Burn Notice 7x11

So kurz vor dem Serienfinale erreicht Burn Notice wirklich einen Höhepunkt. Tipping Point ist eine der besten Episoden der USA Network-Produktion. Man kann deutlich sehen, wie die Autoren keine Abstriche mehr machen müssen, um einen Cliffhanger zu haben oder aber die übliche Ausgangsposition für eine neue Staffel zu kreieren.
Sie konzentrieren sich nur darauf die Michael-Westen-Geschichte ehrlich und tiefgreifend emotional zu erzählen. Und es funktioniert! Viel dazu trägt die grandiose Darstellung von Jeffrey Donovan bei, der Michaels innere Zerrissenheit ans Tageslicht fördert und mit einer Wucht, die an seine Rolle in der kurzlebigen USA Network-Serie Touching Evil erinnert.
Michaels Reise naht einem Endpunkt und wie dieser ausfallen wird, kann im Moment keiner sagen, aber Michael scheint müde zu sein. Müde, um weiter diesen inneren Krieg zu führen zwischen dem, was er glaubt zu machen und dem tatsächlichen Ergebnis. Die Hass-Liebe-Beziehung zu der CIA war von Anfang an ein Thema in Burn Notice, aber noch nie so ausgeprägt, wie hier.
Der geniale Schachzug der Autoren besteht darin, Simon (Garret Dillahunt) zurück ins Spiel zu bringen. Simon, der Mann, für dessen monströse Verbrechen Michael „geburnt“ wurde. Simon, der Mann, in den sich Michael nie verwandeln wollte und Panik davor hatte, dass es doch passieren wird. Im Grunde trifft er hier auf die schlimmste Version seiner Selbst und zerbricht daran. Michael tötet zwar Simon nach einem faszinierenden Zweikampf, aber mit Simon stirbt auch etwas in Michael.
Wenn die CIA bereit ist, einem Simon freie Hand zu geben, ihn in den eigenen Dienst zu befördern, dann verflüchtigen sich plötzlich auch die letzten Illusionen, dass es möglich ist für das ultimative Gute zu kämpfen. Dieses Gute gibt es nicht. Es ist nur eine Frage der Deutung, der Interpretation, des Blickwinkels.
Als die CIA Simon und sein Team schickt, um James (John Pyper-Ferguson), Michael, Sonya (Alona Tal) und James' Leuten eine Falle zu stellen und zu überwältigen, sieht Michael eine andere Differenz zwischen der CIA und James. Für James zählt jeder seiner Leute, während für die CIA die Beteiligten keinen Wert besitzen. Sie sind nur ersetzbare Schachfiguren oder wie Simon es sagt „weapons“, die beliebig eingesetzt werden.
Michael könnte James und Sonya in die Hände der CIA schicken, aber er macht es nicht. Er hilft den beiden. Es scheint so, als hätten Sonya und James tatsächlich den Weg in Michaels Herz gefunden. Als James denkt, dass Sonya ihn verraten hat und dabei ist ihr eine Kugel zu verpassen, erträgt es Michael nicht mehr und erzählt die ganze Wahrheit. Natürlich will er Sonya retten. Aber es ist nicht nur das.
Michael will nicht mehr, kann nicht mehr. Die Last auf seinen Schultern ist einfach zu schwer geworden. Man könnte nach seinem Geständnis sehen, wie ihn plötzlich eine nie da gewesene Leichtigkeit überkommt. Michael schließt in diesem Sinne seinen Frieden mit der Welt, bevor er sie verlässt, denn er weiß, dass James ihn töten wird.
Nach so vielen Rückschlägen und Kämpfen ist Michael immer wieder auf die Beine gekommen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man einfach liegen bleibt und nicht mehr aufstehen mag. Aber James tötet Michael nicht. Auf der einen Seite hat er Michael auch ins Herz geschlossen und auf der anderen wurmt ihn die Tatsache, dass Michael letztendlich treu blieb und ihn und Sonya aus der Falle herausholte. Im Moment kann man nicht wirklich sagen, was demnächst passieren wird und wie Michaels Reise endet. Und das ist gut so!
Verfasser: Mariano Glas am Samstag, 24. August 2013(Burn Notice 7x11)
Schauspieler in der Episode Burn Notice 7x11
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