Brooklyn Nine-Nine 4x22

Brooklyn Nine-Nine 4x22

Was kann man über eine Serie sagen, die einfach nicht schlechter, nein, sondern sogar von Staffel zu Staffel immer besser wird? Brooklyn Nine-Nine vollführt dieses Kunststück Jahr für Jahr und ist eine der besten Comedyserien im US-amerikanischen Networkfernsehen. Die Gründe dafür sind zahlreich.

„Brooklyn Nine-Nine“ / (c) FOX
„Brooklyn Nine-Nine“ / (c) FOX
© ??Brooklyn Nine-Nine“ / (c) FOX

Wir versnobten Serienjunkies hauen ja gerne mal kräftig auf das schnöde, oftmals einfallslose Networkfernsehen in den USA drauf. Die Upfronts 2017 haben erst wieder gezeigt, dass uns in naher Zukunft so einige Rohrkrepierer bevorstehen, so zumindest der erste Eindruck von den neuen Drama- und Comedyformaten, die uns kürzlich von NBC, ABC, CBS, FOX und The CW vorgestellt wurden.

Aber es ist auch nicht alles schlecht bei den großen Fünf, zu denen ich der Einfachheit halber das „kleine“ „The CW“ jetzt einfach mal dazuzähle. Vor allem im Comedysektor lassen sich immer wieder kleine, unerwartete Perlen finden sowie eine Hand voll etablierter Serien, die sich konstant auf einem hohen Niveau bewegen.

Seit Jahren hält zum Beispiel die hervorragende Workplace-Comedy Brooklyn Nine-Nine die Fahne hoch, welche im Networkfernsehen zuletzt auf einen vergleichbaren Qualitätslevel wie den von modernen Klassikern à la 30 Rock oder Parks and Recreation getragen wurde. Es ist fast schon ein kleines Phänomen: „Brooklyn Nine-Nine“ baut einfach nicht ab. Die oft schrägen, urkomischen Geschichten um Detective Jake Peralta (Andy Samberg) und seine New Yorker Polizeikollegen sind aber nicht nur konstant gut, sie werden von Staffel zu Staffel auch noch besser. Wie kommt das?

Einen großen Anteil an dem beständigen Erfolg der Serie, der von FOX in der aktuellen TV-Saison ein Wechsel des Programmplatzes von Sonntag auf Dienstag zugetraut wurde, hat ohne Frage die extrem talentierte Besetzung. Die einzelnen Castmitglieder sind durch die Bank nicht nur komödiantisch hochbegabt - in vier Staffeln „Brooklyn Nine-Nine“ hat sich mittlerweile auch eine fantastische Dynamik unter allen Beteiligten entwickelt, die die „Nine-Nine“-Belegschaft oft wie eine bunt gemischte Chaosfamilie erscheinen lässt, in der jeder mit jedem harmoniert und jede Charakterkombination ihren eigenen, speziellen Charme hat.

Andy Samberg ist in seiner Rolle als kindlicher Quatschkopfermittler Jake nach wie vor die hyperaktive Klebemasse, die das Ensemble zusammenhält und die verschiedenen Figuren verbindet. Die exzellente vierte Staffel der Comedy hatte jedoch gezeigt, dass das Kreativteam um die beiden Serienmacher Dan Goor und Michael Schur bereit ist, neue Wege einzuschlagen und das Format ständig zu verändern. Dabei geht man natürlich einige Risiken ein, was sich jedoch auszahlt. Vermeintliche Nebencharaktere, die in früheren Folgen eher ein Sidekick von Hauptfigur Jake waren, rücken vermehrt ins Rampenlicht und tragen mitunter die Haupthandlung, während Samberg in eine Nebenrolle schlüpft.

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Ein Beispiel: Die sehenswerte, aufwühlende Episode Moo Moo, in der Terry (Terry Crews) aufgrund seiner Hautfarbe von einem Polizisten vorverurteilt wird und etwas gegen diese Ungerechtigkeit unternehmen will. Dabei zeigt diese spezielle Episode aber nicht nur, dass mittlerweile jeder Charakter der Serie eine Erzählung tragen kann, egal, wie amüsant, ernsthaft und relevant diese auch sein mag.

Es zeigt auch, dass der federführende Showrunner Dan Goor und sein Autorenteam nicht davor zurückschrecken, sich ernsten, mitunter unbequemen Themen zu widmen. Dabei vergessen die Verantwortlichen aber nie, dass „Brooklyn Nine-Nine“ eine bisweilen extrem alberne Comedy ist. Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Spagat irgendwie gelingt.

In den 90 Episoden, die Brooklyn Nine-Nine bisher umfasst, sind mir die einzelnen Charaktere ungemein ans Herz gewachsen. Was anfangs relativ einfache Stereotypen waren, sind nun Figuren mit Ecken und Kanten, deren Interaktion teilweise zum Schreien komisch ist und mir immer wieder ein heftiges Lachen abverlangt. Aber so wunderbar die komödiantischen Aspekte dieser Serie sind, die gelegentlich einer absurden Sketchshow gleicht, in der jeder Gag sitzt, so sehr mag ich auch einfach nur die verschiedenen Charaktere, ihre Eigenarten, Besonderheiten und Macken. Kleine Einblicke in deren Leben abseits ihres Berufes geben ihnen ein tieferes Profil, die Figurenzeichnung ist in der Folge für eine Networkcomedy erstaunlich komplex und wird smart in den nächsten Witz eingewoben.

