Castle 5x01

Castle 5x01

Wie geht es mit Beckett und Castle weiter? Wie entkommen die Autoren den Gefahren, die sich auftun, sobald die Protagonisten ein Paar sind? Und werden wir endlich herausfinden, wer hinter dem Mord an Becketts Mutter steckt? After the Storm liefert durchweg positive Antworten.

Das Team hat in „Castle“ ein kompliziertes Puzzle zu lösen. / (c) ABC
Das Team hat in „Castle“ ein kompliziertes Puzzle zu lösen. / (c) ABC

Castle (Nathan Fillion) und Beckett (Stana Katic) haben ihre erste Liebesnacht miteinander verbracht, sind aber beide noch nicht so recht bereit, ihr süßes Geheimnis mit einer breiteren Öffentlichkeit zu teilen. Als Martha (Susan Sullivan) überraschend mit einer völlig verkaterten Alexis (Molly C. Quinn) bei Castle auftaucht, da tut er alles, um seine Bettgespielin zu verbergen. Doch Beckett macht es ja kaum anders: Auch sie würde Castle am liebsten im Schrank verstecken, als Ryan (Seamus Dever) sie besucht.

Ryan ist auf der Suche nach Maddox (Tahmoh Penikett), dem Profi-Killer, der auf Beckett geschossen und sie in Always vom Dach gestoßen hat. Weil die Stimmung zwischen Ryan und Esposito (Jon Huertas) immer noch auf dem Gefrierpunkt ist - und wegen eines Besuchs des Vize-Präsidenten in der Stadt, durch den weite Teile der Polizeikräfte gebunden sind, Ryan auf sich allein gestellt ist, wendet er sich deshalb an Beckett, obwohl diese ihren Dienst eigentlich quittiert hat.

Über ein Negativ des Fotos, das Maddox aus dem Hochzeitsalbum von Captain Montgomery gestohlen hat, kommen Ryan, Beckett und Castle auf die Spur von Smith (Geoff Pierson), jenes mysteriösen Manns, der im Auftrag Montgomerys sichergestellt hat, dass Beckett vor den Mördern ihrer Mutter sicher war. Leider ist Maddox ihnen jedoch einen Schritt voraus...

Quo vadis, Caskett?

Eine gewisse Nervosität konnte einen im Vorfeld von After the Storm schon erfassen: Wie sehr würde es die Chemie zwischen Beckett und Castle, welche bislang nicht zuletzt von der Tun-sie's-tun-sie's-nicht-?-Dynamik lebte, beeinträchtigen, dass sie „es“ nun endlich getan haben? Zum Glück, so lässt sich nach der Folge sagen, bislang nicht viel. Ja, ihre Beziehung enthält jetzt eine sexuelle Komponente. Aber das heißt nicht, dass sie nun auf einmal nur noch einander verliebte Augen machen. Dafür sorgt schon die Tatsache, dass ihnen beiden der plötzliche Fortschritt in ihrer Beziehung selbst etwas unheimlich zu sein scheint - und sie, während sie für sich die neue Situation ausloten, erst einmal niemanden von ihrem Glück wissen lassen wollen.

Ein Geheimnis! Das ist immer gut. Man kann einige Zeit damit verbringen, bis es nach und nach herauskommt. Man hat viel Spaß unterwegs, während die Figuren versuchen, das Geheimnis zu bewahren. Und man gibt der Beziehung zwischen ihnen damit implizit eine neue dramaturgische Richtung vor. Das Problem, wenn ein Paar, von dem man sich gewünscht hat, dass es zusammenkommt, erst einmal zusammen ist, lautet ja schließlich, dass es dann vorerst nichts mehr zu wünschen und zu erwarten gibt. Der ersehnte Zustand ist erreicht. Und die Geschichte damit eigentlich zu Ende erzählt. Das wollen wir aber in Castle noch gar nicht. Von daher ist die Geheimhaltung der Beziehung ein sehr gutes Mittel, um die Geschichte am Laufen zu halten.

