BrainDead 1x01

BrainDead 1x01

Sind alle US-Politiker hirnlose Marionetten? Die neue US-Sommerserie BrainDead von den The Good Wife-Machern vertritt diese steile These, liefert aber auch einen passenden erzählerischen Grund dafür.

„BrainDead“ / (c) CBS
„BrainDead“ / (c) CBS

Nach dem Ende von The Good Wife hat es nicht lange gedauert, bis Robert und Michelle King ihr nächstes Serienprojekt bei CBS untergebracht haben. Dieses trägt den Titel BrainDead - nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Film - und vermischt Monster/Alien-Serie und Politik-Dramedy. Auf den ersten Blick mag das wie eine komische Mischung klingen und ist es auf den zweiten immer noch. Der Titel der Auftaktfolge lautet The Insanity Principle: How Extremism in Politics is Threatening Democracy in the 21st Century und auch die folgenden Episoden schmücken sich durch ellenlange Folgennamen, die hier bei SERIENJUNKIES.DE® nicht einmal in die Headline-Zeile passen würden.

Doch mit welcher Art Serie haben wir es überhaupt zu tun?

Shutdown - Essential Personnel Only

Im Zentrum steht Laurel (Mary Elizabeth Winstead), eine Politikertochter, die Schulden aus dem Studium hat und sich aktuell als Dokufilmemacherin versucht. Dabei kommen Filme mit Titeln wie „Vanishing Voices - Songs of the Melanesian Choir“ heraus. Die Finanzierung für ihr nächstes Projekt - immerhin 200.000 Dollar - bricht ihr unerwartet weg und die Schulden erdrücken sie. Da kommt das Angebot von ihrem Vater in Washington, D.C. zu arbeiten gerade recht: Er verspricht die Übernahme ihrer ausstehenden Zahlungen. Nach zähen Verhandlungen stimmt sie zu und arbeitet unter ihrem Bruder Luke (Daniel Pino), wobei sie sich um das Elektorat und dessen Probleme kümmert. Dazu gehören Gesundheitsprobleme, Ärger mit der Social Security oder Menschen, die den Politikern extravagante Kunstgeschenke machen möchten.

Laurel gerät außerdem mitten in die politischen Grabenkämpfe, denn Demokraten und Republikaner können sich nicht auf den Haushalt einigen und es droht der Shutdown, wie er 2013 tatsächlich zuletzt eingetreten ist. Der Politikerstreit bedeutet gleichzeitig auch, dass 600.000 Menschen, die für die Regierung beziehungsweise die Administration arbeiten, plötzlich ohne Beschäftigung dastehen. Denn bei einem solchen Vorfall werden nur die wenigsten Mitarbeiter weiterbeschäftigt.

Der Zeitpunkt könnte besser sein: In Russland ist ein Meteorit auf die Erde geprallt, der die Forscher vor ein Rätsel stellt. Das Geld ist knapp und gespart wird an allen Enden. Dennoch kommt das gute Stück in die USA, gerade rechtzeitig um vom Einfrieren des Haushalts erfasst und unbeobachtet stehen gelassen zu werden. Schon bald entflüchten dem Artefakt aus dem All kleine Krabbelwesen, die Besitz von einigen Menschen ergreifen und diese hirnlos - braindead - agieren lassen.

Laurel erfährt dies von einer besorgten Bürgerin, deren Ehemann sich von einem Tag auf den anderen verändert hat und nimmt die Untersuchungen auf. Sie scheint eine heiße Spur zu haben, es wirkt allerdings so, als würde niemand sie ernst nehmen. Einzig der politische Rivale Gareth (Aaron Tveit), der für Senator Wheatus (Tony Shalhoub) arbeitet, hört ihr zu. Denn er ist eine gute Partie, die den Streit zwischen Demokraten und Republikanern für eine gute Tat zugunsten von Menschen mit Autismus nutzen will. Im Laufe des Piloten merkt Laurel, dass immer mehr Menschen in ihrer Umgebung sich komisch benehmen, kann aber (noch) nicht nachvollziehen, warum das so ist.

Szenenfoto aus %26bdquo;BrainDead%26ldquo; © CBS
Szenenfoto aus %26bdquo;BrainDead%26ldquo; © CBS

Bipartisanship is dead

Szenenfoto aus %26bdquo;BrainDead%26ldquo; © CBS
Szenenfoto aus %26bdquo;BrainDead%26ldquo; © CBS

Die Kings haben bei The Good Wife bewiesen, dass ihnen politische Themen und die feine Satire auf den alltäglichen rechtlichen und bürokratischen Wahnsinn liegen. Das sieht man auch in Ansätzen wieder bei BrainDead, wo direkt in den ersten Bildern reale Politikerstatements (Trump und Clinton) und Dash-Cam-Aufnahmen in die Erzählung eingewoben werden. Dazu wird der schwer in Mode gekommene 24-Stunden-Newskreislauf amerikanischer Kabelsender (FOX News, MSNBC, CNN) treffend mit eigenen Persönlichkeiten, etwa einem Rachel-Maddow-Klon zum Ende der Episode aufs Korn genommen.

