Castle 4x22

Ein Devisenhändler wird ermordet in einer Tiefgarage aufgefunden: Sein Schädel hat nicht nur eine unsanfte Begegnung mit dem Betonboden gehabt, es finden sich auch zahlreiche Bissspuren an seinem Körper. Der Verdächtige, den Beckett (Stana Katic) und Castle (Nathan Fillion) zunächst ausfindig machen, ein Kollege des Opfers, der beim Thema Beförderung den Kürzeren gezogen hat, stellt sich als ein Zeuge der Tat heraus. Und auch er ist gebissen worden. Von einem Zombie, wie er sagt. Beckett hält das natürlich für kompletten Blödsinn. Bis auf einmal ein Überwachungsvideo auftaucht, das der Aussage überraschend Glaubwürdigkeit verleiht.
Castle, der die Situation mit Beckett leid ist, beschließt für sich, dass der aktuelle Fall zugleich auch der letzte Fall sein soll, bei dem er sie begleitet...
Der Anfang von Undead Again lässt den Zuschauer bereits das Schlimmste befürchten. Nicht so sehr, weil wir Angst haben müssten, dass Alexis (Molly C. Quinn) tatsächlich von einem Angreifer hinterrücks überfallen wird. Dass es sich dabei um Castle selbst handelt, vermutet man irgendwie schon. Und tatsächlich stellt sich heraus, dass er und seine Tochter offenbar Laser Tag in einer Art Clouseau-Kato-Variante (also mittels Überraschungsangriffen) miteinander spielen. Nein, was unsere Befürchtungen nährt, ist vielmehr seine Ankündigung, dass dies sein letzter Fall mit Beckett werden soll.
Das verwirrt ein wenig. Hatte man doch schließlich schon am Ende von Headhunters den Eindruck, dass sich ihr Verhältnis wieder etwas verbessert hat. Dass er nun nicht einmal ans Telefon geht, wenn sie anruft, überrascht da schon ein bisschen. Und das keineswegs auf eine angenehme Weise. Aber gut: Offenbar hat sein eiscremegestützter Nachdenkensprozess am Ende der letzten Episode dazu geführt, dass er endgültig einen Schlussstrich ziehen will.
Glücklicherweise kommt ihm dabei jedoch ein Fall in die Quere, der die klassische Caskett-Dynamik in all ihrer vergnüglichen Pracht wieder zum Vorschein kommen lässt. Nachdem sich die Serie in der Vergangenheit ja schon gerne das ein oder andere Mal vermeintlich übernatürlicher Phänomene samt ihrer populärkulturellen Aufarbeitung angenommen hat (siehe zum Beispiel Close Encounters of the Murderous Kind mit den zahlreichen The X-Files-Referenzen), ist diesmal also eine Hommage an The Walking Dead an der Reihe.
Beckett gibt die rationale Skeptikerin, die unmöglich an die Existenz von Zombies glauben kann, aber doch etwas aufgeschreckt reagiert, als ein vermeintlich Untoter vom Obduktionstisch hüpft. Castle wiederum liebt es, mit der Möglichkeit des Fantastischen zu spielen. Wie er Ryan (Seamus Dever) anvertraut, glaubt er selbst zwar nicht wirklich an Zombies. Aber er liebt es, Beckett damit in den Wahnsinn zu treiben. Das verbale Ping-Pong-Spiel zwischen den beiden erinnert nicht nur uns, sondern auch Ryan an die gute alte Zeit. Und das wiederum gibt auch Castle zu denken.
So groß die Befürchtungen am Anfang auch waren, so nimmt die Folge in Sachen Caskett eindeutig eine Wendung zum Positiven. Das traumatische Ereignis, das dem Zombie-Killer wider Willen widerfahren ist, gibt Castle und Beckett Gelegenheit erst verklausuliert (in der Krankenhaus-Szene), später dann (auf dem Revier) schon etwas offener über ihre Lage zu sprechen. Implizit gesteht Beckett ein, dass sie sich an Castles Liebesgeständnis erinnert („...in a place where I can finally accept everything that happened that day. Everything.“) - und signalisiert ihm, dass sie bald so weit ist, sich dieser Tatsache zu stellen. Castle wiederum erfährt erstmals, dass Beckett bei einem Therapeuten in Behandlung ist - und begreift, dass es nicht ein Mangel an Zuneigung ist, der sie über das am Tag ihrer Beinahe-Ermordung Geschehene hat schweigen lassen. Und er gibt seinen Plan auf, die Zusammenarbeit mit ihr zu beenden.
Das Ende der Folge kann damit also nur als hoffnungsvoll beschrieben werden.
Fazit
Undead Again ist genau die richtige Castle-Folge zum richtigen Zeitpunkt: Ein durch die Zombie-Thematik eher lustiger Fall, der die Qualitäten der Caskett-Dynamik voll zur Entfaltung bringt - und gleichzeitig den beiden romantischen Protagonisten Gelegenheit zur kommunikativen Annäherung gibt. Garniert mit einer wunderschönen Vater-Tochter-Geschichte. Fünf Sterne.
Promo zum Staffelfinale 4x23 „Always“
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 1. Mai 2012(Castle 4x22)
Schauspieler in der Episode Castle 4x22
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?