Erinnern wir uns an Chandler und Monica in Friends: Da haben's die Autoren ganz genau so gemacht - und auf sehr vergnügliche Weise damit Material für mehr als eine Staffel gefunden. Und es gibt wahrlich schlechtere Vorbilder als Friends, an denen man sich orientieren könnte. Von daher scheint der Comedy-Gehalt von Castle und das Knistern zwischen den beiden Hauptfiguren auf jeden Fall bis auf Weiteres vor dem Fluch einer (dramaturgischen) Stagnation bewahrt. Wie bereits die Eröffnungssequenz von After the Storm auf äußerst unterhaltsame Weise illustriert.

Ein neuer Gegner

Doch natürlich geht es in Castle nicht nur um die Beziehung der beiden Protagonisten, sondern nebenher auch noch um Kriminalfälle. Und tatsächlich macht die Ermittlung im Fall von Becketts Mutter zum Auftakt der fünften Staffel einen großen Fortschritt: Nach einer Schnitzel- und Schnipseljagd kommen Beckett und Castle tatsächlich der Identität jenes Mannes auf die Spur, der hinter dem Mord an Becketts Mutter steht. Es ist der US-Senator Bracken (Jack Coleman, Heroes), der bei den Cops, welche sich mit dem Entführen von Mafiosi ein Zubrot verdient haben, eifrig die Hand aufgehalten - und damit seinen ersten Wahlkampf finanziert hat.

Bracken werden sogar Ambitionen auf die Präsidentschaft nachgesagt. Und damit ist er natürlich genau der wahrhaft mächtige Gegner, den der Plot um den Mord an Becketts Mutter auch benötigt, nachdem jetzt vier Staffeln vergangen sind, in denen die Serie im Zuschauer eine gesteigerte Erwartungshaltung hinsichtlich der Größe und Gefährlichkeit des Gegenspielers kultiviert hat.

Der gefährliche Idealist

Und Coleman macht seine Sache - auch ohne seine Heroes-Brille - ganz vorzüglich. In seiner Konfrontation mit Beckett kommt er als ein Mann herüber, der nicht von einem Drang nach Geld oder Macht, sondern von einer Aufgabe getrieben wird. Von einer Art perversem Idealismus. An seinen Worten, dass es ihm darum geht, das Leben der Menschen zu verbessern - und dass er in dieser Hinsicht auch schon große Erfolge gefeiert hat, gibt es kaum etwas zu zweifeln. Das ist gerade das Geniale an dieser Figur: Er ist nicht der 08/15-Bösewicht, dem das Bösewichtsein schon auf die Stirn geschrieben scheint. Nein, er ist ein Politiker, von dem man sich vorstellen könnte, ihn zu wählen. Einer der sich für die Armen und Benachteiligten einsetzt. Nur mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass er, um überhaupt in diese Position zu kommen, über Leichen geht.

Die Finte, dass die Geschichte uns (und Castle) erst glauben lässt, dass Beckett unterwegs ist, um Bracken zu ermorden, der Moment, in dem Castle (wie zu Beginn der Folge) aus dem Bett hochfährt, und schließlich die Aushandlung des neuen Waffenstillstands zwischen Beckett und Bracken sind einfach nur ganz großes Kino. Packend und clever inszeniert - und sogar mit einem ersten kleinen Triumph für Beckett am Ende, als sie Bracken mit der Pistole in der Hand das Gesicht verziert - und ihn damit für Leben zeichnet.

Fazit

Besser als mit After the Storm hätte Castle kaum in die fünfte Staffel starten können. Nach der Beziehung zwischen Castle und Beckett macht auch der fortlaufende Handlungsstrang einen großen Sprung nach Vorne. Die Folge ist witzig und spannend - und führt mit Jack Coleman als von seiner Aufgabe besessenen Politiker einen neuen großartigen Bösewicht ein. Das sind locker fünf von fünf Sternen. Und über Detailfehler wie eine Explosion, die derart viele nahezu unversehrte Papierschnipsel übrig lässt, hüllen wir den Mantel des Schweigens.

Trailer zu Folge 5x02 „Cloudy with a Chance of Murder“

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 25. September 2012
Episode
Staffel 5, Episode 1
(Castle 5x01)
Deutscher Titel der Episode
Nach dem Sturm
Titel der Episode im Original
After The Storm
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 24. September 2012 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 1. Februar 2013
Autor
David Amann
Regisseur
Rob Bowman

Schauspieler in der Episode Castle 5x01

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