Die Handlungsunfähigkeit und das Katz-und-Maus-Spiel in Washington, D.C. wird ebenfalls durch unkooperative, sture und medien- sowie Ruf-fixierte Politiker gnadenlos persifliert. Zwischendrin befinden sich ein paar Idealisten, wie Laurel und Gareth, die für noble Ziele kämpfen oder arbeiten - ob nun für die kranke Schwester oder Nischenfilme mit Gutmenschenattitüde. Und ein paar Extrembeispiele, wie Wheatus, der nicht als funktionierender Politiker, sondern eher als Schnapsleiche dargestellt wird. Das alles ist in hohem Maße überspitzt und teilweise wahrscheinlich zu weit ins Extreme gezogen. Aber mit dem ersten Moment und dem übernatürlichen Element durch die Aliens sollte jedem Zuschauer klar werden, dass hier Realismus eine nebengeordnete Rolle spielt.

Der politische Schach, der zwischen den Figuren in The Good Wife gespielt wurde, war allerdings dann am kraftvollsten und effektivsten, wenn er in den Zwischentönen oder ganz fein im Subtext vorgetragen wurde. Daran haben die Serienmacher in dieser Sommerserie nur begrenztes Interesse und schießen mit Kanonen auf Spatzen, was aber an vielen Stellen auch gut unterhält.

Bekannte Handschrift

Die Handschrift der Kings scheint an vielen Stellen durch. Das Schauspiel von Mary Elizabeth Winstead wirkt so wie das einer Figur, die auch aus der Anwaltsserie stammen könnte, Zach Grenier (aka David Lee aus „Good Wife“) wurde direkt in die neue Serie importiert, darf diesmal jedoch einen etwas größeren Sympathieträger spielen und auch die musikalische Untermalung und der Score sind im Stil eindeutig den Kings zuzuordnen. Auch die Art und Weise, wie im Serienpiloten eine Untersuchung - hier der Fall um die Containerladung und das Schiffmanifest- dargestellt wird, hat man vom funktionierenden Vorbild geliehen. Prinzipiell ist das gar nichts Schlechtes, im Gegenteil sogar, es ist als langjähriger Zuschauer nur etwas, das sofort auffällt.

Winstead („10 Cloverfield Lane“, „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“) macht ihre Rolle gut und der Rezensent ist ohnehin ein reger Verfolger ihrer Projekte. Ihre sehr lebendigen und großen Augen passen perfekt in eine Serie, bei der Blicke manchmal mehr als tausend Worte sagen können. Mir stellt sich nur die Frage, wie sehr die Macher in den Slapstick abdriften wollen und wie sie die Balance zwischen Politik- und Alienplot halten.

Die Metapher, dass Politiker nur Marionetten oder Spielbälle anderer Mächte sind, droht nämlich schon im Auftakt ein wenig zu offensichtlich zu sein. Vielleicht denkt sich das Network CBS aber auch, dass man im Sommerprogramm eine etwas plakativere Botschaft als sonst üblich verbreiten muss.

Szenenfoto aus %26bdquo;BrainDead%26ldquo; © CBS
Szenenfoto aus %26bdquo;BrainDead%26ldquo; © CBS

Überrascht hat mich die Szene, in der Senator Wheaton von den außerirdischen (?) Wesen übernommen wird und ein Teil seines Gehirns aus seinem Ohr quillt. Zwar legt es der Titel nahe, dass es um Parasiten/Aliens/Zombies geht, dennoch hatte das eine eklige Intensität, die mich kalt erwischt hat. Was genau der veränderte Poltiker nun bewirken wird, könnte noch spannend sein. Immerhin hat er sich die Mehrheit erhandelt und nun das Sagen. Shalhoub und der Rest des Casts wirken ebenfalls gut ausgewählt und niemand fällt negativ auf.

Fazit

Warum ist mir gerade so nach „You Might Think“ von „The Cars“? Die Episode The Insanity Principle: How Extremism in Politics is Threatening Democracy in the 21st Century ist ein unterhaltsamer Einstieg in die Welt von BrainDead, der manchmal vielleicht noch etwas subtiler im Aufbau hätte sein können.

Die Programmfarbe der politischen Comedy ist abseits von Veep und wenigen anderen Ausnahmen aber sehr selten. Die Kings habe ich bisher als fähige Serienmacher kennengelernt, die zwar einige Motive ihrer bisherigen Arbeit wieder zum Einsatz bringen, aber sich auch vieler neuer Elemente bedienen und mit dem übernatürlichen Twist etwas genuin Neues liefern, das ich mir im lauen Sommer gerne weiter anschauen werde.

Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 14. Juni 2016

BrainDead 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(BrainDead 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Explodierende Schädel
Titel der Episode im Original
The Insanity Principle: How Extremism in Politics is Threatening Democracy in the 21st Century
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 13. Juni 2016 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 26. April 2021
Autoren
Robert King, Michelle King
Regisseur
Robert King

Schauspieler in der Episode BrainDead 1x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?