoch spätestens in dem Moment, als sie erst von Tahmoh Penikett (der einen bad ass killer abgibt!) versohlt wird und schließlich in luftiger Höhe über dem Erdboden schwebt, einsehen, dass dieser Fall in der Tat selbstmörderische Aspekte aufweist. Und so schmeißt sie am Ende einfach alles hin - und fällt ihrem Richard in die Arme.
Das ist durchaus folgerichtig: Der Mord an ihrer Mutter hat Beckett dazu motiviert, Polizistin zu werden. In dem Augenblick, als sie sich jedoch innerlich von dem Fall verabschiedet, bereitet es ihr auch keine Schwierigkeiten mehr, die Marke abzugeben. Das ist aber natürlich keinesfalls das, was wir als Zuschauer sehen wollen. Natürlich wollen wir, dass sie den Mord an ihrer Mutter aufklärt. Und natürlich wollen wir, dass sie und Castle gemeinsam als Team es mit den Hintermännern aufnehmen.
Sowohl als auch
Die vielleicht stärkste Szene der gesamten Folge ist die Konfrontation zwischen Castle und Beckett in ihrer Wohnung. Was diese Szene so stark macht, ist der Umstand, dass beide Dialogpartner darin Dinge artikulieren, die wir als Zuschauer sehen wollen: Wir wollen, dass die beiden zusammenkommen. Und wir wollen, dass sie es mit den Mächten des Bösen aufnehmen. Doch beides zugleich scheint sich - zumindest derzeit - nicht vereinbaren zu lassen. Das ist der fundamentale Konflikt.
Das Ende betrachten wir deshalb mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Castle und Beckett liegen sich zwar endlich küssend in den Armen, aber zugleich ist das Ganze auch ein Stück weit eine Kapitulationserklärung vor den mächtigen Gegnern der beiden. Geradezu erfreut registriert man deshalb am Schluss den Cliffhanger, in dem deutlich wird: Beckett mag sich zwar von dem Fall abgewandt haben. Das bedeutet aber keineswegs, dass sie deshalb Ruhe finden wird. Der äußere Druck (sprich: der Killer, der es auf sie abgesehen hat) wird sie schon noch dazu zwingen, sich wieder mit dem Fall zu befassen.
Ein Paar entsteht, ein anderes vergeht
Die romantische Vereinigung von Castle und Beckett ist vielleicht ein bisschen zu sehr Hollywood geraten (sie klopft mit klatschnassen Haaren an seine Tür, „What do you want?“ / „You!“ - ich könnte schwören, ich hab für einen Augenblick Meg Ryan und nicht Stana Katic dort stehen sehen...). Sehr schön ist dagegen die anfängliche Zurückhaltung Castles. Gerade erst hat er Beckett (beziehungsweise den Ordner mit den Ermittlungsdaten) in den Papierkorb verschoben - ein Moment, der dem Zuschauer einen regelrechten Stich ins Herz versetzt -, da ist seine anfängliche Skepsis (fast muss man ja fürchten, er würde sie abweisen!) und wenig zartfühlende Gesinnung durchaus nachvollziehbar.
Im Grunde viel romantischer und zu Herzen gehender sind ohnehin zu Beginn der Folge die „kleinen“ Momente zwischen den beiden: die Einladung zum gemeinsamen Filmabend, die Beckett zu Castles freudiger Überraschung annimmt, oder auch der kurze Moment, als sich beide bei den Händen halten. Seufz.
Natürlich können es die Autoren nicht lasen - und gießen mit dem Bruch zwischen Ryan (Seamus Dever) und Esposito (Jon Huertas) weiteren Essig in die Geschichte. Ryan rettet durch sein Eingreifen zwar Beckett das Leben. Gleichzeitig kommt sich Esposito aber verraten vor, weil Ryan zu Captain Gates (Penny Johnson Jerald) gegangen ist. Im Grunde spiegelt sich hier der Konflikt zwischen Castle und Beckett. Aus einem Gefühl der Freundschaft heraus tut Ryan etwas zu Becketts und Espositos Wohl, was die beiden jedoch beruflich in größte Schwierigkeiten bringt.
Fazit
Es mag so scheinen, als würde ich Always über Gebühr kritisch sehen. Das ist überhaupt nicht der Fall. Es ist eine ungemein spannende Episode, welche den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute fesselt - und angesichts der großen Veränderungen im Castle-Universum geradezu atemlos zurücklässt. Die schauspielerischen Leistungen, allen voran die von Nathan Fillion, sind durchweg superb. Und die Actionszene auf dem Dach hätte kaum spektakulärer in Szene gesetzt sein können.
Gleichzeitig ist es aber eine Folge, die einen Moment präsentiert, den sich die Fans der Serie seit vielen Jahren herbeigesehnt haben - und welche daher ganz automatisch mit außerordentlichen hohen (emotionalen) Erwartungen befrachtet war, welche die Autoren wohl ganz bewusst nicht erfüllen. Castle soll schließlich nicht den „Moonlighting“-Fluch erleiden, weshalb die Auflösung der Folge bittersüß gehalten ist. Caskett kommt zwar endlich zusammen, aber das Happy End ist es (zum Glück?) noch lange nicht.
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 8. Mai 2012(Castle 4x23)
Schauspieler in der Episode Castle 4x23
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?