Burn Notice 3x16

In das heutige Review lasse ich noch ein paar Aussagen des Burn Notice-Schöpfers Matt Nix über die vierte Staffel einfließen, die aus einem Interview mit dem NJ Star Ledger-Kritiker Alan Sepinwall stammen. Aus diesem Grund und weil hier der Cliffhanger des Finales erwähnt wird, ist höchste Spoiler-Warnung angesagt.
Während Burn Notice in Staffel zwei mit nur zwei bedeutenden Antagonisten aufwarten konnte, waren es in der gerade beendeten dritten Staffel einige: Angefangen mit The Management, dann Strickler (Ben Shenkman), Gilroy (Chris Vance) und am Ende Simon (Garret Dillahunt). (Paxson wird absichtlich nicht erwähnt, da ihre Präsenz kaum Auswirkungen auf irgendwas hatte, bis auf dass sie den Burn Notice-Fans den letzten Nerv raubte.) Die Reihenfolge ist insoweit interessant, als der erste und der letzte die entscheidenden Rollen zu spielen scheinen und die beiden in der Mitte schon das Zeitliche gesegnet haben. Im Nachhinein könnte man durchaus behaupten, dass die dritte Staffel eine ziemlich intensive war: vollgestopft mit persönlichen Konflikten und Wendungen; und manche unserer Hauptfiguren, wie zum Beispiel Michaels Mutter Madeline (Sharon Gless), durchliefen eine bedeutende Entwicklung. Andererseits...
Die gemischten Gefühle bei der Betrachtung, vorausgesetzt man verfolgt Burn Notice Woche für Woche, entstehen durch die berüchtigte Unterbrechung, die der Kabelsender USA der Serie in den Weg stellt. Abgesehen von etlichen strategisch-ökonomischen und programmplanerischen Gründen hat meiner Meinung nach diese Unterbrechung der dritten Burn Notice-Staffel nicht gut getan. Hätte man die Episoden hintereinander ausgestrahlt, wäre die Intensität der Handlung definitiv besser zu spüren gewesen, genauso wie in diesem Finale, Devil You Know.
Zur Erinnerung: Am Ende der zweiten Staffel sprang Michael (Jeffrey Donovan) aus dem Hubschrauber und sagte sich von The Management los. Allerdings: ein freier Fall sieht zunächst anders aus. Anstatt dass Michaels alte Freunde und Feinde ihn aufsuchen, konnte er teilweise ungestört seinem Robin Hood-Werk nachgehen. Darunter waren sehr gelungene Stand Alone-Episoden, in welchen vor allem Michael und Sam (Bruce Campbell) in ihren Undercover-Rollen glänzten.
Man muss den Autoren ein Kompliment dafür aussprechen, wie sie nach der Ruhepause geschickt vom übergreifenden Handlungsstrang mit Michaels „burn notice“ am Anfang der Staffel nach und nach das Tempo anzogen, um mit Fi (Gabrielle Anwar) in Lebensgefahr und Michael, der ihretwegen Strickler „in cold blood“ beseitigt, einen vorübergehenden Höhepunkt zu kreieren. Ich kann die Entscheidung von Matt Nix & Co. definitiv nachvollziehen, obwohl ich mir anfangs gewünscht hätte, dass man keine Bösewicht-aus-Michaels-Vergangenheit-der-Woche-Formel anwenden würde - um eine übergreifend repetitive Struktur innerhalb der ohnehin schon repetitiven Strukturen der einzelnen Episoden zu vermeiden.
Trotzdem hat es eine Weile gedauert, bis die Serie Kurs auf das Finale nahm und wir herausfanden, was hinter der ganzen Gilroy-Geschichte steckte. Als man langsam den Eindruck bekam, dass die Serie etwas kopflos verlief und eine Antwort vor sich her schob, machte es „Boom!“ und Gilroy wurde von dem neu die Bühne betretenden Simon erledigt. Nun, in Devil You Know werden die Spekulationen um Simons Figur beendet und wir erfahren endlich, was es mit der „burn notice“ auf sich hat. Endlich! Die Erklärung lautet: Michael ist Simon und Simon ist Michael. Die Gräueltaten, die damals in Michaels Dossier auftauchten und derentwegen er anscheinend „geburnt“ wurde, gehören Simon - und der will seinen Lebenslauf wieder haben. Und wir dachten, Gilroy sei ein Psychopath!
Der Kreis, den die Burn Notice-Autoren gezeichnet haben, vollendet sich mit Simons Schrei Richtung Michael: „I want my life back!“ Mit demselben Wortlaut wandte sich in der letzten Season Michael an The Management (John Mahoney). Die Ironie liegt darin, dass Simon sozusagen Michaels neuer Kunde ist und wünscht, dass Michael ein Treffen mit The Management organisiert. Und während Michael dabei ist, innerhalb von 10 Minuten zu seiner Wohnung zu schwimmen (die vom FBI überwacht wird), über das Dach hinein zu gelangen, The Management zu kontaktieren und wieder zu Simon zurückzuschwimmen, kümmern sich Fi und Sam um eine Bombe, die Simon als Druckmittel in einem Miami-Hotel platziert hat. Diese kleine Nebenhandlung mit dem Entschärfen der Bombe bietet einen der besten Hyundai-Werbespots ever - Sam: „This baby did good!“
Es erweist sich, dass Simon, was die Pläne bzw. die Arbeit von The Management betrifft, eine Art Vorgänger von Michael war und irgendwie in einem Hochsicherheitsgefängnis landete. Erwartet Michael dasselbe Schicksal? Als Michael am Ende von The Management mit den Worten „big future for you“ davon abgehalten wird, Simon in den Kopf zu schießen, fragt man sich, was wohl diese Zukunft sein mag? Und warum das breite Grinsen in Simons Gesicht und das hämische Gelächter? Übrigens grandiose Leistung von Garret Dillahunt und ein sehr gelungenes Zusammenspiel mit Jeffrey Donovan. Ich hoffe, dass wir in der kommenden Staffel noch einige Szenen mit den beiden werden genießen dürfen. In diesem Finale erleben wir auch die Krönung der sich durch die ganze Staffel ziehenden Mutter-Sohn-Beziehung: Sharon Gless' Leistung in den Szenen mit dem FBI verdient Applaus!
Am Ende verlassen wir Michael, der... in einem Hochsicherheitsgefängnis landet, das ein sehr gemütliches Wohnzimmer mit einer kleinen Bibliothek besitzt!
Was erwartet uns in der vierten Staffel? Die Erkenntnis, dass Michael nicht der einzige auf Simons Wer-macht-mit-Liste in Miami ist und seine Freunde bald mehr Präsenz zeigen, als es einem lieb ist. Michael wiederum, der, laut Matt Nix, eine ganz neue Beziehung zu den Leuten, die ihn „geburnt“ haben, unterhalten wird, bekommt auch einen neuen Freund, mit dem aber die Arbeit nicht ganz einfach ist.
Dafür ist meine einfach: Vor dem Start von Staffel vier die dritte am Stück sehen!
Verfasser: Vladislav Tinchev am Sonntag, 7. März 2010(Burn Notice 3x16)
Schauspieler in der Episode Burn Notice 3x16
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?