Als Favorit der Massen dürfte sich längst André Braugher herauskristallisiert haben, der als humorbefreiter Captain Ray „Hot Damn!“ Holt eine Szene nach der anderen stiehlt. Dabei reicht es manchmal sogar schon, wenn er irgendetwas, egal was, mit seiner tiefen Stimme und seinem emotionslosen Duktus von sich gibt. Holts trockene Art in Kombination mit Jakes Begeisterung für seinen Chef ist nach wie vor pures Comedygold, aber, wie bereits erwähnt, hängt bei weitem nicht mehr so viel an diesem zuvor eher exklusiven Pärchen wie noch in vorangegangen Staffeln. Wohl dem Showrunner, der eine so sich offensichtlich im perfekten Einklang befindende Darstellerriege zur Verfügung hat.

Was mich persönlich im Zuge der vierten Staffel von „Brooklyn Nine-Nine“ sehr überrascht hat, sind die kreativen Einfälle der Autoren und eine ordentliche Portion Mut, die Handlung teilweise recht „dramatisch“ zu gestalten. Auch dies ist ein Grund, warum die Comedy seine bisher beste Staffel hinter sich hat. Es sind nicht nur die stets fantastischen Openings, die hohe Gagdichte, die absurden Abenteuer und die herrlichen Darbietungen des Casts (ein Ehrenpreis für Dirk Blocker und Joel McKinnon Miller aka Hitchcock und Scully, bitte). Goor und sein Team setzen sich im Laufe der vierten Staffel gleich mit mehreren großen Veränderungen für die Charaktere auseinander, von denen eine einzige in anderen Serien gerne mal eine komplette Staffelhandlung ausfüllt.

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Es beginnt mit der Auflösung des Cliffhangers der dritten Staffel von Brooklyn Nine-Nine, als Jake und Holt ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen wurden. Es folgt die Versetzung des kompletten Teams in die Nachtschicht sowie die drohende Auflösung der gesamten „Nine-Nine“-Wache. Zu Beginn gibt es auch noch einen neuen Captain, herrlich naiv von Ken Marino zum Besten gegeben. Und zwischendurch, als die Comedy Anfang des Jahres in eine längere Pause ging (übrigens mit unschönen Folgen für die Einschaltquoten), wurde Gina (Chelsea Peretti) auch noch von einem Bus erfasst.

Abgeschlossen wurde die Staffel nun mit einem weiteren Cliffhanger, nachdem das Team es nicht fertiggebracht hat, eine korrupte Polizistin zu überführen und Jake und Rosa (Stephanie Beatriz) nun allem Anschein nach ins Gefängnis einwandern, wurde ihnen doch die Schuld für ein paar Banküberfälle in die Schuhe geschoben. Diese Fülle an verschiedenen Storylines ist bemerkenswert und eine jede dieser Geschichten trägt dazu bei, dass „Brooklyn Nine-Nine“ nicht nur extrem abwechslungsreich ist, sondern bisweilen sogar größere Einsätze hat als so manche Dramaserie.

Und trotz dieser mitunter riesigen Bedrohungen, die das Team auseinanderreißen könnten, finden die Macher immer wieder zum speziellen Charme und großartigen Humor der Serie zurück, egal, wie brenzlig die Lage auch ist. Man kann einiges in die konstante Exzellenz dieser Serie hineininterpretieren, Fakt ist aber auch, dass das Format nach wie vor unfassbar witzig und unglaublich bescheuert ist - im positiven Sinne.

Und so ist neben der tollen Darstellerriege und den kreativen Wagnissen, die Dan Goor und Co eingegangen sind, ein weiterer Grund für die hohe Qualität von Brooklyn Nine-Nine, dass die Serie dank starker Drehbücher und vielseitiger Charaktere beständig grandiose Lacher garantiert. Eben genau das, was man von einer Comedy erwartet. Nur, dass „Brooklyn Nine-Nine“ noch ein bisschen was extra draufpackt, sich weiterentwickelt und stets neue Dinge ausprobiert, wie eben zum Beispiel, vermeintlichen Nebenfiguren mehr zu tun zu geben. Das macht am Ende den Unterschied aus und die Comedyserie zu einer der besten ihrer Zunft.

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 1. Juni 2017
Episode
Staffel 4, Episode 22
(Brooklyn Nine-Nine 4x22)
Deutscher Titel der Episode
Wir sind zinkenlos
Titel der Episode im Original
Crime and Punishment
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 23. Mai 2017 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 16. August 2017
Autoren
Justin Noble, Jessica Polonsky
Regisseur
Daniel J. Goor

Schauspieler in der Episode Brooklyn Nine-Nine 4x22

Darsteller
Rolle
Stephanie Beatriz
Terry Crews
Joe Lo Truglio
Dirk Blocker
Joel McKinnon Miller

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